Stelzengazelle

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Stelzengazelle

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Gattung: Ammodorcas
Art: Stelzengazelle
Wissenschaftlicher Name
Ammodorcas clarkei
(Thomas, 1891)

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Die Stelzengazelle (Ammodorcas clarkei). die auch als Lamagazelle bekannt ist, zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung Ammodorcas. Im Englischen wird die Art Clarke's Gazelle oder Dibatag genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. In der Gattung Ammodorcas ist die Stelzengazelle die einzige Art.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die schlank gebaute Stelzengazelle erreicht eine Körperlänge von 1.520 bis 1.680 mm, eine Schwanzlänge von 300 bis 360 mm, eine Schulterhöhe von 820 bis 880 mm sowie ein Gewicht von 22 bis 35 Kilogramm (Novak, 1999). Das Fell weist dorsal eine helle graubraune bis beigefarbene Färbung auf, ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. Markantes Merkmal sind die langen und dünnen, filigran wirkenden Beine und der lange dünne Hals. Die Kopfseiten sind zwischen den Augen und der Schnauzenspitze durch einen hellen Streifen geprägt, der jeweils seitlich dunkel abgesetzt ist. Die trichterartigen Ohren sitzen seitlich weit hinten am Schädel. Vor den Ohren befinden sich im Stirnbereich kurze Hörner, die eine Länge von 150 bis 250 mm aufweisen. Basal zeigt sich an den Hörnern eine deutliche Ringelung. Die Hörner weisen eine Krümmung nach hinten, zur Spitze hin eine Krümmung nach vorne auf.

Lebensweise

Stelzengazellen sind gesellige Tiere, die in kleinen Gruppen mit 3 bis 6 Individuen leben. Das Revier einer Gruppe wird mit Kot und Urin sowie mit einem Sekret aus preorbitalen Drüsen markiert. Geschlechtsreife Männchen leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch. Während der Paarungszeit kommt es zwischen rivalisierenden Männchen häufig zu heftigen Kommentkämpfen.

Verbreitung

Stelzengazellen sind im nördlichen und zentralen Somalia und im östlichen Äthiopien endemisch. Beliebte Lebensräume sind vor allem Dornbuschsavannen, Buschland und lokal auch lichte buschige Wälder.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden zählen vor allem große Katzen (Felidae) wie der Löwe (Panthera leo) und der Gepard (Acinonyx jubatus). Aber auch Hundeartige (Canidae) wie Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus), Hyänen (Hyaenidae), insbesondere Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) und Streifenhyänen (Hyaena hyaena) stellen den Tieren massiv nach. Der größte Feind ist jedoch der Mensch, der Stelzengazellen wegen des Fleisches und der Häute nachstellt. Stelzengazellen haben natürlichen Feinden kaum etwas entgegenzusetzen. Sie suchen ihr Heil in der Flucht, flüchten jedoch aus einer Deckung heraus erst im letzten Moment.

Ernährung

Stelzengazellen gehören zu den blätterfressenden (folivore) Arten. Sie fressen Blätter sowohl von Büschen als auch von niedrigen Bäumen. Durch den langen Hals und der Tatsache, dass sich die Tiere auf die Hinterbeine stellen können, kommen sie auch an höher gelegene Blätter heran. Stelzengazellen können durchaus einige Tage ohne Trinkwasser auskommen. Ist dieses vorhanden, so trinken sie jedoch täglich Wasser.

Fortpflanzung

Stelzengazellen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von durchschnittlich 15, spätestens jedoch nach 18 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich in Ostafrika von Oktober bis in den November hinein. Bei den Stelzengazellen handelt es sich um monoöstrische Tiere, dass heißt, es kommt pro Jahr nur zu einem Wurf. Stelzengazellen sind polygam, ein Männchen paart sich im seinem Revier für gewöhnlich mit mehreren Weibchen. Nach einer Tragezeit von rund 204 Tagen (Novak, 1999) bringt ein Weibchen an einer geschützten Stelle in dichter Vegetation ein Jungtier zur Welt. Die Säugezeit ist nicht bekannt, die Lebenserwartung liegt in Freiheit unter günstigen Umständen bei 10 bis 12 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Stelzengazelle gehört heute zu den gefährdeten Hornträgern (Bovidae). In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als solches (VU, Vulnerable) geführt. Die Populationen sind seit Jahrzehnten rückläufig. Zu den Hauptursachen des Rückgangs zählen die Bejagung der Tiere durch die einheimische Bevölkerung sowie die lang anhaltenden Dürreperioden. Aber auch die Nahrungskonkurrenz zum Weidevieh stellt die Stelzengazelle vor große Probleme.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899 Seite 1.196-1.197
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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