Antarktischer Sturmvogel

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Antarktischer Sturmvogel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Sturmvögel (Procellariidae)
Gattung: Procellaria
Art: Antarktischer Sturmvogel
Wissenschaftlicher Name
Procellaria conspicillata
Gould, 1844

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Brillensturmvogel oder Antarktische Sturmvogel (Procellaria conspicillata) zählt innerhalb der Familie der Sturmvögel (Procellariidae) zur Gattung Procellaria. Im Englischen wird der Antarktische Sturmvogel spectacled petrel genannt. Dieses Taxon wurde in mehrere Spezies gesplittet: Procellaria conspicillata, Procellaria aequinoctialis, Procellaria parkinsoni und Procellaria westlandica. Jedoch wird dieses Taxon von einigen Autoren als Subspezies von Procellaria aequinoctialis im weiteren Sinne (sensu-lato) betrachtet. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Antarktische Sturmvogel erreicht eine Körperlänge von etwa 55,0 Zentimeter. Die Geschlechter sind gleichermaßen gefärbt. Der gesamte Gefieder weist eine schwarze Färbung auf. Charakteristisch sind die eigenartigen Markierungen des Kopfes. Der submentale weiße Fleck ist mehr oder weniger perfekt mit breiten weißen Streifen verbunden, die von den seitlichen Federn des Unterschnabels bis hin zu den Seiten des Kopfes verlaufen und weiter als geschwungene Linie unter dem Auge und nach oben bis zum Hinterkopf verläuft. Darüber hinaus nimmt ein breiter, etwas halbmondförmiger Fleck den vorderen Teil des Scheitels ein und erstreckt sich bis zu den Wangen und bis vor die Augen einschließlich Schnabel, so dass dieser fast die gesamte schwarz gefärbte Stirn überdeckt. Der Schnabel wirkt etwas lang und ist wesentlich robuster. Der Oberschnabel sowie der Unterschnabel weisen eine bläulich-schwarze Färbung auf. Die Seiten der Mandibeln sind in der Regel viel dunkler in der Färbung. Die Flügel und der Schwanz sind recht kurz geraten.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Antarktische Sturmvogel ein Kolonienbrüter, der jährlich von September bis März aktiv ist. Die Brut-Phänologie ist kaum untersucht, aber die Eiablage beginnt im Oktober und der Schlupf erfolgt im Dezember. Das Küken ist im März flügge. Der Antarktische Sturmvogel brütet in feuchten Heiden über 380 Meter. Die Nisthöhlen befinden sich an den Ufern der Flusstäler und in den angrenzenden Sumpfgebieten. Der Antarktische Sturmvogel ernährt sich von Kopffüßern, Zehnfußkrebsen (Decapoda) sowie von kleinen Fischen.

Verbreitung

Antarktischer Sturmvogel im Flug
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Antarktischer Sturmvogel im Flug

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Antarktische Sturmvogel im Wesentlichen auf den südlichen Atlantik nördlich der Süd-Polarfront beschränkt, hauptsächlich zwischen 25° bis 41° S. Er brütet nur auf der westlichen Hochebene von Inaccessible Island, Tristan da Cunha und St. Helena (zu Großbritannien gehörend). In den Jahren von 1949 bis 1950 wurde die Population auf mindestens 100 Paare geschätzt, wahrscheinlich deutlich mehr. In den Jahren von 1982 bis 1983 lag die Zahl bei etwa 1.000 Paaren. Im Jahre 1999 wurden 6.000 bis 7.500 Nisthöhlen gezählt, davon waren etwa 60% besetzt. Aber durch Misserfolge vor diesem Zeitpunkt und das Vorhandensein von Nichtbrütern war diese Schätzung der Population ziemlich ungenau. Eine erneute Zählung im Jahre 2004 ergab dann 11.000 bis 12.000 Nisthöhlen. Nimmt man eine Besetzungsrate von 90% an, dann entspricht dies einer Brutpopulation von ca. 20000 Vögeln. Eine Hochrechnung wurde in den Jahren 1997 bis 1999 in den Gewässern vor Brasilien durchgeführt und ergab eine Gesamtpopulation von 38.000 ± 7.000 Individuen. Dieser Populationszuwachs im Laufe der Zeit wurde wahrscheinlich durch die Ausrottung der Schweine auf Inaccessable Island ausgelöst. Zwischen den Jahren 1999 und 2004 erhöhte sich die Zahl dieser Art um bis zu 45%, aber die Verlustziffer durch den Beifang der Langleinenfischerei ist kaum bekannt. Außerhalb der Brutzeit verteilen sich die meisten Vögel rund um die Gewässer vor Südbrasilien und einige Vögel halten sich vor der Westküste des südlichen Afrikas auf. Im 19. Jahrh. könnte die Art auch im Indischen Ozean verbreitet gewesen sein und brütete möglicherweise auf Amsterdam Island (French Southern Territories). Auch in australischen Gewässern wurde die Art nachgewiesen.

Ernährung

Der Antarktische Sturmvogel ernährt sich von Kopffüßern, Krebstieren und Fischen sowie von Fischabfällen oder vom Köder der Langleinen-Fischtrawler. In der Brutzeit legen die Antarktischen Sturmvögel weite Strecken bis zu ihren Nahrungsplätzen zurück.

Fortpflanzung

Der Antarktische Sturmvogel ist ein Kolonienbrüter, der jährlich von September bis März aktiv ist. Die Eiablage beginnt im Oktober und der Schlupf erfolgt im Dezember. Das Küken ist im März flügge. Der Antarktische Sturmvogel brütet in feuchten Heiden über 380 Meter. Die Nisthöhlen befinden sich an den Ufern der Flusstäler und in den angrenzenden Sumpfgebieten. Das Weibchen legt nur ein einziges Ei in die Nisthöhle ab. Beide Geschlechter lösen sich beim Bebrüten des Eies ab. Die Inkubation dauert etwa 57 bis 62 Tage. Gelegentlich verlassen die Geschlechter für mehrere Tage das Ei, um die Nahrungsplätze aufzusuchen. Nach etwa 87 bis 106 Tagen ist der Jugendliche flügge. Brutvögel kehren jedes Jahr zum selben Standort zurück.

Gefährdung und Schutz

Antarktischer Sturmvogel im Flug
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Antarktischer Sturmvogel im Flug

Laut der Roten Liste der IUCN wird die Art als gefährdet eingestuft, weil, trotz scheinbarer Bevölkerungszunahme, eine erhebliche Zahl als Beifang der Langleinenfischerei gefangen bzw. getötet wird, und aufgrund der sehr kleinen Brutgebiete die Art sehr anfällig für stochastische Ereignisse und menschliche Aktivitäten ist. Im Jahr 2004 wurden auf Inaccessible Island 11000 - 12000 Nisthöhlen gezählt. Unter der Annahme, dass diese zu 90% besetzt sind, entspricht dies einem Brutbestand von etwa 20.000 Vögeln (Ryan et al. 2006). Schätzungsweise 38.000 ± 7.000 Individuen wurden in den Jahren von 1997 bis 1999 in den Gewässern vor Brasilien gezählt (Leandro Bugoni in litt. 2006). Die Art wird auch in CMS Anhang II und in ACAP Anhang 1 geführt. Inaccessible Island, Tristan da Cunha und St. Helena (zu Großbritannien gehörend) sind Naturschutzgebiete. Obwohl die Bewohner von Tristan da Cunha und St. Helena weiterhin berechtigt sind, Treibholz und Guano zu sammeln, bleibt anderer Zugang jedoch gesperrt. Im Jahre 1999 wurde die Zählung der Brutvögel auf Inaccessible Island wiederholt. Laufende Studien versuchen, das gegenwärtige Niveau des Beifanges in der Fischerei Südbrasiliens zu quantifizieren. Um die Art vom Aussterben zu bewahren sind folgende Maßnahmen unumgänglich: wiederholte Zählung der Brutpopulation. Des Weiteren Überwachung der Beifänge mit Langleinen und die Förderung der Einführung von "Best-Practice-Methoden" bei allen Fischereiaktivitäten im Verbreitungsgebiet der Art, um den Beifang zu reduzieren, auch über zwischenstaatliche Mechanismen unter der Schirmherrschaft des ACAP, FAO, CMS und der regionalen Fischerei-Organisationen einschließlich der Internationalen Kommission für die Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (ICCAT). Minimierung der Besiedelung durch eingeschleppte Arten, strenge Kontrollen der Besuche und Aufklärung über die Risiken des Verkehrs zwischen den Inseln. Nominierung von Inaccessible Island für den Weltkulturerbe-Status. Prüfen der Möglichkeit, ob die Vögel auch an anderen Standorten nisten als auf Inaccessible Island, insbesondere auf der Insel Tristan da Cunha.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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