Östliche Smaragdeidechse

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Östliche Smaragdeidechse

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Autarchoglossa
Familie: Echte Eidechsen (Lacertidae)
Gattung: Halsbandeidechsen (Lacerta)
Art: Östliche Smaragdeidechse
Wissenschaftlicher Name
Lacerta viridis
Laurenti, 1768

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Östliche Smaragdeidechse (Lacerta viridis) zählt innerhalb der Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae) zur Gattung der Halsbandeidechsen (Lacerta). Im Englischen wird die Östliche Smaragdeidechse European green lizard genannt. Nach einem wertvollen, leuchtend grünen Edelstein, dem Smaragd, ist diese größte einheimische Eidechsenart benannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die größte und farblich schönste mitteleuropäische Eidechsenart ist zweifelsohne die Smaragdeidechse, die in die nähere Verwandtschaft der Zauneidechse (Lacerta agilis) gehört und mit einer Körperlänge von 30 bis 40 Zentimeter (davon entfallen etwa Zweidrittel auf den Schwanz) die doppelte Körperlänge wie diese erreicht. Der Körper ist recht kräftig entwickelt. Das Männchen weist einen größeren Kopf als das Weibchen auf, in einigen Populationen auch mit längeren kräftigen Beinen und Schwänzen als das Weibchen. Von der Riesen-Smaragdeidechse (Lacerta trilineata), bis zu 60 Zentimeter, mit der die Smaragdeidechse teilweise gemeinsam vorkommt, sind folgende Merkmale wichtig: Das Schnauzenschild berührt häufig nicht das Nasenloch, meist weniger als 20 Schläfenschilder. Die Körnerschuppen zwischen Augenbrauen- und Augendeckschildern fehlen oder sind nur vereinzelt erkennbar. Ferner sind die Bauchschilder in sechs Längsreihen vorhanden, ein im Verbreitungsgebiet der Smaragdeidechse weitgehend sicheres Merkmal zur Unterscheidung von der Riesen-Smaragdeidechse (Lacerta trilineata), die ebenfalls nur sechs Längsreihen besitzt, berührt das Verbreitungsgebiet der Smaragdeidechse im Kaukasusgebiet nicht. Von der Iberischen Smaragdeidechse (Lacerta schreiberi), bis 30 Zentimeter, unterscheidet sie sich durch den ungefleckten Bauch. Erwachsene Männchen und viele Weibchen sind oberseits gelblichgrün und grasgrün, meist von zahlreichen kleinen schwarzen Pünktchen durchsetzt. Halbwüchsige und manche Weibchen sind oft einfarbig braun, häufig schwarz gefleckt und besitzen zwei bis vier schmale, helle Längsstreifen. Die Unterseite ist gelblich bis weiß und ungefleckt. Bei den Männchen, zum Teil auch bei alten Weibchen, wird die Kehle zur Paarungszeit leuchtend blau. Die Jungtiere sind einfarbig braun, können aber auch helle Flecken an den Flanken bzw. zwei oder vier helle Streifen (aber keinen Mittelstreifen) tragen. Im zweiten Jahr mit kontrastreichem dunkel-großfleckigem Jugendkleid, das allmählich in eine Grünfärbung übergeht.

Lebensweise

Die Smaragdeidechsen sind recht scheu und ziehen sich bei Störungen sofort zurück. Lediglich in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden lassen sie sich besser beobachten, obwohl sie auch dann bei der ersten unbeabsichtigten Bewegung in ihrem Bau verschwinden. Zum Sonnen halten sie sich gern in direkter Nähe zu ihrem Quartier auf, das aus einem Mäusebau oder Hohlräumen im Gestein bestehen kann. Sonnenplätze mit 32 bis 37 Grad Celsius werden bevorzugt. Mit ausgebreiteten Rippen versuchen sie dann möglichst intensiv das Sonnenlicht zu nutzen. Die heißen Mittagsstunden verbringen sie jedoch an schattigen Stellen, die in der Vegetation reichlich vorhanden sind. Die Winterruhe wird in selbstgegrabenen Höhlungen, zwischen und unter Steinen, Holzstumpen oder in natürlichen Höhlungen oft schon ab September (Alttiere) gehalten. Die Jungtiere sind bis Ende Oktober/Anfang November aktiv. Die Smaragdeidechse ist von ihrem Lebensraum her zwischen der Mauereidechse (Podarcis muralis), die sehr trockene und warme Plätze bevorzugt, und der Waldeidechse (Zootoca vivipara) einzuordnen, die bewachsene, etwas feuchte Lebensräume besiedelt. Sie kommt nicht selten unter anderem zusammen mit der Zauneidechse (Lacerta agilis) vor. Ende Juni verblaßt innerhalb weniger Tage die Kehlfärbung und kündigt das Ende der Paarungszeit an. Die Tiere sind dann viel weniger aggressiv und leben zum Teil dicht nebeneinander. Es ist nichts mehr von den Rivalitäten zu spüren. Ihr wichtigstes Anliegen scheint nun die Jagd nach Insekten (Insecta) zu sein. Kann sich die Smaragdeidechse nicht in ihr Versteck flüchten, so stürzt sie in hastiger Flucht den Hang hinunter, um irgendwo im Gestrüpp, wie Brombeer- oder Rosengebüsch zu verschwinden. Erst nach einigen Häutungen im April erscheint beim Männchen die auffällige Kehlfärbung. Heftige Auseinandersetzungen zur Revierverteidigung finden statt, die in der Regel ohne Verletzungen enden. Dabei kommt es zu typischen Droh- und Imponiergebärden. Diese spielen auch eine wichtige Rolle bei den sogenannten Kommentkämpfen der Männchen, welche der Balz vorausgehen und die Hierarchie der Männchen innerhalb der Population festlegen. Die Gegner beißen sich bei ihren Kämpfen abwechselnd in die Hinterköpfe, wobei die Tiere durchaus ernste Bißwunden davontragen könnnen. Das unterlegene Tier ergreift schließlich die Flucht. Eine Demutsgebärde gegenüber ranghöheren Tieren ist das Treteln, das bei letzteren offensichtlich eine Beißhemmung bewirkt, so dass ernste Verletzungen selten sind.

Unterarten

Östliche Smaragdeidechse - Männchen
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Östliche Smaragdeidechse - Männchen

Verbreitung

Die Östliche Smaragdeidechse ist in West-, Mittel- und Südeuropa weit verbreitet. Des Weiteren kommt sie im nördlichen Kleinasien vor. Im Norden bis zu den Kanalinseln, Westfrankreich (Oberrhein), Südalpen, Tschechien und südlichen Teil der Ukraine. Isolierte Populationen finden sich noch weiter nördlich, zum Beispiel in Brandenburg, Kaiserstuhl, bei Passau, an der Mosel und am Mittelrhein. Das südliche Verbreitungsgebiet reicht bis in den Norden der Iberischen Halbinsel, nach Sizilien und Griechenland. Auf vielen Mittelmeerinseln fehlt die Smaragdeidechse, nachgewiesen ist sie jedoch in der Tyrrhenis für Elba, Palmarola und Marettimo sowie in der Ägäis für Thasos, Samothraki, Skiathos, Skyros, Euböa. Im Süden ihres Verbreitungsgebietes kommt sie bis etwa 2.000 Meter hoch im Gebirge vor. Die Vorkommen der Smaragdeidechse sind jedoch auf der Alpennordseite auf einige wenige besonders wärmebegünstigte Gebiete beschränkt. Hier siedelt sie vorzugsweise in Biotopen, die sowohl üppig mit Vegetation bedeckte als auch teilweise vegetationsfreie Bereiche aufweisen. Je nach der geografischen Lage ist die Ausprägung natürlich unterschiedlich: Für Ostdeutschland wird der Biotop zum Beispiel als Böschungsraum zwischen karger Kiefernheide und einer in Ost-West-Richtung verlaufenden Straße beschrieben. In Rheinland-Pfalz existieren Populationen in Bereichen von stark bebuschten Trockenbrachen bzw. Trockenrasen. Dort findet man die Tiere auch an Weg- und Straßenrändern sowie an Bahntrassen. Aufgrund der Bindung des Weinbaus an die wärmebegünstigten Flußtäler liegen Smaragdeidechsen-Vorkommen oft im Randbereich von Weinbergen sowie in aufgelassenen Wein- und Obstgärten mit Bruchstein-Trockenmauern. Charakteristisch für alle Smaragdeidechsen-Lebensräume ist jedoch die starke Bodenbedeckung mit dichter, kräutiger Vegetation oder zumindest des Vorhandensein einzelner im Bodenbereich dichter Büsche auf Grasland. Dichtes Gewirr aus Brombeerranken ist zum Beispiel häufig in den entsprechenden Bereichen zu finden. Das Gestrüpp bietet den Tieren Schutz vor Feinden sowie vor zu intensiver Besonnung. Gleichzeitig ist hier das notwendige Maß an Luftfeuchtigkeit vorhanden. Im Innern der Pflanzenbestände finden sich außerdem Zugänge zu Bodenhöhlen (entweder selbstgegraben oder erweiterte Nagerbaue und ausgefaulte Wurzelgänge), die als Nacht- und frostsichere Winterquartiere dienen. Zum Sonnenbaden klettern die Tiere manchmal in die Vegetation hinauf oder sie liegen am Rande der Pflanzenbestände auf Steinplatten bzw. dem erwärmten Boden. Kleinflächige vegetationsfreie Bodenstellen werden, vor allem in südexponierter Hanglage, als Eiablageplätze genutzt. Große unbewachsene Bodenflächen werden offensichtlich von Smaragdeidechsen gemieden bzw. schnell durchlaufen.

Junge Östliche Smaragdeidechse
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Junge Östliche Smaragdeidechse

Ernährung

Die Östliche Smaragdeidechse ernährt sich von größeren Insekten (Insecta) wie Raupen von Schmetterlingen (Lepidoptera), Langfühlerschrecken (Ensifera) sowie Kurzfühlerschrecken (Caelifera), Grillen (Gryllidae) sowie von Käfern (Coleoptera). Aber auch Schnecken (Gastropoda), Asseln (Isopoda), Regenwürmer (Lumbricidae) und Spinnentiere (Arachnida) werden nicht verschmäht. Daneben erbeutet sie auch gelegentlich kleinere Eidechsen, Jungschlangen und sogar Junge der eigenen Art. Ab und zu nimmt sie auch saftige Früchte auf.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Östlichen Smaragdeidechse gehören, sofern im selben Lebensraum vorkommend, unter anderem Schlangen (Serpentes) wie die Schlingnatter (Coronella austriaca), Aspisviper (Vipera aspis), Wiesenotter (Vipera ursinii), Gelbgrüne Zornnatter (Coluber viridiflavus), Europäische Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus), Greifvögel (Falconiformes) wie zum Beispiel der Schlangenadler (Circaetus gallicus) und Rabenvögel (Corvidae). Die Jungtiere werden auch von verschiedenen Würgerarten (Laniidae) wie der Neuntöter (Lanius collurio) gejagt. In der Nähe von Siedlungen ist die Östliche Smaragdeidechse durch wildernde Hauskatzen (Felis catus) stark gefährdet.

Fortpflanzung

Nach Beendigung der Winterruhe paaren sich die Tiere im April bis Mai, wobei es zu ritualisierten Kämpfen unter den Männchen kommt. Das platzbeherrschende Tier, das stärkste Männchen, paart sich mehrfach mit dem Weibchen. Bei der Paarung verbeißt sich das Männchen an der Flanke des Weibchens, vor dessen Hinterbein, schiebt seine Kloake unter die des Weibchens und führt einen Hemipenis ein.
Eine männliche und eine weibliche Östliche Smaragdeidechse
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Eine männliche und eine weibliche Östliche Smaragdeidechse
Auf der dem Weibchen zugewandten Seite greift sein Hinterbein über die Schwanzwurzel des Weibchens. Im Laufe der Paarungszeit kopulieren die Tiere meist mehrmals. Das Weibchen legt im Mai/Juni, sechs Wochen nach der Befruchtung, zwischen 5 und 13 Eier (8 bis 9 x 14 bis 15 Millimeter im Durchmesser), maximal sind 21 Eier gezählt worden, in einer selbstgegrabenen Grube ab. In klimatisch günstigen Gebieten legen die Weibchen zweimal im Jahr Eier. Besonders nachts sind die trächtigen Weibchen unterwegs, um geeignete Plätze ausfindig zu machen. An lockererdigen Stellen wird während der ganzen Nacht gearbeitet, um die Grube auszuschachten, in 10 bis 20 Zentimeter Tiefe die Eier abzulegen und diese dann mit Erde zuzuschütten. In Gebieten mit schwer grabbarem Bodensubstrat scheinen mehrere Weibchen dieselbe Stelle zu benutzen, ohne das Loch zu verschließen. Immerhin 2,5 bis 3 Monate benötigen die Jungtiere bis zum Schlupf. Etwa Mitte August erblicken die ersten Jungtiere das Licht der Welt. Bis Anfang Oktober zieht sich, je nach Ablagedatum, der Schlupf hin. Ungefähr 7,5 bis 9 Zentimeter lang sind die Jungtiere anfangs, viel größer als die jungen Zauneidechsen (Lacerta agilis). Sie können braun oder braungrün sein, mit einigen hellen Flecken oder zwei bis vier Längsstreifen, die jedoch sehr variabel sind. Trotz der gewaltigen Größenunterschiede sind die Jungtiere durch ihre Eltern nicht gefährdet, ebenfalls eine Gemeinsamkeit mit der

Zauneidechse (Lacerta agilis). Die Weibchen erreichen nach der zweiten Überwinterung die Geschlechtsreife. Man kann sie nach dem Schlupf durchaus in der Nähe der gutgenährten erwachsenen Tiere finden, wenn auch in der Regel die Jungen eigene Plätze zum Sonnen und Jagen haben. Gefahr droht den kleinen Eidechsen insbesondere von der Schlingnatter (Coronella austriaca), die als Eidechsenjäger den Zauneidechsen (Lacerta agilis), Smaragdeidechsen und Mauereidechsen (Podarcis muralis) nachstellt. Erwachsene Smaragdeidechsen sind allerdings so wehrhaft, dass sie die Schlange nicht fürchten müssen.

Gefährdung und Schutz

Peters beurteilt aufgrund langjähriger populationsökologischer Studien an einer Smaragdeidechsen-Population in der Mark Brandenburg den Bestand als vom Aussterben bedroht. Heute existieren dort noch drei invididuenschwache Populationen. Er führt dies auf die zunehmende Ozeanisierung des mitteleuropäischen Klimas seit dem Atlantikum zurück, vor allen Dingen auf die sonnenscheinarmen Sommer. Fehlt Sonnenschein, so ist der Schlupferfolg der Eier mehr gering, was bei Aufeinanderfolge mehrerer wolkenreicher Sommer zur Überalterung und Schwächung der Bestände führt. Derartige Zusammenhänge scheinen jedoch für die westlichen Populationen in Mitteleuropa nicht vorzuliegen, denn die Bestände sind trotz vergleichsweise stärkerer atlantischer Klimaeinflüsse stabil. Daraus folgern Wissenschaftler, dass es sich hier um unterschiedliche Rassen mit verschiedenen Klimaansprüchen handelt. Einzelne Forscher unterscheiden neuerdings sogar zwei Arten, die Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata) und die Östliche Smaragdeidechse. Die westlichen Populationen an ihrer nördlichen Verbreitungsgrenze (zum Beispiel am Mittelrhein) sind hauptsächlich durch Zerstörung ihrer Lebensräume gefährdet: durch Intensivierung des Weinbaus, Biozidspritzungen, Flurbereinigung, aber auch durch fortschreitende Wiederbewaldung der Flächen nach Brachfallen. Nur durch Sicherung der Lebensräume kann die Weiterexistenz dieser Art unserer Fauna langfristig garantiert werden. Die wenigen Einzelvorkommen in Deutschland sind selbstverständlich vollkommen unter Schutz gestellt. In Deutschland ist also eine Entnahme aus dem Freiland strikt verboten. Hat man dennoch einmal die Möglichkeit zur Pflege dieser Art in Gefangenschaft (meist sind es südeuropäische Tiere), so sind Zuchterfolge fast nur in einem Freilandterrarium zu erzielen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Claus-Peter Hutter: Schützt die Reptilien. Das Standardwerk zum Schutz der Schlangen, Eidechsen und anderer Reptilien. Weitbrecht-Verlag in K. Thienemanns Verlag, Stuttgart und Wien, 1994 ISBN 3522304608
  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther, Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas (Beobachten und Bestimmen). Neumann Verlag GmbH, Radebeul, 1993 ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab, Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten. Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich, 1996 ISBN 3-405-14936-3
  • Ralf Blauscheck: Amphibien und Reptilien Deutschlands. Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1985 ISBN 3784203175
  • Das Tierreich nach Brehm. Buch und Bildverlag

Links

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