Artibeus obscurus

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Artibeus obscurus
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
Unterfamilie: Fruchtvampire (Stenodermatinae)
Gattung: Eigentliche Fruchtvampire (Artibeus)
Art: Artibeus obscurus
Wissenschaftlicher Name
Artibeus obscurus
Schinz, 1821

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Artibeus obscurus zählt innerhalb der Familie der Fruchtvampire (Stenodermatinae) zur Gattung der Eigentlichen Fruchtvampire (Artibeus). Im Englischen wird die Art Dark Fruit-eating Bat genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Artibeus obscurus wird in der Literatur oft als fuliginosus erwähnt, jedoch ist Artibeus obscurus ein deutlich älteres Synonym (vgl. Handley, 1989 in Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Artibeus obscurus ähnelt in der Körperbau, Aussehen und Größe der Jamaica Fruchtfledermaus (Artibeus jamaicensis). Man geht daher in Südamerika von einer allopathrischen Artentstehung aus. Artibeus obscurus ist insgesamt etwas dunkler gefärbt als Artibeus jamaicensis und das Fell ist länger und weicher. Die kranialen Strukturen von Artibeus obscurus sind insgesamt kleiner als bei Artibeus jamaicensis, Artibeus fimbriatus und Artibeus planirostris. Die größten Übereinstimmungen zeigen sich beim Schädel zwischen Artibeus obscurus und Artibeus planirostris. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen Artibeus obscurus und Artibeus jamaicensis ist die geringere Unterarmlänge sowie die fast nackte Interfemoral-Haut der Beine (Flughaut zwischen den Oberschenkeln) (Haynes & Lee, 2004). Aufgrund der der Ähnlichkeit und der geographische Variation zwischen Artibeus obscurus und Artibeus jamaicensis war lange unklar ob es sich überhaupt um 2 getrennte Arten handelt. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde Artibeus obscurus lediglich als Unterart von Artibeus jamaicensis geführt (Haynes & Lee, 2004).

Beschreibung

Aussehen, Maße

Geographische Variationen sind bei Artibeus obscurus in Hinblick auf Größe und Gewicht nicht erkennbar. Es zeigt sich jedoch ein geringer Dimorphismus zwischen den Geschlechtern. Männchen bleiben etwas kleiner und leichter als Weibchen. Männchen erreichen eine Unterarmlänge von 58,94 mm, eine Gesamtlänge von 75 mm, eine Hinterfußlänge von 16,53 mm, eine Ohrlänge von 23,01 mm sowie ein Gewicht von 35,34 g. Weibchen erreichen eine Unterarmlänge von 60,16 mm, eine Gesamtlänge von 77,245 mm, eine Hinterfußlänge von 17,26 mm, eine Ohrlänge von 23,48 mm sowie ein Gewicht von 36,61 g. Unabhängig vom Geschlecht ist bei Artibeus obscurus eine Schädellänge von 28,2 mm, eine Jochbeinbreite von 16,9 mm, eine Rostrumlänge von 10,9 mm, eine Hirnschädelbreite von 11,5 bis 12,5 (12,0) mm sowie eine Hinrschädelhöhe von 11,0 bis 12,1 (11,69) mm nachgewiesen. Das Fell von Artibeus obscurus weist eine dunkle schwarzbraune Färbung auf. Ventral ist die Fellfärbung etwas blasser, ein dorsaler Aalstrich ist undeutlich erkennbar. Die Fluthaut (Patagium) ist nackt und im Bereich der Beine nur spärlich behaart. Flügel, Ohren und Tragus sind schwärzlich bis schwarzbraun gefärbt, die Finger, Beine und Füße sind bräunlich, die Krallen sind hornfarben. Das Nasenblatt ist lang und breit. Artibeus obscurus verfügt über 30 oder 32 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p 2/2, m3/2-3 (Haynes & Lee, 2004).

Verbreitung

Vorkommen

Artibeus obscurus ist in Südamerika in weiten Teilen von Brasilien vertreten. Die Art fehlt in Brasilien nur im äußersten Süden. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis nach Venezuela, Kolumbien, Guyana, Französisch-Guayana und Suriname. In den westlichen Regionen des Verbreitungsgebietes kommt Artibeus obscurus auch in den westlichen Regionen von Ecuador, Peru und Bolivien vor (Haynes & Lee, 2004, IUCN 2009).

Lebensraum

Artibeus obscurus ist im gesamten südamerikanischen Tiefland bis ins Hochland anzutreffen. Lokal werden neben tropischen Lebensräume auch in Randgebieten die Subtropen. In ariden oder semiariden Regionen, insbesondere im Nordosten von Brasilien tritt die Art nur unregelmäßig auf. In Höhenlagen kommt Artibeus obscurus bis in Höhen von gut 1.400 m über NN vor. Je nach Höhenlage werden Nebelwälder, montane Regenwälder und Tieflandwälder mit krautartigen Bodenschichten besiedelt (Haynes & Lee, 2004).

Biozönose

Sympatrie

In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes kommt Artibeus obscurus mit anderen Eigentlichen Fruchtvampiren (Artibeus) vor. Im Amazonasgebiet Perus teilt sich die Art den Lebensraum beispielsweise mit der Jamaica Fruchtfledermaus (Artibeus jamaicensis). Beide Arten besiedeln hier auch die gleichen Bäume wie Feigen (Ficus). In Peru tritt Artibeus obscurus auch zusammen mit dem Gervais Fruchtvampir (Artibeus cinereus) auf (Haynes & Lee, 2004).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit etwa 8 bis 12 Monaten erreicht. Die Paarungszeit ist zwar nicht strikt saisonal, erstreckt sich in Südamerika jedoch hauptsächlich von September bis November. Die embryonale Entwicklung verläuft sich bis Anfang März. Ein Neugeborenes weist eine Körperlänge von gut 59 mm auf. Die Säugezeit erstreckt sich über etwa 60 Tage, im dritten Lebensmonat sind die Jungtiere selbständig. Die Lebenserwartung ist unbekannt (Haynes & Lee, 2004).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Artibeus obscurus gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Die größte Bedrohung geht von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch die Rodung und Zersiedelung der Wälder, aus (IUCN, 2009).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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