Acanthoscurria chacoana

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Acanthoscurria chacoana

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Gattung: Acanthoscurria
Art: Acanthoscurria chacoana
Wissenschaftlicher Name
Acanthoscurria chacoana
Brèthes, 1909

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:001660]

Die Acanthoscurria chacoana zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Acanthoscurria. Im Englischen wird die Art bolivian salmon pink oder bolivian redrump genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Acanthoscurria chacoana ist eine mittelgroße Spinne und erreicht eine Körperlänge von etwa 6 bis 7 Zentimetern. Die Grundfärbung dieser Art ist dunkelbraun bis schwarz. Der Carapax weist ebenfalls eine dunkelbraune bis schwarze Färbung auf. Zusätzlich ist der Carapax mit einem weißlichen Rand umsäumt. Das Opisthosoma ist schwärzlich gefärbt und ist mit einer längeren rotbraunen Behaarung bedeckt. Das Weibchen ähnelt sehr der weiblichen Weißknievogelspinne (Acanthoscurria geniculata). Die Stridulationsborsten sind bei Acanthoscurria chacoana am Tastertrochanter retrolateral und häufig auch am Trochanter I retrolateral vorhanden, bisweilen nur auf einer Körperseite. Die Tibia I ist mit einer seitlichen stumpfen bedornten Apophyse versehen. Die Tastertibia weist einen ventralen Auswuchs auf. Der Embolus ist apikal stark verbreitet und abgestutzt. Die Spermathek ist oft mit einem sehr breitem Basalteil ausgestattet. Auf dem Femur IV retrolateral befinden sich Haftpolster. Die Jungspinnen sind im Gegensatz zu den adulten Tieren bunter gefärbt. Ihre grundlegende Färbung ist schwarz. Das Opisthosoma ist durch dicke, lange rote Haare bedeckt. Die Beinglieder sind dicht behaart. Das adulte Männchen weist eine ähnliche Färbung auf wie die Jungspinnen. Das Männchen besitzt im adulten Stadium deutlich sichtbare Tibialhaken und Bulben. Der gesamte Körper ist mit einer Behaarung bedeckt und überwiegend sind die Härchen mit Nervenzellen verbunden und dienen somit als Tasthaare, die auf Berührung und Vibrationen empfindlich reagieren. Hauptsächlich weisen die Beine eine starke Behaarung auf. Die übrigen Härchen werden in Brennhaare, Hörhaare, Geschmackshaare und Hafthaare unterschieden. Die Brennhaare bei der Art sind besonders stark und verursachen einen anhaltenden Juckreiz.

Lebensweise

Acanthoscurria chacoana ist eine bodenbewohnende Vogelspinne und lebt wie fast alle Vogelspinnen einzelgängerisch und ist eine nachtaktive Spinne, die sich nie weit von ihrer Höhle entfernt. Die Art führt im Grunde genommen eine versteckte Lebensweise. Acanthoscurria chacoana ist eine stark grabende Art, sie bezieht aber auch verlassene Höhlen anderer Tiere und baut sie entsprechend aus. Acanthoscurria chacoana zählt zu den sogenannten Bombadierspinnen. Bei Gefahr kann sie ihre Reizhaare, die sich auf dem Opisthosoma (Hinterleib) befinden, abstreifen. Die Brennhaare können ein Jucken und Brennen der Haut und der Atemwege verursachen. Allerdings zieht die Spinne es vor zu flüchten, bevor sie ihre Reizhaare abstößt. Ferner verteidigt sich die Spinne auch durch Beißen. Kommt es zu einem Biss, muss die Wunde sofort desinfiziert werden, da sich auf den Cheliceren häufig Bakterien befinden, die eine Infektion auslösen können. Der Giftbiss selbst ist nicht so gefährlich wie die Infektion durch Bakterien.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Acanthoscurria chacoana befindet sich in Bolivien (Cerrito Sta. Cruz), Argentinien (Chaco, Tucuman, La Rioja, Iliar) sowie in Paraguay. Die Art ist eine typische Bewohnerin waldreicher Landschaften, die häufig zwischen den Wurzeln alter Bäume in feuchtwarmen Regenwäldern bis hin zu Trockenwäldern lebt. Schattierte felsreiche Gegenden werden ebenfalls besiedelt.

Ernährung

Acanthoscurria chacoana ernährt sich in ihrem natürlichen Lebensraum von Eidechsen (Lacertidae), Grillen (Gryllidae), Heuschrecken wie Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera), Zikaden (Auchenorrhyncha), Schmetterlinge (Lepidoptera) und deren Raupen sowie von Käfern (Coleoptera) und von anderen kleinen Tieren. In Gefangenschaft kann die Ernährung vielfältig sein und besteht meist aus Grillen (Gryllidae), Heuschrecken wie Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und aus Larven vom Mehlkäfer (Tenebrio molitor).

Fortpflanzung

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft Acanthoscurria chacoana mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Kokon. Das Weibchen kann bis zu 2.000 Eier produzieren. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Spannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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