Arctosa perita

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Arctosa perita

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Wolfspinnen (Lycosidae)
Gattung: Arctosa
Art: Arctosa perita
Wissenschaftlicher Name
Arctosa perita
(Latreille, 1799)

Die Spinnenart Arctosa perita zählt innerhalb der Familie der Wolfspinnen (Lycosidae) zur Gattung Arctosa. Die etwa gleichgroße Spinne Arctosa leopardus ist ähnlich gemustert, aber insgesamt deutlich dunkler gefärbt. Des Weiteren lebt sie an sehr feuchten Orten, meist am Ufer von Gewässern.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Diese Wolfspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 7 bis 8 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 8 bis 9 Millimeter. Verglichen mit den anderen Arctosa-Arten ist der Körper recht kontrastreich und bunt gezeichnet. Der insgesamt recht dunkle Vorderkörper trägt einige hellere Flecke, zwei größere neben den hinteren Augen. Der Rückenschild ist breit und abgeflacht und ist in der Färbung deutlich dunkler als der Hinterleib. Der Hinterkörper zeigt bei vorn gelber, hinten roter Grundfarbe ein sehr verwirrendes, variables Muster aus schwarzen Flecken und weißen Punktpaaren sowie vorn einen grauen, unscharf begrenzten Spießfleck. Durch diese Färbung und Musterung ist die Art auf Sandboden fast unsichtbar. Die Beine sind bis auf die Füße kontrastreich hell-dunkel gefleckt und mit kurzen hellen und dunklen Härchen besetzt. Die reifen Tiere sind ab September und nach der Überwinterung wieder ab März bis Juli zu finden.

Lebensweise

Eine Begegnung mit dieser kleinen, ansprechend gezeichneten Art gehört im Vorfrühling mit zu den faszinierendsten Erlebnissen. Die Spinne verbringt den Winter in einer selbstgegrabenen, etwa 30 Zentimeter tiefen und 4 bis 5 Millimeter weiten Röhre im lockeren Sand, die innen mit feinem Gespinst ausgekleidet und oben zugesponnen ist. An den ersten sonnigen, warmen Tagen, meist im März, öffnet sie ihr Gespinst, indem sie die Spinnfäden um die Mündung zur Seite schiebt, um die ersten wärmenden Sonnenstrahlen aufzunehmen. Sie verhält sich dabei aber sehr vorsichtig und weicht blitzschnell zurück, sobald etwa durch Schritte in der Nähe Erschütterungen entstehen. Wandert man um diese Zeit durch ein Sandgebiet, sieht man daher an offenen Stellen immer wieder die tunnelartigen, etwa 5 Millimeter weiten, annähernd vertikal ausgerichteten Röhreneingänge. Legt man sich vor einer solchen Öffnung auf die Lauer, kann man nach wenigen Minuten zunächst schemenhaft, dann immer deutlicher den Kopf der Spinne in der Röhrenmündung erkennen. Schließlich kommt sie fast ganz heraus und dreht sich mit einer Breitseite zur Richtung der Sonne. Manchmal verläßt sie die schützende Röhre. Jetzt wird deutlich, dass die scheinbar bunte Färbung auf dem Sandboden eine wirklich perfekte Tarnung darstellt. Auch wenn sie sich außerhalb ihrer Röhre aufhält, kehrt sie blitzschnell in diese zurück, sobald eine Störung eintritt. Bei wiederholter, massiver Störung verschließt sie den Röhreneingang mit Gespinst und zieht es mit den anhaftenden Sandkörnchen zusammen. Danach ist nichts mehr von ihrer Wohnung zu erkennen.

Verbreitung

Diese Art lebt ausschließlich auf offenen, lockeren, weitgehend vegetationsfreien Sandböden, sowohl in Dünen an der Meeresküste als auch im Binnenland auf sandigen Wegen und Waldlichtungen sowie auf Binnendünen. Sie kann sich aber auch gut auf der Wasseroberfläche fortbewegen. Wirft man sie vom Ufer auf die Wasseroberfläche, so kehrt sie in direkter Richtung zum gleichen Ufer zurück. Versetzt man sie aber von ihrem gewohnten Nordufer zum gegenüberliegenden Südufer, so läuft die Spinne im entsprechenden Versuch ebenfalls nach Norden, d. h. auf die freie Wasserfläche hinaus. Allerdings tut sie dies nur bei heiterem Himmel - ist der Himmel bedeckt, so kehrt sie stets zum näheren Ufer zurück. Die Erklärung hierfür liegt nahe: Bei heiterem Himmel orientiert sich die Spinne nach dem Sonnenstand und dem polarisierten Himmelslicht, während sie sich bei völlig bedecktem Himmel nach visuellen Landmarken richten muß. In Mitteleuropa ist die Spinne in Sandgebieten im allgemeinen nicht selten. Mit dem Rückgang offener Sandflächen ist sie aber vielerorts deutlich zurückgegangen. Nach der Roten Liste in Deutschland ist die Art Arctosa perita gefährdet.

Ernährung

Die Art Arctosa perita ist ein Lauerjägerin, die an exponierter Stelle auf ein Beutetier wartet. Kommt ein Insekt (Insecta) in erreichbarer Nähe vorbei, so schießt sie blitzschnell hervor und überwältigt das Insekt (Insecta). Das Opfer wird an Ort und Stelle verspeist. Für ihre Jagd nutzt sie keine Netze. Zudem jagt sie nur auf dem Erdboden.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit dieser Art beginnt meist im zeitigen Frühjahr. Das Männchen nähert sich dabei dem wesentlich größeren Weibchen und bewegt dabei seine Taster auf und ab. Das paarungsbereite Weibchen verhält sich dabei passiv und abwartend. Das Männchen kann nun das Weibchen besteigen und führt seine Bulben in die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) des Weibchens ein und injiziert so das Sperma. Dieser Vorgang kann durchaus einige Stunden dauern. Danach verläßt das Männchen seine Partnerin und kümmert sich auch nicht um die Aufzucht. Die Eier werden in einen Kokon abgelegt und an die Spinnwarzen geheftet. Das Weibchen trägt diesen Kokon immer mit sich. Meist schlüpfen die Jungspinnen im Juni. Das Weibchen ist ihrem Nachwuchs behilflich und öffnet den Kokon. Die Jungspinnen, das können durchaus einige hundert sein, begeben sich sofort auf den Rücken ihrer Mutter. In der ersten Zeit ernähren sie sich vom Eidotter. Selbständig sind sie meist nach der ersten Häutung.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
'Persönliche Werkzeuge