Andenbaumläufer

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Andenbaumläufer

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Baumläufer (Certhiidae)
Unterfamilie: Certhiinae
Tribus: Certhiini
Gattung: Baumläufer (Certhia)
Art: Andenbaumläufer
Wissenschaftlicher Name
Certhia americana
Bonaparte, 1838

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Andenbaumläufer (Certhia americana) zählt innerhalb der Familie der Baumläufer (Certhiidae) zur Gattung der Baumläufer (Certhia).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Andenbaumläufer erreicht je nach Unterart eine Körperlänge von 12 bis 13,5 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 17 bis 20 Zentimeter sowie ein Gewicht von 7 bis 10 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Man kann die Geschlechter allenfalls anhand der Schnabellänge unterscheiden, diese ist beim Männchen gut zwei Millimeter länger. Die Oberseite und die Flügel weisen eine dunkelbraune Färbung auf, die mit facettenreichen weißen und schwarzen Mustern, insbesondere mit hellen Längswellen, durchzogen ist. Am Stamm sitzend ist der Vogel in dieser Tarnfärbung kaum zu erkennen. Oberhalb der Augen zeigt sich ein weißlicher Augenstreif. Das Bauch- und Brustgefieder ist weiß gefärbt. Der Schwanz weist eine einfarbig hellbraune Färbung auf und dient bei der Fortbewegung an Baumstämmen als Kletterhilfe. Der schmale und leicht nach unten gebogene Schnabel ist hellgrau gefärbt, die Extremitäten zeigen eine bräunliche Färbung. Drei Zehen zeigen nach vorne, eine stark verlängerte Zehe zeigt nach hinten. Die Zehen enden jeweils in lange Krallen.

Lebensweise

Andenbaumläufer sind in den meisten Verbreitungsgebieten Standvögel. Nur in nördlichen Regionen wie in Alaska und im südlichen Kanada ziehen sie im Herbst in gemäßigten Regionen. Andenbaumläufer sind hervorragende Kletterer, die mit Leichtigkeit senkrecht Baumstämme hinauf klettern können. Sie suchen an diesen Baumstämmen nach Insekten und Larven und arbeiten sich in der Regel von den unteren bis in die oberen Regionen vor. Oben angekommen fliegen sie wieder nach unten und beginnen erneut mit der Suche. Mit den langen Zehen klammern sie sich an der Borke fest und der lange und sehr steife Schwanz dient dabei als Stütze. Andenbaumläufer sind außerhalb der Paarungszeit nicht territorial und treten durchaus in kleineren Gruppen auf. Während der Paarungszeit ziehen sich die Paare zurück und beanspruchen ein kleines Revier mit einem Radius von 150 bis 250 Metern rund um das Nest.

Unterarten

Verbreitung

Andenbaumläufer sind mit zahlreichen Unterarten in weiten Teilen Nord- und Mittelamerikas verbreitet. Sie kommen sowohl im hohen Norden in Alaska und Kanada sowie in den USA, Mexiko und Teilen Mittelamerikas vor. Die südlichsten Regionen liegen in Nicaragua, die nördlichsten in Alaska und dem zentralen British Columbia, Kanada. In den USA werden nur die westlichen Bundesstaaten besiedelt, im Osten kommen sie nicht vor. Die genaue Verteilung der einzelnen Unterarten ist der obigen Tabelle zu entnehmen. Bevorzugter Lebensraum sind montane Nadel- oder Mischwälder. Alter Baumbestand wird eindeutig bevorzugt, da hier reichlich Nahrung in Form von Insekten und Larven vorhanden ist. Auch Nistplätze bietet alter Baumbestand reichlich.

Prädatoren

Aufgrund seiner geringen Größe hat der Andenbaumläufer eine Reihe von Fleischfressern. Ihnen hat er auch nur wenig entgegenzusetzen. Unter den räuberisch lebenden Säugetieren gehören insbesondere Goldmantelziesel (Spermophilus lateralis), Columbia-Ziesel (Spermophilus columbianus), Nördliche Gleithörnchen (Glaucomys sabrinus), Gemeine Rothörnchen (Tamiasciurus hudsonicus), Hauskatzen (Felis silvestris forma catus) und Weißfußmäuse (Peromyscus) zu den Hauptfeinden. Bei diesen Räubern stehen vor allem die Eier und die Nestlinge hoch im Kurs. Einziger Schutz der adulten Vögel ist ihre gute Tarnung. Bei Gefahr drücken sie sich dicht an einen Baumstamm und sind so für einen Fleischfresser kaum auszumachen.

Ernährung

Andenbaumläufer ernähren sich im Frühjahr und Sommer fast ausschließlich von tierischer Nahrung, insbesondere Insekten (Insecta), deren Larven, Spinnentiere (Arachnida) und andere kleine Gliederfüßer. Unter den Insekten werden Wanzen (Heteroptera) und Käfer (Coleoptera) bevorzugt. Sie fressen darüber hinaus aber auch die Samen von Nadelbäumen wie Fichten und Kiefern, andere Sämereien, Körner aller Art und kleinere Waldfrüchte. Dies ist vor allem während des Winters der Fall. Sie gelten als Allesfresser. Tierische Nahrung wird zumeist von Baumstämmen abgelesen, Sämereien auch auf dem Boden gesucht. Die Brut wird ausschließlich mit Insekten und Larven versorgt.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Andenbaumläufer gegen Ende des ersten Lebensjahres. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Paarungs- und Brutzeit von April bis in den Juli hinein. In den nördlichen Regionen beginnt die Paarungszeit entsprechend einige Wochen später. Während einer Saison kommt es lediglich nur zu einem Gelege. Bei Gelegeverlust ist jedoch ein Nachgelege möglich. Andenbaumläufer leben in einer monogamen Saisonehe, die nach Aufzucht der Jungen wieder gelöst wird. Während der Balz versucht ein Männchen durch seinen Gesang ein Weibchen anzulocken. Während der Balz kommt es zudem zu kleinen Verfolgungsjagden, wo insbesondere die Flügelunterseiten präsentiert werden. Ebenfalls zur Balz gehört das Darreichen von Nahrung seitens des Männchens. Hat sich ein Paar gefunden, so kommt es zur typischen Kopulation, bei der das Männchen das Weibchen besteigt.

Der Nistplatz wird von beiden Geschlechtern gewählt. In der Regel entsteht ein Nest zwischen der Rinde alter Bäume, die eine entsprechend grobe Rinde mit breiten Ritzen und Spalten aufweisen. Der Nestbau dauert in der Regel ein bis zwei Wochen und wird überwiegend vom Weibchen gewährleistet. In das fertige Nest legt das Weibchen zwischen vier und sieben Eier, die vom Weibchen alleine über einen Zeitraum von 14 bis 17 Tagen gewärmt werden. Die Dauer richtet sich im wesentlichen nach dem Brutgebiet und der Witterung. Das Weibchen beginnt mit dem Wärmen der Eier nach Ablage des letzten Eies. Während dieser Zeit wird das Weibchen vom Männchen mit Nahrung versorgt.

Der Schlupf der nackten Küken erfolgt innerhalb eines Tages. In den ersten Tagen wird der Nachwuchs vom Weibchen gehudert. Erst danach beteiligt sie sich an der Versorgung der Küken mit Nahrung. Aufgrund der proteinreichen Nahrung wachsen die Jungen schnell heran und haben bereits nach 16 bis 17 Tagen die Flugfähigkeit erreicht. Die Selbständigkeit und der Abflug erfolgt zumeist nach weiteren zwei Wochen. Die Lebenserwartung der Andenbaumläufer liegt wahrscheinlich bei drei bis vier Jahren. Gesicherte Erkenntnisse in Bezug auf die Lebenserwartung liegen nicht vor.

Gefährdung und Schutz

Andenbaumläufer bilden einen wichtigen Teil in ihrem Ökosystem. Sie steuern durch ihren gesunden Appetit vor allem die Populationen von Schadinsekten. Andenbaumläufer gehören noch nicht zu den bedrohten Arten. Jedoch gehen die Bestände seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück. Schuld daran ist mit Sicherheit die Vernichtung der natürlichen Lebensräume. Selbst in den unzugänglichen Lebensräumen schreitet die Urbanisierung und die Abholzung der Wälder immer weiter voran. In einigen US-Bundesstaaten gilt der Andenbaumläufer bereits als gefährdet oder stark gefährdet. Dies gilt vor allem für Illinois, Kentucky, Indiana, Idaho und Montana. Vor allem der "saubere" Wald nützt den Andenbaumläufern nur wenig, da sie hier kaum noch Nahrung und Nistplätze finden. Sie sind auf altem Baumbestand und Totholz angewiesen. In der Roten Liste der IUCN wird der Andenbaumläufer als nicht gefährdet geführt. Laut der BirdLife International, einer Specialgroup der IUCN, soll sich der Gesamtbestand auf etwa 5,4 Millionen Individuen belaufen. Das Verbreitungsgebiet umfasst eine Fläche von etwa 6,5 Millionen Quadratkilometer. <1>

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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