Augenpfeifer

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Augenpfeifer

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Südfrösche (Leptodactylidae)
Unterfamilie: Leptodactylinae
Gattung: Echte Pfeiffrösche (Leptodactylus)
Art: Augenpfeifer
Wissenschaftlicher Name
Leptodactylus ocellatus
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Augenpfeifer (Leptodactylus ocellatus), auch unter den Synonymen Cystignathus ocellatus, Leptodactylus latrans, Leptodactylus macrosternum und Rana ocellata bekannt, zählt innerhalb der Familie der Südfrösche (Leptodactylidae) zur Gattung der Echten Pfeiffrösche (Leptodactylus). Im Englischen wird der Augenpfeifer llanos toad-frog, creole frog oder butter frog genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Taxonomie

Laut der Roten Liste der IUCN wird die Bezeichnung Leptodactylus macrosternum mehr im nördlichen Teil seines Verbreitungsgebietes verwendet, während die Bezeichnung Leptodactylus ocellatus mehr im südlichen Teil seines Verbreitungsgebietes verwendet wird.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die durchschnittliche Körperlänge des Männchens beträgt etwa 90,0 bis 120,0 Millimeter, während die durchschnittliche Körperlänge des Weibchens etwa 80,0 bis 110,0 Millimeter beträgt. Besonderes Merkmal bei dieser Art sind die großen, dunklen Flecken zwischen den Augen. In der Zahl und Verteilung der Flecken auf dem Rücken sind einige Abweichungen zu erkennen. Bei jüngeren Individuen sind die Zeichnungen lebhafter und schärfer. Die schmalen Leisten oder Hautfalten des Rückens finden sich bei den größten Exemplaren so deutlich wie bei den kleinen. Die Zehen besitzen einen Hautsaum. Der äußere Hautsaum an der fünften Zehe setzt sich am Außenrand des Metatarsus fort und endet neben und außerhalb des äußeren Tarsaltuberkels. Der innere Saum der ersten Zehe erstreckt sich bis an die Innenseite des inneren Tarsaltuberkels, verschwindet hier bei größeren Individuen, läßt sich aber bei kleineren,
Augenpfeifer - Weibchen
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Augenpfeifer - Weibchen
obwohl sehr undeutlich, noch längs des Tuberkels verfolgen. Hinter diesem erscheint er in der früheren Stärke und läuft anfang an der Innenseite der Sohle, geht jedoch etwas auf die Hinterseite des Tarsus und endet hier in der Nähe der Ferse, ohne jedoch diese selbst zu erreichen. Diese Falte oder Leiste scheint für diese Art mit deutlich sichtbarem Trommelfell charakteristisch zu sein. Bei dieser Art ist die hintere Hälfte der Nasenhöhlen von einer vollständigen, ziemlich großen, von oben und unten abgeplatteten und vorn weit offenen Knochenkapsel umgeben, die als eine Fortsetzung des sogenannten Gürtelknochens erscheint und durch eine knöcherne Scheidewand in zwei Seitenhälften geteilt ist.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN hält sich der Augenpfeifer in zahlreichen Lebensräumen auf, darunter zählen unter anderem Savannen, Grasland, offene Lebensräume in trockenen Gebieten, Waldränder, Flussufer und feuchte tropische Wälder. Diese Art kann sich gut an veränderte und gestörte Lebensräume anpassen und ist auch in ländlichen Gärten, sekundären Lebensräumen sowie in städtischen Gebieten zu finden. Die Fortpflanzung erfolgt in temporären Gewäsern. Häufig werden Teiche, kleine Seen oder überschwemmte Gebiete dafür aufgesucht. Der Laich wird in großen Schaumnestern auf der Wasseroberfläche abgelegt. Die Kaulquappen bilden während ihrer Entwicklungszeit sogenannte Schulen. Einige Exemplare halten sich an den Ufern der großen Lagunen in Bolívar und in Venezuela auf.

Verbreitung

Augenpfeifer - Männchen
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Augenpfeifer - Männchen

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Augenpfeifer häufig im östlichen Teil der Anden in Südamerika vor. Ferner ist der Augenpfeifer in folgenden Gebieten von Südamerika verbreitet: Halbinsel Icacos Swamp im Südwesten von Trinidad Island (Trinidad und Tobago), Orinoco-Becken von Kolumbien und Venezuela im Süden, Guianas (nur in der Savanne), südliches Amazonasbecken Brasiliens, nördlich und östlich Boliviens (Santa Cruz), Bahia, Ceará, Rio de Janeiro, Espirito Santo, Minas Gerais, Paraíba, Rio Grande do Norte, Rio Grande do Sul, Santa Catarina und São Paulo in Brasilien, Ost-Paraguay, Uruguay, Buenos Aires, Córdoba, Chaco, Corrientes, Entre Ríos, Formosa, La Pampa, Misiones, Neuquén, Río Negro, Santa Fe, San Juan und San Luis in Argentinien. Die Identität dieser Art in Venezuela bleibt unklar. Der Augenpfeifer hält sich in einer Höhe von rund 1.400 Meter über dem Meeresspiegel auf. Heimisch ist der Augenpfeifer in folgenden Ländern: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Französisch-Guayana, Guyana, Paraguay, Surinam, Trinidad und Tobago, Uruguay und Venezuela. Gelegentlich ist der Augenpfeifer auch in Peru anzutreffen.

Ernährung

Der Augenpfeifer ernährt sich hauptsächlich von kleinen Insekten (Insecta) und deren Larven. Sie fangen diese Insekten (Insecta) mit der Zunge.

Fortpflanzung

Guyana
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Guyana

Die Fortpflanzung erfolgt zwischen September und Februar. Die ausgedehnte Reproduktionsphase findet hauptsächlich während der Regenzeit statt. Das Männchen hält sich während dieser Zeit überwiegend in der Nähe eines Teiches oder Sees auf. Mit zunehmender Dämmerung werden die Rufe des Männchens lauter und intensiver, um so das Weibchen anzulocken und potentielle Rivalen fernzuhalten. Während dieser Zeit ist das Männchen sehr territorial und verteidigt sein Revier gegenüber Eindringlingen vehement. Die Brutgebiete liegen an Gewässern wie zum Beispiel kleine Teiche oder auch Seen. Zu einer Paarung kommt es in der Regel um Mitternacht. Wie für Kröten und Frösche üblich, so kommt es zu einer Umklammerung des Weibchens durch das Männchen. Sie bilden dann ein sogenanntes Amplexus-Paar. Die Befruchtung der Eier erfolgt über eine externe Befruchtung. Männchen und Weibchen geben zeitgleich Samen und Laich ab, dabei produziert das Männchen mit wechselnden und stoßenden Bewegungen der Hinterbeine riesige Schaumnester entlang des Teiches oder Sees und zur gleichen Zeit legt das Weibchen ihre Eier in die Schaumnester ab und werden vom Männchen befruchtet. Eine komplette Reihenfolge der Beinbewegung kann ungefähr zwei Sekunden dauern. Die Schaumnester können einen Durchmesser von 25,4 Zentimeter und eine Höhe von 11,4 Zentimeter betragen. Die gesamte Eiablage kann sich bis in die frühen Morgenstunden hinziehen. Etwa 6,5 Prozent der Eier werden vom Männchen befruchtet und die anderen 93,5 Prozent dienen als Nahrung für die geschlüpften Larven. Werden die Schaumnester durch starken Regen überflutet, so werden die Larven in den Teich oder in den See gespült und erhalten für ihre weitere Entwicklung den Zugang zum Wasser.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Augenpfeifer heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Er ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Augenpfeifer selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird er als least concern (nicht gefährdet) geführt. Auch wenn die Art noch nicht bedroht ist, so gehören doch zu den Hauptgefahren die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch Trockenlegung von Habitaten sowie die allgemeine Umwelt- und Wasserverschmutzung.

Weitere Synonyme

Guyana
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Guyana
  • Rana latrans - Steffen, 1815
  • Rana gibbosa - Raddi, 1823
  • Rana fusca - Raddi, 1823
  • Rana pygmaea - Spix, 1824
  • Rana pachypus - Spix, 1824
  • Rana pachybrachion - Wied-Neuwied, 1824
  • Rana macrocephala - Wied-Neuwied, 1825
  • Leptodactylus serialis - Girard, 1853
  • Leptodactylus caliginosus - Girard, 1853
  • Rana luctator - Hudson, 1892
  • Rana octoplicata - Werner, 1893
  • Cystignathus oxycephalus - Philippi, 1902
  • Leptodactylus ocellatus var. reticulata - Cei, 1948
  • Leptodactylus ocellatus var. bonairensis - Cei, 1949

Anhang

Siehe auch

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Kurt Brauer, Annette Bromma: Kröten. Urania, Freiburg (1991). ISBN 3332003798

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