Afrikahabicht

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Afrikahabicht

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Habichte und Sperber (Accipitrinae)
Gattung: Habichte und Sperber (Accipiter)
Art: Afrikahabicht
Wissenschaftlicher Name
Accipiter tachiro
(Daudin, 1800)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Afrikahabicht (Accipiter tachiro) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Habichte und Sperber (Accipiter). Im Englischen wird der Afrikahabicht african goshawk genannt. Dieses Taxon wurde in zwei Spezies gesplittet, und zwar Accipiter tachiro und Accipiter toussenelii.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Afrikahabicht ist ein recht kleiner Greifvogel und erreicht eine Körperlänge von etwa 38 Zentimeter, wobei das Männchen kleiner ist als das Weibchen. In der Gefiederfärbung gleichen sich die Geschlechter. Der Kopf und der Schnabel weisen eine graue Färbung auf, während der Hals und die Brust weißlich erscheinen. Des Weiteren sind die Brust, der Bauch und der Bürzel mit einer braunen Querbänderung versehen. Das Obergefieder ist von einer braunen bis schwarzen Färbung. Die Iris weist eine braune Färbung auf. Die Beine sind normal proportioniert und von einer gelben Tönung. Des Weiteren hat der Afrikahabicht kurze, breite Flügel und einen langen Schwanz. Diese Eigenschaften ermöglichen dem Afrikahabicht eine große Wendigkeit beim Jagen von Beutetieren.

Lebensweise

Der Afrikahabicht tritt in Äthiopien und Eritrea sowie im Süden von Kenia, Uganda, Tansania, im südlichen Kongo, Sambia, Malawi und Angola sowie im südlichen Afrika auf, wo er kaum im nordöstlichen Namibia lokal (einschließlich des Caprivi-Zipfels) zu finden ist. Des Weiteren kommt der Afrikahabicht in Simbabwe, Mosambik, Südafrika, in der Provinz Limpopo, im Süden von Swasiland und KwaZulu-Natal sowie entlang der Küste der Ostkap-Provinz, Kapstadt sowie in der Westkap-Provinz vor. Der Afrikahabicht bevorzugt Wälder und vorstädtische Gebiete und hält sich gerne in der Westkap-Provinz auf heimischen Bäumen wie Akazien (Acacia) auf. Die Nester des Afrikahabicht werden häufig vom Wanderfalken (Falco peregrinus) und vom Mohrenhabicht (Accipiter melanoleucus) geplündert. Im Allgemeinen ist der Afrikahabicht ein standorttreuer Greifvogel, obwohl die Jugendlichen, wenn sie völlig unabhängig geworden sind, Wanderungen in andere Gebiete unternehmen.

Unterarten

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Afrikahabicht in folgenden Gebieten vor: Angola, Benin, Botswana, Burundi, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Kongo, Demokratische Republik Kongo, Côte d'Ivoire, Äquatorialguinea, Eritrea, Äthiopien, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kenia, Liberia, Malawi, Mosambik, Namibia, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Südafrika, Sudan, Swasiland, Vereinigte Republik Tansania, Togo, Uganda, Sambia und Simbabwe. Als Durchzügler hält sich der Afrikahabicht in Lesotho auf. Der Afrikahabicht lebt vorwiegend in subtropischen und tropischen feuchten Tieflandwäldern, in subtropischen und tropischen Wäldern mit Mangroven-Vegetation höher gelegenen Regionen, in subtropischen und tropischen Montanwäldern. Des Weiteren ist der Afrikahabicht in Feuchtgebieten (Inland) zu finden wie zum Beispiel Flüsse, Bäche und schmale Buchten mit Wasserfällen anzutreffen. Auch Plantagen und ländliche Areale werden von dem Afrikahabicht gerne besiedelt.

Ernährung

Einsiedlerkuckuck (Cuculus solitarius)
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Einsiedlerkuckuck (Cuculus solitarius)

Der Afrikahabicht ernährt sich hauptsächlich von Vögeln (Aves) und Säugetieren (Mammalia), ergänzt durch Eidechsen (Lacertidae). Die Jagd erfolgt in der Regel von einer Ansitzwarte aus, zum Beispiel von einer Baumkrone versteckt zwischen den Ästen oder Zweigen. Ist ein Beutetier in erreichbarer Nähe, so fliegt der Afrikahabicht kraftvoll auf und schlägt blitzschnell zu. Bei großen Ansammlungen von Tieren, wie zum Beispiel Fledermäusen, (Microchiroptera) jagen die Paare kooperativ. Folgende Beutetiere gehören zum Nahrungsspektrum des Afrikahabicht: Fasanenartige (Phasianidae), ausgewachsene Kuckucke (Cuculidae) und deren Nestlinge, ausgewachsene Mausvögel (Coliidae) und deren Nestlinge, Baumhopfe (Phoeniculidae), Nashornvögel (Bucerotidae), Rackenvögel (Coraciiformes), Schwalben (Hirundinidae), adulte Bülbüls (Pycnonotidae) und deren Nestlinge und flüggegewordenen Jungen, adulte Fliegenschnäpper (Muscicapidae) und deren Nestlinge, Grasmückenartige (Sylviidae), Stelzen und Pieper (Motacillidae), Stare (Sturnidae), adulte Tauben (Columbidae) und deren Nestlinge und flüggegewordenen Jungen wie die Oliventaube (Columba arquatrix), die Halbmondtaube (Streptopelia semitorquata), die Nacktgesicht-Grüntaube (Treron calva), Turakos (Musophagidae) wie der Graue Lärmvogel (Corythaixoides concolor), adulte Webervögel (Ploceidae) und deren Nestlinge und flüggegewordenen Jungen wie der Weißstirnweber (Amblyospiza albifrons), Prachtfinken (Estrildidae) wie das Kleinelsterchen (Spermestes cucullatus), der Angola-Schmetterlingsfink (Uraeginthus angolensis), adulte Finkenvögel (Fringillidae) und deren Nestlinge wie der Grünrücken-Camaroptera (Camaroptera brevicaudata), Schneeballwürger (Dryoscopus cubla) und Narinatrogon (Apaloderma narina), Fledertiere (Chiroptera) wie Faltlippenfledermäuse (Tadarida), Nagetiere (Rodentia), Hörnchen (Sciuridae) und Langschwanzmäuse (Muridae). Nebst Vögel und Säugetiere gehören zum Beutespektrum noch die Blaukopfagame (Agama atricollis), Sandrennnattern (Psammophis), Termiten (Isoptera), Springschrecken (Orthoptera), Schmetterlinge (Lepidoptera), Krebstiere (Crustacea) und Regenwürmer (Lumbricidae).

Fortpflanzung

Zwergsperber (Accipiter minullus)
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Zwergsperber (Accipiter minullus)

Außerhalb der Paarungs- und Brutzeit lebt der Afrikahabicht einzelgängerisch. Hat sich ein Paar gefunden, so kann die Paarbindung ein Leben lang halten. Während der Balzzeit werden kunstvolle wellenförmige Balzflüge vollführt, die entweder das Männchen oder das Weibchen oder beide zusammen fliegen. Dabei werden laute Rufe ausgestoßen und manchmal endet der Flug in einem steilen Sturzflug. Der Horst wird hauptsächlich vom Weibchen gebaut. Er besteht aus einer Plattform, die mit Ästen und Zweigen zusammengehalten wird. Innen ist der Horst mit grünen Blättern, Tannennadeln, Flechten und Misteln ausgekleidet. In der Regel befindet sich der Horst auf einem starken Ast mit dichtem Laubwerk. Gelegentlich wird auch das Nest vom Hagedasch (Bostrychia hagedash) oder der Horst des Zwergsperber (Accipiter minullus) für die Eiablage übernommen. Folgende einheimische Bäume werden für den Horstbau besiedelt: Schirmakazie (Acacia tortilis), Süßdornakazien (Acacia nigrescens), Acacia robusta, Leadwood (Combretum imberbe), Kirkia acuminata, Anabaum (Faidherbia albida), Breonadia salicina, Syzygium cordatum, Syzygium guineense, Schakalbeere (Diospyros mespiliformis), Newtonia hildebrnadtii, Feigen (Ficus) und Kandelaeuphorbie (Euphorbia cooperi). Auch fremdländische Bäume werden für den Horstbau benutzt wie zum Beispiel Eukalypten (Eucalyptus), Kiefern (Pinus) und Palisanderholzbaum (Jacaranda mimosifolia). Die Eiablage erfolgt von Juli bis Dezember und erreicht ihren Höhepunkt von September bis November. Das Gelege besteht aus 1 - 7 colorierten Eiern, die hauptsächlich vom Weibchen ausgebrütet werden, während das Männchen regelmäßig Nahrung herbeischafft. Nach dem Schlupf werden die Küken von beiden Elternteilen gefüttert. Nach etwa 30 bis 35 Tagen verlassen die Jugendlichen den Horst, bleiben jedoch noch für weitere 6 Wochen in der Nähe des Horstes, bis sie dann in etwa 1 bis 3 Monaten völlig unabhängig sind.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Afrikahabicht heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Er ist in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Afrikahabicht selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Afrikahabicht als least concern (nicht gefährdet) geführt. Obwohl der Afrikahabicht als nicht gefährdet eingestuft ist, so ist er doch in Simbabwe aufgrund des Einsatzes von Pestiziden bedroht. Des Weiteren ist die Population in der Ostkap-Provinz durch den Verlust von Lebensraum merklich zurükgegangen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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