Australische Gespenstschrecke

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Australische Gespenstschrecke
Weibchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Familie: Phasmatidae
Unterfamilie: Extatosomatinae
Tribus: Extatosomatini
Gattung: Extatosoma
Art: Extatosoma tiaratum
Unterart: Extatosoma tiaratum tiaratum
Wissenschaftlicher Name
Extatosoma tiaratum tiaratum
Macleay, 1826

Verbreitungsgebiet

Die Australische Gespenstschrecke (Extatosoma tiaratum tiaratum) zählt innerhalb der Familie Phasmatidae zur Gattung Extatosoma. Im Englischen wird diese Art Giant Prickly Stick Insect oder Macleay's Spectre genannt. In Australien wird das Insekt Spiny Leaf Insect genannt. Das erste Mal wissenschaftlich beschrieben wurde die Australische Gespenstschrecke von William John Macleay im Jahre 1826. Sie wird von der Phasmid Study Group unter der Nummer 9 geführt.

Die Australische Gespenstschrecke, die es seit den 1960ern in der Terrarienhaltung gibt, ist eine der ersten Gespenstschrecken (Phasmatodae), die im Terrarium erfolgreich gezüchtet wird. Seit dem Jahr 2000, aber besonders seit den letzten paar Jahren leidet fast der ganze europäische Stamm an Inzucht. Abhilfe wird geboten, indem Wildfänge aus Australien eingekreuzt werden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Australische Gespenstschrecke erreicht eine Körperlänge von 100 bis 150 Millimetern. Die Nymphen haben beim Schlupf eine Größe von zirka 10 Millimetern. Die Grundfärbung ist braun, orange oder gelblich, jedoch ist auch ein grüner Stamm in Zucht. Im Gegensatz zu den Weibchen haben die Männchen relativ lange Fühler. Bei ungeübten Augen kann dieses Insekt leicht mit vertrockneten Blättern verwechselt werden, somit hat die Gespenstschrecke eine perfekte Tarnung. Da die Weibchen das Abdomen auch noch skorpionartig über dem Körper halten wird diese Tarnung noch besser. Ein weiterer Vorteil dieses Verhaltens ist die Verlagerung des Gewichtes auf einen Stützpunkt am Körper. Dies hilft für das Halten des Gleichgewichtes. Wenn sie sich fortbewegen wackeln sie wie Blätter im Wind und bringen damit den gesamten Ast auf dem sie sich befinden in Bewegung.

Das Verhalten der Australischen Gespenstschrecke ist sehr friedlich und ruhig. Sie ist nachtaktiv, durch Wind ist sie aber auch manchmal am Tag aktiv. Am Tag versteckt sie sich aber meist zwischen Eukalyptuspflanzen, erst in der Dämmerung fangen sie wieder an zu Fressen.

Die Nymphen von beiden Geschlechtern betreiben gleich nach dem Schlupf Ameisenmimikry. Durch ihre dunkle bis schwarze Färbung, ihrem weißen Streifen beim Hals und dem roten Kopf ähneln sie Arbeiterinnen der Ameisengattung Leptomyrmex. Diese Ameisen sammeln die Eier der Australischen Gespenstschrecke, da sie sie für Pflanzensamen halten. Im Bau können sie jedoch die Hülle nicht öffnen und die Eier überstehen durch die Temperaturen im Bau bis zum Schlupf. Durch ihr Aussehen kommen sie unverletzt aus dem Bau und können Futter suchen.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Australischen Gespenstschrecken liegt in Ostaustralien, insbesondere in Queensland und New South Wales. Daneben kommt sie auch in Neuguinea vor. Es werden Waldgebiete mit Eukalyptusbestand bewohnt und sie sind in der Baum- und Strauchvegetation anzutreffen. Bevorzugt leben die Gespenstschrecken in Gebieten mit hohem Niederschlag und keinem Frost.

Grüner Zuchtstamm
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Grüner Zuchtstamm

Ernährung

Extatosoma tiaratum tiaratum ernährt sich in freier Wildbahn hauptsächlich von Eukalyptus (Eucalyptus). In der Terrarienhaltung wird eine Vielzahl von Pflanzen angenommen, wie zum Beispiel verschiedene Rosengewächse (Rosaceae) wie Himbeere (Rubus idaeus), Brombeere (Rubus allegheniensis), Feuerdorn (Pyracantha) und Rose (Rosa). Daneben werden auch noch Eichen (Quercus) und Haselnuss (Corylus avellana) gefressen. Natürlich kann auch die natürliche Futterpflanze Eukalyptus angeboten werden. Neben all diesen Pflanzen werden noch viele weitere angenommen, wie zum Beispiel Erdbeere (Fragaria), Johannisbeere (Ribes), Wildrose (Rosa sp.), Weißdorn (Crataegus), Kirsche (Cerasus), Pflaume (Prunus domestica), Quitte (Cydonia oblonga), Eberesche (Sorbus aucuparia) und Wilde Weinrebe (Vitis vinifera subsp. sylvestris). Insgesamt sind die Australischen Gespenstschrecken nicht sehr wählerisch und man kann sehr viel mit den Futterpflanzen experimentieren.

Im adulten Stadium haben besonders die Weibchen einen hohen Futterumsatz. Eine andere Angewohnheit dieser Art ist, dass sie neben den Blättern auch die Stiele der Futterpflanze fressen. Bei solchen Aktionen werden aber meist die Blätter abgeknabbert, sodass diese nicht mehr gefressen werden, weil sie auf den Boden fallen.

Wie jede Gespenstschreckenart (Phasmatodea) frisst auch die Australische Gespenstschrecke während oder nach der Häutung die gesamte alte Haut oder Teile von ihr. Dies dient höchstwahrscheinlich der Mineralstoffaufnahme.

Fortpflanzung und Geschlechtsunterschied

Paarung
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Paarung

Die Fortpflanzung der Australischen Gespenstschrecken kann sowohl zweigeschlechtlich als auch parthenogenetisch, das heißt ohne Männchen erfolgen. Etwa zwei Wochen nach der Imaginalhäutung wird das Weibchen paarungsbereit, das Männchen schon nach zirka einer Woche. Sobald sich ein Paar gefunden hat steigt das Männchen auf den Rücken des Weibchens und die Kopulation beginnt. Dabei überträgt das Männchen seine Spermien in Form einer sogenannten Spermatophore. Diese schützt vorallem vor Austrocknung, bis das Weibchen alle aufgenommen hat. Das Männchen schiebt dieses Spermapaket in die Öffnung am Abdomen. Nachdem die Spermatophore geleert ist, werden die Spermien in die Samentaschen des Weibchens übertragen. Dort befruchten sie anschließend die Eier. Nach einigen Stunden steigt es wieder herunter. Auch wenn das Weibchen noch nicht adult oder noch nicht paarungsbereit ist, sitzt das Männchen oft tagelang am Rücken des Weibchens, dabei werden aber keine Samen übertragen. Nach ein paar Wochen beginnt das Weibchen mit der Eiablage, dabei werden jeden Tag einige Eier einfach fallen gelassen. Falls kein Männchen vorhanden ist bleiben die Eier unbefruchtet und es schlüpfen sozusagen "Klone" der Mutter. Wenn sich das Weibchen parthenogenetisch fortpflanzt werden weniger Eier gelegt, die Larven sind schwächer und alle sind Weibchen. Die Eier weisen eine helle cremefarbene Grundfärbung auf und sind dunkelbraun marmoriert. Die Größe liegt bei zirka 5 Millimetern.

Eier
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Eier

Mit bis zu 140 Millimetern werden die Weibchen deutlich größer als die Männchen, die lediglich eine Größe von 100 Millimetern erreichen. Die Färbung der Weibchen kann recht variabel sein. Sie reicht von gelblich braun, grünlich, braun oder gräulich bis hin zu Exemplaren die eine kräftig orange Farbe aufweisen. Auch gibt es einen grünen Zuchtstamm. Die Männchen sind dunkler und weisen meist eine dunkelbraune oder rotbraune Farbe auf. Die Beine sind beim Weibchen lappenförmig verbreitert, beim Männchen weniger stark. Von der Gestalt her sind die Weibchen deutlich fülliger und schwerer. Männchen sind eher stabförmig und haben eine schlanke Körperform. Sie besitzen lediglich Stummelflügel, die bereits im subadulten Stadium bestehen und nach der Imaginalhäutung größer werden. Die Männchen haben voll ausgebildete Flügel die bis zum Abdomenende ragen. Die Männchen können relativ gut fliegen. Weibchen weisen am ganzen Körper kleine Dornen auf, Männchen besitzen hingegen gar keine. Diese Dornen sieht man sogar schon nach der zweiten Larvalhäutung. Gemeinsam mit dem Abdomenende, welches die Weibchen skorpionartig über dem Rücken halten, stellen diese Merkmale bereits ab der zweiten Häutung einen sicheren Geschlechtsdimorphismus dar.

Lebenserwartung

Nymphe, nach der ersten Häutung
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Nymphe, nach der ersten Häutung

Die Embryonalentwicklung im Ei kann bis zu 6 Monate dauern. Nach zirka 5 bis 6 Häutungen bis zur Adulthäutung vergehen weitere 3 bis 5 Monate. Die Lebenserwartung der Australischen Gespenstschrecke beträgt nach der Adulthäutung bei den Weibchen bis zu einem Jahr. Ungewöhnlich ist auch die relativ hohe Lebenserwartung bei Männchen mit 3 bis 5 Monaten.

Prädatoren

Natürliche Prädatoren der Australischen Gespenstschrecke stellen viele insektenfressende Vögel (Aves) und verschiedene Säuger (Mammalia) dar. Trotz ihres unauffälligen Verhaltens und der guten Tarnung wird auch die Australische Gespenstschrecke gelegentlich von einem Fressfeind erspäht und gefasst. Bei Bedrohung kann die Australische Gespenstschrecke mit ihren Hinterbeinen wie ein Klappmesser zuschnappen und schlägt dabei mit der Schiene (Tibia) des Beines auf den Schenkel (Femur). Mit diesem Verhalten kann sie Feinde verletzen und in die Flucht schlagen. Bei Bedrohung kann diese Art auch Extremitäten abwerfen, meist Beine. Dazu sind sogenannte Sollbruchstellen zwischen Schenkel und Schenkelring vorhanden. Mit den nächsten Häutungen wächst ein Bein wieder nach, jedoch nicht mehr in der normalen Größe.

Da die Nymphen nach dem Schlupf wie Ameisen aussehen, werden sie von Fressfeinden, die schon mal Kontakt mit dieser Ameisenart hatten, in Ruhe gelassen.

Synonyme

Synonyme der Australischen Gespenstschrecke sind keine vorhanden, jedoch wurde die Unterart bis sie eine solche wurden unter einem anderen Synonym geführt.

Extatosoma tiaratum tiaratum

  • Extatosoma hopii, Gray, 1827

Haltung und Zucht

Männchen
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Männchen

Mensch und Insekt

Die Australische Gespenstschrecke ist eine der bekanntesten und beliebtesten Gespenstschrecken überhaupt. Seit fast 30 Jahren wird diese Art schon von Terrarianern erfolgreich gezüchtet und ist auch schon lange in Europa in Terrarien zu finden. Auch im Zoofachhandel wird diese Art oft angeboten. Dadurch, dass diese Art schon so lange gezüchtet wird, ist sie jedoch schon stark Inzuchtgeschädigt. Zu Beginn wurde sie noch von jedem als Anfängertier für Einsteiger empfohlen, in letzter Zeit wird jedoch oft davon abgeraten. Verschiedene Krankheiten plagen ganze Stämme, die am Ende eingehen. Doch es gibt auch Lichtblicke, einige Züchter bestellen schon Eier direkt vom Ursprungsort Australien. Dieser kann unseren europäischen Stamm auffrischen oder auch als eigener gezüchtet werden. Es wird daher geraten in seinen Stamm neue Tiere dazuzugeben, damit die Gespenstschrecken nicht zu Grunde gehen.

Haltung

Da die Australische Gespenstschrecke sehr viel Ruhe und Platz für die Häutung braucht, empfiehlt sich ein 60 Zentimeter hohes, hochkant gestelltes Aquarium, dass eine Seite aus Gaze besitzt. Stark Inzuchtgeschädigte Tiere sollten gar nicht mehr besprüht werden und trocken gehalten werden. Zimmertemperaturen von 20°C bis 23°C sind ideal, auch auf ein Leuchtmittel kann gänzlich verzichtet werden. Da diese Art einen hohen Futterumsatz hat, sollte immer genügend Futter im Behälter sein. Daneben können auch noch stabile Kletteräste eingebracht werden. Auch wenn viel Futter vorhanden ist, sollte noch genügend Platz sein, damit eine Häutung erfolgreich verläuft. Als Bodengrund reicht eigentlich Küchenpapier, da diese sehr vorteilhaft beim Kot entfernen und Eier absammeln ist. Es kann aber auch auf Erde oder Sand zurückgegriffen werden. Falls Erde verwendet wird, kann man Springschwänze (Collembola) auf den Boden setzen, da diese Kot, Pflanzenreste und Schimmel beseitigen. Mit dem Verwenden von heimischer Walderde trägt man in das Terrarium einen kleinen Mikrokosmos von Mikroorganismen und kleinen Gliederfüßern, die sich am Schadstoffabbau beteiligen. Allerdings muss man damit in Kauf nehmen, eventuell Parasiten mit in das Terrarium einzuschleppen. Um die Luftfeuchtigkeit besser zu speichern kann auch Moos ausgelegt werden.

Durch ihr relativ friedliches Verhalten könnten die Australischen Gespenstschrecken mit anderen Gespenstschrecken vergesellschaftet werden, jedoch nur bei ausreichend Platz. Durch ihre Größe fallen viele Arten weg, da diese ansonsten unbeabsichtigt verletzt werden könnten. Eine Art die zur Vergesellschaftung möglich wäre, ist die Riesengespenstschrecke (Heteropteryx dilatata).

Zucht

Falls keine Männchen vorhanden sind, können sich die Weibchen parthenogenetisch (Jungfernzeugung) fortpflanzen. Aus diesen Eiern schlüpfen weniger Tiere und auch nur Weibchen. Falls diese Fortpflanzung weitergeführt wird, kann der gesamte Stamm zusammenbrechen. Falls Männchen vorhanden sind, steigt dieses auf das Weibchen und paart sich. Meist geschieht dies in der Nacht. Nach etwa 3 Wochen legt das Weibchen die ersten Eier. dazu schleudert sie diese einfach zu Boden. Bei einer Inkubation bei Zimmertemperatur schlüpfen nach etwa 6 Monaten die ersten Jungtiere.

Beim Schlupf weisen die Nymphen eine Größe von zirka 10 Millimetern auf. Entweder sie werden im selben Behälter wie die Imagines aufgezogen oder sie werden in eine kleine Faunabox separiert. Zu Beginn laufen diese noch hektisch durch den ganzen Behälter, erst nach ein paar Tagen beginnen sie mit der Nahrungsaufnahme. Mit jeder Häutung wachsen die Nymphen und färben sich ein wenig um. Schon nach der ersten Häutung kann das Geschlecht bestimmt werden, da die Weibchen das Abdomen über dem Rücken halten. Während Männchen immer schmäler und stabförmiger werden, werden Weibchen mit jeder Häutung größer und fülliger. Im subadulten Stadium weisen beide Geschlechter Flügel auf, mit denen sie nicht fliegen können. Nach der Imaginalhäutung haben Männchen aber vollausgebildete Flügel und sind flugfähig. Bei den Weibchen bleiben es Stummelflügel. Männchen benötigen zirka fünf Häutungen und leben dann weitere 3 bis 5 Monate. Weibchen brauchen sechs Häutungen und leben anschließend noch bis zu einem Jahr.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Brock, P. D.: Rearing and studying stick and leaf insects, 2003
  • Seiler, Christoph: Phasmiden zu Hause. bede Verlag, 2007 ISBN 3898601420
  • Drewes, Oliver: Terrarientiere von A bis Z. Gräfe & Unzer, 2004 ISBN 3774263167

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