Amerika-Sandregenpfeifer

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Amerika-Sandregenpfeifer

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Teilklasse: Neoaves
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)
Unterfamilie: Eigentliche Regenpfeifer (Charadriinae)
Gattung: Charadrius
Art: Amerika-Sandregenpfeifer
Wissenschaftlicher Name
Charadrius semipalmatus
(Bonaparte, 1825)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Amerika-Sandregenpfeifer (Charadrius semipalmatus) zählt innerhalb der Familie der Regenpfeifer (Charadriidae) zur Gattung Charadrius. Im Englischen wird der Amerika-Sandregenpfeifer Semipalmated Plover genannt. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Spezies monotypisch. Der Begriff semipalmatus bezieht sich teilweise auf die Schwimmfüße dieser Art.

Der Amerika-Sandregenpfeifer sieht dem Keilschwanz-Regenpfeifer (Charadrius vociferus) im Aussehen sehr ähnlich, ist aber etwa doppelt so groß und weist zwei schwarze Bänder an seiner Brust auf. Ein weiterer Regenpfeifer, der dem Amerika-Sandregenpfeifer in Größe und Gefiederfärbung sehr ähnlich sieht, ist der Flötenregenpfeifer (Charadrius melodus), jedoch ist dieser etwas heller gefärbt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Amerika-Sandregenpfeier ist ein kleiner Regenpfeifer, der eine Körperlänge von etwa 16 bis 19 Zentimeter erreicht. Der adulte Vogel weist einen grau-braunen Rücken und Flügel auf. Der Bauch und die Brust sind weiß gefärbt und am Hals zeigt sich ein schwarzes Band. Des Weiteren weist der Amerika-Sandregenpfeifer eine braune Kappe, eine weiße Stirn sowie eine schwarze Maske im Bereich der Augen auf. Der Schnabel ist recht kurz und ist orange bis schwarz gefärbt. Die Beine und die Füße weisen eine gelblich-graue oder fleischfarbene Tönung auf. Bei den Jungvögeln sind die schwarzen Streifen auf der Brust braun gefärbt.

Lebensweise

Amerika-Sandregenpfeifer sind Mittel- und Langstreckenzieher. Sie sind insbesondere im Winter, in ihren Winterquartieren, gesellige Vögel, die in zum Teil großen Gruppen leben. Die Gruppen können dabei leicht einige Dutzend bis mehrere hundert Vögel umfassen. Genistet wird im Brutgebiet jedoch paarweise. Die einzelnen Nester können dabei mehrere hundert Meter oder gar Kilometer weit entfernt sein. Während der Paarungszeit ist der Amerika-Sandregenpfeifer ausgesprochen territorial. Männchen sind dabei zumeist deutlich aggressiver als Weibchen. Amerika-Sandregenpfeifer versuchen in erst Linie einen Feind vom Nest wegzulocken. Dazu ziehen sie die Aufmerksamkeit auf sich und entfernen sich mit Vortäuschung eines gebrochenen Flügels vom Nest. In der Balzzeit kommt es unter den Männchen nicht selten zu Kommentkämpfen um die Weibchen. Die Kämpfe enden in der Regel ohne Verletzungen. Amerika-Sandregenpfeifer schlafen im Stehen, den Kopf legen sie dabei auf die Brust und der Schnabel wird in der Regel in den Federn verborgen. Tagsüber sieht man die Vögel regelmäßig beim Baden und Gefiederputzen.

Verbreitung

Amerika-Sandregenpfeifer im Flug
vergrößern
Amerika-Sandregenpfeifer im Flug

Laut der Roten Liste der IUCN zählen zu den Verbreitungsgebieten Kanada, Jamaika, St. Pierre und Miquelon, Uruguay, Virgin Islands und Vereinigte Staaten von Amerika. Der Amerika-Sandregenpfeifer ist ein Zugvogel und überwintert in den Küstengebieten von den Vereinigten Staaten von Amerika und Patagonien. Er ist ein seltener Gast in Westeuropa und wird manchmal mit dem sehr ähnlich aussehenden Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) verwechselt.

Laut der Roten Liste der IUCN gehören zu Habitaten des Amerika-Sandregenpfeifer Feuchtgebiete im Inland wie Flüsse, Bäche, schmale Buchten, die Wasserfälle beinhalten, Süßwasserseen über 8 Hektar, Sumpfgebiete mit Süßwasser-Pools unter 8 Hektar. Des Weiteren lebt der Amerika-Sandregenpfeifer an steinigen Küstenstreifen, Sandstränden, Nehrungen, Kiesstränden, Uferbefestigungen, Watt- und Salzflächen, in Salzwiesen mit hochgewachsenen Gräsern, Gezeitenpools, Sanddünen und an küstengeschützten Süßwasserseen.

Ernährung

Der Amerika-Sandregenpfeifer ernährt sich hauptsächlich von wirbellosen Tieren wie Insekten (Insecta) und deren Larven, die an Land oder im ufernahen Flachwasser erbeutet werden. Aber auch kleine Krebstiere (Crustacea), Muscheln (Bivalvia) und Schnecken (Gastropoda) werden gerne gefressen. Eher selten werden auch Sämereien und Pflanzenteile zu sich genommen. Während der Nahrungssuche stöbern Amerika-Sandregenpfeifer teils hüpfend oder schnell trippelnd durch ihren Lebensraum und picken mit schnellen Bewegungen Beutetiere auf. Beim Aufspüren der Beutetiere wird insbesondere der gut entwickelte Sehsinn eingesetzt.

Fortpflanzung

Amerika-Sandregenpfeifer
vergrößern
Amerika-Sandregenpfeifer

Der Amerika-Sandregenpfeifer erreicht die Geschlechtsreife mit etwa einem Jahr. Im März oder Anfang April kommen die ersten Amerika-Sandregenpfeifer aus den Winterquartieren zurück. Die Paarungs- und Brutzeit schwankt je nach Verbreitungsgebiet. Jedoch beginnt die Paarungszeit meist im zeitigen Frühjahr, in der Regel ab April bis in den Juni hinein. Pro Jahr kommt es zu einem Gelege, bei Gelegeverlust ist jedoch ein kleineres Nachgelege möglich. Das Nest befindet sich auf sandigem oder steinigem Untergrund flankiert von großflächigem Salz- oder Brackwasser an geschützter Stelle in der Ufervegetation in einer einfachen Bodenmulde, die mit Pflanzenteilen und mit trockenem Seegras ausgepolstert wird. Das Weibchen legt durchschnittlich drei bis vier Eier, die cremig bis gelbbraun gefärbt und mit dunkelbraunen Flecken besetzt sind. Beide Partner bebrüten die Eier über einen Zeitraum von 24 bis 28 Tagen. Die Brutdauer hängt vom Verbreitungsgebiet und der Witterung ab. Bereits kurz nach dem Schlupf verlassen die Jungvögel ihr Nest und folgen ihren Eltern. Die Flugfähigkeit erreichen die Jungvögel mit gut vier Wochen. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei sechs bis zehn Jahren.

Gefährdung und Schutz

Diese Art hat eine große Reichweite, mit einem geschätzten weltweiten Umfang von 4.900.000 Quadratkilometer und verfügt über eine große, globale Population, geschätzt werden etwa 150.000 Individuen (Wetlands International 2002). Der globale Trend der Population ist bisher noch nicht quantifiziert worden, aber die Art ist bis jetzt noch nicht gefährdet und wird deshalb in der Roten Liste der IUCN als least concern geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge