Ameisenspringspinne

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Ameisenspringspinne
Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Springspinnen (Salticidae)
Gattung: Myrmarachne
Art: Ameisenspringspinne
Wissenschaftlicher Name
Myrmarachne formicaria
(de Geer), 1778

Die Ameisenspringspinne (Myrmarachne formicaria), auch unter dem Synonym Aranea formicaria bekannt, gehört innerhalb der Familie der Springspinnen (Salticidae) zur Gattung Myrmarachne.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Ameisenspringspinne erreicht eine Körperlänge von etwa 5 bis 6,5 Millimeter. Beide Geschlechter sind fast gleich, mit der Ausnahme, dass die Kieferklauen bei dem Männchen enorm vergrößert und oberseits abgeflacht sind. Diese Vergrößerung bewirkt eine Verlängerung des Körpers um etwa 30 Prozent. Die Grundfärbung der Ameisenspringspinne ist schwarz und hellbraun. Die Ameisenspringspinne besitzt eine geradezu verblüffende Ähnlichkeit mit einer Ameise, besonders das Weibchen. So ist der Körper sehr schlank gebaut und zwischen dem Vorderkörper und dem Hinterkörper in einen auch von oben sichtbaren Stiel verschmälert. Der Vorderkörper ist außerdem hinter der letzten Augenreihe abrupt erniedrigt und vor dieser Stufe schwarz, dahinter braun gefärbt, so dass eine Unterteilung in Kopf und Thorax vorgetäuscht wird. Außerdem läuft die Spinne meist nur auf drei Beinpaaren und trägt ihr vorderes Beinpaar zitternd emporgehalten wie eine Ameise ihre Fühler. Auch das Problem der falschen Beinzahl wird auf diese Weise elegant gelöst. Bei dem Weibchen sind schließlich die Endglieder der Pedipalpen abgeflacht und dreieckig verbreitert, so dass sie wie Ameisenkiefer erscheinen. Der Hinterkörper ist im vorderen Teil braun, hinten schwarz gefärbt und mit einer unterbrochenen, weißen Haarbinde gezeichnet. Bei dem Männchen sind die Pedipalpen normal gestaltet. Seine schwarzen Cheliceren sind enorm vergrößert, gerade nach vorn gerichtet und oberseits abgeplattet. Sie zeigen einen deutlichen, metallischen Glanz. Die Beine weisen eine hellbraune Färbung auf und sind mit schwarzen Streifen versehen. Die reifen Tiere kann man fast das ganze Jahr hindurch finden, auch mitten im Winter. <2>

Lebensweise

Die Ameisenspringspinne ist eine ameisennachahmende Spinne, die im Aussehen und oft auch in der Bewegung Ameisen (Formicoidea) nachahmt. Man nimmt an, dass die Nachahmung vor Fressfeinden schützen soll, denn Ameisen (Formicoidea) werden, abgesehen von einigen Spezialisten, nicht gerne als Nahrung aufgenommen. Da die Ameisenspringspinne sich meist in den gleichen Lebensräumen wie die Ameisen (Formicoidea) aufhält und oft mit den Ameisen (Formicoidea) gesellig zusammenlebt, ist die Ameisenspringspinne für das menschliche Auge kaum auseinanderzuhalten. Die merkwürdigen Cheliceren der Männchen erinnern an die der orthognathen Spinnen. Die sehr langen, gebogenen und in der Mitte gezähnten Klauen werden aber nach innen und nicht nach unten eingeklappt. Um sie auszuklappen, muß die Spinne zunächst die Grundglieder weit auseinanderspreizen. Sie dienen als Schauapparate beim Kommentkampf und bei der Balz vor dem Weibchen. Die Ameisenspringspinne hält sich bei ungünstiger Witterung meist in einem zusammengerollten, mit Gespinst ausgekleideten Blatt auf. Zur Überwinterung sucht sie bevorzugt leere Schneckenhäuser auf. Wo etwa im Uferbereich von Baggerseen Schneckenhäuser herumliegen, kann man sie im Winter meist auf Anhieb finden. Sie überwintert meist adult und sitzt oft zu mehreren in einem Gehäuse. An manchen Stellen ist es normal, dass aus aufgesammelten Schneckenhäusern mehr Ameisenspringspinnen hervorkommen als Häuser gesammelt wurden. Möglicherweise werden sie auch im Sommer als Schlupfwinkel benutzt.

Ameisenspringspinne mit Beute
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Ameisenspringspinne mit Beute

Verbreitung

Die Ameisenspringspinne ist in Mitteleuropa weit verbreitet und vor allem ist sie in den südlichen Bereichen nicht selten. Sie lebt in Mitteleuropa vorwiegend an wärmeren Stellen, geht aber in günstigen Gegenden ziemlich weit nach Norden (Werratal). Sie lebt weniger auf ausgesprochenen Trockenrasen, sondern eher an Orten mit einer gewissen Feuchtigkeit und mit offenen oder halbschattigen Stellen, zum Beispiel auf Streuobstwiesen, in Obstgärten und am Ufer von Gewässern. Daneben kommt sie aber auch an extrem warmen und trockenen Lößwänden vor. Gelegentlich hält sich die Ameisenspringspinne auch an sonnigen Grashängen auf. Zur Überwinterung verkriecht sich die Ameisenspringspinne mit Vorliebe in leeren Schneckenhäusern, besonders in etwas größeren Schnirkelschnecken (Helicoidea) wie zum Beispiel in das Schneckenhaus der Weinbergschnecke (Helix pomatia). <3>

Ernährung

Wie alle Springspinnen ernährt sich auch die Ameisenspringspinne von Insekten (Insecta). Sie lauert an exponierten Stellen auf ihre Beute und springt sie meist aus dem Hinterhalt an. Dabei spielt der Sehsinn eine außerordentliche Rolle. Die Ameisenspringspinne kann die Beute von weitem schon anvisieren und springt gezielt mehrere Zentimeter weit, um sie zu fangen. Überwiegend werden dabei Fliegen (Brachycera) erbeutet.

Fortpflanzung

Die reifen Tiere sind ganzjährig zu finden. Die Männchen verwenden ihre riesigen Cheliceren für Kommentkämpfe mit anderen Männchen und für die Balz. Dass die Überlebenschancen der ameisennachahmenden Spinne deutlich größer ist als die anderer Spinnen, ist daraus ersichtlich, dass das Weibchen nur zwei bis drei Eier in ein mit Gespinst ausgekleidetes Blatt legt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [2] [3] Dipl. Biol. Dr. METZNER, H. (1999): Die Springspinnen (Arachnida, Araneae, Salticidae) Griechenlands. Andrias 14: 1-279, Karlsruhe.
  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Myrmarachne formicaria (♂,♀) (de Geer, 1778)
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