Arabische Sandrasselotter

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Arabische Sandrasselotter

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Vipern (Viperidae)
Gattung: Sandrasselottern (Echis)
Art: Arabische Sandrasselotter
Wissenschaftlicher Name
Echis coloratus
Guenther, 1878

Die Arabische Sandrasselotter (Echis coloratus) zählt innerhalb der Familie der Vipern (Viperidae) zur Gattung der Sandrasselottern (Echis). Im Englischen wird sie Arabian saw-scaled Viper und im Französischen Echide carénée d´Arabie genannt. Erstmals beschrieben wurde sie im Jahre 1878 von Albert Günther.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Körper der Arabischen Sandrasselotter wirkt leicht gedrungen, insgesamt aber doch recht schlank. Der Kopf setzt sich sehr deutlich vom Rest des Körpers ab. Betrachtet man den Kopf von oben wirkt seine Form insgesamt wie eine kurze Keule, seine äußeren Eckpunkte ergeben eine dreieckige Form, wenn man sie in Gedanken verbindet. Die Augen weisen senkrecht geschlitzte Pupillen auf. Der Körper ist langgestreckt, der Schwanz kurz. Die Körperschuppen der Arabischen Sandrasselotter sind stark gekielt. Sie besitzt 23 bis 27 Rückenschuppenreihen, welche um die Körpermitte liegen. Die Schuppen an den Flanken sind sägezahnartig gekielt und auf der Oberseite des Kopfes zeigen sich kleine Schuppen. Zwischen dem Unterrand des Auges und den Schildern der Oberlippe weist die Art 3 bis 4 Reihen Unteraugenschilder, sogenannte Subocularien, auf, was ein sehr wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu der Sandrasselotter (Echis carinatus) mit nur zwei Reihen Subocularien ist. Des weiteren verfügt die Arabische Sandrasselotter über 12 bis 15 Oberlippenschildern, den Supralabialien und über ungeteilte Unterschwanzschilder (Subcaudalia).

In ihrer Färbung ist die Arabische Sandrasselotter sehr variabel. Die Grundfarbe liegt bei verschiedenen Grautönen mit gelben bis braunem Charakter bis hin zu rostbraun. Zur Rückenmitte wird die Färbung dunkler. Über den gesamten Rücken ziehen sich rundlich-ovale bis kantik-ovale Querbalken, manchmal auch Querbänder. Diese Muster weisen einen dunklen Saum und eine hellgraue bis rostig rosafarbene Mitte auf. An den Seiten der Viper zeigt sich eine bläulich graue Fleckung. Der Kopf hat unregelmäßige Fleckchen auf der Oberseite sowie ein dunkleres Schläfenband, das sich über das Auge bis in den Mundwinkel zieht. Die Bauchseite ist glänzend weiß.

Die Arabische Sandrasselotter erreicht in der Regel eine Gesamtlänge von etwas mehr als 30 Zentimeter. Maximal erreicht sie zwischen 60 und 80 Zentimeter von der Schnauzen- bis zur Schwanzspitze.

Lebensweise

Die Arabische Sandrasselotter ist sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv. Sie ist eine bodenbewohnende und an den felsigen Steilhängen kletternde Vipernart, die sich auf einigermaßen ebener Fläche häufig seitenwindend fortbewegt. Bei dieser Art der Fortbewegung werden verschiedene Körperabschnitte zeitmäßig unterschiedlich angehoben und nach vorne geschoben, so dass immer nur sehr wenige Punkte den Boden berühren. Somit wird der Kontakt mit dem heißen Wüstenboden auf ein Minimum reduziert. Als Warnsignal ist es der Arabischen Sandrasselotter, wie auch jeder anderen Sandrasselotter (Echis), möglich, durch das Aneinanderreiben der sägeartig gekielten Flankenschuppen ein lautes, weithin hörbares Rasseln zu verursachen, was ein Zischen mit dem Atemapparat überflüssig macht. Sies würde nur zu einem großen Wasserverlust führen, was das ohnehin schon schwere Leben in der Wüste nur noch weiter erschweren würde. Die Arabische Sandrasselotter ist sehr leicht erregbar, sie geht schnell in Angriffshaltung über und beißt blitzschnell zu. Die Schlange ruht zusammengerollt zwischen Steinen und Felsen, unter Büschen, in Hütten, unter Blechen oder ähnlichem. Über die kühleren Wintermonate hält die Arabische Sandrasselotter eine Winterruhe.

Toxikologie

Die Arabische Sandrasselotter verfügt über einklappbare Röhrengiftzähne, durch die das Gift in die Beute injiziert wird, wie durch eine Injektionsnadel. Das Gift (Toxin) ist unter anderem ein Gemisch aus verschiedenen Eiweißstoffen und Enzymen, es dient in erster Linie der Beutebeschaffung, aber auch der Verteidigung.

Das Gift der Arabischen Sandrasselotter hat prokoagulantiven, hämorrhagienen sowie cytotoxischen Wirkungscharakter. Prokoagulantien führen zu einer schweren Störung des Blutgerinnungssystems, indem der Vorrat an körpereigenen Gerinnungsfaktoren erschöpft wird und gebildete Blutgerinnsel nicht mehr aufgelöst werden können. Diese führen somit durchaus zu schweren Thrombosen (Arterienverschlüsse; in diesem Fall sog. roter Thrombus/rote Thromben) im Bein, pulmoral zu einer Embolie in der Lunge oder zu einem Schlaganfall durch Verstopfung der Hirngefäße. Durch einen Thrombus bedingte Embolien und Schlaganfälle enden in der Regel tödlich. Hämorrhagine wirken toxisch auf die Zellen der Blutgefäßwände und machen die Blutgefäße durchlässig, was zu mehr oder weniger starken inneren Blutungen sowie zu Blutungen aus den Körperöffnungen führt. Cytotoxische Wirkungen sind auf Zellgifte, den Cytotoxinen, zurückzuführen. Diese verursachen das Absterben von Gewebe durch die Zerstörung der Zellen, was zu Nekrosen führt, die vor allem im Bereich der Bissstelle auftreten. In 20 Prozent der Bisse durch die Arabische Sandrasselotter treten zusätzlich schwere und akute Schädigungen der Nieren auf.

Nach einem Biss machen sich die ersten Symptome im Verlauf einer halben bis zwei Stunden bemerkbar. Dies sind zunächst starke Schmerzen im gebissenen Gliedmaß, das gesamte Gliedmaß schwillt stark an und es bilden sich lokal Blasen und Nekrosen. Es folgen Übelkeit und Blutungen. Des weiteren treten Hypotonie, Herzrhythmusstörungen und Erbrechen auf. Behandelt wird ein Giftbiss durch die Gabe eines Antivenins (Gegengift Anti-Echis coloratus), durch Ersetzen der Gerinnungsfaktoren, regelmäßige Kontrolle der Vitalparameter und durch mindestens viertägigen Aufenthalt in einem Krankenhaus unter ärztlicher Beobachtung.

Es werden jährlich etliche Menschen von der Arabischen Sandrasselotter gebissen und der Tod kann trotz Antiserum-Behandlung eintreten. Insgesamt zählen die Sandrasselottern als Gattung gemessen an der Zahl der Biss- und Todesopfer zu den gefährlichsten Schlangen weltweit. Die Arabische Sandrasselotter hat bisher mindestens vier Menschen um ihr Leben gebracht, was im Verhältnis zu einigen anderen Arten ihrer Gattung wenig ist.

Ernährung

Auf der Speißekarte der Arabischen Sandrasselotter stehen vor allem kleine Säugetiere (Mammalia) wie Mäuse (Mus) und mäßig große Ratten (Rattus), Echsen (Lacertilia), andere Schlangen (Serpentes), Froschlurche (Anura) und gelegentlich sogar größere Wirbellose. Ihre Beute wird durch einen blitzschnellen Giftbiss getötet. Das Gift, genauer seine Enzyme übernehmen eine wichtige Rolle bei der Vorverdauung der Beute, die, wie für Schlangen typisch, im ganzen verschlungen wird.

Fortpflanzung

Die Arabische Sandrasselotter ist ovipar, das heißt, sie gehört zu den eierlegenden Tieren. Die Paarungszeit beginnt nach der Winterruhe. Bei der Paarung schiebt das Männchen seinen Hemipenis in die Kloake (gemeinsame Öffnung von Ausscheidungs- und Geschlechtsorganen, sowohl beim Weibchen, als auch beim Männchen) und die dahinter liegende Geschlechtsöffnung des Weibchens und gibt sein Sperma ab. Die männlichen Keimzellen (Spermien) befruchten dann durch das Eingehen einer Vereinigung und die Übertragung der Erbanlagen die weibliche Keimzelle bzw. das Ei. Im Mutterleib der Viper entwickelt sich der Embryo im Ei nur bis zu einem gewissen Alter, dann werden die Eier abgelegt. Die Arabische Sandrasselotter legt einige Wochen nach der Paarung 6 bis 10 Eier, sie werden an hartem Untergrund in einem dunklen Versteck zwischen den Felsen ihres Habitats angeklebt. Die Jungschlangen sind nach dem Schlupf von Anfang an auf sich allein gestellt und verfügen von der Geburt an über Giftdrüsen und Giftzähne.

Lebensraum: Karge Felslandschaft der Wüste Sinai
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Lebensraum: Karge Felslandschaft der Wüste Sinai

Verbreitung

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet der Arabischen Sandrasselotter erstreckt sich über die westliche Halbinsel Arabiens, Saudi Arabien eingeschlossen, Israel und Sinai sowie das nordwestliche Afrika, besonders in Ägypten östlich des Nils.

Lebensraum

Die Arabische Sandrasselotter bewohnt vor allem karge und felsige Wüstenlandschaften mit oftmals spärlicher, niedriger und schattenspendender Dornbuschvegetation, dort ist sie zumeist an felsigen Steilhängen aufzufinden. Die Viper ist extremen Klimabedingungen ausgesetzt. Die Tagestemperaturen in ihren Lebensräumen steigen im Hochsommer zur Mittagszeit bis auf über 50 Grad Celsius an, während die Nachttemperaturen auch im Sommer eisig sein können, selbst zu dieser Jahreszeit kann es mancherorts hin und wieder zu Nachtfrösten kommen. Der Winter ist an seinen Tagen milder als in Mitteleuropa, in der Nacht jedoch in der Regel nicht deutlich wärmer. Zu Regenfällen kommt es im Verbreitungsgebiet oft über Wochen hinweg nicht. Die Arabische Sandrasselotter steigt in den Gebirgen bis auf 2.600 Meter Höhe.

Ökologie und Ökonomie

Prädatoren

Zu den natürlichen Fressfeinden dieser Viper, den Prädatoren, zählen Katzen (Felidae), Hundeartige (Canidae), Marder (Mustelidae) und Greifvögel (Falconiformes). Allerdings kann der Fang einer Sandrasselotter für den Prädator auch tödlich ausgehen, wenn die Viper ihn beißt.

Parasiten

Schlangen (Serpentes) werden äußerlich häufig von Zecken (Ixodida) oder sonstigen Milben (Acari) parasitiert. Es gibt wesentlich weniger Außen- als Innenparasiten, die Endoparasiten. Unter ihnen sind die wichtigsten Bandwürmer (Cestoda), Fadenwürmer (Nematoda), Spulwürmer (Ascaris), der Madenwurm (Enterobius vermicularis) sowie andere Darmnematoden im Verdauungstrakt. Sie können je nach Art zu Darmverschlüssen, Blutungen im Darm, zur Schwächung des Immunsystems und einige von ihnen durchaus auch zum Tode führen. Auch zu finden sein können Lungenwürmer (Rhabdasiden), die das Lungengewebe schädigen und zu Lungenentzündungen führen können, sowie die zu den Gliederfüßern (Arthropoda) zählenden Zungenwürmer (Pentastomida), welche ebenfalls zu Gewebeschäden und Blutungen führen. Auch Bakterielle Erkrankungen und Darmerkrankungen, die auf Amöben wie Entamoeba invadens zurückzuführen sind, sind nicht selten bei den Reptilien festzustellen.

Gefährdnung

Durch den Menschen ist die Arabische Sandrasselotter nicht so stark gefährdet, wie viele andere Reptilien, denn ihren Lebensraum lässt er größtenteils verschont. Allerdings stellt auch der Mensch eine große Gefahr für sie dar, unter anderem durch das gezielte Töten der Schlange, durch Straßen und Autos, die die Viper überfahren und durch Umweltgifte.

Schutz vor Schlangenbissen

Hält man sich in der ungezähmten Natur der Wüste des Orients und des nordöstlichen Afrikas auf, so muss man sich auf Fußmärschen und auch sonst außerhalb vom Hotelluxus gut vor Sandrasselottern, aber auch vor Skorpionen (Scorpiones) oder anderen Gifttieren schützen. Dazu gehört vor allem, darauf zu achten, wo man hintritt. Wenn man ein lautes oder zumindest deutliches Rasseln hört, ist äußerste Vorsicht geboten, dabei wird es sich wahrscheinlich um eine Sandrasselotter wie die Arabische Sandrasselotter handeln. In einer solchen Situation ist es anzuraten, still stehen zu bleiben und erst einmal genauer zu schauen, wo sich das Tier befindet. Ist es ausgemacht, gilt es einen großen Bogen darum zu machen und es auf keinem Fall anzufassen. Bei Abenteuer-Übernachtungen in der Wüste sollten dicht haltende Zelte oder Schlafsäcke nicht fehlen, um die Schlangen von sich fern zu halten. Am nächsten Morgen müssen die Schuhe auf ungebetene Gäste untersucht werden, bevor sie angezogen werden, auch wenn es wahrscheinlicher ist, hier einen weniger gefährlichen Skorpion als eine Sandrasselotter anzutreffen.

Terraristik

Terrarium

Die Arabische Sandrasselotter ist nur etwas für sachbewusste Terrarianer, die am besten einiges an Erfahrung mit anderen Schlangen mitbringen sollten und sich in jedem Fall das Antiserum leisten oder im Notfall schnellstmöglich dessen Beschaffung sicherstellen können müssen.

Das Terrarium sollte für ein bis zwei Tiere das Maß von 80 x 40 Zentimeter Grundfläche und eine Höhe um die 50 Zentimeter nicht unterschreiten. Der Boden kann mit groben Flusssand belegt und das Becken mit einer künstlichen Felslandschaft eingerichtet werden. Es können große Steine verwendet werden, welche jedoch festgeklebt werden sollten. Auch kleinere Klettermöglichkeiten in Form von Ästen kann man den Vipern anbieten. Auch ein mittelgroßes Wassergefäß darf nicht fehlen. UV-Licht ist zwar fast immer sinnvoll, jedoch bei der Arabischen Sandrasselotter, wie auch bei den meisten anderen Schlangen, nicht zwangsläufig erforderlich. Allerdings wird ein Spotstrahler benötigt, der einen Sonnen-Badeplatz, zum Beispiel einen bestimmten Stein, anstrahlt. Dort können die Tiere sich dann aufwärmen. Genauso muss aber auch für kühlere und schattige Bereiche gesorgt werden, beispielsweise durch extra angelegte Unterhöhlungen. Die Dekoration bleibt dem Willen des Pflegers überlassen, darf den Tieren jedoch nicht schädlich sein.

Pflege

Bei der Pflege ist darauf zu achten, der Schlange am ehesten aus dem Weg zu gehen, um Bisse zu vermeiden. Man muss auch die enorme Beißgeschwindigkeit und hohe Aggressivität der Arabischen Sandrasselotter beachten und sich immer wieder vor Augen halten. Bisse können verhindert werden, indem man direkten Körperkontakt vermeidet. Dazu kann man Schlangenhaken zum Heben und Transportieren der Vipern benutzen. Auch können Trennwände schützen, sie werden nur kurzfristig dann eingebracht, wenn die Schlangen beispielsweise alle auf einer Seite liegen, dann kann man auf der anderen Seite der Trennwand problemlos das Becken reinigen (es muss täglich der Kot entsorgt werden) und täglich das Wasser im Wasserbehälter erneuern. Beim Füttern werden die Tiere am besten getrennt. Dazu wird ein Tier mit dem Schlangenhaken von dem Becken in eine geräumige Wanne überführt. Bei solchen Aktionen rät es sich an hohe Gummistiefel anzuziehen, denn auch wenn das übertrieben wirkt, verhindert es doch den Biss in ein Bein, sollte mal ein Tier aus dem Terrarium oder vom Schlangenhaken fallen. Gefüttert wird die Arabische Sandrasselotter einmal in der Woche mit je Schlange einer Maus. Der Maus können gelegentlich zusätzlich Vitamin- und Mineralstoffpräberate zugesetzt werden. Die Temperatur im Terrarium sollte über die Sommermonate tagsüber zwischen 25 und 30, lokal bis 40 Grad Celsius, nachts um die 18 bis 22 Grad Celsius sowie in der Winterruhe-Phase dauerhaft 8 bis 12 Grad Celsius betragen. Es muss jeden Morgen etwas Wasser im Terrarium und wenn möglich gleich auch auf die Tiere gesprüht werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Mark O'Shea, Giftschlangen. Alle Arten der Welt in ihren Lebensräumen, Franckh-Kosmos Verlag, 2006, ISBN 3440106195
  • Ulrich Gruber: Die Schlangen Europs und rund ums Mittelmeer, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-05753-4
  • GEO Themenlexikon: Tiere und Pflanzen: Geschöpfe, Arten, Lebensräume; Teil 3 / Bd. 35. ISBN 3765394652
  • Uwe Dost: Das KosmosBuch der Terraristik, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10129-0

Weblinks

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