Arunachalmakak

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Arunachalmakak

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Gattung: Makaken (Macaca)
Art: Arunachalmakak
Wissenschaftlicher Name
Macaca munzala
Sinha et al. 2004

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Arunachalmakak (Macaca munzala) gehört innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae) zur Gattung der Makaken (Macaca). Im Englischen wird die Art Arunachal Macaque genannt. Benannt wurde die Art nach dem Verbreitungsgebiet, dem indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh im Nordosten des Landes. Innerhalb der Gattung der Makaken (Macaca) gehören der Tibetmakak (Macaca thibetana) und der Assam-Makak (Macaca assamensis) zu den nächsten Verwandeten des Arunachalmakak. Das Artepitheton "munzala" bezieht sich auf die Bezeichnung der lokalen Bevölkerung in Arunachal Pradesh. Beschrieben wurde die Art erst im Jahre 2004 vom Prof. Anindya Sinha et al.

Inhaltsverzeichnis

Entdeckung

Auch wenn Arunachalmakaken bei der einheimischen Bevölkerung schon lange bekannt waren, wurden sie wissenschaftlich erst 2004 beschrieben. Ein Team von Biologen der Nature Conservation Foundation erforschte im Jahre 2003 die Region im westlichen Arunachal Pradesh. Die Entdeckung der neuen Art sorgte für Aufsehen, da man lange Zeit dachte, alle Primaten der Erde erforscht und beschrieben zu haben. Beschrieben wurde die Art von Prof. Anindya Sinha, D. Aparajita Datta, Dr. M. D. Madhusudan und Dr. Charudutt Mishra.

Beschreibung

In Größe und Statur ähneln Arunachalmakaken den Assam-Makaken (Macaca assamensis). Der Schwanz erreicht etwa 40% der Körperlänge. Arunachalmakaken leben in geselligen Gruppen, die eine Stärke von durchschnittlich 17 Tieren aufweisen. Zwei Gruppen die von einem Forscherteam näher untersucht wurden, wiesen eine Gruppenstärke von 13 bzw. 22 Individuen auf. Die Gruppen setzten sich aus mehreren Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs zusammen. Wie alle Makaken bewegen sich auch Arunachalmakaken quadrupedal, also auf alle vier Extremitäten (Quadrupedie, lat. quadrus vier und pes Fuß) fort. Arunachalmakaken sind tagaktiv, ihre aktive Zeit erstreckt sich von 6 bis 18 Stunden. Die Streifreviere weisen je nach Gruppengröße durchschnittlich 24 bis 28 ha auf. Kleinere Gruppen leben nach Angaben von (Sinha, 2007) in Revieren in einer Größe von 11 bis 16 ha. Pro Tag durchstreifen die Trupps ihr Revier über eine Strecke von 1,5 Kilometer. Rund 48% der aktiven Zeit entfällt auf Wanderungen und die Futtersuche, 36% im Ruhen und 16% in soziale Interaktion (Sinha, 2007). Über das Fortpflanzungsverhalten ist nichts bekannt.

Verbreitung

Arunachalmakaken sind in einer kleinen Region im Nordosten Indiens endemisch. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich im indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh über den Distrikt Tawang und die westlichen Teile vom Distrikt Kameng (Sinha et al. 2005). Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich in diesen Regionen über etwa 3,700 km². Da das bekannte Verbreitungsgebiet an die Grenzen von Bhutan und China grenzen, ist es möglich, dass Arunachalmakaken auch über die Grenzen von Arunachal Pradesh vorkommen. Arunachalmakaken bewohnen fast ausschließlich lichte Wälder, meist Eichen- oder Nadelwälder (Sinha et al. 2005). Lokal werden auch landwirtschaftliche Flächen und Buschland besiedelt. Die untersuchten Populationen leben in Höhenlagen zwischen 2.000 und 3.500 Metern über NN. In dem kleinen Verbreitungsgebiet sind 35 Trupps bekannt. 32 Trupps mit 540 Individuen leben in Tawang, 3 weitere Trupps mit 29 Individuen im westlichen Kamen (Sinha et al. 2006a). Insgesamt sind demnach 569 Tiere bekannt (Stand 2005).

Ernährung

Arunachalmakaken ernähren sich als Allesfresser von pflanzlicher und tierischer Nahrung. In einer Feldstudie konnte ermittelt werden, dass die Tiere sich von rund 25 verschiedenen Pflanzenarten ernähren. Der Hauptteil der Nahrung entfällt dabei auf Elaeagnus parvifolia, einem Gewächs der Ölweiden (Elaeagnus), von der die Früchte und Blüten gefressen werden sowie von Erythrina arborescens aus der Gattung der Korallenbäume (Erythrina). Von den Erythrina arborescens werden die jungen Triebe, Blüten und die Rinde gefressen. Beide Pflanzen stellen rund 88% der Nahrung. Zu den weiteren Futterpflanzen gehören die Früchte des Schneeball (Viburnum), Rhus wallichii, Coriaria napalensis aus der Gattung der Gerbersträucher (Coriaria), Elaeagnus pyriformis, Fragaria nubicola aus der Gattung Erdbeeren (Fragaria) und nicht näher beschriebenen Arten aus der Gattung der Birnen (Pyrus). Stängel und andere grüne Pflanzenteile werden von Aconogonum molle, Knöteriche (Persicaria) wie Persicaria capitata, Buchweizen (Fagopyrum) wie Fagopyrum dibotrys, verschiedene Ingwergewächse (Zingiberaceae) und Prunus cerasoides, gefressen. Auch Blätter und junge Triebe von verschiedenen Pflanzen wie Morus acidosa aus der Gattung der Maulbeerbäume (Morus), Laportea terminalis und Pteracanthus urticifolius werden gerne verzehrt. An tierischer Kost nehmen Arunachalmakaken hauptsächlich Insektenlarven und Regenwürmer (Lumbricidae) zu sich.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Nähe des Menschen sind Arunachalmakaken keine gern gesehene Gäste, da sie auf landwirtschaftlichen Flächen gelegentlich Schäden anrichten. Daher werden Arunachalmakak manchmal von Menschen getötet. Gegessen wird das Fleisch von der einheimischen Bevölkerung nicht, jedoch werden getötete Tiere nach auswärts verkauft. In einem Jahr werden rund 54 Tiere in West-Kameng getötet (Sinha et al. 2005). Zahlen aus Tawang liegen nicht vor. Von lokaler Zerstörung der Lebensräume liegen ebenfalls keine Informationen vor. Arunachalmakaken gehört aufgrund der geringen Anzahl an Individuen und dem sehr kleinen Verbreitungsgebiet zu den stark gefährdeten Arten und werden daher in der Roten Liste der IUCN als Endangered (EN) geführt. In den nationalen Schutzgesetzen Indiens ist die Art noch nicht verzeichnet (Sinha et al. 2005 und 2006a). Die Art wird im Washingtoner Artenschutzabkommen im Anhang II geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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