Amerikanische Maskenspitzmaus

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Amerikanische Maskenspitzmaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae)
Gattung: Waldspitzmäuse (Sorex)
Art: Amerikanische Maskenspitzmaus
Wissenschaftlicher Name
Sorex cinereus
Kerr, 1792

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Amerikanische Maskenspitzmaus (Sorex cinereus) zählt innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur Gattung der Waldspitzmäuse (Sorex). Im Englischen wird die Art Cinereus Shrew oder Masked Shrew genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten Fossilien, die eindeutig der Amerikanischen Maskenspitzmaus zugeordnet werden konnten, stammen aus dem späten Pliozän. Die Funde stammen aus Kansas/USA. Anhand der fossilen Funde konnte festgestellt werden, dass das ursprüngliche Verbreitungsgebiet deutlich größer war. Gegen Ende des Pleistozän wies die Verbreitung dieser Art die größte Ausdehnung auf. Die Vorkommen reichten bis in die südlichen US-Bundesstaaten. Fossile Funde aus Texas/USA weisen ein Alter von 40.000 bis 45 Jahren auf (Whitaker, 2004).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die kleine und langschwänzige Amerikanische Maskenspitzmaus erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Gesamtlänge von 83 bis 100 (89,7) mm, eine Schwanzlänge von 29 bis 41 (35,6) mm, eine Hinterfußlänge von 10,5 bis 12,5 (11,47) mm, eine Condylobasallänge von 14,3 bis 16,1 (15,22) mm, eine Schädelbreite von 7,1 bis 7,9 (7,48) mm, eine Schädelhöhe von 4,3 bis 5,5 (4,94) mm sowie ein Gewicht von 2,5 bis 6,0 (4,3) Gramm. Die Maße und das Gewicht können auch regional variieren. Insbesondere sind die Populationen in den nördlichen Regionen insgesamt größer und schwerer. Die Amerikanische Maskenspitzmaus gilt als das kleinste homoiotherme Säugetier der Welt. Das Fell weist dorsal und lateral eine bräunliche Färbung, ventral ist das Fell leicht silbrig gefärbt. Die Schnauze ist wie bei allen Spitzmäusen relativ lang. Die Herzfrequenz liegt in der Spitze bei 1.320 Schläge/min, der Durchschnittswert liegt bei 630 bis 1.000 (780) Schläge/min. Auch die Atemfrequenz ist in der Spitze mit 1.080 Atemzüge/min. sehr hoch. Die durchschnittliche Atemfrequenz liegt bei 800 Atemzüge/min. Extrem hoch ist auch die Stoffwechselrate.

Die Stoffwechselrate, die zitterfreie Thermogenese, die Wärmeleitfähigkeit und das Körpergewicht stehen im engen Zusammenhang mit der Saisonalität. Die durchschnittliche Stoffwechselrate liegt im Herbst im Ruhezustand bei 8,3 ml O2 g-1 h-1, im Frühjahr liegt die Stoffwechselrate bei 5,75 ml O2 g-1 h-1. Die zitterfreie Thermogenese ist im Sommer mit 8,02 ml O2 g-1 h-1 am niedrigsten, im Winter mit 14,6 ml O2 g-1 h-1 am höchsten. Die mittlere Körpertemperatur liegt bei 38,88°C. Ohne negative Auswirkungen auf den Organismus kann die Körpertemperatur leicht auf 41,8°C steigen. Die Amerikanische Maskenspitzmaus ist an die starken saisonalen Temperaturschwankungen optimal angepasst. Sie kann kalte Winter, aber auch warme Sommer überleben. Im Winter steigt die zitterfreie Thermogenese deutlich an, um die Körpertemperatur zu halten. Damit einher geht eine drastische Energieeinsparung. Amerikanische Maskenspitzmäuse verfügen über kein weißes Fettgewebe. Sie verfügen stattdessen über plurivakuoläre (braunes) Fettgewebe. Dies ist eine besondere Form des Fettgewebes. Die Zellen des plurivakuolären Fettgewebes sind in der Lage, durch die Oxidation von Fettsäuren Wärme zu produzieren. Dieser Vorgang wird auch als Thermogenese bezeichnet (Novak, 1999; Whitaker, 2004).

Lebensweise

Amerikanische Maskenspitzmäuse sind zwar primär nachtaktiv, gelegentlich ist jedoch auch eine Aktivität am Tage zu beobachten. Am Tage halten sich die Tiere meist in der Laubschicht am Boden auf. Sie sind durchaus als territorial zu bezeichnen und verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen. Zu den Drohgebärden zählen quitschende Geräusche und eine aufrechte Drohhaltung. Die Reviermarkierung erfolgt mit hochfrequenten Impulsen im Bereich von 30 bis 60 kHz und über lateral liegende Duftdrüsen. Auch der eigene Erdbau wird mit einem Sekret aus den Duftdrüsen markiert. Durch die Territorialität in Verbindung mit der einzelgängerischen Lebensweise ist die Siedlungsdichte je nach Vorkommen und Lebensraumqualität mit durchschnittlich 2,5 bis 13 (min./max. 1 bis 23) Individuen je Hektar relativ gering. Für gewöhnlich ist die Siedlungsdichte im Frühjahr am geringsten und im August oder September am höchsten. Die Reviergröße kann je Individuum bis zu 0,55 Hektar betragen, wobei sich die Reviere einzelner Tiere meist überschneiden. Die höchste Mortalität ist in den ersten beiden Lebensmonaten feststellbar. In der Regel erreichen bis zu 80% der Jungtiere nicht die Geschlechtsreife. Überhaupt ist die Lebenserwartung mit kaum 2 Jahren eher niedrig. Eine hohe Mortalität ist sowohl im Winter als auch im Sommer zu verzeichnen. Es ist dabei festzustellen, dass weder Prädatoren noch Parasiten eine entscheidende Rolle bei der Populationsdynamik spielen. Während der Ruhephasen halten sich Amerikanische Maskenspitzmäuse in Erdbauten auf. Studien haben ergeben, dass die Erdbauten in Tiefen von gut 25 Zentimeter liegen. Die Tunnels zu den Erdbauten weisen einen Durchmesser von 2 Zentimeter auf. Jungtiere, die ihr Nest verlassen, bleiben immer dicht beieinander. Sie laufen in einer Reihe, wobei sie sich am Schwanz des Vordermannes festhalten (Novak, 1999; Buckner, 1966; Whitaker, 2004).

Unterarten

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Unterarten nach Wilson & Reeder, 2005

Verbreitung

Die Amerikanische Maskenspitzmaus ist in Nordamerika weit verbreitet. Sie kommt in Alaska, östlich über British Columbia bis nach Labrador vor. Im Süden erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von Washington, über Idaho, Utah, Colorado bis ins nördliche Neue Mexiko, im Osten von Wyoming und Nebraska bis nach Iowa und dem nördlichen Illinois. Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes besiedeln Amerikanische Maskenspitzmäuse zahlreiche Lebensräume. Sie kommen in Feuchtgebieten (Moore und Sumpfgebiete), in der Tundra, in lichten Wäldern und auch auf relativ trocknen Wiesen vor. Trockene Lebensräume werden jedoch in der Regel gemieden. Amerikanische Maskenspitzmäuse besiedeln sowohl Lebensräume in der Ebene als auch in Höhenlagen von bis zu 1.540 Meter über NN. Zu den wichtigsten ökologischen Faktoren im Lebensraum der Amerikanischen Maskenspitzmäuse zählen eine gewissen Bodenfeuchtigkeit, eine dichte Bodenvegetation mit ausreichend schattigen Plätzen und ausreichend Nahrung in Form von wirbellosen Tieren (Whitaker, 2004; Stewart et al., 1989; Novak, 1999).

Biozönose

Nahrungskonkurrent: die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus)
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Nahrungskonkurrent: die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus)

Konkurrenz, Sympatrie

Amerikanische Maskenspitzmäuse teilen sich ihren Lebensraum mit zahlreichen anderen Tieren, mit denen sie nicht selten auch in Nahrungskonkurrenz stehen. Hier sind insbesondere, in Abhängigkeit vom Verbreitungsgebiet, die Nördliche Kurzschwanzspitzmaus (Blarina brevicauda), die Nördliche Wasserspitzmaus (Sorex palustris), Sorex arcticus, die Amerikanische Zwergspitzmaus (Sorex hoyi), die Langschwanzspitzmaus (Sorex dispar), die Dunkle Rotzahnspitzmaus (Sorex monticolus), die Rauchfarbene Spitzmaus (Sorex fumeus), die Kurzschwanzspitzmaus (Cryptotis parva), die Nordrötelmaus (Clethrionomys gapperi) oder die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus). Lokal leben Amerikanische Maskenspitzmäuse auch in Sympatrie mit Echten Hüpfmäuse (Zapus) und Waldhüpfmäuse (Napaeozapus) (Whitaker, 2004).

Prädatoren

Amerikanische Maskenspitzmäuse stehen auf der Speisekarte einiger fleischfressender Tiere. Hier sind insbesondere Eulen (Strigiformes) wie die Waldohreule (Asio otus) und die Schleiereule (Tyto alba). In einem geringeren Ausmaß fallen die Mäuse auch Langschwanzwieseln (Mustela frenata), Nördliche Kurzschwanzspitzmäuse (Blarina brevicauda), Leopardfrösche (Rana pipiens) und der Rotkehl-Hüttensänger (Sialia sialis) zum Opfer. Im Wasser stellen auch Bachforellen (Salmo trutta) den Tieren nach. Beobachtungen zufolge fangen auch Hauskatzen (Felis catus) gelegentlich Amerikanische Maskenspitzmäuse, fressen diese jedoch nicht (Whitaker, 2004).

Parasiten

In Feldstudien konnten zahlreiche Ekto- und Endoparasiten festgestellt werden. Dies sind nach Whitaker, 2004, in Abhängigkeit vom Vorkommen und Lebensraum insbesondere:

Bandwürmer (Cestoda)
Hymenolepis falculata, Hymenolepis parva, Hymenolepis schilleri, Hymenolepis intricatus, Hymenolepis sphenomorphus, Hymenolepis macyi und Lineolepis parva
Fadenwürmer (Nematoda)
Capillaria maseri, Capillaria rauschi, Capillaria plica, Capillaria hepatica, Pseudophysalptera forosana, Longistriata depressa, Filaroidid metastrongyles und Porrocaecum encysted
Nematoden konnten insbesondere im Dünndarm und anderen Därmen, in der Leber, in der Lunge, in der Harnblase sowie im Magen festgestellt werden.
Milben (Acari, Acarida)
Orycteroxenus soricis, Protomyobia claparedei, Amorphacarus hengererorum, Glycyphagus hypudaei, Orycteroxenus soricis, Xenoryctes latiporus, Xenoryctes nudus, Androlaelaps fahrenholzi, Echinonyssus talpae, Eulaelaps stabularis, Haemogamasus ambulans, Haemogamasus liponyssoides, Laelaps alaskensis, Laelaps kochi, Amorphacarus elongatus, Amorphacarus hengererorum, Blarinobia cryptotis, Blarinobia simplex, Protomyobia americana, Protomyobia claparedei, Bakerdania plurisetosa, Pygmephorus designatus und Psorergates cinereus
Laufmilben (Trombiculidae) wie Cheladonta ouachitensis, Euschoengastia blarinae, Euschoengastia jamesoni, Euschoengastia jonesi, Euschoengastia ohioensis, Euschoengastia peromysci, Leptotrombidium peromysci, Miyatrombicula esoensis, Neotrombicula cavicola und Neotrombicula harperi
Schildzecken (Ixodidae) wie Dermacentor variabilis, Ixodes angustus und Ixodes muris
Flöhe (Siphonaptera)
Corrodopsylla curvata, Corrodopsylla hamiltoni, Ctenopthalmus pseudagyrtes, Doratopsylla blarinae, Epitedia wenmanni, Monopsyllus wagneri systaltis, Nearctopsylla genalis, Opisocrostis bruneri, Orchopeas leucopus, Peromyscopsylla catatina und Rhadinopsylla fraterna

Ernährung

Amerikanische Maskenspitzmäuse ernähren sich ausschließlich von fleischlicher Nahrung. Zu den häufigsten Beutetieren gehören mit rund 65% Insekten (Insecta), insbesondere Käfer (Coleoptera) und Insektenlarven, etwa 7% kleine Wirbeltiere (Vertebrata) wie Salamander (Salamandridae), gut 7% Hundertfüßer (Chilopoda), 4,3% Wenigborster (Oligochaeta), 1,4% Weichtiere (Mollusca) und 1,2% Landasseln (Oniscidea) sowie Süßwasserflohkrebse (Amphipoda), Spinnentiere (Arachnida) und andere Gliederfüßer (Arthropoda). Die angegebenen Prozentwerte sind Mittelwerte aus Felduntersuchungen in Kanada und können je nach Vorkommen und Lebensraum stark schwanken. Aufgrund der hohen Stoffwechselrate sind Amerikanische Maskenspitzmäuse während ihrer aktiven Zeit permanent auf Nahrungssuche. Sie können nur wenige Stunden ohne Nahrung sein. Ein Amerikanische Maskenspitzmaus vertilgt pro Tag das 3,3-fache ihres Körpergewichtes an Nahrung (Novak, 1999; Whitaker, 2004).

Fortpflanzung

Mit dem Verlassen des Nestes haben Amerikanische Maskenspitzmäuse ihre adulte Größe erreicht. Kurze Zeit später sind sie auch geschlechtsreif. Dies ist in der Regel im Alter von 2 Monaten der Fall. Die Paarungszeit erstreckt sich vom späten Frühjahr oder dem Frühsommer bis in den frühen Herbst (September) hinein. Die Geburt erfolgt im Nest des Weibchens. Es handelt sich dabei meist um ein kugelartiges Gebilde aus miteinander verwebten trockenen Gräsern. Ein Nest weist einen Außendurchmesser von 4 bis 6 Zentimeter und einen Innendurchmesser von 2 bis 3 Zentimeter auf. Ein Nest weist 2 Ein- und Ausgänge auf. Nach einer Tragezeit von gut 3 Wochen bringt ein Weibchen 4 bis 9 (6,5) Jungtiere zur Welt. Ein Neugeborenes weist eine Körperlänge von 12 bis 14 mm und ein Geburtsgewicht von 0,28 Gramm auf. Sie kommen nackt, taub und blind zur Welt. Die Haut ist transparent und die inneren Organe (Leber, Darm und Magen) scheinen durch. Krallen sind an den Füßen bei der Geburt noch nicht vorhanden. Die graue Pigmentierung der Haut stellt sich ab dem 5. oder 6. Lebenstag ein. Die Schutzhaare sind ab dem 8. Lebenstag ausgebildet. Das Fell ist jedoch erst ab dem 20. Lebenstag voll entwickelt. Zu diesem Zeitpunkt ist das Fell etwa 3 bis 5 mm lang. Die Krallen wachsen den Jungtieren ab dem 2. Tag und sind ab dem 17. Lebenstag voll entwickelt. Die ersten Laute geben die Jungen ab dem 12. Tag von sich. Ab dem 27. Lebenstag verlassen sie das Nest. Zu diesem Zeitpunkt erfolgt auch die Entwöhnung von der Muttermilch. Die Lebenserwartung liegt unter sehr günstigen Umständen bei 2 Jahren (Novak, 1999; Whitaker, 2004).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Amerikanische Maskenspitzmaus gehört heute noch nicht zu den gefährdeten Spitzmäusen (Soricidae). In den meisten Regionen kommt die Amerikanische Maskenspitzmaus noch häufig vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Über Gefährdungsursachen ist nichts bekannt.

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005 ist die Amerikanische Maskenspitzmaus unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind: cooperi Bachman, 1837, forsteri Richardson, 1828, frankstounensis Peterson, 1926, idahoensis Merriam, 1891, nigriculus Green, 1932, personatus I. Geoffroy, 1827 und platyrhinus (De Kay, 1842). Die genannten Synonyme sind ungültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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