Ökosystem Wald

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Ein Wald ist ein vielfältiges, in "Stockwerken" gegliedertes Ökosystem. Vorwiegende Kennzeichen eines Waldes sind die reichen Holzbestände. Direkt ins Auge fallen die Bäume, welche maßgeblich an dem Aufbau und den Stoffkreisläufen im Wald beteiligt sind. Es gibt verschiedene Waldtypen mit den unterschiedlichsten Vegetationen und Tierarten. Das Klima prägt einen Wald am meisten. So sind tropische Regenwälder teilweise sehr dicht und immer sehr artenreich bewachsen. Sie wachsen das ganze Jahr hindurch gleichmäßig, während gemäßigte Wälder sich den unterschiedlichen Klimabedingungen anpassen müssen und im Winter die winterkahlen Bäume das Wachstum einstellen. Einen Wald, der wirtschaftlich genutzt wird, bezeichnet man als Forst.

Dieser Artikel beschreibt gemäßigte und kaltgemäßigte Wälder der nördlichen Hemisphäre, also Wälder nördlich des Wendekreises des Krebses (Nordwendekreis).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Koniferen-Monokultur
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Koniferen-Monokultur

Aufbau des Waldes

Der Wald ist mehr oder weniger in so genannte Stockwerke gegliedert. Diese Stockwerke sind meistens deutlich zu sehen. Von unten nach oben gibt es folgende Stockwerke:

  • Als erstes kommen die unter der Erde gelegenen Wurzeln. Sie reichen je nach Pflanze wenige Zentimeter bis mehrere Meter in die Tiefe und bilden das Wurzelstockwerk.
  • Anschließend folgt die direkt auf dem Waldboden gelegene Moosschicht, welche je nach Waldart mit Falllaub, Nadeln, Gräsern oder Moos bedeckt ist.
  • Danach kommt die etwa einen halben bis knapp über einen Meter hohe Farnschicht, gebildet aus Farnen, Gräsern und kleinen Bäumchen.
  • Die Farnschicht wird gefolgt von der bis über 5 Meter hohen Strauchschicht, sie besteht aus Sträuchern wie Haselnuss und jungen Bäumen. In Wäldern mit einem geschlossenem Kronendach sind die Bäume zwischen den Kronen und dem oberen Ende der Strauchschicht häufig kahl oder haben dort abgestorbene Äste. In Hallenwäldern und dichten Fichtenmonokulturen kann es auch vorkommen, dass eine Strauchschicht fast gänzlich fehlt.
  • Über der Strauchschicht liegt die Baumschicht, zu der auch die Baumkronen zählen. Die Spitzen der Baumkronen haben in gemäßigten Wäldern zumeist eine Duchschnittshöhe um 20 Meter, manchmal auch über 30 Meter. In Nadelwäldern liegt die Durchschnittshöhe zumeist deutlich darüber, in den USA bis über 50 Meter durchschnittliche Höhe. Bäume, welche über die durchschnittliche Höhe der anderen Bäume hinauswachsen, nennt man Überständer. Je nach Literatur werden sie auch als eigene Waldschicht, die Schicht der überstehenden Bäume, angegeben.

Laub- und Laubmischwald

Die Laub- und Laubmischwälder sind so genannte sommergrüne Wälder, das heißt: Sie lassen im Winter ihre Blätter fallen, um sich vor Ausdunstung zu schützen. Unter den Nadelbäumen werfen nur die Lärchen im Winter die Nadeln ab, alle anderen tragen sie auch im Winter. Winterkahle Bäume stellen
Lärchenwald im Winter
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Lärchenwald im Winter
im Winter das Wachstum völlig ein. In Deutschland sind sommergrüne Laub- und Laubmischwälder die natürlichste Form der Wälder, lediglich im Süden, vor allem im Südosten, kamen ursprünglich natürliche Nadelwald-Monokulturen vor. In den Laub- und Laubmischwäldern wachsen vor allem Laubbäume wie Buchen, Birken, Ahorne, Ulmen, Eichen; nur vereinzelt kommen Nadelbäume wie Waldkiefern, Weißtannen oder Fichten vor.

Taiga, Lärchen- und Fichtenwälder

Die Taiga, auch Borealer Nadelwald genannt, ist eine einzigartige Waldart. Hauptsächlich wachsen in diesen Wäldern verschiedene Nadelbäume (Koniferen), wie zum Beispiel Fichten, Weißtannen und mancherorts auch Kiefern. Unter den wenigen Laubbäumen gibt es hier Birken. Die Taiga in Sibirien und Skandinavien ist der größte zusammenhängende Wald der Welt, insgesamt ziehen sich die borealen Nadelwälder um den gesamten nödlichen Teil der nördlichen Hemisphäre, unterbrochen werden die Taiga-Wälder nur durch die Meere.

Lärchen sind Nadelbäume, die im Winter ihr Laub, die Nadeln abwerfen. Zwischen Oktober und November färben diese sich rot-gelb und fallen anschließend ab, im April grünen die Lärchen wieder auf. Lärchen bilden oft natürliche Monokulturen und kommen vor allem in den Alpen vor. In Deutschland lag die Nordgrenze früher wahrscheinlich etwa auf der Höhe zwischen Zwickau und Bonn, vielleicht auch noch südlicher.

Fichten sind große, schnellwachsende Nadelbäume, welche ganzjährig Nadeln tragen. Sie bilden in den borealen Nadelwäldern auf natürliche Weise Monokulturen, in Deutschland sollten sie nur im Südosten vorkommen, und selbst dort kaum in Monokulturen. Wegen ihres schnellen Wachstums und ihre gute Bearbeitbarkeit wurde sie in ganz Deutschland angesiedelt. Sie widerstehen sehr viele unvorhergesehene, extreme klimatische Veränderungen, sind jedoch stark sturmgefährdet und reißen schnell um, wenn sie in reinen Monokulturen angepflanzt werden, wobei es zu einem Dominoefekt kommen kann, bei dem mehrere Bäume die vor ihnen wachsenden Bäume umstoßen. Fichten sind Flachwurzler und finden bei Sturm weniger Halt als die oft tief verwurzelten und meist hartholzigen Laubbäume.

Erlenbruch- und Auwald

Unter den Bäumen sind in einem Erlenbruchwald vor allem die Schwarzerle, auch Roterle genannt, vertreten. Der Boden in einem solchen Wald ist ständig feucht, meistens ganzjährig mit einem etwa halben Meter hohen Wasserstand und sumpfigem Boden. Unterbrochen wird der Wasserstand regelmäßig von kleinen "Inseln" aus Moospolstern oder Steinhaufen. Dicke Moosschichten bedecken abgestorbene Bäume. Das Unterholz ist sehr dicht von Weiden, Schwarzen Johannesbeeren, sowie Wurmfarnen bewachsen und an den Bäumen rankt sich Hopfen in Richtung Sonnenlicht.

Die Auwälder begleiten Wasserläufe wie Bäche und Flüsse in Ufernähe. Dort wachsende Pflanzen müssen gelegentliche Überflutungen aushalten können. Hierzu gehören besonders Silberweiden.

Riesenmammutbäume im Yosemite Nationalpark
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Riesenmammutbäume im Yosemite Nationalpark

Mammutbaumwälder

Es gibt drei Arten der Mammutbäume (Sequoioideae). Der Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) ist mit bis zu geschätzten 2.000 Tonnen (inklusive Wurzelwerk) der größte von ihnen. Im kalifornischen Sequoia-Nationalpark, welcher nach den Mammutbäumen benannt ist, steht der "General Sherman". Dies ist ein über 80 Meter hoher und im Umfang knapp 31 Meter großer Riesenmammutbaum, durch den man einen Tunnel für Autos gebaut hat. Der Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) erreicht Höhen von bis zu 110 Meter. Der Hyperion im Redwood-Nationalpark ist ein Küstenmammutbaum mit einer Höhe von über 115 Metern - damit ist er derzeit der höchste Baum der Welt. Beide Arten sind in Nordamerika verbreitet und bilden zumeist dichte Kronendächer. Sie lassen nur wenig Sonnenlicht auf den Boden, sodass dort nur wenige andere Pflanzen grünen. Aber auch lichte Mammutbaumwälder sind nicht selten, in ihnen wachsen auch kleinere Laubbäume. Riesenmammutbäume können über 2.000 Jahre alt werden, Küstenmammutbäume auch über 1.000 Jahre.

Der bis zu 50 Meter hohe Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) ist im gemäßigten Ostasien verbreitet, genauer gesagt, sind es wenige Restvorkommen in Zentral- und Südchina. Er bildet lichte Wälder in Gebirgslagen (um 1.000 Meter über dem Meeresspiegel) mit gut wasserdurchlässigen Böden. Alle Mammutbäume, auch die nordamerikanischen, sind Flachwurzler mit extrem ausgedehnten Tellerwurzelwerken.

Gemäßigte Regenwälder

Als Regenwald wird ein Wald mit mehr als 2.000 Millimetern Niederschlag im Jahr bezeichnet. Von tropischen Regenwäldern unterscheiden sich gemäßigte Regenwälder durch die geringeren Temperaturen, teilweise liegt im Winter sogar Schnee. Außerdem ist die Bodenzusammensetzung oft völlig anders und die fruchtbare Erdschicht reicht in vielen Wäldern sehr viel tiefer. Allerdings ist das Klima in der Regel sehr viel milder als in anderen Wäldern gleicher Breitengrade, weil die gemäßigten Regenwälder nur in Küstenregionen wachsen können -- um genau zu sein, auf Gebirgszügen entlang von Küsten. Landeinwärts wehende Winde führen feuchte Meeresluft mit sich, die sich an den aufsteigenden Gebirgen in Form von Regen "leerergießt"; dort wachsen dann die gemäßigten Regenwälder. Nur ganz wenige, wenn nicht nur ein einziger gemäßigter Regenwald im Mount-Revelstoke-Nationalpark, kommen im Binnenland vor. In diesem Mount-Revelstoke-Nationalpark liegt an dem großen Harrison Lake, einem Binnensee in den Rocky Mountains, ein vorwiegend von Nadelbäumen gebildeter, gemäßigter Regenwald. Sonst kommen gemäßigte Regenwälder zum Beispiel an der Westküste Nordamerikas (Vancouver Island, nordwestliche Küstengebiete Kaliforniens, ...), an der Pazifikküste Chiles, an den Küsten von Australiens Bundesstaat Victoria und Westtasmaniens und an vielen Küstengebieten Neuseelands vor. In Eurasien finden sich zum Beispiel in Skandinavien, Georgien und Osteuropa gemäßigte Regenwälder. Zu den Pflanzen, welche in diesen Regenwäldern vorkommen, zählen besonders Farne, Moose und unter den Bäumen in nordamerikanischen Regenwäldern Zypressen, Scheinzypressen, Fichten, Douglasien, Küstenmammutbäume und Ahorne, in Südamerika in Chile verschiedene Koniferen. In Australien und Neuseeland sind es meistens Eukalyptusbäume, Scheinbuchen, sowie Monimiengewächsen, welche den gemäßigten Regenwald prägen. In georgischen und osteuropäischen gemäßigten Regenwäldern wachsen sehr oft Wallnussbäume und Ulmen und in Skandinavien Fichten.

Gemäßigter Regenwald im Olympic Nationalpark mit Ahornen
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Gemäßigter Regenwald im Olympic Nationalpark mit Ahornen

Pioniervegetation

Als Pioniervegetation bezeichnet man vorwaldähnliche Vegetation. Pflanzen der Pioniervegetation sind die ersten baum- und strauchartigen Pflanzen, die sich auf "zukünftigem Waldboden" ansiedeln; sie sind sozusagen die Gründer eines Waldes. Zu ihnen zählen vor allem die Birken; sie zählten nach der Eiszeit zu den ersten Bäume auf deutschem Boden. Auch die Hasel gehört zu den Pionierpflanzen. Auf die Pioniergewächse folgen Buchen, Eichen und Ahorne, sie verdrängen jene nach und nach. Die Pioniere erreichen ein wesentlich geringeres Alter, nämlich je nach Art zumeist maximal 120 Jahre, dagegen Buchen und andere bis über 500 Jahre.

Hallenwälder

Ein Hallenwald ist ein Waldaufbau, wie er bei uns in Deutschland oft bei Buchenmonokulturen zu beobachten ist. Die vor allem als Jungbaum schattenverträgliche Rotbuche (Fagus sylvatica) gehört zu den wenigen Bäumen, die von Natur aus Monokulturen, also Wälder mit nur einer Baumart, bilden können. Hallenwälder haben einen sehr einfachen Aufbau: In den unteren Stockwerken gedeihen keine oder kaum niedere Pflanzen. Dagegen wachsen Pilze, welche aber keine Pflanzen sind, in solchen Wäldern reichlich. Ein Hallenwald hat ein dicht geschlossenes Kronendach, wodurch nur sehr wenig Sonnenlicht auf den Boden gelangt, was das Leben unter den Kronen zu einer Existenz im Schatten nötigt. Hallenwälder sind also wie eine riesige Halle aufgebaut. In ihnen wachsen nur angepasste Kräuter, schattenverträgliche Sträucher sowie junge Buchen. Bei Buchen ist diese Wald-Wuchsform häufig zu sehen, weil Buchen in der Lage sind, andere, lichtbedürftigere Arten, zurückzudrängen. Wo einmal ein Mischwald mit Eichen gestanden hat, können sich auf den Lichtungen, die vor allem durch umgefallene Eichen oder Buchen gebildet werden, oft nur noch die jungen Buchen behaupten.

Im Frühling, also dann, wenn die Bäume noch kein Laub tragen und noch genügend Licht den Boden erreicht, sind in vielen mitteleuropäischen Hallenwäldern Frühlingsblüher (Geophyten) zu sehen, bekannt sind hierunter besonders die weißblütigen Buschwindröschen. Sie bedecken dann als grün-weißer Teppich den gesamten Boden und nutzen das Licht vollkommen aus. Sind die Bäume grün und haben ihr Kronendach geschlossen, ist es wieder dunkel im Wald und die Buschwindröschen sind bis zum nächsten Frühjahr komplett verschwunden; nur ihr weit erstreckte Wurzelwerk ist unter der Erde noch vorhanden.

Waldrand

Der Waldrand besteht aus dem Waldmantel und dem Waldsaum. Sie bilden in der Natur meistens den Übergang vom Wald zu einem Fluss, See, Feld oder zu einer Lichtung. Wegen der höheren Lichtausbeute ist hier das Wachstum der Pflanzen wesentlich stärker ausgeprägt. Hier wachsen oft auch "Wegblumen", also lichthungrige, typische Wegbegleiter, wie sie häufig an Weg- und Feldrändern zu finden sind. Dazu zählen zum Beispiel Löwenzahn und Co. Größere Pflanzen der Waldränder sind oft Holunder oder Haselnusssträucher. Zwischen den Büschen und dem Wald wachsen oft Birken oder kleinere Eichen.

Die Wurzeln dieses Ahorn, sowie das Falllaub auf dem Boden stellen einen Lebensraum für viele Tiere dar
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Die Wurzeln dieses Ahorn, sowie das Falllaub auf dem Boden stellen einen Lebensraum für viele Tiere dar

Lichtungen

Eine Lichtung ist ein größerer, freier und sonniger Platz inmitten eines Waldes. Hier ist der Boden meistens mit Wiesen aus verschiedenen Gräsern bewachsen, welche Bäume und Sträucher daran hindern, sich die Lichtung zu schnell zurückzuholen. Auf natürliche Weise entstehen Lichtungen zum Beispiel durch das Umfallen eines oder mehrerer großer Bäume, welche mächtige Lücken in das Kronendach reißen. Lichtungen sind beliebte Orte für futtersuchende Wildtiere, besonders Rot- und Damwild wird häufig auf mit Gras bewachsenen Lichtungen gesichtet. Nachtaktive Raubvögel wie Uhus erlegen auf Lichtungen häufig ihre Beute, vor allem Mäuse, aber auch kleine Rehkitze. Bis auf einer Lichtung wieder große Bäume gewachsen sein werden, dauert es zumeist mehrere Jahrzehnte.

Flach- und Tiefwurzler

Unter den Wurzeltypen der Bäume und anderer Pflanzen werden grundsätzlich zwei Arten der Wurzeln unterschieden: die flachwurzelnden Bäume und die tiefwurzelnden Bäume. Flachwurzler treiben ein dicht unter der Oberfläche ausladendes Wurzelwerk, das wie ein Teller rund um den Fuß des Baumes liegt und als Tellerwurzeln bezeichnet wird. Bäume mit solchen flachen Wurzeln sind unter anderen alle Fichten und Mammutbäume. Sie sind häufig gefährdet: Bei starkem Wind verlieren sie den Halt und drohen umzukippen, weil sie auf gewöhnlichem Waldboden keinen Halt finden. Auf Geröll und Felsen verankern sich die Wurzeln jedoch oft so, dass die Bäume auch bei starkem Wind stehen bleiben.

Tiefwurzler bilden tief in die Erde reichende, pfahlartig wachsende Wurzelwerke aus, die als Pfahlwurzeln bezeichnet werden. Sie brauchen tiefen Boden, da er auch in mehreren Metern Tiefe noch fruchtbar genug ist, um die Bäume ernähren zu können. Zu den tiefwurzelnden Bäumen gehören vor allem die Eichen, die Hainbuche und die Weißtanne.

Bodenbeschaffenheit

Im Gegensatz zu den tropischen Regenwäldern reichen in den gemäßigten Wäldern die Humusschichten, also die fruchtbare Erde, in der Regel weit in die Tiefe. Dies ist eine Folge des langsameren Stoffwechsels. In den Tropen wird die fruchtbare Erde schneller verbraucht und genauso schnell wieder hergestellt. In gemäßigten Wäldern sind auf dem Boden oft dicke Schichten aus Falllaub und Nadeln. Bei Nadelwäldern, sowie in Sümpfen und Bruchwäldern mit Erlenbestand ist der Boden oft sauer, in Laubwäldern oft mehr neutral bis alkalisch. Der Säuregrad wird auf einer Skala gemessen und PH-Wert genannt. Ein PH-Wert von 0 bis 6 ist sauer, 7 neutral und 8 bis 14 ist alkalisch. Wie, wo und was für Pflanzen wachsen hängt auch von dem Lehmgehalt des Bodens ab.

Borealer Nadelwald (Taiga)
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Borealer Nadelwald (Taiga)

Klima

Das Klima ist je nach Standort sehr unterschiedlich. In der Taiga sinken die Temperaturen im Winter bis auf unter minus 25 Grad Celsius, im Sommer steigen sie auf bis rund 20 Grad Celsius. Die Luftfeuchtigkeit beträgt dabei zwischen 30 und 60 Prozent, bei Regen und an einem Sommermorgen steigt die Luftfeuchte auf bis zu 100 Prozent. Oft bedeckt im Winter eine hohe Schneeschicht den Boden der Taigawälder. Das Klima der sommergrünen Laub- und Mischwälder ist wesentlich milder. Im Sommer liegen die Temperaturen zwischen 15 und über 35 Grad Celsius, die Luftfeuchte zwischen 40 und 80, unter den Baumkronen auch mehr Prozent. Im Winter sind Temperaturen von unter 10 Grad Celsius sehr selten, Schnee bedeckt nur geringfügig und oft nur über kurze Zeit den Wald. Das Klima der Mammutbaumwälder ähnelt dem unserer heimischen Wälder, wogegen es im Winter oft kälter wird. In Kalifornien liegen die Temperaturen im Winter durchschnittlich zwischen minus 5 und plus 10 Grad Celsius.

Verbreitung der gemäßigten Wälder

Die gemäßigten Wälder erstrecken sich über die gesamte nördliche Hemisphäre, genauer zwischen den Tundragebieten und dem Nordwendekreis. Sommergrüne Laub- und Laub-Mischwälder wachsen vorwiegend in Zentraleuropa, im Norden Portugals, Spaniens und Frankreichs, in Großbritannien, Südschweden, Nord- und Zentralitalien und ganz Osteuropa. In Zentralrussland vom Ural bis nach Zentralasien, sowie Nordost-China, Südost-Russland und Nord-Japan. Im Osten der USA und Südost-Kanada gibt es ebenfalls sommergrüne Laub- und Mischwälder. Mammutbaumwälder wachsen im Westen der USA, vor allem in Kalifornien und im Yosemite-Nationalpark, sowie im Yellowstonegebiet. Boreale Nadelwälder wachsen auf der gesamten nördlichen Erdhalbkugel, und zwar unterhalb der Tundragebiete. Sie bilden die größten zusammenhängenden Wälder der Erde und ziehen sich von den skandinavischen Ländern über den gesamten Norden Russlands bis nach Kanada. Getrennt werden sie nur durch die Ozeane.

Stoffkreisläufe im Wald

Die Hauptstoffkreisläufe in einem Ökosystem sind die von Sauerstoff (O2), Kohlenstoffdioxid (CO2) und verschiedenen Mineralien. Dabei werden alle an den Stoffkreisläufen beteiligten Lebewesen in drei Gruppen aufgeteilt: Die Produzenten, also die grünen, Photosynthese betreibenden Pflanzen, die Konsumenten,
Darstellung eines Stoffkreislaufes (zum genaueren Betrachten anklicken um so zu vergrößern)
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Darstellung eines Stoffkreislaufes (zum genaueren Betrachten anklicken um so zu vergrößern)
also die Tiere, welche lebende Pflanzen und lebende Tiere fressen, sowie die Destruenten, also Lebewesen, die sich von toter Materie ernähren. Produzenten erzeugen Sauerstoff, welchen Konsumenten und Destruenten verbrauchen und in Kohlenstoffdioxid umwandeln. Dieses Gas benötigen wiederum die Produzenten. Produzenten stellen auch Nahrung für pflanzenfressende (herbivore) und allesfressende (omnivore) Tiere dar. Unter diesen Tieren gibt es eine Vielzahl von Erstkonsumenten, welche immer pflanzliche Nahrung zu sich nehmen und mehrere Zweitkonsumenten, die entweder Fleisch- oder Allesfresser sind. Mineralien durchlaufen innerhalb der Nahrungsbeziehungen den größten Kreislauf. Sie werden weder hergestellt noch endgültig verbraucht. Destruenten (zum Beispiel Bakterien und Würmer) setzen die Mineralien frei, indem sie tote Tiere und Pflanzen zu Humus zersetzen. Der Humus, also die fruchtbare Erde, reicht die Mineralien an Pflanzen weiter. Frisst ein Pflanzenfresser nun eine Pflanze, nimmt er damit auch die Mineralien auf. Wird dieser Pflanzenfresser nun von einem Fleischfresser verspeist, gelangen die Mineralien in dessen Kreislauf. Stirbt nun dieser Fleischfresser (oder ein anderer Pflanzenfresser), gelangen die Mineralien wieder zurück zu den Destruenten und der Kreislauf beginnt von Neuem. Im Winter werden die Stoffkreisläufe durch das Fehlen oder die Inaktivität vieler Mikroorganismen und Kleintiere an einigen Stellen unterbrochen.

Von den tropischen Regenwäldern unterschieden werden müssen die Aktivitäten der Stoffkreisläufe: Während in den Tropen die Stoffkreisläufe und Stoffwechsel das ganze Jahr hindurch gleichmäßig stark aufrecht erhalten werden können, werden in gemäßigten und kühleren Wäldern die Stoffkreisläufe im Winter durch geringere Aktivitätsphasen oder gar gänzliches Fehlen vieler an den Stoffwechseln beteiligten Tiere und Pflanzen die Stoffkreisläufe und Stoffwechsel des Ökosystems Wald unterbrochen oder eingeschränkt.

Kohlenstoffsenken

Unter Senken wird das Binden des Kohlenstoffdioxides und anderer Kohlenstoffe (C) im Boden oder in der Vegetation verstanden. Im internationalen Klimaschutzabkommen, dem Kyoto-Protokoll, sind Wälder offiziell als Klimafaktoren anerkannt. Wie alle chlorophyllhaltigen Pflanzen binden die Bäume Kohlenstoffdioxid (CO2) und erzeugen Sauerstoff (O2). Vor allem sich im Wachstum befindliche Bäume tun das, alte Bäume tragen als Kohlenstoffsenken weniger bei. Eine Möglichkeit, Kohlenstoffsenken zu pflegen, stellen Senkprojekte dar. Dabei wird unterschieden zwischen Wald- und Agrarflächen.
Reiner Rotbuchen-Hallenwald im Mittelgebirge des Siegerlandes
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Reiner Rotbuchen-Hallenwald im Mittelgebirge des Siegerlandes
Mögliche Projekttypen sind das Aufforsten und die Wiederaufforsten von Waldflächen, Bewirtschaftungsmaßnahmen in Forsten und auf landwirtschaftlich genutzten Grünflächen. Auch die Begrünung von Ödland stellt eine Möglichkeit zur Kohlenstoffsenkung dar. Dabei muss jedoch auch die Freisetzung von Kohlenstoffdioxid durch eventuelle Arbeitsmaßnahmen einkalkuliert werden.

Zonierung des Waldes

Zonale Waldgesellschaften
Die zonalen Waldgesellschaften werden größtenteils vom Großklima beeinflusst und unterscheiden sich untereinander kaum. Lediglich die Bodenverhältnisse, sprich: Bodenart, Nährstoffe und Nähstoffangebot, sowie der Säuregrad, sind als Unterscheidungsmerkmale zu bezeichnen. Am Beispiel der Rotbuche (Fagus sivatica) sieht es wie folgt aus: In ozeanischem Klima setzt sie sich gut gegenüber anderen Bäumen durch und bildet auf kalkreichem Boden mit guter Wasserführung oftmals reine, natürliche Monokulturen (als Hallenwald). Auf sandigem, weniger kakhaltigem Boden mit weniger guter Wasserführung wächst sie in der Regel in lichteren Wäldern mit verschiedenen Bäumen wie z.B. der Stieleiche (Querecus robur). In zunehmend kontinentalem Klima gehen die Buchenwälder allgemein mehr in Eichen- und Mischwälder über, weil die meisten anderen Bäume die höheren Temperatur- und Feutigkeitsschwankungen besser verkraften als die Rotbuche.
Azonale Waldgesellschaften
Die azonalen Waldgesellschaften sind jeweils von einem bestimmten ökologischen Faktor abhängig, wie zum Beispiel dem Regenguss und der Nässe, sowie von Trockenheit oder den Lichtverhältnissen. Bei Vorhandensein dieser Verhältnisse setzen sich die azonalen Waldgesellschaften gegen die zonalen Waldgesellschaften durch und verdrängen sie. Typisch sind azonale Waldgesellschaften häufig entlang von Fließgewässern. Beispiel: Ein zonaler Buchenmischwald bei regelmäßiger aber seltener Flutung in Hartholzauen, wie dem Stieleichen- und Ulmen-Wald, geht bei häufiger Überflutung in Weichholzauen (Auwald) über. Bei fast permanenter bis ständiger Staunässe geht die zonale Waldgesellschaft in Sumpfwälder oder Bruchwälder, wie dem Erlenbruchwald, in besonderen Lagen wie Schluchten in so genannte "Schluchtwälder" über.
Verschiedene Tannen-Arten, auch Douglasien und Fichten. Dieser Forst wird regelmäßig künstlich verjüngt, damit der Jäger vom Hochstand aus die Übersicht behalten kann.
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Verschiedene Tannen-Arten, auch Douglasien und Fichten. Dieser Forst wird regelmäßig künstlich verjüngt, damit der Jäger vom Hochstand aus die Übersicht behalten kann.
Extrazonale Waldgesellschaft
Die extrazonalen Waldgesellschaften werden von lokalen Faktoren, vor allem vom Höhenrelief, geprägt. In unseren Gefilden kann es zum Beispiel an einem Nordhang zu mehr Nässe und Sonneneinstrahlung kommen. Die Waldgesellschaften, die schließlich hier zu finden sind bzw. sich einstellen würden, sind in der Regel als zonale Gesellschaft weiter nördlich und südlich zu finden. Unter anderen bilden sich (thermophile) Eichenwälder an südlichen, felsigen Steilhängen. Diese sind südeuropäischen Hängen ähnlicher als mitteleuropäischen.

Flora und Fauna

Pflanzen und Pilze des Waldes

In unseren Wäldern ist der Artenreichtum nicht so groß wie in einem Regenwald der tropischen Klimazone, aber dennoch bei Weitem nicht klein. In einem, zumindest annähernd, natürlichen Wald kommen in gemäßigten Wäldern bis über zehn Baumarten vor. Die größten Bäume Deutschlands sind unter den Laubbäumen mit bis zu 45 Meter Höhe und 2 Meter Stammdurchmesser die Rotbuchen (Fagus sylvatica). Sie haben eine glatte Rinde (Borke) und in Hallenwäldern unterhalb des Kronendachs keine Äste. Dies ist eine Folge des dortigen Lichtmangels. Eine einzige ausgewachsene Rotbuche kann bis zu 600 m² beschatten. Die Stieleiche oder Deutsche Eiche (Quercus robur) zählt wie die Rotbuche zu den Buchengewächsen und erreicht bei uns mit bis zu 3 Metern als einzeln stehender Baum den größten Stammdurchmesser. Bei einem solchen Durchmesser liegt die Höhe in der Regel zwischen 25 und 35 Meter. Mehrere sehr dicht aneinander wachsende Eichen können sich aber zusammen auch zu einer Art "Superbaum" verbinden und noch größere Stammdurchmesser erreichen; solche Ausmaße sind heutzutage sehr selten. Die bis etwa 25 Meter hohe Hainbuche (Carpinus betulus) zählt nicht zu den Buchengewächsen, sondern zu den Birkengewächsen. Die höchsten Bäume überhaupt sind in Europa die aus Nordamerika eingeführten Küsten-Douglasienn (Pseudotsuga menziesii), sie erreichen im mitteleuropäischen Klima bis zu 65 Meter Höhe. Der höchste natürliche Baum Europas ist die bis zu 60 Meter hohe Weißtanne (Abies alba). Sie erreicht Stammdurchmesser von bis über 160 cm. Auch die Gemeine Fichte (Picea abies) wird mit bis zu 55 Metern Höhe sehr groß. Die größten Bäume überhaupt sind die oben im Artikel bereits beschriebenen Mammutbäume mit, je nach Art, 80 bis 115 Meter Höhe. Aber auch viele kleinere Bäume wachsen in den gemäßigten Wäldern. So zum Beispiel die Pionierpflanze Birke (Betula). Sie erreicht, je nach Art, bis zu 20 Meter Höhe. Die Ahorne (Acer) messen bis zu 35 Meter Höhe und können mächtige Stämme ausbilden. Die Schwarzerle (Alnus glutinosa) erreicht ebenfalls gut 30 Meter Höhe, wird meist jedoch um 15 bis 20 Meter hoch. Weiden (Salix) erreichen je nach Art 1,5 bis 20 Meter in der Höhe, dabei beträgt der Stammdurchmesser zwischen wenigen Zentimetern bis rund einen halben Meter, selten mehr.

Weiden kommen häufig in Auwäldern vor
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Weiden kommen häufig in Auwäldern vor

Sonstige Bäume (Auswahl)

  • Waldkiefer (Pinus silvestris) Höhe: bis 50 Meter. Besonderheiten: Bildet in Mittelgebiergen und im Flachland zum Teil natürliche Monokulturen.
  • Bergkiefer (Pinus mugo) Höhe: selten bis 25 Meter, meist kleiner. Besonderheiten: Sehr anpassungsfähig, sowohl als Strauch, als auch als Baum.
  • Küsten-Douglasie (Pseudotsuga menziesii), Höhe: bis über 65 Meter . Besonderheiten: aus Nordamerika auch in Deutschland eingeführt, eine Küsten-Douglasie im Thüringer Wald ist mit über 60 Metern Höhe offiziell der höchste Baum Deutschlands, mit über 130 Metern Höhe war eine Küsten-Douglasie der höchste Baum, den man je gefunden hat (sie wurde vor rund 100 Jahren gefällt).
  • Lärche (Larix decidua) Höhe: bis 40 Meter. Besonderheiten: Wirft über den Winter die Nadeln ab.
  • Wacholder (Juniperus communis) Höhe: bis 6 Meter. Besonderheiten: Sehr lichthungrig, bis 500 Jahre alt.
  • Korbweide (Salix viminalis) Höhe: bis 10 Meter. Besonderheiten: Verträgt zeitweise Überflutungen, wird zur Korbflechterei genutzt.
  • Schwarzpappel (Populus nigra) Höhe: bis 30 Meter Besonderheiten: Sehr selten in der Natur, geschützte Art.
  • Sommerlinde (Tilia platyphyllos) Höhe: bis 40 Meter. Besonderheiten: Wird bis zu 1.000 Jahre alt.
  • Hainbuche (Carpinus betulus) Höhe: bis über 20 Meter, im Kaukasus bis 35 Meter. Besonderheiten: Große Ähnlichkeit mit der Rotbuche, zählt jedoch zu den Birkengewächsen, nicht zu den Buchengewächsen. Damit ist sie näher mit den Birken der Gattung Betula verwandt.

Zu den vielen kleinen bis mittelgroßen Sträuchern zählen die manchmal baumartig wachsenden Haselnüsse (Corylus) und das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), welches hochgiftige, rote Beeren ausbildet. Auch die Tollkirche (Atropa belladonna) produziert ein wirksames Gift, das Atropin. Sie ist besonders gefährlich, weil die Beeren wie Kirchen aussehen und sehr gut schmecken. Sonst kommen in mäßig warmen Wäldern, zum Beispiel, noch der duftende Schwarze Holunder (Sambucus nigra) vor, ein bis etwa 200 cm hohes Trugdoldengewächs, und die wohlschmeckende, bis 50 cm hohe Heidelbeere (Vaccinium myrtillus).

Kräuter sind in gemäßigten Wäldern besonders artenreich. Die bekanntesten sind die Frühblüher Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Haselwurz (Asarum europaeum), Bärlauch (Allium ursinum) und Waldveilchen (Viola reichenbachiana), sowie der Sauerklee (Oxalis acetosella ) und einige Springkräuter (Impatiens), welche sich mit gerade mal 1% des Sonnenlichts zufrieden geben, außerdem die lichthungrigen Fingerhüte (Digitalis) und die Waldhainsimse (Luzula sylvatica). Pflanzen wie Mondviolen (Lunaria), Gefleckter Aronstab (Arum maculatum) und das Nickende Perlgras (Melica nutans) benötigen nicht zu sonnige Standorte, sie brauchen gelegentlich aber auch direkte Sonneneinstrahlung. Des Weiteren kommen in lichteren bis mäßig dunklen Wäldern Waldreben (Clematis), Waldmeister (Galium odoratum), Hohler Lerchensporn (Corydalis cava), sowie Laubblättrige Leberblümchen (Hepatica nobilis) vor.

Farne sind Pflanzen ohne Blüten. Viele wachsen als Aufsitzerpflanzen (Epiphyten) auf anderen Pflanzen, leben aber nur sehr selten als Parasiten. Im Sommer bilden sich bei den meisten Farnen wulstige Erhebungen, dies sind die Geschlechtsorgane. Sind die Farne "paarungsbereit", schleudern sie Sporen aus, die durch den Wind weggetragen werden. Dasselbe geschieht mit den Samen. Beide, Samen und Sporen, liegen dann auf dem Boden und finden hoffentlich zueinander. Dann befruchten die Sporen die Samen, aus denen ein neuer Farn wachsen kann.

Moose sind durstige Pflanzen mit hohem Wasserbedarf. An feuchten Stellen bilden sich oft großflächige Moospolster. Moose haben keine Wurzeln im eigentlichen Sinne, sondern lediglich wurzelähnliche Fäden zur Befestigung im Boden. Wasser nehmen sie über die Blätter aus der Luft und durch Regen- und Tautropfen zu sich. Ihre Fortpflanzungsorgane sind im Frühsommer in Form kleiner, meist brauner Kapseln auf langen, dünnen Stängeln zu erkennen. Bekannte Moose sind das Torfmoos (Sphagnum) und das Weißmoos (Leucobryum glaucum).

Fliegenpilz (Amanita muscaria).
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Fliegenpilz (Amanita muscaria).

Pilze sind keine Pflanzen und enthalten kein Chlorophyll, betreiben also keine Photosynthese. Der eigentliche Pilz wächst nicht an der Oberfläche, sondern liegt unter der Erde oder in totem Holz und ähnelt einem groben bis feinem Geflecht aus weißen Fäden. Was man auf dem Waldboden von dem Pilz sieht, ist nur der Fruchtkörper, vergleichbar mit einem Apfel an einem Baum. Viele Pilze produzieren giftige Stoffe. Einer der giftigsten mitteleuropäischen Pilze ist der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Er wächst vor allem unter Eichen. Auch der Fliegenpilz (Amanita muscaria ) ist ein giftiger Pilz, der nicht zu unterschätzen ist. Mancherorts, so in einigen Gegenden Sibiriens, wird er als "Altagsdroge" genutzt: Zumeist trinken die Menschen den Urin derer, die den Pilz zu sich genommen haben, denn auch so erzielt der Pilz seine Wirkung. Der Fliegenpilz zählt zu den psychoaktiven Pilzen, sein Konsum ist aber in Deutschland nicht verboten, wie dies bei den Kahlköpfen (Psilocybe) der Fall ist.

Sehr viele Pilze sind auch gut geeignete Speisepilze. Der gelbliche Pfifferling (Cantharellus cibarius) hat einen trichterförmigen Schirm und ist seitlich weit nach unten gekielt. Er schmeckt leicht nach Pfeffer, daher der Name (früher Pfefferling). Der Porenpilz Steinpilz (Boletus edulis) erreicht bis zu 20 cm Schirmdurchmesser, sein Stiel ist mit bis über 3 cm recht dick, damit zählt er zu Europas größten Pilzen. Er wächst in sowohl in Laub-, als auch in Nadelwäldern. Der Wiesenchampignon (Agaricus campestris) ist ein kleiner, in Gruppen wachsende Lamellenpilz und wächst in Nadelwäldern. Eine charakteristische Wuchsform haben die Korallenpilze (Ramaria): Sie wachsen, wie der Name bereits verrät, wie eine Koralle und haben oft eine gelbiche Färbung. Pilze ernähren sich vor allem von toter Materie und im Boden eingelagerten Mineralien. Viele Pilze gehören zu den Destruenten.

Giftpflanzen und -pilze im Wald

Giftpflanzen und Giftpilze enthalten zur Verteidigung giftige Stoffe. Die meisten giftigen Pflanzen und Pilze können Menschen nicht töten, sie schaden ihnen nur geringfügig und versetzen sie in einen Rauschzustand, so zum Beispiel mehrere Arten der Pilzgattung Amanita, vor allem der Fliegenpilz (Amanita muscaria var. muscaria). Aber es gibt auch eine Vielzahl tödlich giftiger Pflanzen und Pilze. Wie bereits erwähnt, ist der wohl giftigste einheimische Pilz der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Er ist besonders gefährlich, weil sein Gift sich nach dem Verzehr zuerst kaum bemerkbar macht: Als junges Exemplar kann er leicht mit dem Wiesenchampignon (Agaricus silvaticus) verwechselt werden. Für den Laien unterscheidet er sich auch nicht im Geschmack von dem Champignon. Sonstige gefährliche Giftpilze sind der Kirschrote Speitäubling (Russula emetica), der Pantherpilz (Amanita pantherina) und der Weiße Knollenblätterpilz (Amanita phalloides var. verna). Die so genannten Zauberpilze werden als psychoaktive Drogen genutzt, z.B. der bei uns einheimische Spitzkegelige Kahlkopf (Psilocybe semilanceata). Zauberpilze enthalten Hallozinogene, sie sind vor allem psilocybin- und psilocinhaltig. Ihr Genuss und auch das Einsammeln der offiziell "verbotenen" Zauberpilze ist ohne Genehmigung und Grund strafbar und kann unter Umständen auch zum Tode führen. Auch eine Drogenpsychose kann nach der Einahme größerer Mengen bestimmter Zauberpilze auftreten.

Der giftige Bittersüße Nachtschatten (Solanum dulcamara) wurde im Mittelalter zusammen mit Opiaten in "Hexensalben" verwendet. Hauptinhalts- und Wirkstoffe des Nachtschattens sind: Glykosidische Bitterstoffe, Saponine, Steroidalkaloide und Gerbstoffe.
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Der giftige Bittersüße Nachtschatten (Solanum dulcamara) wurde im Mittelalter zusammen mit Opiaten in "Hexensalben" verwendet. Hauptinhalts- und Wirkstoffe des Nachtschattens sind: Glykosidische Bitterstoffe, Saponine, Steroidalkaloide und Gerbstoffe.

Unter den Pflanzen finden sich auch einige sehr giftige. Die Pflanze mit dem stärksten Gift ist vermutlich der Blaue Eisenhut und die wesentlich weniger giftige, aber dennoch tödliche und bis 15 Meter hohe Brechnuß (Strychnos nux-vomica) aus Südostasien und Australien, wo sie in mäßig warmen und tropischen Gefilden vorkommt. Sie enthält das für Menschen sehr tödliche Alkaloid Strychnin (bekannt als Bestandteil von Rattengift), sowie Brucin und andere Giftstoffe. Eine der giftigsten europäischen Pflanzen ist neben dem Blauen Eisenhut der Purpurrote Fingerhut (Digitalis purpurea), auch er ist nicht zu unterschätzen. Beide, sowohl Eisenhut, als auch Fingerhut, bevorzugen offene Landschaften und lichte Wälder, zumeist auf Hängen, auf Waldlichtungen und an Waldrändern, wobei der Eisenhut es etwas feuchter mag. Weniger giftig als der Eisenhut, aber deutlich gefährlicher, ist die Schwarze Tollkirsche (Atropa bella-donna), ein Nachtschattengewächs (wozu übrigens auch die Kartoffel und die Tomate gehören). Sie ist wohlschmeckend, was nicht selbstverständlich ist, da viele Giftpflanzen bitter schmecken. 5 bis 10 Beeren von der Schwarzen Tollkirche können tödlich für den Menschen sein, sie enthalten neben anderen Giftstoffen das Alkaloid Atropin. Die zwei bekanntesten Nachtschatten-Arten der Gattung Solanum (die Kartoffel und die Tomate zählen auch zu dieser umfangreichen Gattung), der Bittersüße Nachtschatten (Solanum dulcamara) und der Schwarze Nachtschatten (Solanum nigrum), wirken tödlich. Sie finden sich in lichtem Gebüsch von Waldrändern und an lichten Bachläufen. Weniger gefährliche Giftpflanzen aus heimischen Wäldern sind zum Beispiel der Reinfarn (Tancetum vulgare), der an feuchten Waldrändern zu finden ist, oder der Bärlapp (Lycopodium clavatum), er ist gelegentlich in Nadelwäldern zu finden. In nur wenig beleuchteten Waldgebieten findet man selten den Gefleckten Aronstab (Arum maculatum), seine Beeren sind in Sachen Giftigkeit auch nicht zu unterschätzen. Genauso wenig, wie viele andere, von denen man vielleicht annimmt, sie seien harmlos: So gleicht die tödlich giftige Herbstzeitlose (Colchicum autumnale), welche man an Waldrändern und auf Lichtungen vorfinden kann, dem zwar ebenfalls giftigen, aber relativ harmlosen blauen Frühlings-Krokus (Crocus vernus). Hebstzeitlose blühen jedoch im Spätsommer bis Herbst, Krokusse im Frühjahr. Zu den Giftpflanzen, die oft in heimischen Gärten zu finden sind, zählen zum Beispiel der Efeu (Hedera helix) und die Gemeine Stechpalme (Ilex aquifolius). Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Giftpflanze ist das Pfaffenhütchen (Euonymus europaea). Es enthält Digitaloide, Alkaloide und Bitterstoffe. Der Lebensbaum (Thuja occidentalis) aus Nordamerika wird leider oftmals unterschätzt, manchmal mit tödlichem Ausgang. Das Alkaloid Lobelin macht auch das ursprünglich nordamerikanische Lobelienkraut (Lobelia inflata) gefährlich. Eine Pflanze, die bereits nach längerfristigen Hautkontakt schwere Vergiftungen hervorgerufen hat, ist der nordamerikanisch-ostasiatische Giftsumach (auch Giftefeu, Toxicodendron quercifolium), entsprechend eingenommen wirkt sein Gift bereits in sehr geringen Mengen tödlich!

Näheres zu den Inhaltsstoffen im Absatz "Der Wald als Apotheke".

Baum-Schmarotzer, Schling- und Kletterpflanzen

Das Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum) -eine typische Kletterpflanze und unsere einzige "echte Liane"
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Das Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum) -eine typische Kletterpflanze und unsere einzige "echte Liane"
  • Man nimmt an, dass rund 2.500 Pflanzenarten aus circa 90 Gattungen in ihrer Wuchsform und Lebensweise den Lianen zugeordnet werden können.
  • Die einzige wirkliche Liane in Mitteleuropa ist das Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum), wird sie richtig groß, kann sie ganze Kronen mäßig großer Bäume umschließen und ihnen das Licht wegnehmen. Sie zieht sich am Stamm eines Baumes nach oben in Richtung Licht, umschließt mit der Zeit dessen Krone und gleichzeitig wachsen die nun verholzten Schlingen des Wald-Geißblattes zu richtigen Stämmen heran. Irgendwann stirbt der Wirtsbaum ab, weil er zu wenig Licht erhält; er fault und fällt in sich zusammen. Schließlich steht nur noch das Gerüst des sommergrünen Geißblattes. Man kann das Wald-Geißblatt als Lichtkonkurrent, aber nicht als Parasit ansehen.
  • Efeu (Hedera helix) ist kein Schmarotzer, sondern wuchert an einem Baum , um ans Licht zu kommen. Für den Baum wird es nur gefährlich, wenn der Efeu so heftig auswuchert, dass er ihm das Licht wegnimmt.
  • Die Mistel (Viscum) ist ein Schmarotzer, der seinem Wirtsbaum Nährstoffe und Wasser entzieht, wird aber aufgrund der Fähigkeit, selber Photosynthese zu betreiben, nicht als Vollschmarotzer, sondern als Halbschmarotzer angesehen.
  • Pilze wie der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) können keine Photosynthese betreiben, sie beziehen ihren gesamten Energieverbrauch von der Wirtspflanze und werden daher als Vollschmarotzer bezeichnet.
Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Kletterpflanzen und Baumparasiten, dieser Abschnitt will lediglich einen kurzen Einblick geben. Näheres siehe in den entsprechenden Artikeln Kletterpflanzen und Pflanzenparasiten.

Der Wald als Apotheke

Der Wald gleicht einer Naturapotheke. Viele Pflanzen, die heutzutage niemand mehr kennt, wurden früher als Medizin genutzt. Einige Giftpflanzen nutzte man zum Morden, etlich kamen bei diversen Ritualen als Rauschmittel zum Einsatz. Noch heute enthalten sehr viele Medikamente pflanzliche Bestandteile. Zahlreiche Pflanzen enthalten giftige Bestandteile, welche in entsprechender Dosis heilend wirken, hier drei Beispiele: die stark giftigen Glykoside des Purpurroten Fingerhutes (Digitalis purpurea) stellen gute und häufig angewendete Herzmittel dar, in zu hoher Dosierung bewirken sie aber einen Herzstillstand, das noch giftigere, lähmende Aconitin aus dem Blauen Eisenhut (Aconitum napellus) wird beispielsweise gegen Migräne eingesetzt und das S-Hyoscyamin bzw. Atropin der Schwarzen Tollkirsche (Atropa bella-donna) ist ein als krampflösendes Medikament nutzbares Alkaloid.

Vorstellung der wichtigsten, wirksamen Inhaltsstoffe verschiedener Pflanzen (Arten, Gruppen,...):

Alkaloide
Blauer Eisenhut (Aconitum napellus), eine der giftigsten europäischen Pflanzen mit dem starken Alkaloid Aconitin
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Blauer Eisenhut (Aconitum napellus), eine der giftigsten europäischen Pflanzen mit dem starken Alkaloid Aconitin
Hierbei handelt es sich um zumeist mehr oder weniger stark wirkende Toxine, weshalb von Eigenmedikation dringend abzuraten ist. Für die pharmazeutische Industrie werden Alkaloide jedoch in großer Menge verarbeitet. In sehr geringen Mengen kommen in "ungiftigen" Heilpflanzen oft auch Alkaloide vor, sie unterstützen die Heilwirkung, ohne selbst zu einer Vergiftung zu führen. Beispiele für Alkaloide sind: das Atropin der Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna), das Aconitin des Blauen Eisenhutes (Aconitum napellus) und das Colchizin der Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale). Das giftige Pfaffenhütchen (Eumoymus europaea) verfügt über herzwirkende und abführende Inhaltsstoffe und wird, dem entsprechend, auch genutzt. Auch im tödlich giftigen Weißen Germer oder Nieswurz (Veratrum album) lassen sich starke Alkaloide finden.
Bitterstoffe
Sehr viele Pflanzen haben bitter schmeckende Inhaltsstoffe, einer der bittersten ist wohl das Alkaloid Strychnin aus der Brechnuß (Strynos nux-vomica). Brechnussbestandteile als Medikamente werden auf Grund der extremen Toxizität und aus anderen Gründen heutzutage von der GBA abgelehnt, früher aber gegen Kreislaufprobleme angewendet. Lediglich in der Homöopathie nimmt man sich der Brechnuss auch heutzutage manchmal noch an. In der Regel sind mit Bitterstoffen diejenigen Bittermittel einer Pflanze gemeint, auf die eine physiologische Wirkung zurückzuführen ist. In der Phytotherapie werden Bitterstoffdrogen "Amara" genannt, je nach Zusammensetzung unterteilt man sie in die folgenden drei Gruppen:
  1. Reine Bittermittel, Amara tonica: Viele Heilpflanzen enthalten reine Bittermittel. Sie sind nicht aus verschiedenen Stoffen, wie z.B. ätherischen Ölen, zusammengesetzt, was der Name reine Bittermittel bereits aussagt. Es haben sich trotz der Vielfältigkeit die wirksamsten und bedeutendsten herauskristalisiert: Bitterstoffe regen die Magensekretion an und sorgen zusätzlich für ein allgemeines Wohlempfinden. Viele werden regelmäßig und erfolgreich gegen allgemeine Schwächezustände eingesetzt. Typische reine Bittermittel finden sich in Form von Gentiopikrin und Amarogentin im Gelben Enzian (Gentiana lutea) und im Tausendgüldenkraut (Centaurium).
  2. Mit ätherischen Ölen gemischte Bitterstoffe, Amara aromatica: Dies sind Bitterstoffe, die in nennenswerter Konzentration ätherische Öle enthalten. Sie unterscheiden sich zwar in der Wirkung zumeist kaum von den reinen Bittermitteln, erweitern jedoch durch ihre verdauungsfördernde und tonisierende Wirkung die Anwendungsgebiete. Wichtige Heilpflanzen mit ätherischen Ölen in den Bitterstoffen sind: Beifuß (Artemisia vulgaris), Engelwurz (Angelica archangelica), Benediktenkraut (Cnicus benedictus) und Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium). Allgemein wirken diese Bitterstoffe auf den Magen, genauso wie die reinen Bittermittel. Die Wirkung erstreckt sich jedoch auch auf den Darm, die Galle und fördert die Leberfunktion. Eine willkommende Nebenwirkung ist, dass sie oft harntreibend wirken. Bitterstoffe mit ätherischen Ölen sind antiseptisch.
  3. Bitterstoffe mit Scharfstoffen, Amara acria: Diese Bitterstoffe enthalten Scharfstoffe und haben daher einen scharf-bitteren Geschmack. Bittermittel, die gleichzeitig Scharfstoffe enthalten, sind bei einheimischen Heilpflanzen kaum zu finden. Als Amara acria verwendet man unter anderem die Bitterstoffe der ausländischen Pflanzen Ingwer (Zingiber officinale), Galgant (Alpina officinarum), Echter Pfeffer (Piper nigrum) und die anderer. In der Wirkung werden die Bittermittel von den Scharfstoffen unterstützt. Diese Drogen verbessern und stärken die Kreislauffunktionen.
Ätherische Öle
Die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium) hat nichts mit den Palmen gemein und dringt häufig in unsere Gärten vor. Hier ist eine Stechpalme mit jungem Blütenstand zu sehen.
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Die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium) hat nichts mit den Palmen gemein und dringt häufig in unsere Gärten vor. Hier ist eine Stechpalme mit jungem Blütenstand zu sehen.
Auch wenn in dem Begriff ätherisches Öl das Wort Äther enthalten ist, hat ein ätherisches Öl nichts mit dem Äther gemein. Ätherische Öle riechen mehr oder weniger stark, in der Regel mit einem wohltuenden Geruch. Fast alle Pflanzen enthalten, wenngleich auch nur in geringem Maße, ätherische Öle. Als Heilpflanzen kommen jedoch nur solche mit einem Gehalt an ätherischen Ölen zwischen 0,1 und über 10 Prozent in Betracht. Dazu zählen besonders verschiedene Doldengewächse (Apiaceae), Korbblütler (Asteraceae) und Lippenblütengewächse (Lamiaceae). Alle ätherische Öle haben dieselben Wirkungen: Sie fördern, stärken und unterstützen das Verdauungssystem, die Leber und die Galle, sie sind harntreibend, wirken entzündungshemmend und bekämpfen Bakterien, Gärungserreger und vielleicht sogar Viren, wobei Bekämpfen nicht immer Abtöten bedeuten muss! Ätherische Öle können bis über 100 Einzelstoffe enthalten, innerhalb der Pflanze werden die Öle in Ölzellen, -kanälen oder -drüsenhaaren abgelagert.
Flavonoide
Dieser Begriff ist ein Sammelbegriff für verschiedene Stoffe mit gleicher chemischer Grundstruktur, die im Pflanzenreich sehr weit verbreitet sind. Es ist schwer die Flavonoide allgemein zu charakterisieren, ausschlaggebend sind die einzelnen Arten und die Menge der in diesen Pflanzen enthaltenen Flavonoide. Sie haben sehr unterschiedliche Eigenschaften, sowohl in chemischer, als auch in physikalischer Hinsicht, weshalb man keine einheitlichen Wirkungen beschreiben kann. Dennoch sind manche Wirkungen bei den meisten Flavonoiden zu sehen. Sie helfen bei Kapillarbrüchigkeit (Kapillare sind die feinsten Blutgefäße, an denen der Gasaustausch stattfindet), bei ganz bestimmten Herz-Kreislaufproblemen und bei Krämpfen im Verdauungstrakt. Es besteht kein Zweifel daran, dass an der Gesamtwirkung einer Pflanze immer Flavonoide beteiligt sind.
Gerbstoffe
Gerbstoffe sind im pharmazeutischen Sinne Pflanzeninhaltsstoffe, welche sich in der Lage befinden, Eiweißstoffe der Haut und Schleimhaut zu binden und sie in nichtlösliche und widerstandsfähige Stoffe zu überführen. Auch die Heilwirkung der Gerbstoffe beruht auf dieser Fähigkeit, sie entziehen so in Wunden den Bakterien den Nährboden. Bei manchen Pflanzen sind die Gerbstoffe die gefrtagten Wirkstoffe, zum Beispiel: Blutwurz (Potentilla erecta), Rinde von Eichen (Quercus) und Heidelbeeren (Vaccinium). In vielen anderen Pflanzen rufen die Gerbstoffe unerwünschte Nebenwirkungen hervor, indem sie die Magenschleimhaut reizen. Dies ist bei Bärentraubenblättern der Fall. Oft bringen Gerbstoffe aber auch erwünschte Nebenwirkungen hervor. Man kann den Nebenwirkungen etwas entgegenwirken, in dem man gerbstoffhaltige Pflanzen als Tee aufbereitet.
Gerbstoffe leisten gute Dienste bei: Angina, als Mundspüllösung bei Zahnfleischentzündungen, als Umschlag zur Wundbehandlung, gegen Durchfall, und als Bad bei Frostbeulen, Entzündungen und sogar bei Hämorrhoiden.
natürlicher Tümpel in einem Wald
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natürlicher Tümpel in einem Wald
Glykoside
Glykoside oder Glykosiddrogen sind unter den Pflanzen sehr verbreitet und vielfältig. Wegen der enormen Wirkungsvielfalt ist eine Zusammenfassung unter dem Begriff Glykosid wenig sinnvoll: Es kommt auf einzelne Arten und die Wirkung der jeweiligen Glykoside an. Alle Glykoside haben eine Gemeinsamkeit: Durch Aufspaltung unter Wasseraufnahme, Hydrolyse genannt, lassen sich die Glykoside in ein Zuckerteil und ein Aglykonteil aufteilen. Die Wirkung eines Glykosides hängt vom Aglykon ab, es bestimmt die Wirkung. Oft sind Flavonoide und Bitterstoffe auch als Glykoside anzusehen.
Einige Beispiele für Glykoside: Purpurroter Fingerhut (Digitalis purpurea), herzwirkende Glykoside - Primeln (Primula), schleimlösende Glykoside aus der Wurzel - Faulbaum (Frangula alnus), Glykoside als Abfürmittel aus der Rinde - Sommerlinde (Tilia platyphyllos), schweistreibende Glykoside.
Saponine
Saponine sind auch eine spezielle Art Glykoside, die mit Wasser zusammen zu einem haltbaren Schaum reagieren, Öl im Wasser emulgieren und eine hämolytische Wirkung zeigen. Hämolytisch heißt: Sie lassen den roten Blutfarbstoff, das Hämoglobin, aus den roten Blutkörperchen austreten. Hämoglobin ist für den Sauerstoff- und Kohlenstoffdioxidtransport zuständig. Ist das Hämoglobin nicht mehr im Blut, wird der Gasaustausch völlig unterbrochen. Obwohl der Betroffene einen weitestgehend stabilen Blutkreislauf hat und normal atmen kann, erstickt er ohne die Luft anzuhalten. Bei Saponinen ist dies so extrem jedoch selten der Fall -- gefährlicher sind die Reizungen, welche im Magen und Darm ausgelöst werden. In entsprechender Dosis und Verdünnung können Saponine als schleimlösendes Hustenmittel angewendet werden. Die Saponindrogen lösen durch ihre Oberflächenaktivität den festeren Schleim und neuer Schleim kann problemlos abfließen. Durch die Reizung der Magenschleimhaut wird reflektorisch eine Reizwirkung auf alle Drüsen übertragen, dies wirkt sich durch erhöhte Ausschüttung der Drüsensekrete positiv auf die Bronchien aus. Einige Saponine besitzen wassertreibende Wirkungen und finden häufig bei Blutreinigungskuren Verwendung. Sie wirken auch gegen Hautunreinheiten und rheumatische Beschwerden. Des Weiteren sind einige Saponine dazu in der Lage, Ödeme auszuschwemmen und Entzündungen zu bekämpfen. Eine weitere wichtige Wirkung vieler Saponindrogen ist, dass der Organismus eines Menschen andere pflanzliche Heilstoffe besser und in größerer Menge aufnehmen kann. Das führt dazu, dass geringe Mengen bereits eine genügend hohe Wirkung entfalten.
Kieselsäure
Kieselsäure wird vor allem von Pflanzen aus den Familien der Schachtelhalmgewächse (Equisetum), Gräser und Rauhblattgewächse (Boraginaceae) aus dem Boden aufgenommen und in den Zellmembranen oder im Protoplasma, der eigentlichen Zellsustanz, eingelagert. Die Salze der Kieselsäure, die Silikate, sind wasserlöslich. Kieselsäure ist für den Menschen ein unentbehrlicher Stoff.
Fichtenmonokultur
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Fichtenmonokultur
Bei Mängeln treten Schäden der Haare, Nägel und Bindegewebe auf. Durch die leichtere Aufnahme der Kieselsäure können diese Mängel schnell behoben werden. Eine viel genutzte Droge bei solchen Mangelerscheinungen ist der Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense).


Schleim
Pharmakologisch-botanisch gesehen sind Schleime kohlenhydrathaltige Stoffe: Sie quellen im Wasser stark auf und liefern fadenziehende Flüssigkeiten. Schleimdrogen sind unter den Pflanzen sehr weit verbreitet, jedoch verfügen nur wenige Heilpflanzen über eine nutzbare Menge. Hierzu zählen zum Beispiel: Eibisch (Althaea officin), Malve (Malva sylvestris) und Isländisches Moos (Cetraria islandica). Allerdings beeinflussen die Schleimdrogen die Wirkung anderer Heilmittel, die aus anderen schleimproduzierenden Pflanzen gewonnen werden. Allgemein kann man die Wirkung der Schleimdrogen als reizmildernd beschreiben. Die Schleimdrogen legen sich in Form einer feinen Schicht um Schleimhäute und schützen sie so vor Reizungen. Auch Entzündungen klingen unter Anwendung der Schleimdrogen in der Regel schneller ab. Wird Husten durch Reizungen im Rachen oder am Kehldeckel ausgelöst, haben Schleimdrogen eine hustenstillende Wirkung. Da die Schleimdrogen die Darmfüllung auflockern und das Wasser im Darm zurückhalten und quellen, wirken sie leicht bis mäßig stark abführend. Auf der Zunge mindern Schleimdrogen das Geschmacksempfinden, vor allem die Wahrnehmung saurer Geschmäcker. Die Wirkung der Schleime ist absolut lokal.
Vitamine, Mineralien, Spurenelemente
Bei einer Vorstellung der wichtigsten Pflanzeninhaltsstoffe dürfen die so genannten essentiellen Nähstoffe nicht fehlen. Sie sorgen in unserem menschlichen Körper dafür, dass Gerüststrukturen wie Knochen, Bindegewebe und Stoffe in den Zähnen und Zellstrukturen aufgebaut werden, sie liefern "Bausteine" für körpereigene Enzyme, die Fermente, und für Hormone, aktivieren Stoffwechselprozesse und beeinflussen die Funktionen der Organe. Ohne diese Nährstoffe wäre meschliches Leben nicht möglich. Dies macht klar, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung ist. Auch bei der Behandlung von Krankheiten, welche durch einen Mangel eines bestimmten essentiellen Nährstoffes hervorgerufen wird oder wurde, sind Heilpflanzen mit den entsprechenden Nährstoffen einzunehmen, zum Beispiel als Teemischung. Pflanzen, die in ihrer Gesamtheit als Vitaminlieferant geeignet sind, sind zum Beispiel Gemeiner Sanddorn (Hippophae rhamnoides) und Hagebutte (Rosa canina). Unter den Pflanzen verfügen über essentielle Nährstoffe zum Beispiel die verschiedensten Gemüse, Salate und Früchte, sowie viele Kräuter.
Beispiele: Vitamine - Ascorbinsäure (Vitamin C), Cobalamin (Vitamin B12) und Retinol (Vitamin A). Zahlreiche Mineralien sind für den menschlichen Organismus lebenswichtig. In erster Linie Makromineralien: Natrium (Na), Kalium (K), Magnesium (Mg) und selbst das giftige Gas Chlor (Cl) wird (in noch unbestimmten Mengen) benötigt. An Spurenelemente: Eisen (Fe), Cobalt (Co), Chrom (Cr), Zink (Zn) und Iod (I). Hinweis: Es sind immer Verbindungen, die der menschliche Körper benötigt, nie sind es elementare Stoffe, also reine Elemente, was bei vielen, beispielsweise bei reinem Chlor oder Natrium, auch toxische (giftige) und durchaus auch letale (tödliche) Wirkungen hat!
Nachtrag
Heilpflanzen sind ohne Zweifel wirksam. Wie stark wirksam und wie sie wirken, hängt von der Anwendung ab. Man muss die entsprechenden Pflanzenteile dem Wirkstoff entsprechend ernten und zubereiten, auch bei der Einnahme gibt es Regeln zu beachten. Bei Giftpflanzen ist grundsätzlich von Eigenmedikation abzuraten, auch wenn sie scheinbar nicht stark giftig sind. Besonders bei Teedrogen ist zu beachten, dass hier die eingenommene Wirkstoffmenge nur wenig regulierbar ist.

Tiere des Waldes

Totholz -Lebensraum für sehr viele Tiere
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Totholz -Lebensraum für sehr viele Tiere
Der Artenreichtum der Tiere ist ebenfalls sehr groß. Säugetiere: Bei uns wird oft der Rothirsch (Cervus elaphus) als König der Wälder bezeichnet, wobei dieser Titel eigentlich dem Braunbären (Ursus arctos) gebührt, welcher leider bei uns ausgerottet wurde. Unter den Hirschen gibt es die europäischen Damhirsche (Dama) und Rehe (Capreolus capreolus), die nordamerikanischen Rentiere (Rangifer tarandus) und den größten Hirsch, den bis über 400 kg schweren Elch (Alces alces) aus Osteuropa, Skandinavien, Russland und Nordamerika. Wildschweine (Sus scrofa) suchen häufig nachts und in der Dämmerung auf Lichtungen am Waldrand nach Beeren oder graben im Wald nach Wurzeln. Als Raubtiere leben im Wald zum Beispiel verschiedene Bären (Ursidae), Baummarder (Martes martes), Vielfräße (Gulo gulo), Wölfe (Canis lupus), Füchse (Vulpes), Luchse (Lynx lynx) und Wildkatzen (Felis silvestris). Zu den kleineren Pflanzenfessern zählen Waldmäuse (Apodemus sylvaticus), Eichhörnchen (Sciurus) und Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus).

Vögel: In Hallenwäldern leben und brüten im Durchschnitt ungefähr 20 bis über 30 Vogelarten (Aves). Hierzu zählen unter anderem der Buchfink (Fringilla coelebs), die Kohlmeise (Parus major), der Zaunkönig (Troglodytes troglodytes), der Waldkauz (Strix aluco) und viele Spechte (Picidae). Zu den Greifvögeln gehören in den heimischen Wäldern Habichte (Accipiter gentilis), Sperber (Accipiter nisus) und oft auch Bussarde (Buteo buteo). Der größte Vogel im Wald ist der Uhu (Bubeo bubeo). Er geht im Schutz der Dunkelheit auf Jagd und reißt dabei manchmal sogar kleine Rehe und Kitze, gibt sich meistens jedoch mit Mäusen zufrieden.

Reptilien und Amphibien: So gut wie alle bei uns einheimischen Reptilien (Reptilia) suchen gelegentlich den Wald auf. Ausnahmen bilden die Sumpfschildkröten (Emys orbicularis), sie halten sich ausschließlich am und im Wasser auf. Die stärkste Waldbindung unter den Reptilien haben die Äskulapnatter (Zamenis longissimus), die Zauneidechse (Lacerta agilis) und die Waldeidechse (Zootoca vivipara). In den USA kommen häufig Kornnattern (Pantherohis gutattus) in trockeneren Eichenlaubwäldern vor. Amphibien (Amphibia) benötigen feuchte Stellen und sind daher besonders zahlreich in Au- und Erlenbruchwäldern zu finden. In tieferen Wäldern trifft man häufig auf Feuersalamander (Salamandara salamandra) und verschiede Kröten, zum Beispiel die Erdkröte (Bufo bufo).

Gliederfüßer und andere Wirbellose: Unter ihnen finden sich in Wäldern vor allem Wolfsspinnen (Lycosidae), Mistkäfer (Geotrupidae), Totengräber (Nicrophorus), Milben (Acari) und Springschwänze (Collembola). Auch verschiedenste Würmer sind sehr zahlreich vertreten. Ameisen wie die Rote Waldameise (Formica rufa) finden auch zahlreich ihren Lebensraum im Ökosystem Wald.

Eine Nahrungskette aus einheimischen Wäldern:

Einfluss von großen Pflanzenfressern auf den Wald

Totholz mit Pilzen, sie ernähren sich von dem abgestorbenen Holz
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Totholz mit Pilzen, sie ernähren sich von dem abgestorbenen Holz

Große Pflanzenfresser werden in der Ökologie als Megaherbivoren bezeichnet. Diese großen Pflanzenfresser gestalten unter natürlichen Bedingungen ganze Landschaften, auch für andere Arten, die in die neu gestalteten Landschaften Einzug halten. In Mitteleuropa rechnet man Europäische Rehe (Capreolus capreolus), Wildschweine (Sus scrofa), Rothirsche (Cervus elaphus), Europäische Damhirsche (Dama dama), Braunbären (Ursus arctos), Elche (Alces alces), Gämsen(Rupicapra rupicapra), Wisente (Bison bonasus) und ansatzweise, insbesondere saisonal, auch Alpensteinböcke (Capra ibex) zu den Megaherbivoren. Biber (Castor fiber) gehören zwar nicht der Größe nach zu den großen Pflanzenfressern oder Megaherbivoren, jedoch können Biber durch ihre Bauaktivitäten Landschaften großflächig umgestalten.

Speziell in Mitteleuropa sind viele der großen Pflanzenfresser selten geworden oder bereits vom Menschen verdrängt oder ausgerottet worden. Die Überjagung setzte bereits in historischer und prähistorischer Zeit ein. Mit dem Aufkommen des Modernen Menschen vor etwa 40.000 Jahren begann der schleichende Niedergang der großen Pflanzenfresser. Mit Beginn des Glazials, im frühen Holozän, waren bereits einige Arten wie beispielsweise der Höhlenbär (Ursus spelaeus) völlig ausgerottet. Einige Forscher gehen in Bezug auf das Verschwinden einiger Arten zwar von der Klimahypothese aus, jedoch erscheint speziell die Overkill-Hypothese schlüssiger zu sein. <1>

Megaherbivoren kann man in vier Gruppen einteilen: a) Megaherbivoren, die durch Körpergröße und mechanische Eigenschaften einen großen Einfluss auf die Vegetation haben, b) Grasfresser, die Weideland schaffen und erhalten, c) Arten, die in Herden leben und d) Biber, die durch die Gewässerumgestaltung eine Moorbildung auslösen können. Heute leben nur noch wenige große Pflanzenfresser in Mitteleuropa. Ihre Populationsstärke ist im Allgemeinen sehr gering. Die Auswirkungen auf den heutigen Wald halten sich in Grenzen, da die Bestandsdichte einfach zu gering ist.

Im Gefolge großer Pflanzenfresser treten immer größere Raubtiere (Carnivora) in Erscheinung. Sie haben einen entscheidenden Einfluss auf die Bestandsdichte und somit auch Einfluss auf die Auswirkungen der Megaherbivoren auf den Wald. Ebenfalls einen Einfluss, wenn auch einen deutlich geringeren, auf die Populationsdichte haben beispielsweise Parasiten und Krankheiten. In Mitteleuropa zeigt sich der größte Einfluss auf den Wald durch Wildschweine, die fast überall in den Wäldern noch häufig anzutreffen sind.

Neben den direkten Einflüssen durch Megaherbivoren können auch zahlreiche andere Faktoren einen positiven oder negativen Einfluss auf die Diversität des Wald-Offenlandes haben. Dies sind insbesondere:

  • Tierwanderungen saisonaler und unregelmäßiger Art
  • Zeitweise Dezimierung von Megaherbivoren durch Krankheiten, Seuchen oder besonders strenge Winter
  • Schädigung von Gehölzen durch Krankheiten, Dürre, Windwurf oder Insektenbefall (insbesondere Käferlarven)
  • Überweidung von Grasfluren
  • Natürliche oder vorsätzlich gelegte Brände

Der Wald und der Mensch

Forstwirtschaft

Die Bewirtschaftung des Waldes ist im Wesentlichen in § 11 Bundeswaldgesetz geregelt. Demnach ist ein Wald nachhaltig und ordnungsgemäß zu bewirtschaften. Die Aufsicht obliegt dabei in hoheitlicher
Weißdorn (Crataegus monogyna), ein häufiger Bewohner der Strauchschicht eines Waldes. Seine Inhaltsstoffe werden vor allem bei Kreislaufproblemen genutzt, ein Tee ist ohne Bedenken selbst herzustellen und einnehmbar.
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Weißdorn (Crataegus monogyna), ein häufiger Bewohner der Strauchschicht eines Waldes. Seine Inhaltsstoffe werden vor allem bei Kreislaufproblemen genutzt, ein Tee ist ohne Bedenken selbst herzustellen und einnehmbar.
Tätigkeit den lokalen Forstbehörden, die dem Waldbesitzer mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Hilfe liegt insbesondere in der Planung, der Überwachung und eventueller Erstellung von Betriebsplänen. Für den Waldbesitzer ist die Beratung und die Anleitung kostenfrei, die Betreuung durch tätige Mithilfe erfolgt jedoch nur gegen Entgelt. Die Forstwirtschaft bezieht sich volkswirtschaftlich insbesondere auf die Rohstofferzeugung sowie auf Boden-, Klima- und Wasserschutz. Aber auch der Artenschutz ist Teil der Forstwirtschaft. Ein wichtiger Begriff bei der Rohstofferzeugung ist die Nachhaltigkeit. Durch die Nutzung eines Waldes darf dem Ökosystem kein Schaden zugefügt werden. Die Nachhaltigkeit ist insbesondere in Bezug auf die biologische Diversität, Produktivität und Vitalität zu beachten. <3>

Gerade in Deutschland stellt die Forstwirtschaft einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor dar. Rund 30 Prozent der Fläche Deutschlands besteht aus Wäldern. Dies entspricht rund 11,1 Millionen Hektar oder 111.000 Quadratkilometer. 10,4 Millionen Hektar werden dabei als potenzielles Rohholzaufkommen angesehen. Die offensichtliche Differenz zur Gesamtwaldfläche ergibt sich aus der Tatsache, dass Wälder mit Geländehindernissen aus der Modellierung herausgenommen wurden. Geländehindernisse können beispielsweise Flüsse, andere Gewässer oder Gebirge sein. <2> Die Waldfläche lässt sich auch nach Eigentumsverhältnissen einteilen: 29,6 Prozent der Gesamtwaldfläche entfallen auf Staatsforst, 47 Prozent auf Privatwald und 23,4 Prozent entfallen auf Körperschaftswald. Körperschaften können Gemeinden, Städte oder auch Gemeinschaftsbesitztümer sein. Laut dem Statistischen Bundesamt erwirtschaftete die Holzindustrie im Jahre 2003 rund 35,92 Milliarden Euro. Im genannten Zeitraum beschäftigte die Holzindustrie rund 237.000 Mitarbeiter.

Hutewald

Der Hutewald (auch Hudewald oder Hutung) ist ein als "Waldweide" genutztes Waldgebiet.Der Name kommt von "Hutung", was von "hüten" abgeleitet wurde. Die meisten Hutewälder entstanden während der Jungsteinzeit und im Mittelalter, als sie auch große Flächen zwischen den menschlichen Siedlungen ausfüllten. Dort wurde das Vieh in die Wälder getrieben, damit sie die Eicheln, Bucheckern und Haselnüsse fressen konnten (die sog. Mast). Dabei hat es sich überwiegend um Schweine (Suidae), Rinder (Bovinae) und Hauspferde (Equus caballus) gehandelt. Durch die Beweidung wurde der Boden frei von kleinen, jungen Bäumen und Sträuchern gehalten. Die alten Bäume konnten in Ruhe weiterwachsen, damit sie weiterhin als Futterliefernten zur Verfügung standen. Sie bildeten große, mächtige Kronen, welche manchmal kaum Licht zum Boden ließen. Meistens sind sie jedoch durch die Reduzierung der natürlichen Verjüngung sehr licht. Die Nutztiere drängten oft jegliches krautige Gewächs aus den jeweiligen Gebieten, wodurch sich auch die Bodenvegetation änderte. Durch die nach und nach folgende Stallhaltung gab es nun kaum mehr Hutewälder; sie waren nicht mehr nötig. Ab etwa dem 17. Jahrhundert begann der Rückgang der Hutewälder, im 19. Jahrhundert wurde die Nutzung als Hutewald verboten, weil sie sich als schädlich auf den Wald auswirken sollte. Heutzutage gibt es in Mitteleuropa nur noch vereinzelt Hutewälder, welche zumeist naturgeschützt sind, so z.B. der Reinhardswald in Hessen. In Südeuropa gibt es sogar noch gebietsweise genutzte Hutewälder. Dort bestehen die Hutewälder vor allem aus Eichen, Buchen und Hainbuchen. Aufgrund ihrer großen Bedeutung für eine große Menge gefährdeter Tiere und Pflanzen stehen die meisten Hutewälder unter Naturschutz. Typisch sind Käfer (Cleoptera) wie verschiedene Bockkäfer (Cerambycidae) und Spechte (Picidae).

Bestandsentwicklung

Ursprüngliche Verbreitung von Fichte und Buche in Europa
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Ursprüngliche Verbreitung von Fichte und Buche in Europa

Die letzte Waldinventur hat ergeben, dass die Waldfläche in Deutschland von 1987 bis zum Jahre 2002 um rund 54.000 Hektar (nur alte Bundesländer) zugenommen hat. Davon entfallen auf den Körperschaftswald etwa 22.000 Hektar, auf den Staatswald 15.000 Hektar und auf den Privatwald rund 14.000 Hektar. Das durchschnittliche Alter der Wälder ist im o.g. Zeitraum um etwa 5 Jahre gestiegen, dies trotz der intensiven Nutzung und des Verlusts durch Sturmschäden. Der Holzvorrat stieg um 417 Millionen Festmeter an. Pro Hektar ergibt sich daraus eine Erhöhung von 55 m³. Insbesondere Nadelbäume wie Fichte, Tanne, Douglasie, Kiefer und Lärche konnten von der erhöhten Bevorratung profitieren. <4>

Tourismus, Erholung

Der Wald ist Erholungsraum für Millionen von Stadtmenschen. Dies hat zur Folge, dass Waldgebiete und bewaldete Parkanlagen in der Nähe größerer Städte gut besucht sind. Wanderer gehen kilometerweit durch den Wald, Jogger nutzen ihn als Laufstrecke, Hundebesitzer führen ihre Hunde aus und viele Wanderer wollen ihre Freizeit an der frischen Luft verbringen. Läden, Kioske und Souvenirläden, in Waldnähe gelegen, sind daher auch gut besucht. Die Gastronomie am und im Wald stellt einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor dar. Waldgebiete in der Nähe von Ballungsräumen werden als Naherholungsgebiete bezeichnet. Die "Wohlfahrtswirkung des Waldes" ist heute unumstritten. Auch ist erwiesen, dass Menschen, die regelmäßig in Wäldern, fern von Autos und Smog, arbeiten und sich dort aufhalten, seltener krank werden und oft einen weniger anfälligen Kreislauf haben. Auch treten bei Menschen aus ruhigen, in Waldnähe gelegenen Gebieten weniger nervenbedingte Krankheiten auf; möglich auch, dass ihr Immunsystem dadurch gestärkt wird.

Bedrohung und Schutz

Der Wald wird vor allem durch Raubbau, gezieltes Feuerlegen und Umweltgifte bedroht. Oft gelangen Chemikalien (zum Beispiel Quecksilber) aus Industriegebieten in Flüsse und von dort aus ins Grundwasser. Das Grundwasser kann dann einen Wald unterfließen und so an die Wurzeln der Bäume gelangen, die dadurch, je nach Vergiftungsart und -stärke, krank werden oder gar absterben. In Monokulturen kommt es oft zu Borkenkäferbefall. Dann ist das Abholzen des gesamten Bestandes notwendig sowie die Behandlung mit Chemikalien. Diese Behandlungen müssen direkt vor Ort stattfinden, um die Käfer nicht zu verschleppen. Allerdings leiden dabei immer auch die anderen Tiere. Manchmal werden alte Müllkippen mit Erde bedeckt und verwildert gelassen. Gelangen aber die Wurzeln größerer Bäume irgendwann einmal an den Müll, kann es zu massenhaftem Absterben der Bäume kommen, sollten noch Altöle in verrosteten Fahrzeugen oder Ähnliches unter der Erde vorhanden sein. Wenn die Bäume absterben und keinen Schatten mehr geben, gehen auch viele Schattenpflanzen ein.

Zum Schutz der Wälder kann jeder beitragen. Wer bei einem Waldgang den vorgefundenen Müll einsammelt und ordnungsgemäß an den kommunalen Abgabestellen entsorgt, trägt zum Naturschutz bei. Borkenkäfer (Scolytidae) kann man durch das Anpflanzen von Mischwäldern mit überwiegende Buchen- und Eichenbestand bekämpfen, denn Borkenkäfer befallen mit Vorliebe Weichholz der Nadelbäume sowie kranke Laubbäume. Auch sollten mehr Naturschutzgebiete erstellt werden, in denen Alt- und Totholzbestände belassen werden und der Naturschutz regelmäßig kontrolliert wird.

Galerie

Wälder und Pflanzen/Pilze

Tiere

Siehe auch

Literatur und Quellen

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