Saitis barbipes

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Saitis barbipes
Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Salticoidea
Familie: Springspinnen (Salticidae)
Gattung: Saitis
Art: Saitis barbipes
Wissenschaftlicher Name
Saitis barbipes
Simon, 1868

Die Spinnenart Saitis barbipes, auch unter dem Synonym Attus barbipes bekannt, gehört innerhalb der Familie der Springspinnen (Salticidae) zur Gattung Saitis.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Art ist durch ihre untersetzte, kurzbeinige Körpergestalt und ihre besonders leistungsfähigen Augen gut charakterisiert. Beide Geschlechter sind in Färbung und Zeichnung sehr unterschiedlich. Diese überaus faszinierende Springspinne erreicht eine Körperlänge von etwa fünf bis sechs Millimeter. Das Männchen fällt durch sein stark vergrößertes, sehr bunt gefärbtes drittes Beinpaar sofort ins Auge. Die Beinglieder sind seitlich abgeflacht und bis einschließlich dem Metatarsus leuchtend korallenrot gefärbt. Die obere und untere Kante ist mit schwarzen Haarfransen besetzt, die zur Spitze hin immer dichter werden, bis schließlich das Ende des Metatarsus ganz schwarz erscheint. Im starken Kontrast hierzu zeigt der Tarsus eine dichte, schneeweiße Behaarung. Die übrigen Beine sind dagegen blaß gelblich gefärbt und schmal dunkel geringelt. Auch der Körper des Männchens zeigt ein auffälliges Farbmuster. Der dunkelbraune Vorderkörper ist oben im Augenfeld weißgrau behaart. Hinter den leuchtend smaragdgrünen Frontalaugen liegt ein rotorange gefärbter Querstreifen, der sich an den Seiten bis zum hinteren Augenpaar fortsetzt. Der Hinterkörper trägt oben einen weißlichen Längsstreifen, der seitlich braun und schwarz eingefaßt ist. <2>

Völlig unscheinbar dagegen erscheint das überwiegend gelbbraun gefärbte Weibchen. Es erinnert etwas an die Vertreter der Gattung Euophrys. Das Augenfeld ist dunkel abgesetzt. Auf dem Hinterkörper ist ein seitlich dunkel eingefaßtes Längsband zu erkennen, in dem hinten einige dunklere Winkelflecke liegen. Ansonsten ist der Hinterkörper unregelmäßig fein helldunkel gefleckt. Die hellbraunen Beine sind weitgehend ungezeichnet. Vorn an der Stirn liegen nebeneinander vier scheinwerferartig vergrößerte Augen, an jeder Seite des steil abfallenden Kopfteils hintereinander zwei weitere, deutlich kleinere Augen. Das auffallend vergrößerte, mittlere Frontalaugenpaar entspricht gewissermaßen zwei Teleobjektiven. Die beiden Netzhäute können vor- und zurückgeschoben werden und so ein scharfes Abbild des angepeilten Objektes entwerfen. Da die Netzhäute aber zusätzlich seitlich verschoben werden können, vermag die Spinne außerdem ihren Blickwinkel zu verändern, ohne sich selbst zu bewegen. Die adulten Tiere sind ganzjährig anzutreffen. <2>

Saitis barbipes - Weibchen
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Saitis barbipes - Weibchen

Lebensweise

Die Spinnenart besetzt in Südeuropa die gleiche Nische wie bei uns die Zebraspringspinne (Salticus scenicus). Neben dem gut ausgebildetem Sehsinn ist auch der Geruchssinn bei dieser Art sehr gut ausgebildet. In Kombination beider Sinne kann die Spinne sogar bereits tote Beutetiere aufspüren. Neben den leistungsstarken Augen sind der untersetzte, kräftige Körper und das wohlentwickelte Sprungvermögen weitere Merkmale der Spinne. Sie erjagt ihre optisch wahrgenommene Beute durch Anschleichen und Zuspringen.

Verbreitung

Die Spinnenart hält sich vorwiegend im Siedlungsbereich an Mauern und Hausfassaden, auch im Inneren von Gebäuden auf. Daneben trifft man sie im Freiland zum Beispiel an Felsen und auf Steinschutthalden an. Im Mittelmeergebiet ist die Spinne weit verbreitet und fast überall häufig, nach Norden bis zum Südfuß der Alpen, zum Beispiel im Gardasee-Gebiet und im Tessin. <3>

Ernährung

Die Spinnenart erjagt Beutetiere aktiv, also nicht mit einem Netz. Sie lebt räuberisch von anderen Insekten (Insecta) wie zum Beispiel von Grillen (Gryllus) und von Fliegen (Brachycera), die sie regelrecht überfällt. Sie lauert an exponierten Stellen auf ihre Beute und springt sie meist aus dem Hinterhalt an. Dabei spielen der Sehsinn und auch der Geruchssinn eine außerordentliche Rolle.

Fortpflanzung

Bei der Balz winken die Männchen mit ihren auffällig gestalteten Beinen und versuchen dadurch, die Aufmerksamkeit der unscheinbaren Weibchen zu erwecken. Paarungsbereite Weibchen verhalten sich eher passiv und abwartend. Das Männchen kann nun das Weibchen besteigen. Dies geschieht meist in der Gespinsthöhle des Weibchens. Das Männchen bringt mit seinen Pedipalpen die Samenpakete an das Begattungsorgan des Weibchens. Nach der Paarung verläßt das Männchen seine Partnerin und kümmert sich auch nicht um die Aufzucht. Das Weibchen baut eine übergroße Seidenzelle, in die es seine Eier legt und sie darin bewacht, bis die Jungspinnen schlüpfen, was meist bis zur zweiten Häutung dauert, da die Jungspinnen zuerst fast blind sind und erst nach der zweiten Häutung voll entwickelte Augen haben.

Galerie


Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [2] [3] Dipl. Biol. Dr. METZNER, H. (1999): Die Springspinnen (Arachnida, Araneae, Salticidae) Griechenlands. Andrias 14: 1-279, Karlsruhe.
  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
  • Saitis barbipes (♂,♀) (Simon, 1868)
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