Altteufel

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Altteufel

Lebenszeitraum
Höhere Unterkreide (Aptium)
110 Mio. Jahre

Fossilfundorte
  • Brasilien (Santana-Formation), Südamerika
  • Queensland, Australien,
Systematik
Klasse: Sauropsida
Unterklasse: Diapside Reptilien (Diapsida)
Teilklasse: Archosauromorpha
Überordnung: Herrscherreptilien (Archosauria)
Ordnung: Flugsaurier (Pterosauria)
Unterordnung: Kurzschwanzflugsaurier (Pterodactyloidea)
Familie: Altteufelartige (Anhangueridae)
Gattung: Anhanguera
Art: Altteufel
Wissenschaftlicher Name
Anhanguera blittersdorffi
Campos & Kellner, 1985

Der Altteufel (Anhanguera blittersdorffi), auch Alter Teufel genannt, war ein fischfressender Flugsaurier aus der Familie der Altteufelartigen (Anhangueridae) und zählt zur Gattung Anhanguera. Anhanguera ist nach einem Namen aus der Tupi-Kultur (Indios) benannt worden und bedeutet "Alter Teufel" (anhanga - Teufel, nera - alt).

Diese Spezies wurde im Jahre 1985 von den brasilianischen Paläontologen Dr. Campos & Prof. Dr. Kellner im brasilianischen Bundesstaat Ceará der Sanatana Formation in Brasilien gefunden und auch beschrieben. Bekannt ist jedoch nur ein Schädel dieser Art, der sich deutlich von der nahe verwandten Art Anhanguera santanae unterscheidet. Der Altteufel wies eine Flügelspannweite von etwa 4 Metern auf.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Im Verlauf der Evolution gab es in der Tierwelt zahlreiche, oft nebeneinander ablaufende Versuche, die Schwerkraft zu überwinden und sich durch die Lüfte fortzubewegen. Am Ende des Perms, vor über 250 Millionen Jahren, gelang es bereits einigen Arten von schmalen Reptilien gleichsam wie Fallschirmspringer über eine kurze Distanz von Bäumen herabzugleiten. Diese Gleitflieger besaßen an ihren Körperseiten bewegliche Rippen mit Segel- und Flughäuten, die von ihnen als Flügel benutzt werden. Die eigentlichen Pioniere des Wirbeltierflugs waren jedoch die Flugsaurier (Pterosauria), die im Verlauf der Trias den Gleitflug zu einem aktiven Fliegen weiter entwickelten. Ihre Vordergliedmaßen waren zu Flügeln umgeformt und mit kräftigen Muskeln versehen, so dass sie sich nur mit ihrer Muskelkraft und mit Hilfe günstiger Aufwinde in der Luft fortbewegten. Bis zum Untergang der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren beherrschten diese Flugsaurier den Luftraum. Wenngleich auch nur über Hundert Arten durch die fossilen Funde bekannt sind, so kann man annehmen, dass sie sicherlich in einer noch größeren Formenvielfalt existiert haben.

Die Flugsaurier werden üblicherweise in die beiden Gruppen der Langschwanzflugsaurier (Rhamphorhynchoidea) und der von ihnen abstammenden Kurzschwanzflugsaurier (Pterodactyloidea) eingeteilt. Hauptmerkmal der Langschwanzflugsaurier, die ihre Blütezeit im Jura erlebten, war ein sehr langer Wirbelschwanz. Die Vertreter waren bezahnt, jedoch gab es einige Langschwanzflugsaurier, die auch gar keine Zähne besaßen. Die Kurzschwanzflugsaurier traten erst im Oberen Jura auf. Sie unterschieden sich durch den fast vollständig zurückgebildeten Wirbelschwanz. Während des Oberen Jura die Anzahl der Zähne bei den Flugsauriern abnahm, behielten einige Arten noch Zähne am vorderen Ende der Kiefer, andere verloren alle Zähne, wodurch ein schnabelähnlicher Kiefer entstand. Die großen Flugsaurier der späten Kreide hatten durchweg keine Zähne. In der Oberen Kreide entwickelten sich unter ihnen einige Arten mit einer Flügelspannweite von weit über 10 Meter zu wahren Giganten der Lüfte.

Bei allen Flugsauriern wurden die Flügel aus den vorderen Gliedmaßen gebildet. Die Flughaut wurde allein durch den stark verlängerten vierten Finger gespannt, während die anderen drei Finger als Krallen dienten. Die Flughaut erstreckte sich bis zu den Hinterbeinen, während die Füße frei blieben. Mit den gebogenen Krallen konnten sich die Flugsaurier an Ruheplätzen festhalten oder zu einer besseren Startposition hinaufklettern. Da ein Großteil der Knochen hohl war, war das Gewicht des Körpers stark reduziert. In den Hohlknochen befanden sich kleine Öffnungen, die mit den Luftsäcken der Lunge verbunden waren. Durch diesen Knochenbau wurde sowohl eine wirkungsvolle Sauerstoffversorgung gewährleistet als auch die Körpertemperatur, besonders die der Muskeln, beim Flug abgekühlt.

Auf dem Boden konnten sie sich nur sehr unbeholfen fortbewegen, da ihre Hinterbeine nicht sehr kräftig ausfielen. Die großen Vertreter unter ihnen setzten sogar noch die Arme ein und gingen kriechend auf allen vieren. In der Luft waren sie dagegen hervorragende Segelflieger, die durch ihre geringes Gewicht und die großen Schwingen vom Wind weit getragen wurden. Versuche ergaben, dass das Pteranodon (war ein riesiger Kurzschwanzflugsaurier) eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h und eine Spitzengeschwindigkeit von 54 km/h erreichen konnte. Als Startplatz benutzten sie bevorzugt hohe Bäume und Felsklippen, von wo sie sich einfach nach unten fallen lassen konnten. Da der Flug sehr viel Energie kostete, waren die Flugsaurier wahrscheinlich Warmblüter, die durch einen intensiven Stoffwechsel eine gleichbleibend hohe Körpertemperatur aufrecht erhielten. Da der relativ kleine Körper beim Flug vor Wärmeverlusten geschützt werden mußte, besaßen zumindest einige von ihnen eine pelzartige Körperbedeckung.

Fossile Funde

Diese Spezies wurde im Jahre 1985 von den brasilianischen Paläontologen Dr. Campos & Prof. Dr. Kellner im brasilianischen Bundesstaat Ceará der Sanatana Formation in Brasilien gefunden und auch beschrieben. Weitere fossile Funde wurden in Queensland, Australien gemacht.

Beschreibung

Abguss
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Abguss

Zu den körperlichen Merkmalen des Altteufels gehörte der sehr kurze Schwanz, der nur aus einigen Wirbeln bestand, und der bei einer Schädellänge von meist nur 10 Zentimetern einen langen schlanken Schnabel besaß, der fast doppelt so lang war wie sein Rumpf. Die Flügelspannweite betrug in der Regel etwa 4,5 bis 4,7 Meter und das Gewicht etwa 11 bis 15 Kilogramm. Der Kopf des Altteufels war etwas nach vorn geneigt, da der Schädel und der Hals einen leichten Winkel bildeten. Die obere Schnabelhälfte und die untere Schnabelhälfte waren zur Hälfte mit spitzen Zähnen bestückt, wobei die Zähne in der oberen Schnabelspitze und in der unteren Schnabelspitze länger waren. Mit den spitzen Zähnen wurden vermutlich Fische während des Fluges aus dem Wasser erbeutet. Der Kamm auf der oberen Schnabelspitze stabilisierte den stark bezahnten Bereich beim Zupacken der Beute. Computertomographische Aufnahmen zeigten, dass der Gehirnbereich den Gleichgewichtssinn besonders ausprägte, was den Altteufel zu einem äußerst wenigen Flieger machte. Wie alle Flugsaurier hatte der Altteufel hohle Knochen, um Gewicht beim Fliegen zu sparen. Das Skelett des Altteufels war durch die Verwendung von Hohlknochen besonders leicht. Herz und Lungen waren so aufgebaut, dass eine ausreichende Blut- und Sauerstoffversorgung aller Körperteile gewährleistet war. Die extreme Disproportion zwischen den Vorderextremitäten und den Hinterextremitäten entstand durch den großen und robusten Schultergürtel. Das Becken dagegen war recht klein ausgebildet. Die kleinen Hinterbeine konnten nicht zu einer senkrechten Stellung unter den Körper gebracht, sondern nur etwas seitlich abgespreizt werden. Eine vogelartige Fortbewegung auf dem Boden war deshalb kaum möglich. Der Altteufel war vermutlich wie alle Flugsaurier ein Warmblüter, der über eine konstante Körpertemperatur verfügte und dazu sehr viel Energie benötigte.

Verbreitung

Die Verbreitungsgebiete waren Brasilien (Santana-Formation), Südamerika, Queensland, Australien. Vorwiegend lebte der Altteufel in Uferlandschaften und hielt sich am Tage gerne auf Felsvorsprüngen auf. Die Ruheplätze befanden sich überwiegend in hohen Bäumen. Die Ruhephasen verbrachte der Altteufel hängend, bei der er sich mit seinen Hinterbeinen an Zweigen und Ästen festhielt. Beim Schlafen waren die Flügel vermutlich fest an den Körper gedrückt. Er konnte sich entlang der Äste auch hangelnd vorwärtsbewegen, wenn er seine ebenfalls bekrallten Arme als zusätzlichen Halt benutzte. Der Altteufel lebte meistens in Kolonien, die gemeinsam Fische erbeuteten. Nach erfolgreichem Fischfang flogen die Tiere im Gleitflug heran, verlangsamten ihre Geschwindigkeit durch Aufwärtsschlagen mit den Flügeln und landeten schließlich mit ausgestreckten Hinterbeinen.

Nahrung

Der Altteufel ernährte sich vermutlich von Fischen, die er im schnellen Flug und mit Eintauchen des Schnabels in das Wasser erbeutete. Diese Nahrung wurde anschließend durch den bezahnten Schnabel zerkleinert.

Fortpflanzung

Die Jungtiere des Altteufels erreichten bei guter Versorgung durch die Elterntiere sehr schnell die Größe der ausgewachsenen Exemplare. Vermutlich wurden sie aber zumindest anfangs mit Insekten und nicht mit großen Fischen gefüttert.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Helmut Werner: 1000 Dinosaurier. Naumann & Göbel, 2007 ISBN 3625115190
  • Hazel Richardson: Dinosaurier und andere Tiere der Urzeit. Aussehen, Merkmale, Biologie, Verbreitung. Blv Buchverlag; Auflage: 1 (August 2004) ISBN 3405167655

Links

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