Alaotra-Bambuslemur

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Alaotra-Bambuslemur

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Lemuren (Lemuridae)
Gattung: Halbmakis (Hapalemur)
Art: Alaotra-Bambuslemur
Wissenschaftlicher Name
Hapalemur alaotrensis
Rumpler, 1975

IUCN-Status
Vulnerable (CR)

Der Alaotra-Bambuslemur (Hapalemur alaotrensis) zählt innerhalb der Familie der Lemuren (Lemuridae) zur Gattung der Halbmakis (Hapalemur). Im Englischen wird der Alaotra-Bambuslemur Alaotran Gentle Lemur, Alaotra Reed Lemur, Lac Alaotra Bamboo Lemur oder Lake Alaotra Gentle Lemur genannt. Ein weiteres deutsches Synonym ist Alaotra-Halbmaki.

Inhaltsverzeichnis

Systematik

Der Alaotra-Bambuslemur wurde bislang als eine Unterart der Östlichen Bambuslemuren (Hapalemur griseus) geführt. Der Artstatus beruht auf morphologische Daten und zytogenetische Informationen. Lemuren sind ausschließlich auf Madagaskar anzutreffen. Die Insel ist seit etwa 150 Millionen Jaheren vom afrikanischen Festland getrennt. Madagaskar wurde wahrscheinlich im Paläozän von den Vorfahren der Lemuren besiedelt. Ohne Konkurrenz durch andere Primaten entwickelten sich eine Vielzahl von Lemurenarten. Durch den Menschen wurde die Insel erst vor 1.500 Jahren besiedelt (Nowak, 1999).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Alaotra-Bambuslemur erreicht eine Körperlänge von etwa 38 bis 40 cm, eine Schwanzlänge von 39 bis 41 cm sowie ein Gewicht von 1.100 bis 1.400 g. Das dichte und wollig wirkende Fell weist dorsal eine graubraune Grundfärbung auf, ventral zeigt sich eine leicht gräuliche Färbung. Die Krone ist deutlich goldbraun gezeichnet. Der Schwanz ist lang und dicht behaart. Ein signifikanter Dimorphismus zeigt sich zwischen den Geschlechtern nicht. Männchen sind an den verlängerten Eckzähnen zu erkennen. Alaotra-Bambuslemuren bewegen sich in den Bäumen und am Boden hauptsächlich quadrupedal (von Quadrupedie, lat. quadrus = vier und pes = Fuß) auf allen vier Extremitäten fort. Auf dem Boden sind sie mitunter auch auf 2 Beinen zu beobachten. Der Alaotra-Bambuslemur wurde auch schwimmend im Wasser nachgewiesen (Nowak, 1999).

Lebensweise

Alaotra-Bambuslemuren sind zwar hauptsächlich tagaktiv, ihre aktivsten Phasen weisen die Tiere jedoch in den frühen Abendstunden auf. Auch in der Nacht sind die Tiere nicht selten aktiv. Die Art kann demnach als kathemeral bezeichnet werden. Alaotra-Bambuslemuren leben in kleinen Gruppen von 4 bis 12 Individuen. Die Reviere der Gruppen weisen je nach Gruppenstärke eine Größe von 1 bis 8 ha auf (Nowak, 1999).

Verbreitung

Alaotra-Bambuslemuren sind auf Madagaskar endemisch. Die Vorkommen beschränken sich auf ein kleines Feuchtgebiet am See Lac Alaotra nahe der Stadt Toamasina. Lac Alaotra ist der größte See in Madagaskar. Alaotra-Bambuslemuren leben in diesem Feuchtgebiet ausschließlich in den südlichen und westlichen Teilen. Die Tiere weisen eine hohe Spezialisierung auf und sind auf ihren Lebensraum angewiesen. Die Vorkommen leben in Höhen von bis zu 750 m über NN. Der stark fragmentierte Lebensraum weist eine Größe von etwa 20.000 ha auf. Zu den typischen Pflanzen im Sumpfgebiet gehören Zypergräser (Cyperus) wie Cyperus madagascariensis, Schilfrohre (Phragmites) wie Phragmites communis und Süßgräser (Poaceae) wie Echinocochla crusgalli und Leersia hexandra (IUCN, 2011).

Ernährung

Der Alaotra-Bambuslemur ernährt sich im Wesentlichen von Schilf und Papyrus. Diese Pflanzen stellen rund 95% an Nahrungsaufkommen (Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Alaotra-Bambuslemuren leben in monogamen Familiengruppen oder in Kleingruppen mit einem Männchen und 2 fortpflanzungsfähigen Weibchen. Die Regel ist jedoch eine monogame Paarbindung. Den dominanten Part innerhalb einer Gruppe spielen wie bei allen Lemuren die Weibchen. Sie sind sowohl territorial als auch aggressiv gegenüber den Männchen. Die Paarungszeit erstreckt sich über das ganze Jahr. Eine Saisonalität ist nicht zu erkennen. Die meisten Geburten sind jedoch zwischen September und Februar zu verzeichnen. Nach einer Tragezeit von gut 5 Monaten bringt ein Weibchen meist ein Jungtier zur Welt. Es kommt bereits mit offenen Augen und einem Fell zur Welt. In den ersten Tagen bleibt der Nachwuchs am Bauch der Mutter geklammert. Erst danach beginnen die Jungtiere mit den ersten eigenen Bewegungen. Im Alter von 2 bis 3 Wochen bewegen sie sich bereits geschickt im Geäst und werden nicht mehr oder nur noch selten getragen. Die erste feste Nahrung nehmen Jungtiere im Alter von 6 Wochen zu sich. Der Nachwuchs wird im Alter von 10 bis 24 Wochen von der Muttermilch abgesetzt (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Alaotra-Bambuslemuren stehen heute kurz vor der Ausrottung. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie CR, Critically Endangered geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) listet die Alaotra-Bambuslemuren seit 1975 in Anhang I des Abkommens. Der Lebensraum rund um den Lac Alaotra steht seit 2003 unter Naturschutz. Dies sind mehr als 720.000 ha. Man schätzt die Gesamtpopulation der Alaotra-Bambuslemuren auf 3.000 bis 5.000 Individuen. Die größten Gefahren gehen heute von der Zerstörung der natürlichen Lebensräume, der starken Fragmentierung der Lebensräume und von der Bejagung aus. Die einheimische Bevölkerung stellt den Tieren wegen des Fleisches nach. Gefahren für den Lebensraum gehen auch von der Erosion und der Verlandung aus (IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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