Arktisches Erdhörnchen

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Arktisches Erdhörnchen

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Ziesel und Präriehunde (Spermophilina)
Gattung: Ziesel (Spermophilus)
Art: Arktisches Erdhörnchen
Wissenschaftlicher Name
Spermophilus parryii
Richardson, 1825

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Das Arktische Erdhörnchen (Spermophilus parryii), das auch Arktischer Ziesel genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Ziesel (Spermophilus). Die Art wurde nach dem Arktis-Forscher William Parry benannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Arktische Erdhörnchen erreicht eine Gesamtlänge von 35 bis 50 Zentimeter, eine Schwanzlänge von etwa 15 Zentimeter sowie ein saisonal schwankendes Gewicht von 500 bis 800 Gramm. Unmittelbar vor der Winterruhe weisen die Tiere aufgrund der angefressenen Fettschicht das höchste Gewicht auf. Dorsal ist das Fell hellbraun bis bräunlich gefärbt und weist dorsal unregelmäßig verteilte helle Sprenkel auf. Bauchseits ist das Fell deutlich heller gefärbt. Im Kopf- und Schulterbereich zeigt sich im Sommer ein rostbrauner Schimmer. Anders als andere Ziesel, so endet die Schnauze beim Arktischen Erdhörnchen ausgesprochen stumpf. Die sehr kleinen und abgerundeten Ohren liegen weit hinten am Kopf und sind überwiegend im Fell verborgen. Rund um die Augen zeigt sich ein weißlicher Augenring. Der buschige Schwanz weist eine bräunliche bis dunkelbraune Färbung auf. Im Bereich der Nase zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die Extremitäten sind gut entwickelt. Mit den Vorderfüßen kann das Arktische Erdhörnchen Nahrung greifen und zum Maul führen. Einen Geschlechtsdimorphismus weisen die Geschlechter nicht auf.

Lebensweise

Arktische Erdhörnchen sind ausschließlich am tage aktiv und verbringen die Ruhephasen in einem schützenden Erdbau. Die Tiere leben überwiegend am Boden. Obwohl sie durchaus gute Kletterer sind, begeben sich Arktische Erdhörnchen eher selten in Bäume, Büsche oder Felsen. Die Nester befinden sich in Erdbauten, hier bringen die Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. Die Bauten werden während der Winterruhe auch als Schlaflager genutzt. Bedingt durch das raue und kalte Klima in ihrem Lebensraum, halten die Tiere den überwiegenden Teil des Jahres eine Winterruhe. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Winterruhe bis zu sieben Monate, nicht selten von September bis in den April hinein. Arktische Erdhörnchen legen Nahrungsvorräte an, von denen sie sich in Mangelzeiten ernähren. Während der langen Winterruhe verlieren die Tiere rund 40 Prozent ihres Körpergewichtes. Um diese Zeit zu überstehen, haben sie sich im Sommer und Herbst eine dicke Fettschicht angefressen. Während der Winterruhe verringert sich ihr Metabolismus (Stoffwechsel) um rund 90 Prozent. Gelegentlich erwachen Arktische Erdhörnchen aus ihrer Winterruhe, um zu urinieren oder zu fressen. Diese sehr kurzen Wachphasen sind alle ein bis zwei Wochen festzustellen.

Die Nester entstehen unter der Erde, meist in Tiefe von bis zu einem Meter und sind über mehrere Ein- und Ausgänge mit der Oberfläche verbunden. Die Gänge zur Oberfläche erstrecken sich in der Regel über eine Länge von bis zu 100 oder mehr Zentimeter. Das Nest in der Wohnkammer wird mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Die Wohnkammer befindet sich auch im Winter in einer frostsicheren Tiefe. Arktische Erdhörnchen leben zwar in Kolonien, jedoch hat jedes Tier seinen eigenen Bau, der gegenüber Artgenossen verteidigt wird. Eine Kolonie weist meist zwischen 30 und 50 Tiere auf. Die meiste Zeit ihrer Aktivität im Sommer entfällt auf die Nahrungssuche. Die Sinne des Arktischen Erdhörnchens sind ausgesprochen gut entwickelt. Dies gilt sowohl für den Seh- als auch den Hörsinn. Bei nahender Gefahr suchen die Tiere ihr Heil in der Flucht. Dabei geben sie wie die meisten Erdhörnchen in der Regel piepsende und pfeifende Geräusche von sich, die auch Artgenossen in angrenzenden Revieren bzw. den Kolonien wahrnehmen können. Eine soziale Interaktion ist nur zwischen Müttern und ihrem Nachwuchs festzustellen. Die Geschlechter treffen nur kurz während der Paarungszeit aufeinander, die kurz und schmerzlos ist.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Spermophilus parryii kodiacensis Allen, 1874 DD Kodiak Inseln
Spermophilus parryii kennicottii Ross, 1861 - n/a
Spermophilus parryii lyratus Hall & Gilmore, 1932 DD Lawrence Insel und die Region um Northeast Cape
Spermophilus parryii nebulicola Osgood, 1903 DD Nagai und Shumagin Inseln
Spermophilus parryii parryii Richardson, 1825 LC n/a
Spermophilus parryii plesius Osgood, 1900 - n/a

Verbreitung, Lebensraum

Arktische Erdhörnchen leben in den rauen und kalten Regionen von Alaska, dem östlichen Teil von Sibirien und dem Nordwesten Kanadas. Ihr Verbreitungsgebiet reicht dabei bis an den Polarkreis heran. In Kanada werden vor allem das Yukon Territory und der nördliche Teil von British Columbia besiedelt. Sie kommen sowohl in der Ebene in der Tundra als auch im alpinen Grasland vor. Auch entlang von Flussläufen und an Seen sind die Tiere regelmäßig anzutreffen. Habitate mit Permafrostböden werden hingegen gemieden, da sie dort keine Erdbauten errichten können. Ihre zumeist offenen Habitate zeichnen sich jedoch über eine ausreichende Vegetation aus, die den Arktischen Erdhörnchen genügend Schutz bietet. Insgesamt handelt es sich bei den Lebensräumen um ausgesprochen trockene Regionen, da zuviel Feuchtigkeit zu Permafrost führen würde.

Fressfeind: Grizzlybär (Ursus arctos horribilis)
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Fressfeind: Grizzlybär (Ursus arctos horribilis)

Prädatoren

Auch wenn Arktische Erdhörnchen wachsame Tiere sind, so fallen viele von ihnen, vor allem Jungtiere, Fleischfressern zum Opfer. Zu den natürlichen Fressfeinden zählen unter anderem Räuber wie zum Beispiel Wiesel (Mustela), der Polarfuchs (Vulpes lagopus), Greifvögel (Falconiformes) und der Grizzlybär (Ursus arctos horribilis). Dabei sind Arktische Erdhörnchen nicht einmal in ihren Bauten sicher. Bären können beispielsweise mit Leichtigkeit den Boden mit ihren Pranken aufreißen, um an die Hörnchen zu kommen.

Ernährung

Arktische Erdhörnchen ernähren sich hauptsächlich jedoch von Sämereien und Körnern aller Art. Darüber hinaus werden auch Nüsse, Beeren, Blüten und Knospen, Pilze sowie Gräser, Wurzeln und Knollen gefressen. Hin und wieder stehen auch Früchte auf der Speisekarte. In ihren Backentaschen speichern die Arktischen Erdhörnchen kurzfristig Nahrung. Insbesondere für Mangelzeiten werden Nahrungsvorräte angelegt.

Fortpflanzung

Arktische Erdhörnchen erreichen die Geschlechtsreife wie alle Ziesel mit knapp einem Jahr. Die Tiere leben polygam und die Aufzucht des Nachwuchses obliegt ausschließlich dem Weibchen. Die Paarungszeit beginnt kurz nach der Winterruhe im späten Frühjahr, meist gegen Ende April oder im Mai. Während dieser Zeit kommt es zu lediglich einem Wurf. Die Männchen erwachen aus dem Winterschlaf in der Regel ein bis zwei Wochen vorher und begeben sich zugleich auf die Suche nach Weibchen. Unter den Männchen kommt es in den Kolonien während der Paarungszeit zu territorialen Kommentkämpfen um das Recht auf Paarung mit einem Weibchen. Die Reviere der Männchen decken sich mit den Revieren mehrerer Weibchen, die sie nach Möglichkeit alle begatten möchten. Die Kolonien können durchaus eine Stärke von bis zu 50 Tieren umfassen. In der Regel beansprucht ein dominierendes Männchen alle Weibchen in einer Kolonie.

Nach einer Tragezeit von 26 bis 28 Tagen bringt das Weibchen in ihrem schützenden Nest fünf bis acht, selten auch bis zehn Jungtiere zur Welt. Die Nester entstehen in unterirdischen Bauten und werden mit Gräsern und anderen weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Die Jungtiere sind bei der Geburt sowohl blind und taub als auch unbehaart und nur wenig entwickelt. Das Geburtsgewicht beträgt acht bis zehn Gramm. Sie sind vollständig auf den Schutz und die Fürsorge der Mutter angewiesen. Mit zehn Tagen ist ihnen das erste Fell gewachsen, im Alter von drei Wochen zeigen sich die ersten Zähne, und im Alter von gut vier bis fünf Wochen öffnen sie erstmals ihre Augen. Zu Beginn der vierten Lebenswoche beginnt langsam die Entwöhnung von der Muttermilch, und die Jungtiere nehmen die erste feste Nahrung zu sich. Die Trennung von der Mutter erfolgt meist im dritten, spätestens im vierten Lebensmonat. Die Lebenserwartung der Arktischen Erdhörnchen liegt selten bei mehr als sechs Jahre.

Gefährdung und Schutz

In der Vergangenheit hat der Mensch den Tieren wegen des Pelzes und des Fleisches nachgestellt. Dennoch sind Arktische Erdhörnchen heute noch nicht gefährdet und sind in den unzugänglichen Lebensräumen häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt. Im Washingtoner Artenschutzabkommen sind die Tiere nicht berücksichtigt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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