Alaskahase

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Alaskahase
Übergang v. Winterfell zum Sommerfell

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Echte Hasen (Lepus)
Art: Alaskahase
Wissenschaftlicher Name
Lepus othus
Merriam, 1900

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Alaskahase (Lepus othus) zählt innerhalb der Familie der Familie Hasen (Leporidae) zur Gattung der Echten Hasen (Lepus). Im Englischen wird die Art Alaskan Hare genannt.

Der Alaskahase ähnelt dem Polarhasen (Lepus arcticus) und dem Schneehasen (Lepus timidus). Unterschiede zeigen sich jedoch in der Schädelmorphologie. Die 3 Arten weisen zudem keine Überschneidungen im Verbreitungsgebiet auf. Partiell ergibt sich mit einer anderen Lepus-Art, dem Schneeschuhhasen (Lepus americanus), eine Sympatrie. Der Alaskahase ist vom Schneeschuhhasen aufgrund der längeren Ohren und des stets weißen Schwanzes leicht zu unterscheiden (Best & Henry, 1994).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die Gattung Lepus lässt sich in der gesamten Holarktis seit dem späten Pliozän bzw. dem frühen Pleistozän nachweisen. Seit den späten Pleistozän ist die Gattung auch auf dem Vormarsch in südliche Regionen. Heute sind die Vertreter der Echten Hasen bis in den Süden Afrikas verbreitet. Fossile Funde des Alaskahasen stammen aus Canyon Creek und Porcupine River Cave. Beide Fundorte liegen in Alaska, jedoch außerhalb des rezenten Verbreitungsgebietes. Die Funde stammen aus der letzten späten Eiszeit und weisen somit ein Alter von mehr als 11.000 Jahren auf (Best & Henry, 1994).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Alaskahase gehört zu den größten Vertretern der Echten Hasen. Vor allem der Schädel ist ausgesprochen massig gebaut. Je nach Unterart erreichen die Tiere eine Gesamtlänge von 565 bis 690 (624) mm, eine Ohrlänge von 91 mm, eine Schwanzlänge von 65 bis 104 (83) mm, eine Hinterfußlänge von 170 bis 189 (179) mm, eine Schädellänge von 101,9 bis 108,7 (105,3) mm, eine Rostrumbreite von 21,3 bis 23,8 (22,4) mm, eine Rostrumtiefe von 24,7 bis 27 (25,8) mm, eine Schädelbreite von 34,7 bis 37 (36) mm, eine Hirnschädelbreite von 30,7 mm, eine Jochbeinbreite von 49,3 bis 53,8 (51,5) mm sowie ein durchschnittliches Gewicht von 3.900 bis 4.800 Gramm. Rekordgewichte von bis zu 5,5 Kilogramm gelten als dokumentiert. Die Geschlechter weisen in der Größe und im Gewicht keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Das Winterfell ist in Anpassung an den arktischen Lebensraum weiß gefärbt. Im Winterfell sind nur die Spitzen der Ohren schwärzlich gefärbt. Das Sommerfell ist im Wesentlichen hellbraun bis gräulich gefärbt. Die Schutzhaare weisen zum Teil eine schwärzliche Färbung auf. Die Vorderbeine sind weißlich bis hellbraun, der Schwanz ist weiß gefärbt. Der Fellwechsel zum Winterfell wird etwa Mitte September vollzogen. Das Sommerfell entwickelt sich im Mai. Das Gebiss weist 28 Zähne auf, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c0/0, p3/2, m3/3 (Best & Henry, 1994).

Lebensweise

Alaskahasen sind ausgesprochen dämmerungsaktiv und leben fast ganzjährig einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszet zwischen April und Mai in Gruppen mit bis zu 20 Tieren aufeinander. Als Ruhelager dienen einfache Vertiefungen (Sassen) an geschützter Stelle wie unter Büschen oder Sträuchern. Das Gehör ist besonders gut entwickelt und warnt die Tiere meist frühzeitig vor Fleischfressern. Alaskahasen sind nur wenig territorial, jedoch kommt es während der Paarungszeit zu Kommentkämpfen unter den Männchen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Bei den Kämpfen richten sich die Männchen auf und teilen mit ihren Vorderbeinen schmerzhafte Hiebe auf Best & Henry, 1994).

Unterarten

Nach Best & Henry, 1994 werden 2 Unterarten unterschieden. Dies sind:

In Wilson & Reeder (2005) sind hingegen keine Unterarten verzeichnet.

Verbreitung und Lebensraum

Der Alaskahase ist im westlichen und nordwestliche Alaska/USA in der arktischen Tundra verbreitet. Die Art besiedelt die Ebene und ist in Höhenlagen bis in Höhen von gut 600 Meter über NN anzutreffen. Im Norden erstreckt sich das Verbreitungsgebiet bis nach Selawik und dem Kotzebue-Sund. Letzterer ist ein Meeresarm der Tschuktschensee. Die südlichste Verbreitung erstreckt sich bis nach Cold Bay, das zum Bezirk der Östlichen Aleuten (Aleutians East Borough) gehört. Der Lebensraum weist je nach Vorkommen eine unterschiedliche Gewächse auf. Dies können Erlen (Alnus), Weiden (Salix), Zwerg-Birken (Betula nana), Seggen (Carex), Quecken (Elymus), Fingerkräuter (Potentilla), Rispengräser (Poa), Schwarze Krähenbeeren (Empetrum nigrum) und Wurmfarne (Dryopteris) sein. Die Sassen liegen meist an geschützter Stelle in dichter Bodenvegetation. Hier liegen auch die Nester der Weibchen, die mit weichen Moosen und Gräsern ausgepolstert sind (Best & Henry, 1994).

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Alaska Greifvögel (Falconiformes), Eulen (Strigiformes) und räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia). Hier sind insbesondere Raufußbussarde (Buteo lagopus), Steinadler (Aquila chrysaetos), Schnee-Eulen (Bubo scandiacus), Gerfalken (Falco rusticolus), Polarfüchse (Alopex lagopus), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Wölfe (Canis lupus), Vielfraß (Gulo gulo), verschiedene Marder (Mustela) und Eisbären (Ursus maritimus) zu nennen. Einige Prädatoren sind ganzjährig im Lebensraum der Alaskahasen anzutreffen, andere Arten nur saisonal (Best & Henry, 1994).

Ernährung

Alaskahasen ernähren sich rein pflanzlich von Wurzeln, Knollen, Rinde, Blüten sowie Blättern von Bäumen und Büschen wie Weiden (Salix), Krähenbeeren (Empetrum) und ähnliches Gewächsen. In kargen Zeiten stehen auch Moose und Flechten auf der Speisekarte. Auch Beeren werden während der Reifezeit nicht verschmäht. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt üblicherweise in der Dämmerung (Best & Henry, 1994).

Fortpflanzung

Jungtiere erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 7 bis 11 Monaten. Zur ersten Paarung kommt es mit Beginn des zweiten Lebensjahres. Die Paarungszeit der Alaskahasen erstreckt sich in den natürlichen Verbreitungsgebieten von April bis in den Mai hinein. Alaskahasen sind monoöstrische Tiere, das heißt, es tritt nur ein Zyklus je Saison auf. Mit beginnender Paarungszeit schwellen die Hoden (Testes) an. Nach einer Tragezeit von 46 Tagen bringt ein Weibchen 5 bis 7 (6,3) Jungtiere zur Welt. Die Jungen kommen in Nester in schützender Bodenegetation zur Welt und sind bei der Geburt weit entwickelt. Sie gelten als Nestflüchter. Das Fell ist voll entwickelt und die Augen und Ohren sind geöffnet. Das Geburtsgewicht liegt bei rund 105 Gramm. Die Jungtiere weisen kurz nach der Geburt eine Gesamtlänge von 176 mm, eine Schwanzlänge von 20 mm, eine Hinterfußlänge von 45 mm und eine Ohrlänge von 24 mm auf. Ab dem 5. Lebenstag ist das Gebiss voll entwickelt. Die Säugezeit endet im Alter von etwa 5 bis 9 Wochen. Die Lebenserwartung in freier Wildbahn ist nicht bekannt Best & Henry, 1994).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Alaskahasen gehören heute noch nicht zu den bedrohten Hasenarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Die nördlichen Populationen sind dabei deutlich weniger gefährdet als die südlichen. Dies liegt hauptsächlich an der dichteren Besiedelung des südlichen Alaska und der damit einher gehenden Vernichtung der natürlichen Lebensräume. Prädatoren haben keinen nennenswerten Einfluss auf die Populationen. Der Einfluss des Klimawandels kann einen Einfluss haben, die konkreten Auswirkungen sind jedoch noch nicht untersucht (IUCN, 2008).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge