Arrauschildkröte

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Arrauschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halswender-Schildkröten (Pleurodira)
Familie: Pelomedusenschildkröten (Pelomedusidae)
Gattung: Schienenschildkröten (Podocnemis)
Art: Arrauschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Podocnemis expansa
Schweigger, 1812

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Arrauschildkröte (Podocnemis expansa) gehört zur Familie der Pelomedusenschildkröten (Pelomedusidae) sowie zur Gattung der Schienenschildkröten (Podocnemis). Im Englischen wird die Arrauschildkröte south american river turtle, arrau, giant south american turtle oder tartaruga genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Arrauschildkröte erreicht eine Carapaxlänge von 60 bis 75 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 25 Kilogramm. Einzelne Exemplare können allerdings auch noch größer und schwerer werden. Männchen bleiben dabei stets deutlich kleiner und leichter als Weibchen. Insgesamt gilt die Arrauschildkröte als die größte Art unter den Süßwasserschildkröten. Der Panzer ist extrem flach gebaut, beim Männchen ist der Panzer fast kreisrund, beim Weibchen läuft er vorne konisch zu. Dieser stromlinienförmige Carapax in Verbindung mit den Schwimmhäuten zwischen den Zehen machen die Arrauschildkröte zu einer sehr guten Schwimmerin. Der Carapax weist eine olivgrüne Färbung auf. Jedoch ist der Carapax meist mit Alpen überwuchert, so dass die Färbung nicht immer voll zur Geltung kommt. Der längliche Kopf endet in einer hervorstehenden Schnauze. Der Kopf und der Hals sind graubraun gefärbt, im Kopfbereich sind stellenweise gelbliche Flecken zu sehen. Diese gelblichen Punkte verblassen allerdings mit zunehmendem Alter. Ihren langen Hals können Arrauschildkröten seitlich in ihren Panzer einfahren. Der Plastron weist eine überwiegend gelbliche Färbung auf. Die Extremitäten weise eine graue Färbung auf. Die Schwanzwurzel beim Männchen ist dicker und der Schwanz ist insgesamt länger als beim Weibchen.

Verbreitung

Die Arrauschildkröte ist an tropischen Süßgewässern von Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Guyana, Peru, Trinidad und Tobago sowie in Venezuela beheimatet. Die oberen Läufe des Amazonas, des Esequibo und des Orinoco bilden das Hauptverbreitungssystem. Die Tiere leben in flachen Seen, Teichen, Überschwemmungsgebieten, Sümpfen und entlang der Hauptflüsse sowie deren Alt- und Nebenarme. Während der Trockenzeit wandern die Populationen in die noch wassertragenden Hauptarme der Ströme.

Ernährung

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Die Arrauschildkröte ernährt sich hauptsächlich herbivor. Dabei frisst sie überwiegend Wasserpflanzen und von Bäumen ins Wasser gefallene Früchte. Nur gelegentlich frisst sie auch Fleisch und Aas. Wenn, dann macht sie nur Jagd auf sehr langsam schwimmende Tiere.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Arrauschildkröte erreichen die Geschlechtsreife mit einer Länge von rund 50 Zentimeter. Männchen erreichen die Geschlechtsreife etwas früher. Die Paarungszeit erstreckt sich im Amazonasbecken über die Trockenzeit. Diese Zeit wird von der Arrauschildkröte gewählt, da zu dieser Zeit die Ufer und Sandbänke in der Flussmitte durch Niedrigwasser oberhalb der Wasserlinie liegen. Die eigentliche Paarung erfolgt im Wasser. Einige Wochen nach der Paarung erfolgt die Eiablage an ausgedehnten sandigen Uferabschnitten oder in der Flussmitte auf Sandbänken. Dabei legen stets eine Vielzahl von Weibchen einer lokalen Population ihre Eier gleichzeitig in mehr oder weniger große Gemeinschaftsnester ab. Zunächst wird eine relativ große und tiefe Grube gegraben, die durchaus bis zu 80 Zentimeter tief sein kann. Je nach Größe und Alter des Weibchen kommt es zu einer Ablage von 75 bis 125 Eiern. Sehr alte Weibchen legen auch bis zu 170 Eier. Die Eiablage erfolgt während der schützenden Dunkelheit. Die Eier weisen eine kugelige Form auf und messen 32 bis 50 Millimeter im Durchmesser. Die Schale der Eier wirkt ledrig. Je nach Bruttemperatur schlüpfen die Jungschildkröten nach 40 bis 60 Tagen. Bei Bruttemperaturen oberhalb 31 Grad Celsius schlüpfen fast ausschließlich weibliche Tiere, darunter überwiegend männliche Tiere. Die Schlupflänge beträgt zwischen 40 und 45 Millimeter. Der Carapax der Jungen ist deutlich heller als bei adulten Schildkröten. Die Arrauschildkröte kann ein Alter von 40 bis 50 Jahren erreichen.

Bedrohung und Schutz

Nach Jahrzehnte langer Verfolgung durch den Menschen ist die Arrauschildkröte heute selten geworden oder in einigen Gebieten bereits ausgerottet. Die Tiere wurden massiv bejagt, das Fleisch landete auf der Speisekarte des Menschen. Die Eier und Schlüpflinge wurden während der Paarungszeit weitflächig abgesammelt und ebenfalls verzehrt. Aber auch die unkontrollierte Ausdehnung der Siedlungsräume des Menschen haben der Arrauschildkröte massiv zugesetzt. Vor allem während der Eiablage darf sie nicht gestört werden. Einige Anrainerländer wie Venezuela haben die Art unter striktem Schutz gestellt. Bleibt zu hoffen, dass dies eine positive Auswirkung auf die Population hat.

Weitere Synonyme

Anhang

Literatur und Quellen

  • Fritz J. Obst: Die Welt der Schildkröten. Müller Rüschlikon, Auflage 2, (1988). ISBN 3275008552

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