Albatrosse

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Albatrosse
Schwarzfußalbatros (Phoebastria nigripes)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Albatrosse
Wissenschaftlicher Name
Diomedeidae
Gray, 1840

Albatrosse (Diomedeidae) zählen innerhalb der Klasse der Vögel (Aves) zur Ordnung der Röhrennasen (Procellariiformes). In 4 Gattungen werden derzeit 21 Arten geführt. Davon kommen in der nördlichen Hemisphäre 4 Arten vor, in der südlichen Hemisphäre 17 Arten. Einige Forscher gehen sogar von 24 Arten aus.

Inhaltsverzeichnis

Stammesgeschichte und Fossilien

Der Ursprung der Albatrosse liegt gesichert im Oligozän (35 bis 30 Millionen Jahren). Dies haben molekulare Studien von Sibley und Ahlquist ergeben. Man geht jedoch davon aus, dass die Vorfahren der Albatrosse gegen Ende der Kreide vor 70 Millionen Jahren erstmals in Erscheinung traten. Zu den ältesten fossilen Gattungen gehört Tytthostonyx. Die ältesten fossilen Albatrosse stammen aus eozänen Ablagerungen Europas. In Australien und Neuseeland sind Albatrosse seit dem Oligozän nachgewiesen, seit dem späten Oligozän auch in Nordamerika.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Albatrosse sind die größten Vögel auf hoher See. In der Gestalt ähneln die Albatrosse den Möwen (Laridae). Die Ähnlichkeit in der Morphologie kommt nicht von ungefähr, denn beide Familien führen auf hoher See ein ähnliches Leben. Im Gegensatz zu den Möwen leben Albatrosse fast ausschließlich in der Luft. An Land gehen sie im Grunde nur während der Paarungszeit. Die Nasenöffnungen sind zu Röhren ausgezogen, die am Schnabel eng anliegen. Über die genaue Funktionsweise der Röhren ist nicht viel bekannt. Albatrosse geben über die Röhren die ölige Flüssigkeit ab, die im Magen produziert wird. Das Magenöl dient neben dem Sekret aus der Bürzeldrüse der Gefiederpflege. Über die Röhren tritt das Magenöl in die Schnabelrillen aus und werden im Folgenden mit dem Schnabel auf dem Gefieder verteilt. Das Öl macht das Gefieder geschmeidig und wasserundurchlässig. Der Geruch des Magenöls ist äußerst streng und dient zudem der Verteidigung, indem das Öl einem Angreifer entgegengeschleudert wird. Eine weitere Funktion der Röhren ist das Ableiten von Ausscheidungen des Nasenrückens. Über diesen Weg wird vor allem überschüssiges Salz ausgeschieden, das über das Meerwasser und die Nahrung aufgenommen wird. Einige Forscher glauben, dass die Röhren zusätzlich als Staudruckmesser funktionieren. Aufgrund des dynamischen Segelfluges würde diese These einen Sinn ergeben. Mit dem Geruchssinn haben die Röhren nichts zu tun, da die Röhren durch ein häutiges Ventil gegen die Riechhöhle abgeschlossen sind.

Albatrosse erreichen eine Körperlänge von bis zu 135 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 350 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 12 Kilogramm. Die mit Abstand größte Art ist der Wanderalbatros (Diomedea exulans). Der Wanderalbatros weist mit 350 Zentimeter die größte Flügelspannweite aller Vögel auf. Die meisten anderen Arten weisen eine Flügelspannweite zwischen 200 und 300 Zentimeter auf. Viele Arten sind dunkel, fast düster gefärbt. Die Grundfärbung der meisten Arten ist ein dunkles Braun. Der Schwanz der meisten Arten ist relativ lang, beim Kurzschwanzalbatros (Phoebastria albatrus) ist er hingegen eher kurz. Der Schnabel ist bei allen Arten kräftig entwickelt, scharfkantig, spitz zulaufend und meist weißlich oder gräulich bis leuchtend gefärbt. Die Zehen der Füße sind mit großen Schwimmhäuten versehen, die Beine sind eher kurz. Die Füße weisen 3 nach vorne gerichtete Zehen auf, eine hintere Zehe fehlt. An Land bewegen sich Albatrosse daher eher watschelnd fort.

Lebensweise und Flug

Albatrosse gehören zu den Vögeln, die stundenlang ohne einen einzigen Flügelschlag fliegen können. Dies kann jede beliebige Richtung und auch gegen den Wind sein. Im Gegensatz zu den Landvögeln, die sich durch Aufwinde emportragen lassen, nutzen Albatrosse die Luftströmungen über der windbewegten Meeresoberfläche. Der Auftrieb wird aus dem vielfältigen Wechsel von Windrichtung und Windgeschwindigkeit generiert. Ein Flug mit dem Wind wirkt sich dabei negativ auf die Flughöhe aus. Durch Kreuzen der Flugrichtung und Flug gegen den Wind wird Auftrieb erzeugt. Ist der Wind stark genug, so kann ein Albatross stundenlang ohne einen Flugschlag segeln. Die Geschwindigkeit im Segelflug liegt bei rund 80 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 150 bis 160 km/h. So elegant sich Albatrosse in der Luft bewegen, so plump wirken sie beim Starten. Nur unter erheblichen Schwierigkeiten und von ebenen Flächen aus können sie sich mit einem langen Anlauf in die Luft erheben.

Verbreitung

Albatrosse besiedeln die südlichen Meere der 3 Ozeane und den nördlichen Teil des Pazifiks. Im nördlichen Atlantik treten Albatrosse nur selten in Erscheinung. Die Brutgebiete liegen auf einsamen und windreichen Inseln. Albatrosse brüten in der Regel in größeren Kolonien, einige Arten brüten auch einzelgängerisch. Fast alle Arten sind in subarktischen Regionen zu Hause. Nur der Galapagosalbatros (Phoebastria irrorata) ist als einziger Albatros hingegen auf die Tropen beschränkt. Seine Brutgebiete liegen auf den Galápagos-Inseln.

Prädatoren

Prädator: der Tigerhai (Galeocerdo cuvier)
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Prädator: der Tigerhai (Galeocerdo cuvier)

An Land stellen vor allem Ratten (Rattus), verwilderte Hauskatzen (Felis catus), Rotfüchse (Vulpes vulpes) und räuberisch lebende Möwen (Laridae) den Küken und Eiern der Albatrosse nach. Ratten und Füchsen entgehen die Albatrosse in der Regel nur auf kleinen Inseln, die dem Festland vorgelagert sind. Im Wasser gelten vor allem der Tigerhai (Galeocerdo cuvier) und andere Haie (Galeomorphii) als die gefährlichsten Feinde.

Ernährung

Albatrosse sind reine Fleischfresser. Ihre Nahrung besteht je nach Art bis zu 90% aus Weichtieren (Mollusca) wie Tintenfischen (Coleoidea) und Kalmare (Teuthida). Zu einem kleineren Teil werden aber auch Fische (Actinopterygii) und Krebstiere (Crustacea) wie beispielsweise Krill (Euphausiacea) gefressen. Der Fang der Beutetiere erfolgt meist in unmittelbarer Nähe zur Wasseroberfläche. Aus geringer Höhe lassen sich Albatrosse pfeilartig ins Wasser fallen. Unter Wasser dienen bei einigen Arten die Flügel als Vortriebsorgan. Meist werden Beutetiere jedoch nur an der Wasseroberfläche abgesammelt. Eine andere Methode ist das Abtauchen von der Wasseroberfläche aus. Die durchschnittliche Tauchtiefe des Weißkappenalbatros (Thalassarche cauta) liegt beispielsweise bei etwa 3 Meter, wobei er auch leicht eine Tauchtiefe von bis zu 7 Metern erreichen kann. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend am Tage. Während der Paarungszeit gehen Albatrosse im Bereich der Küste auf Nahrungssuche. Dabei bewegen sie sich bis zu 300 Kilometer vom Brutplatz fort.

Fortpflanzung

Fütterung beim Laysanalbatros
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Fütterung beim Laysanalbatros

Albatrosse haben im Grunde nur wenige natürlichen Feinde. Dies dürfte ein Grund dafür sein, dass sie nur ein einzelnes Ei legen. Dieses Ei wird über viele Wochen gewärmt und auch die Aufzuchtzeit des Nachwuchses ist ausgesprochen lang. Ein Jungvogel braucht einige Monate bis es ausgewachsen und selbständig ist. Auch die Geschlechtsreife wird artabhängig erst sehr spät mit 5 bis 9 Jahren erreicht. Aufgrund der langen Aufzuchtzeit brüten einige Arten der Albatrosse nur alle 2 Jahre einmal. Während der Balz, die durch die große Flügelspannweite zu einem eindrucksvollen Schauspiel wird, stehen sich die Geschlechter hoch aufgereckt gegenüber und pendeln mit den Körpern und breiten ihre Flügel aus. Auch wenn die Balz jährlich wiederholt wird, so hält die Ehe ein Leben lang. Die Balz verstärkt die Paarbindung.

Beim Königsalbatros (Diomedea epomophora) wird ein einzelnes Ei über einen Zeitraum von 80 Tagen gewärmt. Dies ist unter den Albatrossen ein Rekord. Die Eltern wechseln sich frühestens alle 2 Tage ab, seltener auch erst nach einem Monat. Der Nachwuchs wird in der ersten Zeit ausschließlich mit dem Magenöl der erwachsenen Vögel gefüttert. Im Verlauf der Aufzucht nimmt der Anteil des Magenöls am Nahrungsaufkommen der Jungen ab. In den ersten Wochen werden die Jungvögel zunächst täglich gefüttert, später 2 mal in der Woche. Die Jungen des Königsalbatros benötigen zum Erlangen der Flugfähigkeit rund 7 Monate. Mit zunehmendem Alter der Jungen werden die Fütterungen immer spärlicher. Albatrosse sind ausgesprochen langlebige Vögel. In Gefangenschaft können beispielsweise Laysanalbatrosse ein Alter von bis zu 50 Jahren erreichen. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt jedoch deutlich darunter.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Wie bereits erwähnt, haben Albatrosse keine natürlichen Feinde. Die einzige Gefahr geht im Grunde vom Menschen aus. Der Mensch hat es vor allem auf die großen Eier und die Jungvögel abgesehen. Albatrosse wehren sich weder mit dem Schnabel noch mit den Flügeln. Die Jungvögel bespritzen Angreifer nur mit einem im Magen produzierten Öl. In der Vergangenheit hatte es der Mensch auch auf die Federn der adulten Vögel abgesehen. Albatrosse wurden zu Hunderttausenden abgeschlachtet, gerupft und die Körper landeten als Dünger auf den Feldern. Die Federn wurden aufgrund des dichten Federpelzes gerne zu wärmenden Decken verarbeitet. Die Schwimmhäute wurden zu Geld- oder Tabakbeuteln verarbeitet und die Röhren wurden als Pfeifenstiele genutzt. Viele Tiere gingen vor allem auf Booten und Schiffen ihrem Tod entgegen. Albatrosse sind an Bord für Seeleute eine leichte Beute, da sie nicht zu fliehen versuchen. Kurz vor der Ausrottung steht insbesondere der Kurzschwanzalbatros (Phoebastria albatrus). Diese Art wurde in den letzten 100 Jahren arg gebeutelt. Der Art blieb nur noch eine Insel als Brutfläche erhalten. Auf den Midwayinseln bzw. dem Midway-Atoll wurden mehrere Zehntausende von Laysanalbatrosse (Phoebastria immutabilis) erschlagen, da sie sich in der Nähe eines Flughafens aufhielten. Die Midwayinseln beherbergen einen Militätstützpunkt der US-Navy. Nach einem Proteststurm von Bewohnern der Insel hat man von dieser Maßnahme später abgesehen. Heute werden die Vögel von der Startbahn abgesammelt, bevor ein Flugzeug starten kann. Man versuchte auch, die Laysanalbatros umzusiedeln und verbrachte sie auf anderen Inseln, die bis zu 6.000 Kilometern entfernt waren. Die Versuche zeigten jedoch, dass die Vögel nach spätestens 10 Tagen wieder auf den Midwayinseln auftauchten.

Von den 21 anerkannten Arten sind nur der Rußalbatros (Phoebetria palpebrata), der Weißkappenalbatros (Thalassarche cauta) und der Buller-Albatros (Thalassarche bulleri) weniger gefährdet. Die Populationen des Buller-Albatros sind zudem stabil. Alle anderen Arten sind gefährdet, stark gefährdet oder sogar kritisch gefährdet. In die letzte Kategorie fallen der Amsterdaminsel-Albatros (Diomedea amsterdamensis), der Tristan-Albatros (Diomedea dabbenena), der Galapagosalbatros (Phoebastria irrorata) und der Chatham-Albatros (Thalassarche eremita). Zu den größten Bedrohungen der Albatrosse gehören heute die Vernichtung der natürlichen Brutgebiete, die Langleinenfischerei, der Rückgang der Fischbestände und die Wasserverschmutzung.

Systematik der Albatrosse

In den Gattungen Diomedea und Phoebastria werden die großen Albatrosse geführt. Zudem sind die Gattungen nach miteinander verwandt und werden daher als Schwestertaxa angesehen. Gleiches gilt für die beiden anderen Gattungen, Phoebetria und Thalassarche, in denen kleine Arten geführt werden. Albatrosse bilden die Schwestergruppe zu den Sturmvögel (Procellariidae) und den Tauchsturmvögel (Pelecanoididae).

Familie: Albatrosse (Diomedeidae)

Gattung: Diomedea
Art: Wanderalbatros (Diomedea exulans)
Art: Antipoden-Albatros (Diomedea antipodensis)
Art: Amsterdamalbatros (Diomedea amsterdamensis)
Art: Tristan-Albatros (Diomedea dabbenena)
Art: Nördlicher Königsalbatros (Diomedea sanfordi)
Art: Königsalbatros (Diomedea epomophora)
Gattung: Phoebastria
Art: Galapagosalbatros (Phoebastria irrorata)
Art: Kurzschwanzalbatros (Phoebastria albatrus)
Art: Schwarzfußalbatros (Phoebastria nigripes)
Art: Laysanalbatros (Phoebastria immutabilis)
Gattung: Thalassarche
Art: Schwarzbrauenalbatros (Thalassarche melanophrys)
Art: Campbell-Albatros (Thalassarche impavida)
Art: Weißkappenalbatros (Thalassarche cauta)
Art: Chatham-Albatros (Thalassarche eremita)
Art: Graurückenalbatros (Thalassarche salvini)
Art: Graukopfalbatros (Thalassarche chrysostoma)
Art: Atlantischer Gelbnasenalbatros (Thalassarche chlororhynchos)
Art: Indischer Gelbnasenalbatros (Thalassarche carteri)
Art: Buller-Albatros (Thalassarche bulleri)
Gattung: Phoebetria
Art: Dunkelalbatros (Phoebetria fusca)
Art: Rußalbatros (Phoebetria palpebrata)

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

Links

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