Amsel

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Amsel
Amselmännchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Eigentliche Drosseln (Turdinae)
Gattung: Echte Drosseln (Turdus)
Art: Amsel
Wissenschaftlicher Name
Turdus merula
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Amsel (Turdus merula), auch unter dem Synonym Merula nigra sowie unter der Bezeichnung Schwarzdrossel bekannt, zählt innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zur Gattung der Echten Drosseln (Turdus). Im Englischen wird die Amsel eurasian blackbird, blackbird oder common blackbird genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Amsel erreicht eine Körperlänge von etwa 24,0 bis 27,0 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 43,0 bis 40,0 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 75,0 bis 110,0 Gramm. Die Amseln haben bekanntlich in der Jugend ein sehr geflecktes Kleid. Dieses verwandelt sich, nachdem sie früher oder später ausgebrütet worden sind, im Juli und August, oft noch im September durch einen Federwechsel, welcher sich auf alle kleinen und oft auch auf die hintersten Schwung- und ihre Deckfedern erstreckt - die Deckfedern der vorderen Schwungfedern bleiben stehen - in das erste Herbstkleid. Dieses ist beim Männchen mattschwarz mit mehr oder weniger deutlichen grauen Federkanten, welche im Winter verschwinden und im Frühjahr das reine Schwarz zum Vorschein kommen lassen, was jedoch nicht so tief und samtartig, als bei den alten Vögeln ist. Bei ihnen, d. h. bei den wenigstens zweijährigen Männchen, ist im Herbst und im Winter dieses Schwarz ein herrliches Samtschwarz, welches gegen den gelben Schnabel und Augenlidrand sehr schön absticht und im Frühjahr von seiner Schönheit schon etwas verloren hat. Die Weibchen verändern sich wenig nach der Jahreszeit, werden aber mit zunehmendem Alter dunkler und bekommen zuweilen eine Zeichnung, welche dem der Männchen im ersten Herbstkleid ziemlich ähnlich ist. Der Schnabel der Weibchen weist eine braune Färbung auf.

Lebensweise

Amsel - Weibchen
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Amsel - Weibchen

Das Männchen verteidigt vehement sein Brutgebiet und verjagt andere Männchen mit Drohgebärden. Diese bestehen aus einem kurzen Lauf, einem erhobenen Kopf, danach neigt das Männchen Kopf und Schwanz gleichzeitig nach unten. Tritt ein Kampf zwischen den Männchen auf, ist der Kampf meist kurz und der Eindringling wird verjagt. Das Weibchen ist im Frühling aggressiv, wenn es mit anderen Weibchen um ein gute Brutgebiet konkurriert, obwohl Kämpfe zwischen den Weibchen weniger häufiger sind, neigen sie jedoch dazu, dass diese ziemlich heftig sein können. Der Schnabel ist als Erscheinungsbild in den Interaktionen der Amsel sehr wichtig. Das territoriale Männchen reagiert gegenüber Männchen mit orangefarbenen Schnabel aggressiver als solche mit gelben Schnäbeln, zumindest reagiert das Männchen auf braun gefärbte Schnäbel, die typisch für Männchen im ersten Jahr sind. Das Weibchen reagiert jedoch relativ gleichgültig gegenüber Schnabelfarben, sondern reagiert eher auf glänzende Schnäbel. Solange im Winter reichlich Nahrung vorhanden ist, bleiben die Männchen und die Weibchen das ganze Jahr über in ihrem angestammten Gebiet. Die Amsel bewohnt sowohl Waldgebiete als auch urbane Bereiche. Besonders in den Morgenstunden im Frühjahr und Sommer beglückt uns die männliche Amsel mit ihrem melodischen und abwechslungsreichen Gesang. Dieser Gesang dient der Revierabgrenzung. Die Migranten leben mehr gesellig und wandern in kleinen lockeren Gruppen in die Winterquartiere.

Unterarten

Amsel - Weibchen
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Amsel - Weibchen
  • Turdus merula merula - Linnaeus, 1758
  • Turdus merula azorensis - Hartert, 1905
  • Turdus merula cabrerae - Hartert, 1901
  • Turdus merula aterrimus - (Madarász, 1903)
  • Turdus merula mauretanicus - Hartert, 1902
  • Turdus merula aterrimus - (Madarász, 1903)
  • Turdus merula intermedius - (Richmond, 1896)
  • Turdus merula maximus - (Seebohm, 1881)
  • Turdus merula mandarinus - Bonaparte, 1850
  • Turdus merula sowerbyi - Deignan, 1951
  • Turdus merula nigropileus - (Lafresnaye, 1840)
  • Turdus merula spencei - Whistler & Kinnear, 1932
  • Turdus merula simillimus - (Jerdon, 1839)
  • Turdus merula bourdilloni - (Seebohm, 1881)
  • Turdus merula kinnisii - (Kelaart, 1851)

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Amsel in folgenden Ländern nativ verbreitet: Afghanistan, Albanien, Algerien, Andorra, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Belorussland, Belgien, Bhutan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Zypern, Tschechische Republik, Dänemark, Ägypten, Estland, Färöer Inseln, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Gibraltar, Griechenland, Hongkong, Ungarn, Island, Indien, Islamische Republik Iran, Irak, Irland, Israel, Italien, Jordanien, Kasachstan, Kuwait, Kirgisistan, Demokratische Volksrepublik Laos, Lettland, Libanon, Libyen, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg,
Amsel - Jugendlicher
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Amsel - Jugendlicher
Macao, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Malta, Moldawien, Montenegro, Marokko, Nepal, Niederlande, Norwegen, palästinensische Autonomiegebiete, Polen, Portugal, Rumänien, russische Föderation, Saudi-Arabien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Sri Lanka, Schweden, Schweiz, Arabische Republik Syrien, Tadschikistan, Tunesien, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Vereinigte Arabische Emirate, Großbritannien, Usbekistan, Vietnam und Westsahara. Eingeführt wurde die Amsel in Australien und Neuseeland. Als Vagrant trifft man die Amsel in folgenden Ländern an: Bahrain, Kambodscha, Kanada, Grönland, Japan, Republik Korea, Myanmar, Katar, Spitzbergen und Jan Mayen, Chinesische Provinz Taiwan, Thailand und Vereinigte Staaten.

Ernährung

Die Amsel ist gehört zu den Allesfressern und weist ein breites Nahrungsspektrum auf. Hauptbestandteile der tierischen Nahrung sind Regenwürmer (Lumbricidae) und Käfer (Coleoptera) wie zum Beispiel Feldmaikäfer (Melolontha melolontha). Des Weiteren ernährt sich die Amsel auch von Schnecken (Gastropoda), Blutegeln (Hirudo medicinalis), Tausendfüßern (Myriapoda), Spinnentieren (Arachnida) sowie von verschiedenen anderen Insekten (Insecta) und deren Larven. Neben zahlreichen wirbellosen Tieren zählen auch kleinere Wirbeltiere zum Nahrungsspektrum, darunter auch Eidechsen (Lacertidae), Schwanzlurche (Caudata) und Froschlurche (Anura), Mäuse (Mus) und Spitzmäuse (Soricidae). Gelegentlich werden auch Schlangen (Serpentes) erbeutet. Jedoch nimmt die pflanzliche Nahrung eine größere Rolle ein. Häufig besucht die Amsel die Streuobstwiesen, wo sie reife Steinfrüchte sowie Beeren verschiedener Pflanzen findet, dazu zählen unter anderem Gewöhnlicher Liguster (Ligustrum vulgare), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Sanddorn (Hippophaë rhamnoides), Hartriegel (Cornus), Vogel-Kirsche (Prunus avium), Brombeeren (Rubus sectio Rubus), Himbeeren (Rubus idaeus), Weißdorne (Crataegus), Gemeiner Efeu (Hedera helix), Mehlbeeren (Sorbus), Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium), Weißbeerige Mistel (Viscum album), Olivenbaum (Olea europaea), Myrte (Myrtus communis), Zürgelbäume (Celtis), Weinreben (Vitis), Hanfgewächse (Cannabaceae) und Feigen (Ficus). Die Nahrungssuche wird in den Morgen- und Abendstunden betrieben.

Fortpflanzung

Amsel - Eier
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Amsel - Eier
Im zeitigen Frühjahr, bei milder Witterung oft bereits im Februar beginnt das Männchen mit seinem melodischen Gesang. Wie bereits erwähnt, dient dieser Gesang der Abgrenzung des Reviers und damit potenziellen Brutrevieres. Das Männchen lockt das Weibchen mit einer Balz, indem sich das Männchen mit schrägen Läufen kombiniet mit Kopf-Verbeugungen sowie mit einem offenen Schnabel und einem erstickten tiefen Gesang bewegt. Das Weibchen bleibt regungslos bis sie den Kopf und Schwanz hebt, um so eine Kopulation zu ermöglichen. Die Amsel ist monogam und die etablierten Paare bleiben in der Regel zusammen so lange beide überleben. Im Allgemeinen beginnt die Brut der Nominatform im März, aber die ostindischen Populationen beginnen ihre Brut einen Monat früher und die eingeführten Amseln in Neuseeland nisten Anfang August. Das Brutpaar sucht nach einem geeigneten Nistplatz. Dies können Schlingpflanzen oder Sträucher, dornige Arten wie Efeu, Ilex, Weißdorn, Heckenkirschen oder Feuerdorn-Arten sein. Gelegentlich nisten die Vögel auch in Schuppen oder in Nebengebäuden, wo eben Hohlräume vorhanden sind. Das becherförmige Nest wird mit Grashalmen, Gräsern und Moosen, dass mit Lehm oder Schlamm verstärkt wird. Das Nest wird allein vom Weibchen gebaut. Das Weibchen legt in der Regel drei bis fünf (meist vier) bläulich-grüne Eier mit rötlich-braunen Flecken markiert. Die Eier der Nominatform weisen eine Größe von 2,9 x 2,1 Zentimeter und ein Gewicht von 7,2 Gramm auf. Die Eier der südlichen indischen Populationen sind in der Farbe blasser als die der Vögel, die im nördlichen Subkontinent und in Europa leben. Das Weibchen bebrütet die Eier für 12 bis 14 Tage. Nach dem Schlupf sind die Jungen nackt und blind. Flügge sind die Jungen nach weiteren 10 bis 19 (Durchschnitt 13,6) Tagen, wobei beide Eltern die Jungen füttern und die fäkalen Säckchen aus dem Nest entfernen. Nach nach weiteren drei Wochen, wenn die Jungen das Nest schon verlassen haben, werden sie von den Eltern noch mit Nahrung versorgt.
Amsel - Eier und Junge
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Amsel - Eier und Junge
Wenn das Weibchen ein anderes Nest baut, werden die Jungen nur noch vom Männchen gefüttert. Die Jungen verbergen sich im Gebüsch vor ihren natürlichen Feinden wie Katzen, Eichelhähern und Elstern. Immer in der Nähe ihrer Eltern, lernen sie von ihnen ihre Nahrungsquellen kennen. Zwei Bruten sind in Europa und drei Bruten sind in den südlichen Ländern üblich. Die montanen Unterarten wie Turdus merula maximus, haben eine kürzere Brutzeit und ein kleineres Gelege (zwei bis vier Eier, im Durchschnitt 2,86), aber größere Eier als die Eier der Nominatform. Sie produzieren nur eine Brut pro Jahr und haben eine etwas kürzere Inkubationszeit von 12 bis 13 Tagen, aber eine längere Nestlingszeit von 16 bis 18 Tagen. Eine Amsel hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 2,4 Jahren und basierend auf Daten von Vogelberingungen, ist das älteste aufgezeichnete Alter von 21 Jahren und 10 Monaten.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Amsel heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Amsel selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird sie als least concern (nicht gefährdet) geführt.

In Europa wird der Brutbestand auf etwa 40.000.000 bis 82.000.000 Brutpaare geschätzt, das entspricht etwa 120.000.000 bis 246.000.000 Individuen (BirdLife International 2004). Europa bildet 50 bis 74 Prozent der globalen Reichweite, so dass eine vorläufige Schätzung der Weltpopulation 162.000.000 bis 492.000.000 Individuen beträgt, obwohl eine weitere Bestätigung dieser Schätzung erforderlich ist.

Galerie

Anhang

Siehe auch

Amsel - Junges
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Amsel - Junges

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Weitere Links

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