Moschusspitzmaus

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Moschusspitzmaus

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Weißzahnspitzmäuse (Crocidurinae)
Gattung: Dickschwanzspitzmäuse (Suncus)
Art: Moschusspitzmaus
Wissenschaftlicher Name
Suncus murinus
Linnaeus, 1766

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Moschusspitzmaus (Suncus murinus) gehört innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur Gattung der Dickschwanzspitzmäuse (Suncus). Im Englischen wird die Art House Shrew oder Asian House Shrew genannt. EIn weiteres deutsches Synonym ist Asiatische Hausspitzmaus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Moschusspitzmaus erreicht eine Körperlänge von 10 bis 15 Zentimeter, eine Schwanzlänge von durchschnittlich 8 Zentimeter sowie ein Gewicht von 23,5 bis 147 Gramm. Weibchen (23,5 bis 82 g) bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen (33,2 bis 147,3 Gramm). Innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) ist die Moschusspitzmaus die größte Art. Der Körper ist kräftig gebaut und weist eine langgestreckte, zylindrische Form auf. Das kurze und samtartig weiche Fell weist eine graubraune bis schwärzliche Färbung auf. Die Augen sind sehr klein und liegen mittig, seitlich am Schädel. Der relativ kurze aber dicke Schwanz ist nur spärlich behaart.

Lebensweise

Moschusspitzmäuse sind nachtaktiv und in den meist subtropischen und tropischen Verbreitungsgebieten ganzjährig aktiv. Die Tiere leben meist einzelgängerisch, die Geschlechter treffen nur zur Paarung aufeinander. Auch wenn Moschusspitzmäuse zum Klettern in der Lage sind, leben sie fast ausschließlich auf dem Boden. Die Tiere sind territorial und beanspruchen je nach Geschlecht ein Revier in einer Größe von 400 m² (female) bis 1.200 m² (male). Markiert wird das eigene Revier mit einem Sekret aus speziellen Duftdrüsen.

Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet erstreckte sich über Indien. Im Laufe der Zeit hat sich das natürliche Verbreitungsgebiet westlich bis in den Nahen und Mittleren Osten, östlich bis nach Südost-Asien erweitert. Zudem wurde die Moschusspitzmaus in einigen Teilen der Erde als Schädlingsbekämpfer eingeführt. Dies ist in Ägypten, Tansania, Dschibuti, Eritrea, Kenia, Somalia, im Sudan, in Bahrain, im Irak, in Oman, Saudi-Arabien, Jemen, Katar, Kuwait, auf Madagaskar, Mauritius, La Réunion, auf den den Komoren, den Malediven, auf Palau, Guam, auf den Nördlichen Marianen-Inseln, in Brunei, den Philippinen, in Japan und Singapur der Fall. Zu den natürlichen Lebensräumen gehören Wälder, brachliegende Rohbodenflächen (Ruderalflächen), landwirtschaftliche Flächen und menschlicher Siedlungsraum. Moschusspitzmäuse sind ausgesprochen robust und anpassungsfähig. Der Reviere der Tiere sind sehr klein, was auf eine hohe Siedlungsdichte schließen lässt. Eine hohe Siedlungsdichte wirkt sich jedoch negativ auf die Flora und Fauna aus.

Prädatoren

Moschusspitzmäuse verfügen über gut entwickelte Duftdrüsen, die ein stark riechendes Sekret absondern. Dieses stark nach Moschus riechende Sekret schreckt die meisten potentiellen Fressfeinde ab. Nur wenige Prädatoren lassen sich von dem Geruch nicht abschrecken. Hier ist vor allem die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) zu nennen. Andere Prädatoren sind nicht bekannt.

Ernährung

Die Moschusspitzmaus gilt zwar hauptsächlich als Insektenfresser, jedoch ernährt sich die Art eher opportunistisch und nimmt sogar pflanzliche Nahrung zu sich. Gefressen werden eine Vielzahl Gliederfüßer (Arthropoda) wie Insekten (Insecta) und Spinnentiere (Arachnida). Aber auch Weichtiere (Mollusca) wie Schnecken (Gastropoda) werden keineswegs verschmäht. In der Nähe zum Menschen werden auch Lebensmittel gefressen. Nachgewiesen werden konnte, dass Moschusspitzmäuse Brot, Kuchen, Kekse, gekochten Reis und Kartoffeln sowie Eier fressen. Auch Brotaufstriche wie Erdnussbutter werden gierig gefressen.

Fortpflanzung

Moschusspitzmäuse erreichen die Geschlechtsreife bereits in der 6. Lebenswoche. Die Paarungszeit erstreckt sich in fast allen Regionen des Vorkommens über das ganze Jahr. In der Regel kommt s in einer Saison zu 2 Würfen. Nach einer Tragezeit von 29 bis 30 Tage bringt ein Weibchen in ihrem Nest 1 bis 8 (2-4) Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs kommt blind und nackt zur Welt, das Geburtsgewicht liegt bei 2,68 Gramm. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt bereits im Alter von 15 bis 20 Tagen. Bereits im Alter von 4 Wochen erreichen die Jungtiere die Selbständigkeit. Die Lebenserwartung liegt in freier Wildbahn bei 2,5 bis 3 Jahre.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In den ursprünglichen Verbreitungsgebieten gehört die Moschusspitzmaus durchaus zu den nützlichen Spitzmausarten, da sie mit ihrem Appetit Insektenpopulationen kontrolliert. In den Regionen, in denen die Moschusspitzmaus als Neozoa angesiedelt wurde, verhält sie sich als dominante Art. Andere Tierarten leiden mitunter an der Präsenz dieser Species. Durch eine hohe Reproduktionsrate vermehrt sich die Art ausgesprochen schnell. Prädatoren haben Moschusspitzmäuse auch nicht zu fürchten, da sie für die meisten Fleischfresser ungenießbar sind und somit verschmäht werden. Die Moschusspitzmaus gehört noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Ursprünglich wurde die Moschusspitzmaus in einigen Teilen der Erde als Schädlingsbekämpfer eingeführt, heute wird die Moschusspitzmaus selbst als Schädling angesehen.

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005, <1> ist die Moschusspitzmaus unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind albicauda (Peters, 1866), albinus (Blyth, 1860), andersoni (Trouessart, 1879), auriculata (Fitzinger, 1868), beddomei (Anderson, 1881), blanfordii (Anderson, 1877), blythii (Anderson, 1877), caerulaeus (Kerr, 1792), caerulescens (Shaw, 1800), caeruleus (Kerr, 1792), celebensis (Revilliod, 1911), ceylanica (Peters, 1870), crassicaudus (Lichtenstein, 1834), duvernoyi (Fitzinger, 1868), edwardsiana (Trouessart, 1880), fulvocinerea (Anderson, 1877), fuscipes (Peters, 1870), geoffroyi (J. B. Fischer, 1830), giganteus (Geoffroy, 1831), grayii (Motley & Dillwyn, 1855), griffithi (Horsfield, 1851), heterodon (Blyth, 1855), indicus (Geoffroy, 1811), kandianus (Kelaart, 1852), kelaarti (Blyth, 1855), kroonii (Kohlbrugge, 1896), kuekenthali (Matschie, 1901), leucura (Matschie, 1894), luzoniensis (Peters, 1870), malabaricus (Lindsay, 1929), mauritiana (Reichenbach, 1834), media (Peters, 1870), microtis (Peters, 1970), muelleri (Jentink, 1888), muschata (Hatori, 1915), myosurus (Pallas, 1785), nemorivagus (Hodgson, 1845), occultidens (Hollister, 1913), palawanensis (Taylor, 1934), pealana (Anderson, 1877), pilorides (Shaw, 1796), riukiuana (Kuroda, 1924), rubicunda (Anderson, 1877), sacer (Ehrenberg, 1832), saturatior (Hodgson, 1855), semmelicki (Tate, 1944), semmeliki (Koller, 1930), semmelinki (Jentink, 1888), seramensis (Kitchener, 1994),serpentarius (I. Geoffroy in Bélanger, 1831), sindensis (Anderson, 1877), soccatus (Hodgson, 1845), sonneratii (I. Geoffroy, 1827), sumatranus (Peters, 1870), swinhoei (Blyth, 1859), tytleri (Blyth, 1859), unicolor (Jentink, 1888), viridescens (Blyth, 1859) und waldemarii (Peters, 1870). Alle genannten Synonyme sind ungültig oder wurden falsch interpretiert.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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