Anoura geoffroyi

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Anoura geoffroyi

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
Unterfamilie: Blütenfledermäuse (Glossophaginae)
Gattung: Anoura
Art: Anoura geoffroyi
Wissenschaftlicher Name
Anoura geoffroyi
Gray, 1838

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Anoura geoffroyi zählt innerhalb der Familie der Blattnasen (Phyllostomidae) zur Gattung der Anoura. Im Englischen wird die Art Geoffroy's Tailless Bat genannt. Es sind 3 Unterarten bekannt (Pine, 1972 in Ortega et al., 2008).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Anoura geoffroyi unterscheidet sich von Anoura cultrata durch den klingenartigen, verkürzten Prämolar p1. Anoura geoffroyi hat insgesamt die kleinsten Prämolaren in der Gattung. Anoura cultrata verfügt über einen vollständig ausgebildeten Jochbogen, bei Anoura geoffroyi ist dieser weniger gut ausgebildet. Auch ist der Schädel von Anoura geoffroyi kleiner und verjüngt nach vorne weniger. Anoura geoffroyi unterscheidet sich von Anoura caudifer durch einen größeren Unterarm, einem größeren Schädel, eine weniger starke Behaarung sowie eine schmalere Interfemoralmembran. Anoura latidens und Anoura geoffroyi ähneln sich stark, jedoch sind Prämolar p3 und p4 bei Anoura geoffroyi deutlich kleiner und weniger robust (Ortega et al., 2007).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Anoura geoffroyi erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Gesamtlänge von 68,0 bis 71,4 (69,2) mm, eine Unterarmlänge von 41,9 bis 44,7 (43,3) mm, eine Ohrlänge von 9,9 nos 12,7 (1,4) mm, eine Hinterfußlänge von 10,6 bis 13,9 (12,3) mm, ein Gewicht von 10,4 bis 15,2 (12,8) g, eine Schädellänge von 23,9 bis 26,7 (25,3) mm, eine Condylobasallänge von 22,7 bis 25,9 (24,8) mm, eine Jochbeinbreite von 9,3 bis 12,3 (10,8) mm sowie eine Hirnschädelbreite von 8,2 bis 11,4 (9,8) mm. Anoura geoffroyi ist eine mittelgroße neotropische Fledermaus. Ein Schwanz ist nicht vorhanden. Die Interfemoralmembran (Uropatagium, Schwanzflughaut) ist klein und behaart, das Fersenbein ist eher kurz. Das Fell ist graubraun bis dunkelbraun gefärbt, ventral zeigt sich eine graubraune Färbung. An der Basis sind die Haare insgesamt blasser gefärbt. Die Seiten des Halses sowie die Schultern sind silbergrau gefärbt. Auf den Flügelmembranen zeigt sich eine schwarzbraune Färbung. Die Ohren sind kurz, von gerundeter Form und im Bereich der Stirn miteinder verschmolzen. Die Schnauze ist länglich, der Unterkiefer ist etwas länger als der Oberkiefer. Unterarme, Beine und Zehen sind behaart. Der Schädel ist insgesamt eher klein und weist einen rudimentären und unvollstäng ausgebildeten Jochbogen auf. Die Hirnschale ist nach vorne deutlich verjüngt. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/0, c1/1, p3/3, m3/3. Die oberen Schneidezähne sind reduziert und durch einen kleinen Spalt getrennt. Die Zunge ist schmal, länglich und sehr dehnbar (Novak, 1999; Ortega et al., 2007).

Lebensweise

Anoura geoffroyi ist strikt nachtaktiv. Die Aktivitäten beginnen etwa 1 Stunde nach Sonnenuntergang. Anoura geoffroyi lebt in kleinen Gruppen von selten mehreren Dutzend Individuen. Es sind jedoch auch Kolonien von bis zu 300 Tieren gesichtet worden. Die Ruheplätze liegen meist in Höhlen, Minen oder in Tunneln. Die Art ist ein schneller und geschickter Flieger. Auch Schwebflüge sind beobachtet worden. Die Orientierung erfolgt typischerweise durch Echoortung. Dies gilt zum einen für die eigentliche Orientierung, zum anderen auch für die Lokalisierung von Beutetieren. Die Signale und rückkehrenden Echos liegen im Frequenzbereich von 65 bis 75 kHz. Das Gehör kann jedoch Frequenzen von bis zu 95 kHz wahrnehmen (Novak, 1999; Ortega et al., 2007).

Unterarten

Unterarten nach Ortega et al., 2007 und Wilson & Reeder, 2005.

Verbreitung

Die Art ist vom nördlichen über das zentrale und südliche Mexiko in den Bundesstaaten Sinaloa, Nayarit, Durango, Jalisco, Colima, Michoacán, San Luis Potosi, Tamaulipas, Guerrero, Puebla, Tlaxcala, Morelos, Oaxaca, Chiapas und Veracruz beheimatet. Auch die Halbinsel von Yucatan wird besiedelt. Weiter südlich werden auch weite Teile von Mittelamerika bewohnt. Die Art ist hier in Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama anzutreffen. In Südamerika ist Anoura geoffroyi in Französisch-Guayana, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana, Peru, Trinidad, Grenada, Bolivien, Brasiliens und Surinam. Die Art besiedelt Höhen von 400 bis 2.500 m über NN. Fossile Funde sind keine bekannt (Ortega et al., 2007; IUCN, 2014).

Biozönose

Sympatrie

Anoura geoffroyi teilt sich seinen Lebensraum, insbesondere die Schlafplätze mit anderen Fledermausarten. Dies sind insbesoondere Eigentliche Fruchtvampire (Artibeus) wie Artibeus amplus, Artibeus aztecus, Artibeus hirsutus und Artibeus lituratus, die Brillenblattnase (Carollia perspicillata), Amerikanische Langohrfledermäuse (Corynorhinus) wie Corynorhinus mexicanus, Gemeine Vampire (Desmodus rotundus), Glossophaga soricina, Leptonycteris curasoae, Leptonycteris nivalis, Die Eigentliche Schwertnase (Lonchorhina aurita), Lonchophylla robusta, Mormoops megalophylla, Myotis velifer, Natalus tumidirostris, Glattnasen-Freischwänze (Emballonuridae) wie Peropteryx kappleri und Peropteryx macrotis, die Große Lanzennase (Phyllostomus hastatus), Streifen-Fruchtvampire (Platyrrhinus) wie Platyrrhinus vittatus, Pteronotus parnellii, die Kleine Nacktrücken-Fledermaus (Pteronotus davyi) sowie die Mexikanische Bulldoggfledermaus (Tadarida brasiliensis) zu nennen (Ortega et al., 2007).

Endo- und Exoparasiten

In Feldstudien und Laboruntersuchungen konnten bei Anoura geoffroyi zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen werden. Zu den nachgewiesenen Ektoparasiten gehören vor allem Fledermausfliegen (Streblidae) wie Speiseria ambigua, Strebla Wiedemanni, Trichobius dugesii, Trichobius longipes, Radfordiella anourae, Radfordiella Oricola, Paraeuctenodes longipes, Paradyschiria parvuloides, Aspidoptera phyllostomatis, Anastrebla mattadeni, Anastrebla Modestini, Exastinion clovisi, Strebla harderi, Basilia speiseri und Trichobius propinquus, Raubmilben (Gamasina) der Gattung Macrocheles, Periglischrus paracutisternus und Periglischrus vargasi, Schildzecken (Ixodidae) Ixodes downsi, Laufmilben (Trombidiidae) wie Loomisia desmodus. Auch Endoparasiten wie Litomosoides brasiliensis aus dem Stamm der Fadenwürmer (Nematoda) konnten nachgewiesen werden (Ortega et al., 2007).

Über Prädatoren liegen keine Studien vor.

Ernährung

Anoura geoffroyi ist in erster Linie ein Insektenfresser. Weit oben auf der Speisekarte stehen Schmetterlinge (Lepidoptera), Fransenflügler (Thysanoptera), Hautflügler (Hymenoptera) und Käfer (Coleoptera). Gelegentlich ernähren sich die Tiere auch von Früchten, Pollen und Nektar. Pollen stammen von Akazien (Acacia), Agaven (Agave), Erlen (Alnus), Kapokbäumen (Bombax), Wollbaumgewächse (Bombacoideae) wie Bombacopsis squamigera und Ceiba, Glockenblumengewächse (Campanulaceae) wie Burmeistera sodiroana und Burmeistera truncata, Mimosengewächse (Mimosoideae) wie Calliandra, Sperrkrautgewächse (Polemoniaceae) wie Cobaea aschersoniana, Feigen (Ficus), Pelargonien (Pelargonium), Hibiskus (Hibiscus), Prunkwinden (Ipomoea), Nachtschattengewächse (Solanaceae) wie Markea, Schwarzmundgewächse (Melastomataceae) wie Meriania pichinchensis, Kakteengewächse (Cactaceae) wie Myrtillocactus, Passionsblumen (Passiflora), Kiefern (Pinus), Orchideen (Orchidaceae) wie Purpurella grossa, Eichen (Quercus) und Salbei (Salvia). Die aufgenommene Nahrung variiert je nach Vorkommen (Ortega et al., 2007).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit richtet sich stark nach dem Vorkommen. In der Regel kommt der Nachwuchs während der Regenzeit zur Welt. Zu dieser Zeit ist Nahrung ausreichend vorhanden. In den Brutkolonien liegt das Geschlechterverhältnis bei etwa 1:1. Über das Fortpflanzungsverhalten ansich ist nur wenig bekannt. Ein Weibchen bringt ein einzelnes Jungtier zur Welt (Ortega et al., 2007).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Art heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt Anoura geoffroyi selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird sie als least concern (nicht gefährdet) geführt. Zu den Hauptbedrohungen gehört lokal der Bergbau, der ausufernde Tourismus und die allgemeine Vernichtung der natürlichen Lebensräume. Dies ist insbesondere in Mexiko zu beobachten (IUCN, 2014).

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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