Afrikanisches Hirschferkel

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Afrikanisches Hirschferkel

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirschferkel (Tragulidae)
Gattung: Hyemoschus
Art: Afrikanisches Hirschferkel
Wissenschaftlicher Name
Hyemoschus aquaticus
(Ogilby, 1841)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Afrikanische Hirschferkel (Hyemoschus aquaticus) zählt innerhalb der Familie der Hirschferkel (Tragulidae) zur Gattung Hyemoschus. Im Emglischen wird die Art Water Chevrotain genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das klein gewachsene Afrikanische Hirschferkel erreicht eine Körperlänge von 60 bis 85 cm, eine Schulterhöhe von bis zu 35 cm, eine Schwanzlänge von 7,5 bis 15 cm sowie ein Gewicht von 7 bis 15 kg. Das Gebiss der Afrikanischen Hirschferkel besteht aus 34 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i0/3, c1/1, p3/3, m3/3. An der Zahnformel ist zu erkennen, dass die oberen Schneidezähne vollständig fehlen. Die 3 Prämolaren sind bei allen Wiederkäuern vorhanden. Bei den Männchen sind die oberen Eckzähne stark verlängert und wachsen ein Leben lang nach. Bei den Weibchen sind die Eckzähne klein und stiftartig ausgebildet. Die Prämolaren sind bei beiden Geschlechtern mit spitzen Kronen versehen. Hörner oder ein Geweih fehlen beiden Geschlechtern. Je Fuß sind 4 Zehen vorhanden. Es fehlen sowohl Unteraugendrüsen als auch Zwischenzehendrüsen. Kinndrüsen sind nur rudimentär vorhanden. Afrikanische Hirschferkel verfügen über Anal- und Vorhautdrüsen, deren Sekret der Reviermarkierung dienen. Auch Kot und Urin dienen der Reviermarkierung. Die Gesichtssinne sind insgesamt nur mäßig ausgeprägt. Die Kommunikation untereinander erfolgt überwiegend über den olfaktorischen Sinn (Geruchssinn) und über akustische Lautäußerungen (Novak, 1999).

Lebensweise

Afrikanische Hirschferkel leben einzelgängerisch oder in kleinen Familiengruppen. Die Tiere gelten als sesshaft und bleiben ein Leben lang im angestammten Revier. Die Größe eines Reviers liegt bei bis zu 30 ha, wobei die Reviere der Weibchen mit bis zu 14 ha deutlich kleiner sind. Die Reviere mehrerer Weibchen können sich überlappen, die der Männchen in der Regel nicht. Kommentkämpfe sind unter den Männchen während der Paarungszeit üblich. Je nach Vorkommen und Lebensraum liegt die Siedlungsdichte bei bis zu 28 Tiere je km². Afrikanische Hirschferkel sind nachtaktiv und ruhen am Tage an geschützter Stelle (Novak, 1999).

Verbreitung und Lebensraum

Afrikanische Hirschferkel sind im westlichen und zentralen Akrika beheimatet. Die Vorkommen erstrecken sich von Sierra Leone und südöstlichen Guinea, östlich bis zum Kongo. südlich bis in den Norden von Angola. Im Einzelnen ist die Art in Angola, Kamerun, in der Zentralafrikanische Republik, im Kongo, in der Elfenbeinküste, in Äquatorialguinea, Gabun, Ghana, Guinea, Liberia, Nigeria und in Sierra Leone nachgewiesen. Afrikanische Hirschferkel leben in tropischen Regenwäldern und dichten Buschland. Ein Gewässer befindet sich immer im Lebensraum der Tiere. Offene Flächen werden meist gemieden. Nur in der Dunkelheit wagen sich die Tiere auf Lichtungen oder ähnlichem (IUCN, 2012; Novak, 1999).

Ernährung

Afrikanische Hirschferkel ernähren sich überwiegend pflanzlich von Blättern, Früchten und Knospen. Zu einem kleinen Teil nehmen die Tiere auch Krebstiere (Crustacea), Insekten (Insecta) und kleinere Säugetiere (Mammalia)zu sich. Der Magen ist an die stark zellulosehaltige Nahrung angepasst. Der Magen ist in 4 Teile unterteilt, wobei der dritte Teil des Magen nur rudimentär vorhanden ist. Hirschferkel gelten als primitive Form der Wiederkäuer. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgen in der Nacht (Novak, 1999).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen die Tiere zu Beginn des 2. Lebensjahres. Beim Afrikanischen Hirschferkel erstreckt sich die Paarungszeit über das ganze Jahr. Während der Paarungszeit kommt es unter den Männchen zu teils heftigen Kommentkämpfen, die auch blutig enden können und mit den scharfen Eckzähnen ausgetragen werden. Nach einer Tragezeit von rund 175 Tagen bringt ein Weibchen an geschützter Stelle 1 bis 2 (1) Jungtiere zur Welt. In einer Saison kommt es nur zu einem Wurf. Unmittelbar nach der Geburt frisst ein Muttertier die Reste der Plazenta. Der Nachwuchs verbringt die ersten Wochen in einer Erdhöhle oder an einer ähnlich geschützten Stelle. Die mütterliche Fürsorge beschränkt sich dabei auf das Säugen. Zum Säugen verfügt ein Weibchen über 4 Zitzen. Die Säugezeit erstreckt sich über durchschnittlich 90 bis 180 Tage. Die Lebenserwartung liegt bei etwa 13 Jahren (Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Afrikanische Hirschferkel gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Die größte Bedrohung geht heute von der Bejagung durch den Menschen aus. Das Buschfleisch gilt als begehrtes Nahrungsmittel der einheimischen Bevölkerung. In weiten Teilen der Verbreitungsgebiete sind Hirschferkel auch durch die Vernichtung der tropischen Regenwälder bedroht (IUCN, 2012).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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