Aspisviper

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Aspisviper

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Vipern (Viperidae)
Gattung: Echte Ottern (Vipera)
Art: Aspisviper
Wissenschaftlicher Name
Vipera aspis
Linnaeus, 1758

Verbreitungsgebiet
Least Concern (LC) - IUCN

IUCN-Status
Verbreitungsgebiet der Aspisviper

Die Aspisviper (Vipera aspis) ist eine Schlange aus der Familie der Vipern (Viperidae) und zählt zur Gattung der Echten Ottern (Vipera). Sie ist neben der Kreuzotter (Vipera berus) die zweite giftige Schlange Deutschlands und wurde, wie die Kreuzotter, erstmals wissenschaftlich im Jahre 1758 von dem Naturwissenschaftler Carl von Linné beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die gedrungen wirkende Aspisviper erreicht in der Regel eine Länge von 50 bis 70, sehr selten bis 90 Zentimeter, in der Gesamtlänge. Betrachtet man die Schlange von oben, setzt sich der dreieckig geformte Kopf deutlich vom Rest des Körpers ab. Die Schnauze ist an der Spitze etwas aufgeworfen, bildet aber kein Schnauzenhorn, wie dies bei der Europäischen Hornotter (Vipera ammodytes) der Fall ist. Bei Lichteinfall ist das Auge der Aspisviper senkrecht geschlitzt, über dem Auge bilden die Überaugenschilder (Supraocularia) eine scharfe Kante. Die Körperschuppen sind alle gekielt. Um die Körpermitte liegen 21 bis 23 Rückenschuppenreihen und 2 bis 3 Reihen Unteraugenschildchen (Subocularia) zwischen Augenunterrand und Oberlippenschildern. Das Analschild ist nicht geteilt. In der Grundfärbung kann die Aspisviper deutlich variieren. Sie liegt zwischen hellgrau, graugelb, rotbraun und orange. Der Bauch ist grau und dunkel gesprenkelt oder gewölkt. Auch können einfarbig schwarze, also melanistische Tiere, auftreten, sie haben auch keine Zeichnung. Die Zeichnung normal gefärbter Tiere besteht aus 2 Reihen rechteckiger, dunkler Barrenflecken, welche zu einem Wellen- oder Zickzackband angeordnet sein können. Die Schwanzspitze ist oft orange gefärbt und vom Auge bis zum Hals liegt ein dunkles, schwarzes oder graues Schläfenband. Eine Verwechslungsgefahr besteht in Deutschland vor allem mit der Kreuzotter (Vipera berus).

Lebensweise, Toxikologie, Fortpflanzung

Die Aspisviper ist eine bodenbewohnende Schlange und klettert nur zur Jagd nach Vögeln in kleine Büsche. Sie ist im Frühjahr und Herbst am Tage aktiv und nimmt bereits mit Sonnenaufgang das erste Sonnenbad. Im Sommer ist sie bei zu hohen Temperaturen zumeist nur in der Dämmerung und den frühen Morgenstunden aktiv und verbirgt sich am Tage unter Steinen oder in Nagetierbauten unter der Erde. Sie kann bis zu sechs Monate Winterruhe halten. Dazu versteckt sie sich unter der Erde, wo die Temperatur nie unter den Gefrierpunkt fällt. Die Aspisviper meidet es, im Wind zu liegen oder auf Beutesuche zu gehen. Wie die meisten Schlangen bekommt man auch sie kaum zu sehen, sie flüchtet bereits, wenn man in ihre Nähe kommt. Wird sie jedoch in die Enge getrieben, kann sie sehr aggressiv reagieren indem sie heftig und blitzschnell zubeißt. Dabei injiziert sie ein Giftgemisch, welches vor allem blut- und gefäßschädigende Hämotoxine enthält. Allgemein wirkt das Gift der Aspisviper schädigender auf den Menschen, als das der Kreuzotter, welches aber wesentlich stärker ist. Dies liegt daran, dass die Aspisviper mehr Gift produziert, als die Kreuzotter. Das Gift ist allerdings zu kostbar für die Schlange, als dass sie bei einem Verteidigungsbiss alles injiziert. Deshalb ist ein Biss in der Regel ungefährlich, aber immer sehr schmerzhaft, selten wurden auch Todesopfer dokumentiert. Durch ein gutes Antivenin sind in den letzten Jahren glücklicherweise keine Todesopfer mehr bekannt geworden.

Nach der bis zu sechsmonatigen Winterruhe beginnt bei der Aspisviper die Paarungszeit, in der Regel im Mai. Wie die meisten Arten der Gattung der Echten Ottern ist auch diese eilebendgebärend (ovovivipar), das heißt, die Jungtiere entwickeln sich in einem Ei, schlüpfen aber schon vor der Eiablage aus diesem heraus und kommen bereits lebend zur Welt. Die Jungtiere werden dann etwa gegen Ende August bis September geboren, ein Wurf kann 5 bis 15 Jungtiere umfassen. Die kleinen Schlangen messen dann etwa 20 bis 25 cm und sind von Anfang an auf sich selbst gestellt.

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitung der Unterarten

Lebensräume

Lebensraum: Trockene Wiesen in der Nähe von lichten Wäldern und Gewässern
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Lebensraum: Trockene Wiesen in der Nähe von lichten Wäldern und Gewässern

Die Aspisviper lebt bevorzugt in hügeligen Landschaften der Mittelgebirge. Sie ist dort vor allem an trockenen Südhängen mit Steinbrüchen, trockenen Wäldern und Wiesen, aber auch in nicht zu schlammigen Mooren und Feuchtgebieten zu finden. Häufig hält sie sich auch an Bachläufen mit trockenem Ufer auf. Vorraussetzungen für das Vorkommen der Aspisviper sind gesicherte Bestände von Kleinsäugern und/oder kleinen Echsen, sowie die Möglichkeit sich in trockene Verstecke zurückziehen zu können. In den Alpen kommt die Schlange in Höhen von bis zu 2.500 Metern vor. Die Temperaturen in den Vorzugshabitaten liegen je nach Herkunft zwischen 12 und 30, in der Sonne bis über 35 Grad Celsius im Sommer und zwischen 3 und 15 Grad Celsius im Winter in den Unterschlüpfen für die Winterruhe. Dabei liegt die Luftfeuchtigkeit zwischen 40% in Trockengebieten und über 80% in Feuchtgebieten.

Ernährung und Prädatoren

Die Aspisviper ernährt sich vor allem von Kleinsäugern, welche sie auf Feldern, Wiesen und in Wäldern jagt. Oft holt sie sich die Mäuse aus dem Erdbau, dort findet die Schlange häufig reichlich Nahrung in Form von einer Mäusemutter mit ihrem Nachwuchs. Zu den häufig gefressenen Kleinsäugern zählen Waldmäuse (Apodemus sylvaticus), Hausmäuse (Mus musculus) und kleine Ratten (Rattus). Auch kleine Echsen wie die Waldeidechse (Zootoca vivipara) und die Zauneidechse (Lacerta agilis) werden gefressen. Selten geht die Aspisviper in niedrigen Büschen auf Jagd nach kleinen Vögeln, auch auf den Boden gefallene Küken werden von ihr verzehrt. Wie alle giftigen Schlangen muss auch die Aspisviper ihre Beute beißen und das Gift injizieren, auch wenn die Beute (zum Beispiel durch einen Schock) schon gestorben ist. Zu den Prädatoren der Aspisviper zählen unter anderen besonders Greifvögel wie der Rotmilan (Milvus milvus), der Wanderfalke (Falco peregrinus) , Marder wie der Steinmarder (Martes foina) und das Hermelin (Mustela erminea), sowie Füchse (Vulpes).

Gefährdung und Schutz

Die Aspisviper ist eine der seltensten Schlangen Deutschlands. Früher war sie im Süden und in den Mittelgebirgen Deutschlands weit verbreitet, mittlerweile gibt es sie nur noch im südlichen Schwarzwald. Im allgemeinen ist die Aspisviper nicht bedroht aber oft sehr selten. Zu den Bedrohungen dieser Schlange zählen neben den natürlichen Prädatoren vor allem die Abholzung von Wäldern, das Trockenlegen von Feuchtwiesen und Mooren, sowie Pestizide auf und Bebauung von trockenen Feldern und Flächen. Auch das Begradigen von Bachläufen kann zum Rückgang der Aspisviper führen. Zum Schutz der Schlange kann man beitragen, in dem man eine Schlange im Garten nicht verjagt und sich zurückzieht, die Schlange wird sich wahrscheinlich ebenfalls zurückziehen. Sollte dies nicht der Fall sein, darf man das Tier nicht totschlagen oder in irgend einer Weise schädigen. Am besten ist es, die Feuerwehr zu informieren -ein Feuerwehrmann wird die Schlange dann in den Wald tragen. Auch die Unterschutzstellung von Wäldern mit dem Vorkommen der Aspisviper trägt sehr zum Schutz der Art bei.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ulrich Gruber: Die Schlangen Europas und rund ums Mittelmeer, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-05753-4
  • Heiko Bellmann: Der große Kosmos Tierführer - 1.000 Arten Mitteleuropas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10093-6
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