Agassiz’ Zwergbuntbarsch

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Agassiz’ Zwergbuntbarsch

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Stachelflosser (Acanthopterygii)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Lippfischartige (Labroidei)
Familie: Buntbarsche (Cichlidae)
Gattung: Südamerikanische Zwergbuntbarsche (Apistogramma)
Art: Agassiz’ Zwergbuntbarsch
Wissenschaftlicher Name
Apistogramma agassizii
Steindachner, 1875

Verbreitungsgebiet

Rio Tapajós, Brasilien
vergrößern
Rio Tapajós, Brasilien
Rio Tapajós, Brasilien
vergrößern
Rio Tapajós, Brasilien

Agassiz’ Zwergbuntbarsch (Apistogramma agassizii), auch als Buntschwanz-Zwergbuntbarsch bezeichnet, zählt innerhalb der Familie der Buntbarsche (Cichlidae) zur Gattung der Südamerikanischen Zwergbuntbarsche (Apistogramma). Im Englischen wird die Art als Agassizi's Dwarf Cichlid bezeichnet. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde Agassiz’ Zwergbuntbarsch im Jahre 1875 von dem österreichischen Zoologen Franz Steindachner.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Die Etymologie ist die Erklärung der Herkunft des, in diesem Fall wissenschaftlichen, Artnamens Apistogramma agassizii. Der erste Teil, die Bezeichnung Apistogramma, ist die Zuordnung zur entsprechenden Gattung (Südamerikanische Zwergbuntbarsche (Apistogramma)). Der zweite Teil des Namens, agassizii, bezieht sich auf die Art innerhalb der Gattung (Agassiz’ Zwergbuntbarsch (Apistogramma agassizii)). Agassiz’ Zwergbuntbarsch wurde nach dem 1807 in der Schweiz geborenen Naturwissenschaftler und Hochschullehrer Jean Louis Rodolphe Agassiz benannt.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Allgemein erreicht Agassiz’ Zwergbuntbarsch eine Körperlänge von etwa fünf Zentimetern, wobei dies für Weibchen zumeist das Maximalmaß ist. Männchen können durchaus bis maximal neun Zentimeter messen. Der Körper des Fisches ist langgestreckt und von der Seite betrachtet etwas keulenförmig. Seitlich ist er im Verhältnis zur Körperhöhe abgeflacht. Die durchgehende Rückenflosse (Dorsale) steigt nach hinten zu auf und endet in einem spitzen Zipfel. Am oberen Rand der Flosse befinden sich, egal um welche welche Farbvariante es sich handelt, eine Reihe bläulich schimmernder Punkte. Die paarigen Brustflossen (Pectoralen) sind durchsichtig und gefächert, die, ebenfalls paarigen, Bauchflossen (Ventralen) sind im oberen Teil rund und breit, nach unten zu spitz zulaufend. Die einzelne Afterflosse (Anale) erstreckt sich ungefähr von der Mitte des Bauches bis zum After, sie steht nach hinten zu über bis zur Schwanzflosse und läuft nach unten ebenfalls spitz zu, jedoch wesentlich breiter, als die Bauchflossen. Die Schwanzflosse (Kaudale) fächert zunächst breit auf, läuft jedoch dann lanzettenförmig nach unten bzw. oben zu. Unter den Tieren haben sich einige Farbformen herausgebildet, allerdings nur unter den Männchen der Art. Der Grund für diese Variabilität ist wohl das relativ weit reichende Verbreitungsgebiet. Man unterscheidet bei den natürlich gefärbten Männchen der Art zwischen drei Farbmorphen, den blauweißen Männchen, bei denen es sich um die von Steindachner beschriebenen Tiere handelt und Formen mit gelbem Farbeintrag, die von Schmettkamp (1982) bei Santarém und von Koslowski (1994) bei dem Rio Tefé beschrieben wurden. Außerdem existiert ein roter Farbtyp, dessen Zuchtformen, beispielsweise der 'Rotschwanz-Agassizii', sehr beliebt sind und bei den Händlern einen recht hohen Umsatz erzielen. Die Wildform der roten Farbmorphe kommt im westlichen Amazonasgebiet vor und zeigt bereits eine etwas rot geflammte Schwanzflosse. Mit ähnlich gefärbter Schwanzflosse kann man auch die gelbe Farbform antreffen, allerdings deutlich schwächer ausgeprägt. Bei allen Farbmorphen zieht sich seitlich ein dunkler Streifen über den gesamten Körper. Weibchen sind gräulich mit einem gelblichen Bauch.

Ernährung

Agassiz’ Zwergbuntbarsch ernährt sich in erster Linie von kleinen Wasserlebewesen, beispielsweise Insekten (Insecta) oder von kleinen Krebstieren (Crustacea). Auch die Larven vieler Wassertiere oder Jungfische anderer Arten werden gefressen.

Fortpflanzung

Es kommt nach dem Ablaichen der Eier zu einer äußeren Besamung durch das Männchen. Das Gelege kann weit über hundert Eier umfassen. Agassiz’ Zwergbuntbarsch pflanzt sich in Form der Mann-Mutter-Familie fort. Das heißt, das Gelege wird allein von der Mutter bewacht und gepflegt, das Männchen sichert und verteidigt das weitere Revier. Die Eier entwickeln sich vier Tage lang bis zum Schlupf der Larven, nach fünf bis sechs Tagen schwimmen die Jungfische frei und werden von der Mutter geführt.

Verbreitung

Vorkommen

Agassiz’ Zwergbuntbarsch ist in Südamerika im Amazonasgebiet verbreitet. Er kommt allgemein vom oberen Amazonas in Peru bis nach Santarém, aller Wahrscheinlichkeit nach wohl sogar bis zum Mündungsgebiet bei Balém im Osten vor. Dabei kommt er teilweise in vielen Nebenflüssen und Gebieten vor, darunter die Ucayali-Gegend, Rio Yavari, Iquitos, Rio Juruá, Rio Tefé, Rio Purús-Mündung, Manáus, Rio Tapajós, Santarém, Rio Tocantins und Rio Cabím.

Lebensraum

Die Art lässt sich in unterschiedlichen Wassertypen auffinden, sowohl in Schwarzwasser, wie auch in Weiß- und Klarwasser. Die Gesamthärte des Wasser ist stets sehr gering, in der Regel unter einem °d. Dem entsprechend ist der µS-Wert auch niedrig. Der pH-Wert, also der Säuregrad des Wassers, liegt auf der pH-Skala von eins bis 14, wobei sieben der Neutralpunkt ist (0-6 sauer, 8-14 alkalisch), meist im neutralen Bereich oder etwas darunter.

Biotop Lago Tefé

Untersuchungsprotokoll: Laboruntersuchung einer Gewässerprobe aus dem Lago Tefé (als Abschrift aus der Quelle (ISBN 3-7842-0542-9))

pH-Wert: 7,3 Elektr. Leitfähigkeit (25°C), µS/cm: 43
Säurekapazität bis pH 8,2 (p-Wert), mmol/l: n.n.1 Säurekapazität bis pH 4,3 (m-Wert), mmol/l: 0,30
als Carbonathärte, °d: 0,8 Summe Erdalkalien (Ca+Mg), mmol/l: 0,03
als Gesamthärte, °d: 0,2 Calcium (Ca2+), mg/l: 0,74
Magnesium (Mg2+), mg/l: 0,26 Gesamt-Eisen (Fe2+/3+), mg/l: 0,05
Mangan (Mn2+), mg/l: n.n.2 Ammonium (NH4+), mg/l: 1,9
Nitrit (NO2-), mg/l: 0,10 Nitrat (NO3-), mg/l: n.n.3
Chlorid (Cl-), mg/l: 4 Sulfat (SO42-), mg/l: 1
Gesamt-Phosphat (PO43-), mg/l: n.n.4 Hydrogencarbonat (HCO3-), mg/l: 18
Carbonat (CO32-), mg/l: n.n.5 Oxidierbarkeit (KMnO4*-Verbrauch), mg/l: 13
Stammdaten
  • Datum: 07.11.1985
  • Uhrzeit: 9.25 Uhr
  • Wasserbewegung: kaum wahrnehmbar (Ort: Bucht)
  • Wassertiefe: 1,00 bis 2.50 Meter
  • Wasserfärbung: leicht teebraun

*Kaliumpermanganat

1 n. nachw., Bestimmungsgrenze: 0,05 mg/l

2 n. nachw., Bestimmungsgrenze: 0,02 mg/l

3 n. nachw., Bestimmungsgrenze: 1,00 mg/l

4 n. nachw., Bestimmungsgrenze: 0,04 mg/l

5 n. nachw., Bestimmungsgrenze: 2,00 mg/l

Ökologie

Prädatoren

Zu den größten Feinden der kleinen Buntbarsche zählen größere Raubfische sowie Vögel (Aves), die sich von Fischen ernähren, wozu beispielsweise Reiher (Ardeidae) oder Eisvögel (Alcedinidae) zählen können.

Aquaristik

Aquarienhaltung

Das Aquarium für einen kleinen Harem oder ein Pärchen von Agassiz’ Zwergbuntbarsch sollte ein Maß von knapp 80 Zentimetern Kantenlänge und circa 80 Litern nicht unterschreiten. Das Wasser sollte entsprechend des natürlichen Lebensraumes möglichst weich, arm an Nitrat und recht sauer sein, in etwa mit einem pH-Wert von 6,0. Die Temperatur sollte konstant bleiben, am ehesten bei den üblichen 27 Grad Celsius. Das Becken muss gut durchstrukturiert sein, es müssen genügend Versteckmöglichkeiten, zum Beispiel Wurzeln und Bruthöhlen, vorhanden sein. Mit einigen Pflanzen schafft man weitere Möglichkeiten für die Fische, sich aus dem Weg gehen zu können. Als Bodensubstrat eignet sich feiner Flusssand, es ist jedoch anzuraten stellenweise dunklen Bodengrund (gröberer, dunkler Aquarienkies) einzurichten. Die Art kann mit einigen anderen Südamerikanischen Zwergbuntbarscharten (Apistogramma) oder mit einigen Salmlern (Characiformes) und Welsen (Siluriformes) vergesellschaftet werden.

Erstbeschreibung

  • Sitzber. Kais. Ak. Wiss., Mathem.-Naturwiss. Klasse 71 (1), S. 111-115.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Hans J. Mayland, Dieter Bork: ZwergBuntbarsche - Südamerikanische Geophaginen und Crenicarinen, Landbuch-Verlag, ISBN 3-7842-0542-9
'Persönliche Werkzeuge