Pfeilschwanzkrebs

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Pfeilschwanzkrebs

Systematik
Klasse: Merostomata
Ordnung: Schwertschwänze (Xiphosura)
Familie: Pfeilschwanzkrebse (Limulidae)
Gattung: Limulus
Art: Pfeilschwanzkrebs
Wissenschaftlicher Name
Limulus polyphemus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Pfeilschwanzkrebs (Limulus polyphemus), der auch Atlantischer Pfeilschwanzkrebs genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Pfeilschwanzkrebse (Limulidae) zur Gattung der Limulus. Im Englischen wird die Art Horseshoe Crab genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Der Pfeilschwanzkrebs gehört erdgeschichtlich zu einer sehr alten Gruppe aus der Ordnung der Schwertschwänze (Xiphosurida). Die ältesten Fossilien dieser Arthropoden reichen bis ins Silur zurück, einem Zeitalter von vor gut 440 Millionen Jahren. Die ersten Vertreter der Familie der Pfeilschwanzkrebse (Limulidae) tauchten nach einhelliger Meinung im Perm, vor rund 250 bis 300 Millionen Jahren, auf. Der nächste fossile Verwandte ist der Mesolimulus walchi, der vor rund 150 Millionen Jahren im oberen Jura lebte. Er wies etwa eine Länge von rund sechs Zentimeter auf. Der anatonomische Bauplan gleicht dem der heute rezenten Arten, insbesondere dem des Limulus polyphemus. Auch wenn in der deutschen Bezeichnung das Teilwort "Krebs" auftaucht, so gehören sie doch verwandtschaftlicher eher zu den Spinnen und Skorpionen.

Beschreibung

Der Pfeilschwanzkrebs erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 60 Zentimeter. Der Körper weist eine typische Zweiteilung auf und besteht aus dem Vorderleib (Cephalothorax oder Prosoma) und dem Hinterleib (Opisthosoma). Cephalothorax und Opisthosoma sind ihrerseits mit einem einteiligen Panzer geschützt. Der Panzer, der auch Carapax genannt wird, ist dabei leicht gewölbt. Auf der Unterseite liegen ventral die Beinpaare, die Kiemen und die zum Teil offenliegenden Organe. Die vorderen Beinpaare verfügen über kräftige Scheren und Kieferklauen. Die Scherenpaare der Männchen sind im Gegensatz zu denen der Weibchen deutlich größer. Mit ihnen halten sich die Männchen beim Paarungsakt am Carapax des Weibchens fest. Die äußeren Augen liegen seitlich am Kopf. Das dritte Auge liegt in der Mitte des Kopfes. Das markanteste Körperteil ist jedoch der Stachelschwanz, der auch Telson genannt wird. Der Telson dient dem Pfeilschwanzkrebs einerseits als Grabhilfe, als Antriebsorgan und hilft auch beim Wiederaufrichten, falls der Pfeilschwanzkrebs mal auf dem Rücken liegt. Der Pfeilschwanzkrebs hat im Grunde nur wenige Feinde. Zu ihnen gehören neben dem Tigerhai (Galeocerdo cuvier) vor allem Schildkröten und Seevögel. Die Seevögel haben es insbesondere auf die Larven abgesehen, die im Flachwasser leben. Der Pfeilschwanzkrebs ist heute nicht direkt vom Aussterben bedroht und so sieht der IUCN die Art auch nur als gering gefährdet an. Allerdings sind in den letzten Jahren deutliche Bestandsrückstände zu verzeichnen, die insbesondere auf die anhaltende Wasserverschmutzung zurückzuführen ist.

Verbreitung

Der Pfeilschwanzkrebs ist an der ostatlantischen Küste von Kanada, den USA und Mexiko verbreitet. Sein Hauptverbreitungsgebiet reicht dabei vom südlichen Kanada über Maine im Norden der USA bis nach nach Yucatan. Yukatan ist eine Halbinsel in Mittelamerika, die den Golf von Mexiko vom Karibischen Meer trennt. Der Pfeilschwanzkrebs bewohnt das Kontinentalschelf und ist bis in Tiefen von 50 Metern anzutreffen. Er lebt in der Regel auf sandigem oder schlammigem Bodengrund. Außerhalb seiner aktiven Zeit ist er meist im Sand eingegraben.

Nahrung

Der Pfeilschwanzkrebs ist ein reiner Bodenwühler, der seine Nahrung im Sand oder im Schlamm des Meeresbodens findet. Zu seiner bevorzugten Nahrung gehören neben Muscheln auch Würmer, Algen, diverse Weichtiere und sogar kleine Fische.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen die Pfeilschwanzkrebse mit zehn bis zwölf Jahren. Mit dem beginnenden Frühjahr ziehen die Männchen und Weibchen an die Küsten um sich zu paaren. Die deutlich kleineren Männchen umklammern sich dabei mit ihren vergrößerten Scheren an dem Panzer der Weibchen. Gleichzeitig mit der Eiablage erfolgt die Besamung durch das Männchen. Die Eier liegen in einer Mulde auf dem Grund der Küstengewässer und werden bis zum Schlupf von den adulten Tieren bewacht. Ein Gelege umfasst meist 200 bis 500 Eier, selten auch bis 1.000 Eier. Die Eier weisen lediglich eine Größe von gut drei Millimeter auf. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die eine Schlupflänge von etwa einem Zentimeter aufweisen.

Mit dem Schlupf der Larven ist auch die elterliche Fürsorge beendet. Die Larven leben fortan im Sand ihres Lebensraumes. Dies ist das Flachwasser im Küstenbereich. Im ersten Stadium verfügen sie noch nicht über den charakteristischen Stachelschwanz. Auch die Anzahl der Beine und der Kiemenpaare ist noch nicht voll entwickelt. Beides stellt sich mit der ersten Häutung ein. Ansonsten haben sie schon zu Beginn die gleiche anatomische Bauweise wie die adulten Pfeilschwanzkrebse. Mit dem Älterwerden ziehen sie nach und nach in tiefere Wasserschichten, um irgendwann mit ihrer eigenen Geschlechtsreife zu ihrer angestammten Küste zu kommen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2

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