Ameisenlöwe

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Ameisenlöwe
Larve Ameisenlöwe der Familie der Ameisenjungfern (Myrmeleontidae)

Fangtrichter
Fangtrichter der Larve Ameisenlöwe

Voll ausgebildetes Insekt
Gemeine Ameisenjungfer (Myrmeleon formicarius)

Das Julius-Kühn-Institut (JKI) wählte am 27.11.2009 in Kooperation mit dem NABU den Ameisenlöwen zum Insekt des Jahres 2010.

Seit 1999 wird für Deutschland ein "Insekt des Jahres" proklamiert. Ein Kuratorium, dem namhafte Insektenkundler und Vertreter wissenschaftlicher Gesellschaften und Einrichtungen angehören, wählt jedes Jahr aus zahlreichen Vorschlägen ein Insekt aus. Mit dem Insekt des Jahres soll auf die weltweit artenreichste Gruppe von Tieren aufmerksam gemacht werden, die allzu oft nur als Schädlinge oder Lästlinge abgetan werden. Tatsächlich weisen Insekten (Insecta) die größte biologische Vielfalt aller Lebewesen überhaupt auf.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Ameisenlöwe ist die allgemeine Bezeichnung einer Insektenlarve aus der Familie der Ameisenjungfern (Myrmeleontidae), die sich durch eine spektakuläre Lebensweise auszeichnet. Das voll ausgebildete Insekt wie zum Beispiel die Gemeine Ameisenjungfer (Myrmeleon formicarius), welches sich aus dieser Larve entwickelt, ist geflügelt und weist sehr viel Ähnlichkeit mit den Florfliegen (Chrysopidae) auf. Der Ameisenlöwe führt eigentlich nur in seinem Larvenstadium diesen Namen. Der 10 mm lange sechsfüßige Ameisenlöwe weist einen sehr breiten, hochgewölbten, am Ende etwas zugespitzten Hinterleib auf. Der Kopf ist groß, platt und breit, fast viereckig und besitzt zwei kräftige, sichelförmige, inwendig, bezahnte Kieferzangen (Mandibeln). Da die Larve seine Beute aussaugt, dienen die Kieferzangen nicht nur zum Greifen, sondern auch zum Saugen. Daher sind die Kieferzangen inwendig hohl und besitzen in der Mitte einen Saugkanal. Der große Hinterleib ist fast wanzenähnlich. Im Allgemeinen gleicht der ganze Körper einer Spinne. Der Körper der Larve setzt sich aus Kopf, Brustschild und Hinterleib zusammen. Der Hinterleib nimmt bei weitem den größten Teil des Körpers ein. Seine Form ist länglich-rund, am Ende mehr als oben zugespitzt, unten flach und oben erhaben. Quer über dem Hinterleib laufen zwischen den Ringen hindurch erhabene Runzeln, die mit steifen Haarspitzen besetzt sind. Sie liegen hoch, wie runde Schnüre und neben ihnen verlaufen Ringvertiefungen, insgesamt 21. Die Grundfärbung der Larve ist braun mit rötlichen und grauen Schattierungen. Gewöhnlich ist die Grundfärbung durch einen staubigen Überzug, der von dem Aufenthalt im Sand herrührt, meistens bedeckt. Der Körper ist, wie schon erwähnt, mit kurzen Haarspitzen besetzt. Sie stehen eigentlich büschelweise und einige Haarspitzen befinden sich sogar am Ausgang der Luftröhre und dienen zusätzlich zum Schutz der Luftröhre, damit diese durch den staubigen Sand nicht verstopft wird. <1>

Das Brustschild des Ameisenlöwen ist kurz und schmal. Am Brustschild befindet sich nur das erste Beinpaar. Das zweite Beinpaar ist am ersten Ring und das dritte Beinpaar befindet sich am zweiten Ring des Hinterleibes. Den Hals kann die Larve nach Belieben ausstrecken und einziehen. Der Hals besitzt eine beträchtliche Elastizität, indem sich die Larve, wenn sie auf dem Rücken liegt, durch eine schnelle, kräftige Bewegung wieder aufrichten kann. Ferner kann die Larve den Kopf nach allen Richtungen hin bewegen. Der Kopf weist eine platte Form auf, vorn ist der Kopf am breitesten und am Mund befindet sich ein tiefer Einschnitt bzw. eine Einbuchtung, so dass der ganze Kopf die Form eines Herzens erhält. Die beiden großen Mandibeln, die sich vorn am Kopf befinden und mit den äußersten Spitzen gegeneinander gekehrt sind, gleichen den großen Mandibeln des Hirschkäfers (Lucanus cervus). Die Mandibeln des Ameisenlöwen sind hornartig, beweglich und können zusammengeschlossen oder auseinander gespreizt werden. Sie können sogar mit der Spitze kreuzweise übereinander gelegt werden. Von der Basis bis auf zwei Drittel der Länge sind die Mandibeln gerade und gegen die Spitze zu krümmen sie sich erst. In jeder der beiden Spitzen befindet sich eine Öffnung, durch welche der Ameisenlöwe seine Nahrung einsaugt und der Mundhöhle zuleitet. Die gerade Linie des Innenrandes der Mandibeln weist in gleichmäßigem Abstand drei mächtige, feste, spitze Zähne auf, welche schief nach vorn gerichtet sind. Die Innenseite der Spitze ist gezähnelt und weist 8 bis 10 Sägezähne auf, diese sind mit ihrer Spitze nach hinten gerichtet. Die beiden inwendigen Seiten dieser, den Freßzangen ähnlichen Saugrüssel sind mit drei großen, starken Spitzen besetzt, welche den Zacken an den Zangen des Hirschkäfers (Lucanus cervus) gleichen. Zwischen den größeren befinden sich noch kleine schwächere Spitzen. Die Art und Weise wie sich der Ameisenlöwe dieser Saugzangen zum Fangen und Verzehren seiner Beute bedient, ist ebenso bemerkenswert, wie die Anstalten, die er macht, um die Insekten (Insecta), welche seine Nahrung sind, in die Falle zu locken. <1>

Lebensweise

Fangtrichter des Ameisenlöwen
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Fangtrichter des Ameisenlöwen

Von der Natur ist der Ameisenlöwe eine träge Insektenlarve, die nicht weniger als schnell läuft. Ihm würde auch das langsamste Insekt entkommen und der Ameisenlöwe würde verhungern, wenn er seine Beute erjagen müßte. Aufgrund seines Körperbaus, der Langsamkeit und des Gangs - der Ameisenlöwe bewegt sich wie die Krebstiere (Crustacea) rückwärts - besitzt er jedoch die Geschicklichkeit eine künstliche einfache Falle zu bauen, in welcher alle sich ihm nahende Insekten (Insecta) seine Beute werden müssen. Das Weibchen, also das voll ausgebildete Insekt, in diesem Fall unsere Gemeine Ameisenjungfer (Myrmeleon formicarius), legt seine Eier im Sand ab. Dieser Ort bleibt für immer der Aufenthalt des Ameisenlöwen und hier allein ist es dem Ameisenlöwen möglich, seinen Fangtrichter zu errichten. Ein fester Boden wäre für den Bau eines Fangtrichters nicht geeignet. Auf sandigen Ebenen sieht man im Sommer eine Reihe von trichterförmigen Vertiefungen im Sand, welche in der Mitte ein enges Loch aufweisen, das aber im Trichter tief hinab verläuft. Dies sind die künstlichen Fallen, die der Ameisenlöwe, also die Larve, aufstellt, um sich Nahrung zu verschaffen. Die innen abschüssigen Wände des Trichters gleichen einem kleinen zirkelrunden Wall, der aus feinem, staubigem und völlig trockenem Sand aufgeworfen ist. Die Richtung dieser Wände ist genau abgemessen und so schräg, dass die feinen Sandkörnchen, aus welchen sie bestehen, bei der geringsten Berührung hinabgleiten müssen. Unten im Grund seines Trichters lauert der Ameisenlöwe im Hinterhalt und nur der Kopf mit den Kieferzangen ragt hervor. <1>

Wenn der Ameisenlöwe einen Fangtrichter baut, zieht er anfangs bloß eine kreisrunde Furche im Sand, wovon der Umfang die ganze Öffnung des Trichters wird. Diese Öffnung steht zu der Tiefe des Trichters in einem gewissen Verhältnis. Die Größe des Trichters ist verschieden. Die Öffnung eines Trichters kann 9 bis 12 Linien betragen und die kleinste Öffnung eines Trichters nur 2 bis 3 Linien.
Ameisenlöwe in seinem Fangtrichter auf der Lauer nach Insekten
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Ameisenlöwe in seinem Fangtrichter auf der Lauer nach Insekten
Der Grund dieser verschiedenen Größen liegt jedoch nicht immmer in der unterschiedlichen Größe des Ameisenlöwen. Ist die erste Kreisfurche gezogen, so folgt die zweite der ersten Kreisfurche konzentrisch. Die ganze Absicht des Ameisenlöwen besteht darin, den Sand aus dem runden Trichter herauszuschaffen, den die erste Furche umschließt. Wenn man sich einen Sandkegel vorstellt, worin der Durchmesser der ersten Kreisfurche und die Höhe der Tiefe des Trichters gleich ist, so hat man den Inhalt des Kegels vom Sand, der herausgeschafft werden muß. Der breite Kopf mit seinen Kieferzangen wird dabei wie eine Schaufel eingesetzt. Hier erscheint also die oben beschriebene Form des Kopfes seinen Zweck beim Bau eines Trichters zu erfüllen. Der Ameisenlöwe bedient sich eines von seinen beiden Vorderfüßen, um den breiten Kopf mit Sand zu beladen und schleudert den Sand über die Furche hinaus. Unglaublich ist es, wie schnell der Ameisenlöwe einen solchen Fangtrichter errichtet. Dabei wird der Ameisenlöwe nie den Sand außerhalb der Furche berühren, sondern nur den Sand anrühren, der sich innerhalb des Trichters befindet. Findet sich während der Arbeit innerhalb des Trichters ein Steinchen oder ein Klümpchen getrockneter Erde, so ruht der Ameisenlöwe nicht eher, bis das Steinchen oder das Erdklümpchen entfernt ist, da diese Körpchen leicht einem hinabgleitenden Insekt als Leiter dienen und das Insekt aus der Grube fliehen könnte. Sind diese Körperchen nicht zu schwer, so schnellt er sie mittels einer abgemessen Bewegung mit dem Kopf fort. Kann er dies nicht, so begibt er sich mit dem ganzen Körper aus dem Sand heraus und stellt sich rücklings mit dem Hinterleib gegen das Steinchen und versucht das Steinchen auf den Rücken zu bringen. Ist es dem Ameisenlöwen dies gelungen, so klimmt er mit dem Steinchen, indem er durch schnelle Bewegungen das Gleichgewicht hält, an der Seite des Trichters hinab und wirft das Steinchen ab. Bisweilen geschieht es auch, dass das Steinchen, wenn es schon bis zum oberen Rand des Trichters hinaufgewälzt ist, auf einmal wieder hinabfällt, dann verrichtet der Ameisenlöwe die Arbeit von neuem. Er steigt hinab, ladet das Steinchen wieder auf und sollte er dies vier- bis fünfmal oder mehrere Male wiederholen müssen, so gibt er nicht eher auf, bis er seinen Zweck erreicht hat. Nach Fertigstellung des Fangtrichters gräbt sich der Ameisenlöwe sofort in den Sand ein, wobei nur noch der Kopf mit seinen Kieferzangen sichtbar ist. In dieser Halteposition lauert der Ameisenlöwe in seinem Hinterhalt auf das herannahende Beutetier. <1>

Verbreitung

Ameisenlöwe in seinem Lebensraum
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Ameisenlöwe in seinem Lebensraum

Der Ameisenlöwen ist weltweit verbreitet, jedoch unterscheiden sich je nach Verbreitungsgebiet der Lebensraum und auch die Lebensweise. Der Ameisenlöwe kommt in fast ganz Europa und in weiten Teilen Asiens vor. Des Weiteren findet man den Ameisenlöwen auch in Nord-, Mittel- und Südamerika sowie in Nord- und Südafrika und in Australien. Bevorzugte Lebensräume sind sonnige Wald- und Wegränder mit etwas herabhängenden Abbruchkanten, regelmäßig auch am Rand von Sandgruben sowie auf Heiden und Trockenrasen. Auch im Siedlungsbereich ist der Ameisenlöwe zu finden. Vorwiegend lebt der Ameisenlöwe im Flachland, im Bergland kommt er nur unter 500 Metern vor. Meist sind die Trichter der Larven an Waldrändern, auf Lichtungen, an Wegböschungen, am Rand von Hecken und Buschwerk und an heidekrautbewachsenen offenen Stellen zu finden. Ferner hält sich der Ameisenlöwe auch in Kiefernwälder auf. Nie wird man den Ameisenlöwen im tiefen Schatten von Wäldern, sondern immer an sonnenexponierten Stellen antreffen. Auch wird man den Ameisenlöwen nie in ganz offenem Gelände finden, wo er jedoch im Mittelmeergebiet und in südlichen, regenarmen Gebieten lebt. Schutz vor Regen, der die Trichter zusammenschwemmt und die Erd- und Sandkörner zusammenkleben würde, ist eine Grundvoraussetzung für das Vorkommen des Ameisenlöwen.

Ernährung

Wie schon oben erwähnt stellt der Ameisenlöwe im lockeren Erdreich einen Fangtrichter her, indem er mit seinem Kopf ständig Sand nach draußen befördert, während er sich rückwärts in einer enger werdenden Spirale immer tiefer eingräbt. An der so entstandenen Trichterböschung kommen Ameisen (Formicoidea) und andere Bodentiere leicht ins Rutschen. Am Trichtergrund werden sie mit den Kieferzangen ergriffen und ausgesaugt. Der Ameisenlöwe unterstützt das Abrutschen der Beutetiere, indem er von unten noch weitere Sandfontänen emporschleudert. Kaum betritt ein Beutetier, in diesem Fall eine Ameise, die abschüssigen Seiten des Trichters, so gleitet sie samt den unter ihren Gliedmaßen befindlichen Sandkörnchen hinab in den Trichter der Fanggrube. Plötzlich taucht der Ameisenlöwe aus seinem Hinterhalt auf und ergreift das Beutetier mit den Kieferzangen und zieht das Insekt unter den Sand, wo er es aussaugt. Der Körper des Insektes wird dann aus dem Trichter entfernt, bessert diesen aus und begibt sich wieder in Lauerstellung.
Mehrere Fangtrichter des Ameisenlöwen nebeneinander
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Mehrere Fangtrichter des Ameisenlöwen nebeneinander
Nicht immer gelingt es dem Ameisenlöwen seiner Beute habhaft zu werden. Oft versucht die Ameise aus dem Trichter zu entfliehen. In diesem Fall schickt der Ameisenlöwe der fliehenden Ameise einen solchen Sandregen nach, dass sie nicht selten noch zur Beute wird, auch wenn die Ameise sich schon am Ausgang des Trichters befindet. Nicht nur Ameisen werden zur Beute, sondern auch andere Insekten (Insecta) wie Fliegen (Brachycera), Asseln (Isopoda), Bienen (Apoidea) und kleine Käfer (Coleoptera). Sogar Artgenossen werden nicht verschmäht. Auch Spinnentiere (Arachnida) gehören zu seinem Beutespektrum wie zum Beispiel die Sackspinnen (Clubionidae). <1>

Die Sackspinnen tragen ihren Kokon immer mit sich herum. Zugleich versucht sich der Ameisenlöwe des Kokons zu bemächtigen und ihn unter den Sand zu ziehen. Die Spinne läßt sich mit fortziehen, aber der Faden, welcher den Hinterleib mit dem Kokon verbindet, zerreißt meistens und der Kokon löst sich vom Hinterleib der Spinne. Mit aller Kraft versucht die Spinne den Sack mit ihrem Mundwerkzeug zu ergreifen, aber der Ameisenlöwe zieht den Kokon mit in den Sand. Die Spinne folgt dem Kokon und wird ebenfalls mit Sand bedeckt. Im Larvenstadium ist der Ameisenlöwe sehr gefräßig und braucht die Nahrung ausschließlich für sein Wachstum, ohne dass er dabei Exkremente ausscheidet. Er weist nämlich keinen After auf, stattdessen befindet sich am Hinterleib eine Röhre, die aber nur zur Abführung des Saftes dient, den die Larve in der Zeit seiner Verwandlung zur Anfertigung seines Kokons braucht. Ein geringer Teil der eingenommenen Nahrungssäfte geht vermutlich als Ausdünstung ab. Übrigens kann der Ameisenlöwe lange Zeit fasten. Dies ist besonders bei denen der Fall, die ihren Trichter an keinem so vorteilhaften Ort angelegt haben. Diese müssen oft Wochen, ja sogar Monate lang fasten, ehe sich ein Insekt im Fangtrichter verirrt. Kein Ameisenlöwe kann seine Lebenszeit in ein und demselben Trichter zubringen, denn der Fangtrichter bleibt nur für einige Tage brauchbar. Teils durch die Bewegungen des Ameisenlöwen selbst, teils auch durch das Herabgleiten der Insekten (Insecta), machen den Fangtrichter dann unbrauchbar. Das öftere Herabgleiten der Sandkörner macht, dass die Seitenwände nicht mehr gefährlich werden für die darüberlaufenden Insekten (Insecta). Der Ameisenlöwe bessert zwar seinen Fangtrichter aus, allein das hilft am Ende nicht mehr. <1>

Fortpflanzung

Kokon des Ameisenlöwen
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Kokon des Ameisenlöwen
Geschlüpfte Imago - Ameisenlöwe
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Geschlüpfte Imago - Ameisenlöwe

Sobald der Ameisenlöwe merkt, dass er darin nicht mehr viel fängt, verläßt er den Trichter und legt eine neue Fanggrube an. Dies setzt er so lange fort, bis das Ende seines Larvenstadiums erreicht ist. In dieser Zeit hat sich der Ameisenlöwe auch mehrere Male gehäutet. Das Larvenstadium des Ameisenlöwen beträgt etwa zwei Jahre. Der Ameisenlöwe überlebt als Larve auch den Winter bei extremer Kälte und kommt auch ohne Nahrung aus. Während der Umwandlung als Puppe oder Nymphe nimmt die Larve dann keine Nahrung mehr zu sich und gräbt sich tiefer in den Sand ein. Gefällt der Platz dem Ameisenlöwen nicht, so sucht er sich einen anderen Standort. Man findet daher im Sand mehrere Furchen, die er beim Verlassen des Platzes zieht. Hat der Ameisenlöwe einen geeigneten Platz für die Umwandlung gefunden, so fertigt er mittels eines aus dem Körper dringenden Saftes, der außerhalb des Körpers zu sehr feinen Fäden verhärtet und die Sandkörnchen verbindet, einen fast kugelrunden Kokon an. Den Kokon kann man in den Monaten Juli und August unter alten leeren Trichtern finden. Der Kokon sieht von außen wie eine Sandkugel aus. <1>

Die Innenfläche des Kokons ist glatt und glänzend, wie Atlas, und weist eine weiße Färbung auf. In der Innenfläche des Kokons liegt die Nymphe zusammengekrümmt, so dass der untere Teil des Körpers mit den Füßen in einer Höhlung ruht. An einem Ende daneben liegt zusammengefaltet die abgestreifte Larvenhülle. Der Kokon weist nicht immer die gleiche Größe auf. Manche Kokons weisen im Durchschnitt nur vier Linien, andere wiederum fünf Linien auf. Aus den größeren Kokons schlüpfen die Weibchen. Der Nymphenkörper weist eine hellgraue Färbung mit braunen Flecken auf gelbem Grund auf. Nach etwa drei Wochen schlüpft das voll entwickelte Insekt. Einige erscheinen schon im Sommer, andere erst im Herbst. Wenn die Nymphenhaut zerplatzt ist, zerbeißt das Insekt das Gewebe mit seinen Kinnladen und macht damit ein Loch zum Ausgang. Nach dem Schlupf verweilt das Insekt noch kurze Zeit am Boden oder an einem Halm sitzend. Danach erhebt sich das voll entwickelte Insekt als Ameisenjungfer (Myrmeleontidae) in die Luft. <1>

Mit einer Flügelspannweite von etwa 70 bis 80 Millimeter ist sie ein auffallend, großes, an eine Libelle erinnerndes Insekt, anders als diese, aber mit deutlich sichtbaren, am Ende keulig kurzen und verdickten Fühlern, an der Spitze sind die Fühler etwas nach außen gebogen. Die Imago ist vorwiegend dämmerungsaktiv und nachtaktiv und ernährt sich wie der Ameisenlöwe räuberisch von anderen kleinen Insekten (Insecta). Sie ist kein besonders guter Flieger und sitzt meist in Sträuchern oder an Pflanzenstengeln, wo sie trotz ihrer Größe nicht leicht zu entdecken ist. Ihr Aufenthaltsort befindet sich aber meist in der unmittelbaren Nähe der Entwicklungsorte ihrer Larven. Die Imago bevorzugt wie der Ameisenlöwe sonnige Waldränder sowie Heiden und Trockenrasen. <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [1] Handbuch der Naturgeschichte für die Jugend und ihre Lehrer. Von Friedrich Philipp Wilmsen, Heinrich Lichtenstein, Johann C. Klug. Zweiter Band. Berlin 1821. Druck und Verlag von C. F. Amelang.
  • Der Ameisenlöwe. Eine biologische tierpsychologische und reflexbiologische Untersuchung. Franz Doflein. Verlag Lulu Pr (1. Mai 2008). ISBN 978-1409701606
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Heiko Bellmann: Insekten erkennen und bestimmen. Ulmer 2002 ISBN 3576114769
  • Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Insektenführer. Franckh-Kosmos Verlag, 1999 ISBN 3440076822
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