Allgemeine Terraristik

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Die Terraristik ist ein Teilgebiet der Zoologie (wissenschaftliche Tierkunde) oder Spezialisierung Herpetologie (wissenschaftliche Reptilien- und Amphibienkunde). Tierhaltung in der Herpetologie, aber auch in biologischen Teilgebieten wie der Entomologie (wissenschaftliche Insektenkunde) oder Arachnologie (wissenschaftliche Spinnenkunde), wird als Terraristik bezeichnet. Innerhalb der Terraristik wird sich mit der Haltung, Pflege und Zucht von Tieren, sogenannten Terrarientieren, beschäftigt. Besitzer von Terrarientieren werden Terrarianer genannt. Bei der praktischen Terraristik beschäftigen sich Terrarianer mit Tieren welche bei der Pflege landlebend (terra.) und/oder wasserlebend (aqua.) sind. Zu Land und zugleich im Wasser lebende Tiere werden als amphibisch lebend, landlebende als terrestrisch lebende Tiere bezeichnet.

Ein Terrarium (aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet terra Land) ist ein künstlicher Lebensraum zur Pflege landlebender und Land und Wasser zu gleichen Teilen bewohnender Amphibien, Reptilien, Insekten, Spinnentiere und Kleinsäuger. Ein Aquaterrarim (aqua = Wasser; terra = Land) bietet den Lebensraum für Tiere welche an Land sowie im Wasser in einer Wechselweise Leben. Ein Aquarium (aqua = Wasser) stellt den Lebensraum für Tiere dar die entweder ganz oder nur zeitweise im Wasser leben.

Dieser Artikel beschreibt die allgemeine Terraristik exotischer und nicht exotischer Reptilien (Reptilia), Vogelspinnen (Theraphosidae), Skorpione (Scorpiones), Tausendfüßer (Myriapoda) und Amphibien (Amphibia). Darüber hinaus werden auch verschiedene Kleinsäugerarten und weitere kleine Wirbeltierarten in Terrarien gepflegt.

Inhaltsverzeichnis

Das Terrarium als Lebensraum

Terrarientypen und Klimatische bedinungen

Entsprechend der Lebensräume, Ansprüche, Größe und des Bewegungsdrangs muss man für seine Terrarientiere entsprechende Terrarien, Beckengrößen und Einrichtung wählen. Das Terrarium muß den klimatischen Ansprüchen der Insassen auch gerecht werden.

Aquaterrarien sind Becken mit großem Wasseranteil für amphibische (zu Land und zu Wasser lebende) Tiere und können ganz aus Glas bestehen (zum Beispiel für Sumpfschildkröten) oder größtenteils wasserdicht gemauert sein (zum Beispiel für kleinere Kaimane. Der Wasseranteil kann über die Hälfte des Beckens ausmachen. Die Temperaturspanne reicht je nach Herkunft der Tiere von ca. 4°C bis 35°C Lufttemperatur und 25 bis 40°C unter den Spotstrahlern. Die Luftfeuchtigkeit schwankt zwischen 60 und 95%.

Feuchtterrarien (auch Paludarium) werden oft dicht bepflanzt, wie ein Regenwald für das Wohnzimmer. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit (70 bis über 90%) stellt es besondere Ansprüche an die Bauweise des Terrariums. Es sollte aus Glas oder Kunststoff bestehen. Bei Feuchtterrarien reicht die Temperaturspanne je nach Pflegling von gemäßigt bis sehr warm, um genau zu sein bis ca. 28°C Lufttemperatur und bis zu 35°C unter den Spotstrahlern. Häufige Tiere die in Feuchtterrarien gehalten werden sind einige wenige Taggeckos (Phelsuma) oder viele Arten Baumsteigerfrösche(Dentrobatidae) aus tropischen bis suptropischen Vorkommensgebieten.

Europäische Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus) in einem Terrarium. Als Trugnatter sollte ihre Haltung keinem Anfänger empfohlen werden.
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Europäische Eidechsennatter (Malpolon monspessulanus) in einem Terrarium. Als Trugnatter sollte ihre Haltung keinem Anfänger empfohlen werden.

Trockenterrarien können (bis auf die Frontscheiben) auch aus Holz bestehen. Der Boden sollte dennoch mit einer Kunststofffolie (zum Beispiel Teichfolie) wasserdicht gehalten werden, da der Boden an mindestens einer Stelle und im unteren Bereich immer leicht feucht sein sollte. Wichtig ist eine gute Lüftung, Stickluft zu vermeiden. Je nach Art und Herkunft der Pfleglinge können lokale Temperaturen bis zu 60°C und Lufttemperaturen bis zu 40°C erreicht werden. Wobei es dabei auch möglicherweise nötig ist, bei diesen Arten nachts bis auf 15°C herunterzugehen, für manche Arten auch eine wesentlich kühlere Nachtabsenkung, da die Temperaturunterschiede in einigen Wüsten bis zu 40°C von Tag zu Nacht und Winter zu Sommer schwanken können! Dies ist allerdings selten der Fall, die meisten Terrarientiere aus Wüsten- und Steppengebieten benötigen tagsüber um 35°C und nachts um 20°C. Die Luftfeuchtigkeit kann am Tage auf 40% herabgesetzt werden und nachts, sowie im Winter auf 70 bis 80% ansteigen.

Aquarien Im Bereich der Terraristik benötigen viele Terrarientiere auch Aquarien als Lebensraum. Die größe der Aquarien richtet sich nach den Insassen. Für die Pflege von Larven oder Kaulquappen reicht zumeist ein mittlerer Behälter aus. Für die Pflege von Riesensalamandern ist jedoch ein Aquarium mit einer Kantenlänge von mindestens drei Meter zu verwenden. Im Aquarium wird Wasser als Lebensraum der größte Bestandteil sein. Der Wasserstand reicht von wenigen Zentimeter für Larven, Bachrandsalamander bis hin zu Höhen beim Wasserstand von bis zu 50 cm oder mehr. Solch hohen Wasserstände werden bei Schlammteufel (Cryptobranchidae), Aalmolche (Amphiumidae) und anderen aquatil lebenden Terrarientieren angeboten. Die Einrichtung der Aquarien wird mit Wasserpflanzen, Kies oder Sandboden und große Steine zum verstecken vorgenommen. Werden Tierarten in den Aquarien geplegt welche besonders gern im Bodengrund graben, so müssen die Pflanzen eingetopft werden. In manchen Fällen ist es auch günstiger auf eine Bepflanzung zu verzichten. Viele Arten benötigen eine zusätzliche Wasserbewegung (Fließwasserbewohner) oder auch zusätzlichen Sauerstoff (Axolotl). Die Wassertemperatur reicht dabei von 0°C im Winter bis ca. 18-20°C im Sommer. Bei Warmwasserbewohner kann die Temperatur auch wesentlich höher gewählt werden. Für eine sichere Abdeckung der Aquarien ist zu sorgen.

Das Becken

Der Standort spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau eines Terrariums. Zum einen ist zu beachten, dass der Behälter nicht in der prallen Sonne steht, um eine Überhitzung zu vermeiden, zum anderen darf das Terrarium nicht planlos irgendwo aufgestellt werden. Der Boden könnte gegebenenfalls nachgeben und im Extremfall auch einbrechen! Am besten ist, zuerst die Baupläne des Hauses durchschauen und große, schwere Terrarien auf Schränke oder Untersätze mit großer Grundfläche stellen, um das Gewicht besser verteilen zu können.

Die Größe des Terrariums ist entscheidend für Tier-Art und Anzahl der Individuen. Für Gliederfüßer reichen in der Regel kleine Terrarien aus. Vogelspinnen (Theraphosidae) benötigen Terrarien von (je nach Größe der Spinne) 25x25x25 cm bis 50x35x50 cm (Länge x Breite x Höhe). Bei anderen Gliederfüßern, besonders bei Skorpionen, verhält es sich ähnlich. Bei Amphibien reichen Maße von 30x30x40 cm (kleine Arten von 2 bis 5 cm wie Baumsteiger) bis 80x40x90 cm (größere, kletternde Arten wie Korallenfinger). Bei den Reptilien sind die Maße wesentlich variabler. Nach den Mindestanforderungen für die Terrariengröße gelten folgende Maße: Bei Chamäleons wird für Einzeltiere eine Größe von 4x4x2,5 cm der Kopf-Rumpf-Länge (KRL) für Bodentiere angegeben, für Baumbewohner 4x2,5x4 cm der KRL. Bei Paarhaltung muss die Grundfläche um 20% vergrößert werden. Für alle anderen Echsen gelten für Einzeltiere und Paare gleichermaßen folgende Maßanforderungen: Bodenbewohner mit wenig Bewegungsdrang 4x3x2 cm der KRL. Mit zunehmendem Bewegungsdrang muss man die Grundfläche auf bis zu 8x5 cm der KRL erhöhen. Für jedes weitere Tier muss das Becken 15% größer sein. Für Schlangen in Einzel- und Paarhaltung unter 150 cm Körpergröße mindestens 1x0,5x0,5 cm der Gesamtlänge (GL), für Tiere über 150 cm ein Becken von 0,75x0,5x0,5 cm der GL. Bei Schildkröten gilt die Panzerlänge (PL). Für Lauerjäger wie die Geierschildkröte (Macrochelys temminckii) genügen 3x1,5 cm der PL, für die meisten Wasserschildkröten 5x2,5 cm der PL für die Grundfläche. Landschildkröten benötigen 8x4 cm der PL für die Grundfläche.

Folgendes Beispiel soll die Maßrechnung etwas besser veranschaulichen:

Tigerpython (Python molurus), 500 cm lang. Bei 0,75x0,5x0,5 cm der GL macht das eine Beckengröße von 450 cm Länge, 250 cm Breite und 250 cm Höhe. Dieses Volumen reicht bei Schlangen für ein bis zwei Tiere aus.

Bild:Netzpython-Python-reticulatus 7668.jpg

Die Gestaltung des Beckens

Nachdem man sich ein Terrarium angeschafft oder selbst gebaut hat, und man bereits weiß, was für ein Tier in diesem Terrariem gehalten werden soll, sollte erst mal der richtige Bodengrund eingefüllt werden. Für Regenwaldbewohner eignet sich am besten handelsübliche Terrarienerde oder Rindenmulch. Darunter gibt man eine Trainageschicht in Form von großen Kieselsteinen oder vergleichbarem. Dies verhindert bei evtl. auftretender Staunässe Schimmelbildung. Der Boden in Regenwaldterrarien sollte ständig leicht feucht gehalten werden, mit einer absolut trockenen Ecke. Für Trockenterrarien ist Terrariensand, eine Erd-Sand-Mischung, sehr gefragt. Auch normaler Spielsand (ohne chemische Beigaben!) kann mit Lehm gemischt verwendet werden. In Trockenterrarien muss der Boden möglichst trocken sein und einen immer feuchten Unterschlupf beinhalten, womit wir nun bei den Verstecken angekommen sind. Für Tiere sind Rückzugsmöglichkeiten sehr wichtig. Diese sollten für den Halter überschaubar, gut kontrollierbar sein und am besten noch attraktiv wirken. So kann man für Echsen wie Leopardgeckos im Boden Kunststoffschalen mit einem obenliegenden Eingang vergraben, so ist das Versteck größtenteils unsichtbar. Auch Steinhöhlen oder hohle Baumstubben eignen sich gut. Für große Warane oder Riesenschlangen kommt man kaum an einer Holzkiste vorbei, will man die Tiere artgerecht unterbringen. Diese Holzkiste kann natürlich auch vergraben oder mit Pflanzen bedeckt oder mit natürlichen Materialien wie Rinden und anderes verkleidet werden.. Des Weiteren darf in einem Terrarium zumeist eine Wasserquelle nicht fehlen. Die Größe und Art eines Wasserbehälters richtet sich nach den Tieren und ihrer Bedürfnisse. Für Leopardgeckos genügt ein Stein mit Kuhlen, in denen sich das Wasser sammelt, Bartagamen gehen auch gerne baden, Wasserschlangen wie die Strumpfbandnatter benötigen ein großes Becken, in dem sie auch schwimmen können. Zur Bepflanzung siehe unten

Pflanzen im Terrarium

Entscheidend für das Klima und die Attraktivität eines Terrariums ist wohl die Begrünung. Dabei ist zu beachten, welche Pflanzen in welches Becken und bei welchen Tieren. Bartagamen zum Beispiel würden wohl versuchen die Pflanzen zu fressen. Aus diesem Grunde müssen sehr robuste Pflanzen gewählt werden oder man verwendet nur harte Kunstpflanzen. Regenwaldterrarien können sehr schön mit Efeututen (Scindapsus pictus), Fensterblatt (Monstera) oder verschiedensten Farnen und Feigen, sowie Bromelien und Orchideen begrünt werden. Für Trockenterrarien eignen sich gut Bogenhanf (Sanseveria), stachelloser Wolfsmilch (Euphorbia, giftig, nur für carnivore Tiere!) und alle stachellosen Sukkulenten wie Haworthie (Haworthia). Beim Aufstellen der Pflanzen ist zu beachten, dass diese nicht zu heiß und zu dunkel stehen. Düngen darf man die Terrarienpflanzen nur mit biologischem Dünger, welcher den Tieren nicht schaden kann.

Sehr beliebtes und meistens auch geeignetes Terrarientier: Bartagame (Pogona vitticeps)
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Sehr beliebtes und meistens auch geeignetes Terrarientier: Bartagame (Pogona vitticeps)

Rechtliche Bestimmungen

Die Rechtlichen Bestimmungen bilden in der Terraristik ein nicht unbedingt zentrales aber dennoch sehr wichtiges Thema. Die meisten sog. Terrarientiere sind Buchführungs- und meldepflichtig. Am 1. Juni des Jahres 1997 traten in der Europäischen Union neue EG-Verordnungen in Kraft und ersetzten die seit 1984 geltenden Regelungen. Die neuen Regelungen setzten das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (kurz WA) für alle EU-Staaten um, regeln innergemeinschaftlich die In- und Ausfuhr und den Handel mit geschützten Tier- und Pflanzen-Arten. Weitere Regeln sind in der Bundesartenschutzverordnung und im Bundesnaturschutzgesetz enthalten. Je nach Gefährdungsgrad sind geschützte Arten in den entsprechenden Anhängen der EG-Verordnung 338/97 gelistet. Der Anhang A entspricht dem Anhang 1 des WA. Dies sind im Handel recht gefragte Arten, welche stark bedroht sind oder kurz vorm Aussterben stehen, Wildfänge von diesen dürfen fast nicht gehandelt werden. Einige Arten des WA-Anhang 2 stehen in der EG-Verordnung unter Anhang A. Zur Haltung von Tieren des Anhang B besteht eine Meldepflicht bei der örtlichen Landschaftsbehörde sowie ein Herkunftsnachweis, Tiere des Anhang A müssen zusätzlich gekennzeichnet werden und benötigen eine Haltungserlaubnis. Bei Nichtbeachtung kann es zu besonders schweren Fällen zur Inhaftierung und/oder Geldstrafen in Höhe von über 50.000 Euro kommen. Die Haltung giftiger Tiere ist nur in einigen Bundesländern (Hessen, Berlin, (Thüringen in Vorbereitung.), Stand 2008) speziell geregelt, im Normalfall (zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen) ist die Haltung dieser Tiere lediglich meldepflichtig und fordert eine Genehmigung des Ordnungsamts. Sicherheitshalber sollte man sich aber immer vorher informieren, um Konflikte mit dem Gesetz zu vermeiden. In den meisten Bundesländern gibt es (noch) keine rechtlichen Einschränkungen.

Seit dem 9. Oktober 2007 ist das Halten gefährlicher Tiere in Privathand in Hessen per Gesetz verboten. Grundlage ist hier der § 43a HSOG. Für Altbestände besteht Bestandsschutz verbunden mit einem Nachzuchtverbot. <1> <2>

Terrarientiere richtig pflegen

Die Pflege

Einer der wichtigsten Aspekte der Pflege ist die Hygiene. Dazu zählt das regelmäßige Reinigen des Beckens, dazu zählen Bodengrund wechseln, Kot und Futterreste täglich entfernen sowie Scheiben mit heißem Wasser säubern. Bei Vogelspinnen darf das Terrarium maximal einmal im Jahr komplett gereinigt werden,
Rote Chile-Vogelspinne (Grammostola rosea), so unwahrscheinlich es klingen mag, das In-die- Hand-nehmen von Vogelspinnen grenzt an Tierquälerei! Die Spinne muss sich, genauso wie nach der Komplettreinigung, neu eingewöhnen, da sie selbst den eigenen Geruch nicht wieder erkennt und diesen als Geruch eines Rivalen betrachtet oder betrachten könnte.
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Rote Chile-Vogelspinne (Grammostola rosea), so unwahrscheinlich es klingen mag, das In-die- Hand-nehmen von Vogelspinnen grenzt an Tierquälerei! Die Spinne muss sich, genauso wie nach der Komplettreinigung, neu eingewöhnen, da sie selbst den eigenen Geruch nicht wieder erkennt und diesen als Geruch eines Rivalen betrachtet oder betrachten könnte.
da sich die Tiere nach jeder Komplettreinigung neu eingewöhnen müssen, was durch den hohen Stressfaktor durchaus auch zum Tod der Spinne führen kann. Das Wasser wird in allen Behältern täglich erneuert, in Großbecken sollte das Wasser mit Pumpen und Aquarienfiltern zusätzlich gereinigt werden und regelmäßig erneuert werden. Viele Terrarientiere nutzen die Wasserbecken auch für Urin- und Kotabgaben. Die Einrichtung wird regelmäßig gesäubert. Der Wechsel des Bodengrund richtet sich nach dem Besatz der Tiere.

Die Fütterung

Die richtige Ernährung ist ein sehr wichtiges Thema bei der Pflege der Tiere. Werden sie richtig ernährt, werden Mangelerscheinungen vorgebeugt.

Amphibien sind alle Fleischfresser und fressen nur lebende Beute wie zum Beispiel Heimchen (Acheta domesticus), Würmer, Schnecken, Maden, Spinnen, Asseln, Käfer, verschiedene Fliegen und andere Insekten. Die meisten Amphibien müssen immer Futter in Reichweite haben. Es gibt jedoch auch Arten welche aktiv auf Futtersuche gehen.

Die Reptilien sind in Sachen Futter sehr variabel. Schlangen (Serpentes) gehören zu den Fleischfressern und nehmen zum Teil in der Gefangenschaftshaltung auch Aas sowie bereits eingefrorene (erst auftauen und anwärmen!) Futtertiere. War das Futter bereits eingefroren, sollte ein Vitaminpräparat hinzugegeben werden; es kann zum Beispiel flüssig sein und einer Maus in den Bauch gespritzt werden, sofern sie bereits tot ist. Eine natürliche Ernährung mit lebenden Futtertieren ist der artgerechten Pflege jedoch unbedingt vorzuziehen. Echsen und Schildkröten sind allgemein als omnivor (Allesfresser) eingeordnet, im Einzelnen unterscheiden sich die Arten mit der Nahrung aber sehr stark. Oft ändert sich die Nahrung mit dem Heranwachsen der Tiere. Junge grüne Leguane fressen fast nur Insekten und Spinnen, Alttiere meist nur Laub und Früchte, sowie Blüten. Geierschildkröten sind reine Fisch-, Amphibien-, Vögel- und Säugetierfresser und Bartagamen fressen sowohl als Jungtiere, als auch als adulte Tiere pflanzliche und tierische Kost. Im Terrarium neigen viele Reptilien zur Fettleibigkeit, das heißt, sie fressen vielleicht genauso viel wie in der Natur, haben allerdings eine geringere Bewegung und nehmen daher mehr zu als in der Natur. Amphibien und Repitilien kennen dazu kein Sättigungsgefühl wie es bei Säugetieren bekannt ist. Vor der Winterruhe oder Trächtigkeit schadet es auch nicht. Eine übermäßige Fütterung hingegen ist ansonsten zu vermeiden.

Vogelspinnen geben sich, je nach Größe und Alter, einmal wöchentlich mit einer Heuschrecke, Schabe, Maus oder anderen Futtertieren zufrieden. Es kann hier, wie bei allen sich häutenden Tieren, zu einer Futterverweigerung kommen, wenn sie kurz vor der Häutung stehen. Ist dies der Fall, besteht kein Fall zur Panik, erst beobachten und abwarten. Während der Häutung darf kein Futtertier im Behälter sein. Häuten sich Vogelspinnen, schlüpfen sie aus ihrer alten und zu eng gewordenen Haut. Die frisch gehäuteten Vogelspinnen sind einige Tage sehr empfindlich und haben noch einen weichen Körper. In diesem Statium werden sie schnell zu Freßfeinden von Futtertieren. Während und nach der Häutung ist jede Störung zu vermeiden.

Europäische Wanderheuschrecke, ein Leckerbissen für Vogelspinnen und viele Andere
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Europäische Wanderheuschrecke, ein Leckerbissen für Vogelspinnen und viele Andere

Überwinterung und Zucht

Zur erfolgreichen Zucht ist in den meisten Fällen, das heißt bei Tieren mit mehr oder weniger unterschiedlichen Jahreszeiten, eine Winterruhe als Zuchtvorbereitung nötig. Diese wird bei Arten aus den Tropen mit einem Temperaturunterschied von wenigen Graden und der Verringerung von Licht abgehalten und dauert etwa 6 Wochen. In Regenwaldterrarien kann die Luftfeuchtigkeit dann auch über diese Zeit verringert werden, um eine Trockenzeit zu simulieren. Anschließend, mit Ende der "warmen Winterruhe", erhöht man die Luftfeuchtigkeit auf 90 bis 100% und schafft so eine Regenzeit (etwa 6 Wochen lang). Tiere aus kühleren Gefilden, oder aus Wüstengebieten benötigen eine Winterruhe bei 10 bis 18°C über zwei bis vier Monate. Während der Winterruhe bilden die weiblichen Tiere ihre Eier aus und die männlichen Tiere beginnen mit der Spermienproduktion. Nach der Winterruhe beginnt zumeist die Paarungszeit. Die Paarung läuft je nach Tierart anders ab. Nach der Paarung und der Wochen später folgenden Eiablage werden die Eier der Vogelspinnen zumeist in einem Kokon vom Weibchen bewacht und mit dem Schlupf oder bereits kurz davor aus dem Terrarium entfernt, Reptilieneier werden in einen Inkubator überführt und bei entsprechender Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausgebrütet. Amphibien stellt man ein Wasserbecken zur Verfügung, Blattsteiger geben sich bereits mit Filmdosen zufrieden. Die Eier der meisten Amphibien (außer Blattsteiger und einigen anderen) sollten in ein Aquarium überführt und separat aufgezogen werden.

Rote Chile-Vogelspinne in einem Terrarium
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Rote Chile-Vogelspinne in einem Terrarium

Krankheiten und Parasiten

Vorerst sei gesagt, Vorbeugen ist die beste Medizin! Es bietet sich an, mindestens einmal im Jahr eine Kotprobe der Reptilien aus jedem Terrarium abzugeben und bei einem Parasitenbefall alle im Terrarium lebenden Tiere zu behandeln. Zur Vorbeugung sind auch die Hygiene aufrecht zu erhalten.

Die häufigsten unnatürlichen Todesfälle sind auf bakterielle Erkrankungen oder auf Verletzungen zurück zu führen. Auch können Haltungsfehler Auslöser einer Krankheit sein (zu niedrige Temperatur, zu hohe Luftfeuchtigkeit, falsches Futter,...).

Parasiten sind oft im Verdauungstrakt zu finden und können in der Regel leicht behandelt werden. Häufig kommen auch Pilzbefall bei Vogelspinnen vor. Eine Wunde ist für eine Vogelspinne meist tödlich, ist sie am Bein verletzt, bricht man es ab. Es wird an einer Sollbruchstelle reißen und diese Wunde wird direkt geschlossen. Bei Reptilien und Amphibien empfiehlt es sich einen Tierarzt aufzusuchen.

Geeignete Terrarientiere

Hier seien mehr oder weniger geeignete Tiere für den Terraristikbedarf erwähnt. Hinter der Art stehen die Terrarienmaße (Länge x Breite x Höhe) für ein bis zwei ausgewachsene Tiere, zusätzlich wird die Eignung der Tiere angegeben. Man muss sich vor dem Kauf eines jeden Tieres über die Art und die Bedürfnisse informieren und sich am besten etwas Fachliteratur zulegen. Absolut nicht geeignet sind Wildfänge, also der freien Natur entnommene Tiere. Sie können sich schon mit dem Verzicht auf Wildfänge am Naturschutz beteiligen.

Reptilien

  • Bartagame (Pogona vitticeps), ab 125x100x75 cm, geeignet für Anfänger
  • Grüner Leguan (Iguana iguana), ab 250x150x200 cm, man sollte etwas Erfahrung mitbringen
  • Grüne Wasseragame (Physignatus cocincinus), ab 180x100x150 cm, geeignet für Anfänger bis Fortgeschrittene
  • Rotkehlanolis (Anolis carolinesis), ab 60x40x50 cm, geeignet für Anfänger
  • Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni), ab 200x100x50 cm, geeignet für Fortgeschrittene
  • Kornnatter (Pantherophis guttatus), ab 120x60x90 cm, geeignet für Anfänger
  • Tigerpython (Python molurus), ab 450x250x250 cm, geeignet für Speziallisten
  • Strumpfbandnatter (Thamnophis sirtalis), ab 100x50x50 cm, oft als Anfängertier angegeben, besser für Erfahrenere geeignet.
  • Sinaloa-Dreiecksnatter (Lampropeltis triangulum sinaloae), ab 120x80x60 cm, halbwüchsige oder erwachsene sinaloae für Terraristik-Einsteiger sehr gut geeignet.

Amphibien

  • Azurblauer Baumsteiger (Dendrobates azureus), ab 40x25x30 cm, geeignet für Fortgeschrittene
  • Goldbaumsteiger (Dendrobates auratus), ab 30xx25x30 cm, geignet für Fortgeschrittene
  • Agakröte (Bufo marinus), ab 60x40x40 cm, geeignet für Anfänger
  • Rotaugenlaubfrosch (Agalychis callodryas), ab 50x30x60 cm, geeignet für Anfänger bis Fortgeschrittene

Vogelspinnen

Beliebt aber durchaus tödlich: Wüsten-Hornviper (Cerastes cerastes). Leider werden sie (zu) oft an Laien verkauft, ohne nachzufragen!
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Beliebt aber durchaus tödlich: Wüsten-Hornviper (Cerastes cerastes). Leider werden sie (zu) oft an Laien verkauft, ohne nachzufragen!

Giftschlangen und Krokodile als Heimtiere?

Auf Grund der potentiellen Gefährlichkeit und Größe von Giftschlangen und Krokodilen, ist von einer Haltung in Privathand abzuraten, sofern nicht die nötigen Mittel zu Verfügung stehen. Großwarane und Tejus benötigen ebenfalls sehr viel Platz. Bei einem Terrarium kann schnell ein Ausmaß von weit über 5 m² für die Pflege erforderlich sein. Darüber hinaus haben die meisten Krokodile extreme Platzansprüche, ein bis zwei 150 cm lange Brillenkaimane benötigen ein mindestens 675 cm langes und 525 cm breites Gehege, davon mehr als die Hälfte als Wasserteil. Krokodile werden in Zoofachhandlungen oft klein und günstig als sogenannte Farmzuchten angeboten und man kann die Endgröße nicht im geringsten abschätzen, so wird das Aquarium, in dem die Krokodile zunächst sitzen, schnell zum Schauplatz der Tierquälerei, wenn die Tiere nicht bald in ein größeres Becken überführt werden. Hinzu kommt, dass Krokodile je nach Art 35 bis 100 Jahre alt werden können. Giftschlangen locken heutzutage des Nervenkitzels wegen, einige sind aber auch wegen ihrer Färbung sehr gefragt. Ihrer Haltung steht in den meisten deutschen Bundesländern (Außer Hessen, Berlin, Thüringen; Stand 2008.) kaum etwas im Wege. Wenn man Interesse an der Giftschlangenhaltung, gute und möglichst lange Zeit Erfahrung mit anderen Schlangen gesammelt hat, kann man auch Giftschlangen versuchen zu pflegen. Aber auch bei sachkundiger Pflege besteht immer ein Stück Restgefahr bei der Giftschlangenpflege. Bei Arten wie den momentan sehr gefragten Hornvipern (Cerastes) kann bereits ein Fehler tödlich sein. Ein tödlicher verlaufender Bißunfall kann auch bei den Giftschlangen mit weniger starkem Gift auftreten. Hier sind zumeist die allergischen Schockreaktionen und keine Hilfe der bestimmende Faktor. Dennoch wäre die Haltung von erfahrenen und sachkundigen Terrarianern möglich. Hornvipern zeichnen sich durch ein besonders ruhiges, als die der meisten Giftnattern, Verhalten aus. Hornvipern verhalten sich ruhig wenn sie nicht (absichtlich oder ausversehen) stark gereizt werden. Es gibt viele Tricks, um Giftschlangenbisse zu vermeiden. Der wichtigste Trick ist wohl die Sachkunde, Erfahrung, das Studium der Lebensweise und vor allen Dingen den direkten Körperkontakt zu vermeiden. Man kann dazu Schlangenhaken beim Transport benutzen und professionelle Schieber mit Schlupfkästen verwenden. Diese Schlupfkästen können innerhalb aber auch außerhalb des Terrariums ein- bzw. angebracht werden. Müssen Arbeiten im Terrarium, Wasserwechsel, Kotentfernung, Hautreste entfernen, sprühen von Wasser, Bodengrundwechsel und anderes, läßt man die Giftschlangen rein kriechen, verschließt den Schlupfkasten und kann die notwendigen Arbeiten im Terrarium verrichten. Nach den Pflegemaßnahmen nimmt man die Trennwand wieder heraus. Gegen die Haltung von Giftschlangen sprechen des Weiteren die hohen Kosten für Antivene, bis zu mehrere Tausend Euro können wenige Milliliter eines bestimmten Antivens (Gegengifts) kosten! Alles in allem sollte die Giftschlangen- und Krokodilhaltung besser Zoos und wissenschaftlichen Einrichtungen vorbehalten bleiben, nur sehr sachbewusste und am besten sehr erfahrene Hobby-Terrarianer, die auch die finanziellen und besonders räumlichen Möglichkeiten haben, den Tieren entsprechende Terrarien und Anlagen zu bieten, sollten sich an ihre Haltung heranwagen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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