Asiatische Tigermücke

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Asiatische Tigermücke

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
Unterordnung: Mücken (Nematocera)
Familie: Stechmücken (Culicidae)
Unterfamilie: Culicinae
Tribus: Aedini
Gattung: Stegomyia
Art: Asiatische Tigermücke
Wissenschaftlicher Name
Stegomyia albopicta
(Skuse, 1895)

Die Asiatische Tigermücke (Stegomyia albopicta), auch unter den Synonymen Aedes albopictus, Cryptus albopictus und Culex albopictus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Stechmücken (Culicidae) zur Gattung Stegomyia. Im Englischen wird die Asiatische Tigermücke asian tiger mosquito oder forest day mosquito genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Asiatische Tigermücke kann eine Körperlänge von etwa 2,0 bis 10,0 Millimeter erreichen. Die unterschiedliche Größe wird durch das Vorhandensein des Nahrungsangebotes in den Brutgewässern bestimmt, in denen sich die Larven aufhalten. Die Männchen sind in der Regel etwa 20 Prozent kleiner als die Weibchen, jedoch ähneln sich beide Geschlechter in der Morphologie. Wie bei allen Stechmücken sind auch bei dieser Art die Fühler der Männchen im Gegensatz zu den Weibchen länger und dicker ausgeprägt. Ferner sind die Fühler der Männchen befiedert. Bei dem Weibchen ist der Saugrüssel dunkel geschuppt und das Spitzensegment der Palpen ist an der vorderen Hälfte mit weißen Schuppen besetzt. Die Stirnplatte ist kahl und völlig dunkel gefärbt. Der Scheitel weist breite, weiße Schuppen auf und der Hinterkopf ist in der Mitte weiß gefärbt und an den Seiten zeigen sich dunkle Schuppen. Aufrechtstehende Schuppen fehlen in der Regel. Das Scutum (Schild) ist mit schmalen dunklen Schuppen bedeckt. Des Weiteren zeigt sich ein prominenter Acrostichal-Streifen, der mit schmalen weißen Schuppen besetzt ist. Diese Schuppen verengen sich nach hinten und erstrecken sich vom vorderen Rand des Scutum bis in den präskutellaren Bereich, wo sie sich bis an den Rand des Schildchen spalten. Auf jeder Seite zeigt sich ein schmaler dorsozentraler weißer Streifen, der sich jedoch nicht bis zur Mitte des Scutum erstreckt. Die weißen Supraalar-Streifen sind unvollständig. Ferner zeigt sich ein breiter Fleck, der am Seitenrand kurz vor der Flügelwurzel mit weißen Schuppen versehen ist und ein Paar enge weiße Schuppen befinden sich über der Flügelwurzel. Das Schildchen weist breite weiße Schuppen auf. Das Postpronotum hat einen großen Fleck, der mit breiten weißen Schuppen und im oberen Teil mit einigen engen dunklen Schuppen besetzt ist. <1>

Weibliche Asiatische Tigermücke beim Blutsaugen
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Weibliche Asiatische Tigermücke beim Blutsaugen

Die Paratergiten sind ebenfalls mit breiten weißen Schuppen versehen. Der postspiraculare Bereich ist ohne Schuppen und der subspiraculare Bereich (unterhalb der Stigmen) hat weiße Schuppen. Der Mesepisternal-Fleck ist in großen oberen und unteren Flecken der weißen Schuppen unterteilt. Das Mesepimeron (Epimeron=Chitinskelettplatte) ist mit oberen und unteren Schuppenflecken bedeckt, die mit einem V-förmigen weißen Schuppenfleck und einem offenen V-förmigen weißen Schuppenfleck nach hinten gerichtet verbunden sind. Die Hüften weisen weiße Schuppenflecken auf. Am vorderen und mittleren Oberschenkel sind vorne dunkle und hinten blasse apikale Flecken vorhanden. Die Schenkel der Hinterbeine haben einen breiten weißen Längsstreifen, an der Basis sich etwas verbreiternd und trennen sich leicht von dem apikalen weißen Schuppenfleck. Die Schienbeine sind allesamt dunkel gefärbt. Die Tarsalglieder I und II der vorderen und mittleren Tarsen haben schmale basale weiße Bänder und die Tarsalglieder I bis IV sowie V des hinteren Tarsus weisen breite basale weiße Streifen auf. Die Klauen sind einfach gestaltet und ohne Subbasal-Zahn. Die Flügeladerung ist bis auf einen kleinen Fleck mit weißen Schuppen bedeckt, an der Basis der Costa sind sie etwas dunkel gefärbt. Das Tergum (dorsaler Teil eines Körpersegments bis zu den Pleuren) I ist seiltich mit weißen Schuppen versehen und die Terga II bis VII haben basolaterale weiße Flecken. Darüber hinaus sind die Terga III bis VI mit schmalen basalen weißen Bändern besetzt, die seitlich erweitert und nicht mit den Flecken verbunden sind. <2>

Bei dem Männchen sind die Palpen länger als der Saugrüssel. Ferner befinden sich auf den Palpomeres II bis V weiße basale Ringe. Die letzten beiden Segmente sind schlank und mit nur wenigen kurzen Haaren bedeckt. Am hinteren Rand des Tergum IX zeigt sich ein ansehnlicher hornartiger Buckel mit einem kleinen borstigen Lappen auf jeder Seite. Die Gonocoxite (Basistylus) ist etwa doppelt so lang wie breit und ist mit einem Fleck aus Borsten im basomesalen Bereich der dorsalen Oberfläche bedeckt. Die Gonostylus (Dististylus) ist einfach, länglich und apikal geschwollen und weist ein Paar dünne Borsten auf. Der Rücken des Gonostylus ist subapical und endet stumpf. Die Basalanhänge (Claspettes) sind groß, keulenförmig und besetzen überwiegend die Mesal-Oberfläche des Gonocoxite. Die Claspettes sind mit zahlreichen, langen Borsten und mit mehreren stärkeren Borsten versehen und ein Paar von denen sind apikal gebogen. <3>

Weibliche Asiatische Tigermücke mit Blut angefüllter Hinterleib
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Weibliche Asiatische Tigermücke mit Blut angefüllter Hinterleib

Bei den Larven ist der Kopf etwa so lang wie breit. Die Fühler sind etwa halb so lang wie der Kopf. Die Antennenborsten (1-A) sind klein und befinden sich nahe des Antennenschaftes und die Postclypeal-Borsten (4-C) befinden sich nahe am vorderen Rand des Kopfes. Sie sind mit gut 6 bis 15 Verzweigungen und einem kurzen Stiel ausgestattet. Die mittlere frontale Borste (6-C) ist nach vorn verschoben und verfügt über 1 bis 2 Verzweigungen, die innere frontale Borste (5-C) liegt posterior bis 6-C und befindet sich mehr oder weniger einzeln. Die äußere frontale Borste (7-C) hat in der Regel 2 bis 3 Verzweigungen. Der Kamm besteht aus 6 bis 13 (meist 8 bis 10) langen schlanken Schuppen in einer einzigen Reihe und jede Schuppe hat einen großen spitzen Medianwirbel und feine Zähnchen oder Fransen an ihrer Basis. Der Siphon (Atemrohr) ist kurz und ab der Mitte verjüngt er sich deutlich. Der siphonale Index beträgt 1,7 bis 2,5. Die Zahl der Kammzähne liegt zwischen 8 und 14. Sie sind gleichmäßig verteilt und jeder Zahn hat in der Regel noch zwei seitliche Zähnchen. Das Siphonal-Büschel (1-S) hat 2 bis 4 Verzweigungen. Der Sattel erstreckt sich bis zum vorderen Rand des Anal-Segmentes und die Sattelborste (1-X) verfügt in der Regel über 2 Verzweigungen, mindestens eine der Verzweigungen ist deutlich länger als der Sattel. Die obere Analborste (2-X) hat in der Regel 2 Verzweigungen, die sich nur selten einzeln befindet, aber die untere Analborste (3-X) liegt einzeln. Die ventrale Bürste hat 8 Büschel und ist mit Cratal-Haaren (4-X) bedeckt, jedoch fehlen die Precratal-Borsten. Die Analpapillen sind wurstförmig und weisen etwa die 8-fache Länge des Sattels auf. <4>

Lebensweise

Die immaturen Stadien kommen in einer Vielzahl von kleinen natürlichen und künstlichen Bereichen vor. Zum Beispiel halten sie sich in Baumhöhlen, Bambusstümpfen, Kokosnuss-Schalen, Steinhöhlen, Blumentöpfen, Dosen, Wassergläsern, Metall- und Holz-Eimern oder in Fässern, zerbrochenen Glasflaschen oder in weggeworfenen Kfz-Reifen auf. Die Eier sind gegen Austrocknung resistent und überstehen auch den Transport in Altreifen, sogar über längere Strecken. Eine kontinuierliche Reproduktion findet in den tropischen und subtropischen Gebieten das ganze Jahr über statt. In gemäßigten Klimazonen, wie Europa, wo ebenfalls Populationen der Asiatischen Tigermücke gefunden werden, gibt es eine embryonale Diapause, indem sie im Ei-Stadium überwintern. Mehrere Generationen können pro Jahr auftreten.
Männliche Asiatische Tigermücke beim Nektar saugen
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Männliche Asiatische Tigermücke beim Nektar saugen
Adulte Weibchen saugen nicht nur das Blut des Menschen, sondern können sich auch vom Blut der Kaninchen, Hunde, Kühe und der Eichhörnchen ernähren. Gelegentlich ist die Asiatische Tigermücke auch ein Wirt bei Vögeln, wie zum Beispiel Sperlingsvögel (Passeriformes) oder Taubenvögel (Columbiformes), wobei sie die Erreger der Vogelgrippe überträgt. Das Ernährungsverhalten zeigt an, dass die Asiatische Tigermücke ein Hauptwirt bei verschiedenen Säugetieren und Vögeln ist. Dabei ist sie für die Übertragung einer Vielzahl von Arboviren verantwortlich. Um sich vom Blut der Menschen zu ernähren, sucht das adulte Weibchen während der Dämmerung und der Nacht die Wohnungen auf. Das Weibchen kann aber auch tagsüber außerhalb der Häuser in schattigen Bereichen Menschen stechen. Die Asiatische Tigermücke ist eine häufige Art in Ostasien. Obwohl die Asiatische Tigermücke vor 1990 in Italien nicht vorkam, ist sie jetzt in einigen Gebieten Norditaliens ein häufiger und somit ein lästiger Schädling. <5>

Verbreitung

In der Vergangenheit war vor allem die Asiatische Tigermücke in Asien und Ozeanien weit verbreitet und erhielt so den volkstümlichen Namen Asian Tiger Mosquito. In der Paläarktis tritt sie in Japan und China auf. Im Jahr 1985 wurde sie das erste Mal in der Neuen Welt (Houston, Texas) entdeckt und dies war der Beginn einer rasanten Verbreitung und die Entdeckung der kürzlich eingeführten Populationen der Asiatischen Tigermücke in vielen Teilen der Welt. Sie ist heute in über 25 Staaten der USA und in einigen Ländern Südamerikas und Afrikas verbreitet. Einige Proben wurden in Australien und Neuseeland gefunden, aber bisher haben sich noch keine Populationen dort niedergelassen. In Europa ist die Asiatische Tigermücke vermutlich seit mindestens 1979 in Albanien vertreten. In den frühen 1990er Jahren wurde sie passiv durch den internationalen Handel mit gebrauchten Autoreifen, die für Eier sehr geeignet sind, in Italien eingeführt. Zuerst wurde die Art im Jahr 1990 in Genua im September gefunden, gefolgt von einer raschen Ausbreitung in andere Bereiche nördlich und zentral von Italien. Seit 1990 hat sich die Asiatische Tigermücke in verschiedenen süd- und mitteleuropäischen Ländern niedergelassen, darunter zählen unter anderem Frankreich, Montenegro, Belgien, Schweiz, Griechenland, Kroatien, Spanien, Niederlande und Deutschland. Des Weiteren fanden die Eier und Larven ihre Verbreitung durch den Handel von Zierpflanzen wie zum Beispiel Drachenbäume (Dracaena) bis nach Europa. Die Pflanzen werden in stehendes Wasser während des Transportes verpackt und ermöglichen somit ein ideales Insektarium per Transit. Die Asiatische Tigermücke ist ein Überträger von Dengue-Viren und ein kompetenter Transmitter für zahlreiche andere Arboviren. Die Dengue-Viren lösen das sogenannte Denguefieber, auch Gelbfieber genannt, bei Menschen aus. Ferner überträgt sie obligat die Filarien (Filarioidea) des Herzwurm (Dirofilaria immitis), die zur Herzwurmerkrankung (Dirofilariose) des Hundes führen. <6>

Ernährung

Weibliche Asiatische Tigermücke
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Weibliche Asiatische Tigermücke

Wie schon erwähnt ernährt sich hauptsächlich nur das adulte Weibchen vom Blut der Säugetiere, der Vögel und vom Blut der Menschen und ist somit ein Überträger zahlreicher Arboviren. Dabei sucht sie die menschlichen Behausungen in der Abenddämmerung und in der Nacht auf. Das Weibchen kann aber auch tagsüber in schattigen Bereichen seine Nahrung aufnehmen. Nach dem Blutsaugen schwillt der normalerweise schlanke Hinterleib des Weibchens an und färbt sich rot. Männliche Asiatische Tigermücken ernähren sich ausschließlich von Pflanzennektar, Pflanzensäften und Wasser. Die Asiatischen Tigermücken sind oftmals in Schwärmen anzutreffen.

Fortpflanzung

Zur Paarung findet sich ein Paar in einem Schwarm anhand eines bestimmten Sinnesorganes, welches den tieferen Flugton eines Weibchens um 350 Hertz wahrnimmt. Nach der Paarung werden Proteine für die Bildung und Reifung der Eier benötigt, die nur über das Blut von Säugetieren (Mammalia) und Vögeln (Aves) zu erhalten sind. Aus diesem Grund werden weibliche Asiatische Tigermücken sprichwörtlich zum Vampir und saugen das benötigte Blut. Die 200 bis 400 Eier eines Weibchens werden in Form kleiner Schiffchen auf der Wasseroberfläche einer Pfütze, eines Teiches, einer Regentonne, eines Sees oder auf einem anderen stillen Gewässer abgelegt. Die etwa einen Zentimeter messenden Larven schlüpfen kurz darauf aus den Eiern, sie atmen über ein Atemrohr, was über die Wasseroberfläche gehalten wird und Luft in die Tracheen leitet. Die Larven haben einen langen Hinterleib (Abdomen), massigen Brustkorb (Thorax) und kleinen Kopf (Caput). Bei Gefahr flüchten sie schnell tief in das Brutgewässer, sofern es eine entsprechende Tiefe bietet, um sich sehr bald schon wieder mit kräftigen Hinterleibsschlägen an die Wasseroberfläche zu arbeiten. Ihre Nahrung, bestehend aus Algen, strudeln sie mithilfe der Borsten ihrer Mundwerkzeuge herbei. Im Laufe der Zeit wachsen die Larven, die Haut aus Chitin ist nicht fähig zu wachsen und wird regelmäßig abgestreift und durch einen zum Zeitpunkt des Abstreifens bereits bestehenden neuen Chitinpanzer ersetzt. Insgesamt häutet sich eine Larve vier mal, dann verpuppt sie sich. Die Puppen atmen durch zwei Atemhörner und können sich ebenfalls auf und ab sowie hin und her fortbewegen, jedoch keine Nahrung mehr aufnehmen. Die Puppe ist von einer speziellen Hülle umgeben. Unter dieser entwickeln sich die Flügel, Beine und die Geschlechtsorgane, außerdem wird die Körperform und Färbung verändert und die Mundwerkzeuge werden entsprechend umgewandelt. Nach wenigen Tagen ist die Umwandlung, im Falle der Asiatischen Tigermücke eine vollkommene Metamorphose, in der Puppe abgeschlossen und aus den Eiern haben sich kleine Asiatische Tigermücken entwickelt, die nun nach dem Befreien aus der Puppenhülle das Wasser verlassen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [1] [2] [3] [4] [5] [6] Dr. Norbert Becker, Dusan Petric, Marija Zgomba, Clive Boase, Minoo Madon, Christine Dahl, Achim Kaiser: Mosquitoes and Their Control. Verlag: Springer Berlin Heidelberg. Auflage: 2nd ed. (5. September 2010). ISBN 3540928731
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
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