Grauscheitel-Wollrücken

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Grauscheitel-Wollrücken
Männchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Schreivögel (Tyranni)
Teilordnung: Tyrannides
Parvordner: Thamnophilida
Familie: Ameisenvögel (Thamnophilidae)
Gattung: Ameisenwürger (Thamnophilus)
Art: Grauscheitel-Wollrücken
Wissenschaftlicher Name
Thamnophilus caerulescens
Vieillot, 1816

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Grauscheitel-Wollrücken (Thamnophilus caerulescens), auch unter den Bezeichnungen Andenwollrücken und Südlicher Tropfenameisenwürger bekannt, zählt innerhalb der Familie der Ameisenvögel (Thamnophilidae) zur Gattung der Ameisenwürger (Thamnophilus). Im Englischen wird der Grauscheitel-Wollrücken variable antshrike genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Grauscheitel-Wollrücken ist ein untersetzter Vogel mit einer Gesamtlänge von etwa 14,0 bis 16,0 Zentimeter. Das Männchen weist schwarze Flügel mit einer grauen Einfassung der Schwungfedern, manchmal sehr schmal und kaum sichtbar bei den Unterarten, bei denen die Männchen meist eine schwarze Färbung aufweisen. Des Weiteren zeigt sich eine weiße Flügel-Binde, die gefleckt erscheint, besonders an den kleinen Flügeldecken. Der Schwanz ist schwarz und ist mit weißen Spitzen versehen, die am besten von unten sichtbar sind. Bei den östlichen, zentralen und südlichen Unterarten sind die Brust und der Kopf grau gefärbt. Der Rücken ist meist grau und mit variablen Schwarztönen versehen. Des Weiteren zeigt sich ein halb verdeckter weißer interskapulärer Fleck. Die Krone ist von einer schwarzen Färbung. Im fernen Nordosten Brasilien ist das Schwarz der Krone bei einigen Unterarten stark reduziert. Die Farbvariation des Bauches ist sehr komplex und reicht bei einigen Unterarten von weiß, über grau bis tief zimtfarben. Das Männchen der Unterart Thamnophilus caerulescens melanochrous, das in den Anden von Peru verbreitet ist, ist auffallend anders gefärbt, wobei das Männchen insgesamt ein schwarzes Gefieder aufweist mit Ausnahme der weißen Flügel und des weißen Schwanzes.

Das Männchen der Unterart Thamnophilus caerulescens aspersiventer, das in den Anden im Nordwesten Boliviens und Perus verbreitet ist, ist ähnlich gefärbt wie das Männchen der Unterart Thamnophilus caerulescens melanochrous, jedoch weist die letztgenannte Unterart dichte weiße Binden auf dem Bauch auf. Beide Geschlechter sind gleichermaßen variabel gefärbt. Bei den meisten weiblichen Unterarten sind die Flügel schwarzbraun und mit einer rotbraunen Einfassung der Schwungfedern sowie mit weißen oder gelbbraunen Flügelbinden, oft erscheinen diese auch fleckig, versehen.
Grauscheitel-Wollrücken - Männchen
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Grauscheitel-Wollrücken - Männchen
Bei der weiblichen Unterart aus dem Nordosten Brasiliens sind die Flügelbinden jedoch stark reduziert und bei der Population in Ceará fehlen diese Binden im Wesentlichen. Der Schwanz ist so ähnlich gefärbt wie bei dem Männchen, ist aber oft mehr bräunlich. Die Unterseite ist reichlich orange-zimtfarben und die Brust weist eine blasse bräunliche oder graue Färbung auf. Der Rücken ist braun getänt und der Kopf ist rein grau oder braun bis hellgrau gefärbt. Die meisten weiblichen Unterarten weisen eine braune Krone auf. Beide Geschlechter aller Unterarten haben graue Beine und einen gedrungenen Schnabel. Der Unterkiefer ist von einer grauen Tönung und der Oberkiefer ist schwarzbraun gefärbt. Einige Unterarten sind leicht mit dem Tüpfelwollrücken (Thamnophilus punctatus) zu verwechseln, aber diese unterscheiden sich konsequent in ihren breiten weißen Rändern der Handschwingen.

Lebensweise

Der Grauscheitel-Wollrücken ist weit im östlichen und im südlichen Brasilien mit den disjunkten Populationen in Ceará, Pernambuco und Alagoas weit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom südlichen Brasilien, über Uruguay, Paraguay, Nord-Argentinien, Bolivien, entlang der östlichen Hänge der Anden in Peru bis weit nördlich der Amazonas Region. Der Grauscheitel-Wollrücken hält sich in einer Vielzahl von dicht bewaldeten Habitaten auf, angefangen von den Rändern der feuchten Wälder bis zu den kargen Wäldern. In großen Teilen findet man den Grauscheitel-Wollrücken auch im Flachland, aber er ist vor allem im Vorland im Nordosten Brasiliens zu finden. Gelegentlich ist der Grauscheitel-Wollrücken auch im Hochland bis zu 2.600 Metern und lokal bis zu 3.000 Metern anzutreffen. Ein großer Teil lebt jedoch im andinen Bereich. Der Grauscheitel-Wollrücken lebt überwiegend paarweise. Bei Alarm äußern beide Partner harte, raue, rasselnde Rufe. Beide Geschlechter verteidigen vehement ihr kleines Revier mit einer Reihe von nasal klingenden Rufen.

Unterarten

Grauscheitel-Wollrücken - Weibchen
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Grauscheitel-Wollrücken - Weibchen

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Grauscheitel-Wollrücken in folgenden Ländern vor: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay, Peru und Uruguay. Der Grauscheitel-Wollrücken hält sich in folgenden Lebensräumen auf: Subtropische und tropische trockene Wälder, subtropische und tropische feuchte Tieflandwälder, subtropische und tropische feuchte Montanwälder, subtropische und tropische feuchte Heideflächen sowie Feuchtgebiete (Inland) wie Flüsse, Bäche und schmale Buchten mit Wasserfällen.

Ernährung

Grauscheitel-Wollrücken - Männchen
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Grauscheitel-Wollrücken - Männchen

Der Grauscheitel-Wollrücken ernährt sich gewöhnlich von Insekten (Insecta). Gelegentlich nimmt er auch ein wenig Sämereien, Obst und Beeren zu sich. Die Nahrung sucht der Grauscheitel-Wollrücken meist im Laub oder späht von einer Ansitzwarte aus nach Insekten (Insecta).

Fortpflanzung

Die Brutzeit fällt in den letzten Monaten des Jahres. Das Nest ist ein tiefes tassenförmiges Gebilde. Die Vögel nisten in horizontalen Gabelzweigen dichter Büsche, wo das Nest mit Pflanzenfasern an den Tragzweigen fest befestigt wird. Das Nestinnere wird mit Haaren und Pflanzenwolle ausgekleidet. Nach Fertigstellung des Nestes legt das Weibchen zwei Eier, manchmal auch drei Eier in das Nest. Die Eier weisen eine cremig-weiße Färbung auf und sind mit lilafarbenen oder rötlichen Flecken besetzt. Das Männchen und das Weibchen bebrüten gemeinsam die Eier. Die Inkubation dauert etwa zwei Wochen lang. Nach etwa 12 bis 13 Tagen sind die Jungvögel flügge und verlassen das Nest.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Grauscheitel-Wollrücken heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Der Grauscheitel-Wollrücken ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Grauscheitel-Wollrücken selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Grauscheitel-Wollrücken als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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