Auerochse

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Auerochse
Rückzüchtung - Auerochse

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Bovinae
Gattung: Eigentliche Rinder (Bos)
Art: Wildrind (Bos primigenius)
Unterart: Auerochse
Wissenschaftlicher Name
Bos primigenius primigenius
Bojanus, 1827

IUCN-Status
Extinct (EX)

Der Auerochse (Bos primigenius primigenius), auch als Ur bekannt, ist eine ausgestorbene Unterart des † Wildrindes (Bos primigenius). Er zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Eigentlichen Rinder (Bos). Im Englischen wird die Unterart aurochs oder urus genannt.

Es gab erhebliche Diskussionen über den tatsächlichen taxonomischen Status der verschiedenen Unterarten des Wildrindes. Auf der Grundlage von detaillierten Kraniometrie-Analysen schlug Grisson (1980) vor, Bos primigenius namadicus und Bos primigenius primigenius als eigenständige Arten zu klassifizieren. Epstein und Mason (1984) bestritten diesen Vorschlag, sie behaupten, dass die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Rassen nicht klar ist, basierend auf Körpergewicht, Größe und Form der Hörner. Ferner sind beide Arten verschiedensten Umwelteinflüssen ausgesetzt. Diese Ansicht wird auch von Zeuner (1963) und Payne (1991) geteilt. Sie argumentieren, dass die geografische Reichweite die Grundlage für die Einstufung und nicht der biologische taxonomische Status ist.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

In den dreißiger Jahren gelang es den Gebrüdern Heck, zwei Zoodirektoren aus Berlin und München, durch Kreuzung primitiver Hausrinder eine Rinderrasse zu züchten, die dem ausgestorbenen Auerochsen in vielen Eigenschaften ähnlich ist. Diese Kreuzungen haben allerdings schmalere Hornzapfen sowie eine schwächere Stirnplatte als der 1627 ausgestorbene Ur und erreichen nicht dessen Scheitelhöhe von 180 Zentimeter. Ihre Bedeutung als "lebende Modelle" liegt in dem didaktischen Wert, vermitteln sie doch ein anschauliches Bild von ihrem Urahn, da vom Auerochsen alle Hausrinderrassen abstammen. Somit sind diese "auerochsenähnlichen Rinder" zugleich ein Beispiel für die Veränderung des Wildtyps durch die Domestikation. Diese Domestikation fand vor etwa 6.500 Jahren im Vorderen Orient statt.
Stammbaum des auerochsenähnlichen Rindes
vergrößern
Stammbaum des auerochsenähnlichen Rindes
Durch Höhlengemälde und fossile Knochenfunde kann man sein ursprüngliches Aussehen rekonstruieren. Eine einmal ausgestorbene Tierart kann aber nicht durch "Rückzüchtung" wieder zum Leben erweckt werden, sondern bleibt ein für alle Mal ausgestorben.

Der Auerochse war viel größer als die heute lebenden Hausrinder. Früher dachten die Menschen, dass die Schulterhöhe des Stiers etwa 200 Zentimeter und die Schulterhöhe der Kuh etwa 180 Zentimeter betrug. Heute berechnen die Wissenschaftler die Schulterhöhe auf der Grundlage der Länge des Humerus (Oberschenkel, Knochen), so dass die Schulterhöhe des Stiers zwischen 160 bis 180 Zentimeter und die Schulterhöhe der Kuh bei etwa 150 Zentimeter lag. Die Fellfärbung des Stiers war schwarz-braun und mit einem kleinen Aalstrich versehen. Die Farbe der Kuh war wie die der Kälber rotbraun. Der Stier sowie die Kuh hatten rund um die Schnauze einen hellen Bereich. Die Hörner waren nach vorn und nach innen gebogen. Obwohl die Form der Hörner sehr charakteristisch für die Auerochsen sind, so gab es doch einige Variationen in der Länge, Dicke, Form und in der Position in Bezug auf die Stirn. Das Euter der Kuh war wesentlich kleiner und kaum sichtbar.

Lebensweise

Der Auerochse lebte in gemischten Herden, die sich aus Kühen, Kälbern und jungen Bullen zusammensetzten. Daneben gab es auch kleine Herden, in denen ältere Bullen, allein lebende Bullen und alte Bullen lebten.

Verbreitung

Rückzüchtung - Auerochse
vergrößern
Rückzüchtung - Auerochse
Rückzüchtung - Auerochse
vergrößern
Rückzüchtung - Auerochse

Der Auerochse hatte einmal ein Verbreitungsgebiet, das fast ganz Europa, große Teile von Asien, Afrika und Nordamerika umfaßte. Zu dieser Zeit gab es noch drei Unterarten, nämlich die Unterart Bos primigenius namadicus, die in Indien lebte, die Unterart Bos primigenius mauretanicus , die in Nord-Afrika vorkam und natürlich die Unterart Bos primigenius primigenius, die in Europa und im Nahen Osten existierte. Die Landschaft, wo der Auerochse in Europa lebte, bestand aus ausgedehnten Wäldern, abwechselnd durch verschiedene Arten von Sümpfen. Auf der Grundlage von fossilen Knochenfunden und alten Beschreibungen des Auerochsen, bevorzugte der Auerochse Sümpfe, Wälder, Flusstäler, Flussdeltas und verschiedene Arten von Mooren. Neben dem Sumpfwald lebte der Auerochse in weniger nassen Wäldern. In Europa bestand eine Trennung zwischem dem Biotop des Auerochsen und dem Wisent (Bison bonasus). Der Auerochse lebte in etwas nassen Wäldern, wogegen der Wisent die trockenen Wälder bevorzugte. Es wird sicherlich auch eine Überschneidung zwischen den Lebensräumen der beiden Arten gegeben haben. Allerdings bestehen Unsicherheiten, ob der Auerochse auch ökologische Nischen besetzte. Dr. Franz Vera behauptet, dass der Auerochse in offenen Parklandschaften lebte. Noch heute gibt es im Atlasgebirge von Marokko eine kleine Hausrinderrasse, die wie unsere Auerochsen aussieht. Ebenso sollen in albanischen Urwäldern derart gefärbte Rinder gesichtet worden sein. Vermutlich handelt es sich um verwilderte Hausrinder.

Ernährung

Im Frühling und Sommer bestand die Nahrung des Auerochsen wahrscheinlich aus Gräsern, gras-ähnlichen Pflanzen, Kräutern und Blättern von Bäumen und Sträuchern. Im Herbst nahm er etwas weniger Gras und mehr Blätter von Bäumen und Sträuchern zu sich. Dies wurde mit Baumfrüchten, wie Eicheln ergänzt. Im Winter bestand die Nahrung des Auerochsen neben Gras, gras-ähnlichen Pflanzen und Kräutern aus Rinde von Bäumen und Sträuchern.

Fortpflanzung

Die Zeit für die Fortpflanzung und damit auch die Zeit, in der die Kälber geboren wurden, war während eines bestimmten Zeitraums des Jahres. In Polen (wo der letzte Auerochse lebte) begann die Fortpflanzung im späten Sommer, wahrscheinlich im August und im September. Die Kälber wurden im späten Frühjahr, wahrscheinlich im Mai und im Juni, geboren. Der erwachsene Bulle migrierte kurz vor und während der Reproduktion zu den gemischten Herden, um sich dort mit den Kühen zu verpaaren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

'Persönliche Werkzeuge