Australische Rohrdommel

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Australische Rohrdommel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Stelz- und Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Reiher (Ardeidae)
Unterfamilie: Dommeln (Botaurinae)
Gattung: Rohrdommeln (Botaurus)
Art: Australische Rohrdommel
Wissenschaftlicher Name
Botaurus poiciloptilus
(Wagler, 1827)

IUCN-Status
Endangered (EN)

Die Australische Rohrdommel (Botaurus poiciloptilus) zählt innerhalb der Familie der Reiher (Ardeidae) zur Gattung der Rohrdommeln (Botaurus). Im Englischen wird die Australische Rohrdommel australasian bittern genannt. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Australische Rohrdommel erreicht eine Körperlänge von etwa 66,0 bis 71,0 Zentimeter. Das Gewicht des Männchens beträgt etwa 1.400 Gramm. Insgesamt weist die Australische Rohrdommel einen kompakten Körperbau auf. Aufgrund der braunen Gefiederfärbung ist die Australische Rohrdommel gut dem Lebensraum angepaßt. Des Weiteren ist der Rücken gefleckt und die Kehle sowie die Brust dunkelbraun gestreift. Das Kinn ist von einer weißen Färbung und unterhalb der Kehle erstrecken sich mehrere, zum Teil unterbrochene dunkelbraune Streifen bis hin zur Unterseite. Der Schnabel ist strohgelb bis gelbbraun gefärbt, jedoch ist der Bereich des Oberschnabels von der Schnabelspitze bis zum Federansatz (Culmen) grau getönt. Die Beine sind hellgrün bis olivgrün geschönt. Das Weibchen ist wesentlicher leichter (900,0 Gramm) als das Männchen. Das Gefieder der Jugendlichen ist im Gegensatz zum Gefieder der Erwachsenen blasser gefärbt und weist gelbbraune Tüpfelungen auf dem Rücken auf. Die Zügel im Gesicht erscheinen ziemlich blass oder sind von einer erbsgrünen Färbung oder in der Brutzeit, insbesondere beim Männchen, blaugrau gefärbt. Während der Brutzeit gibt einen ausgeprägten lauten dröhnenden Ruf, der aber auch in der Balz erklingt und auch zur Verteidigung des Territoriums dient.

Lebensweise

Australische Rohrdommel
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Australische Rohrdommel

Laut der Roten Liste der IUCN bevorzugt die Rohrdommel seichte, rekultivierte Süßwasserseen oder brackige Sümpfe, wo eine Mischung von kurzen und hohen Seggen und Binsen wachsen. Gelegentlich hält sich die Rohrdommel auch auf Reisfeldern im Murray-Darling-Becken auf. Im Allgemeinen besiedelt die Rohrdommel Feuchtgebiete wie Moore, Sümpfe sowie Torf-Moor-Landschaften und intertidale Salzwiesen mit hochwachsenden Gräsern. Jedoch brütet die Art kaum in diesen Lebensräumen. In der Regel legt das Weibchen vier Eier. Die Australische Rohrdommel geht meist in der Nacht auf Nahrungssuche. Zum Nahrungsspektrum zählen unter anderem Aale, Frösche, Krebstiere und Wasserinsekten.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN bewohnt die Australische Rohrdommel die Feuchtgebiete im Süden Australiens. Des Weiteren kommt sie noch in Neuselland und in Neukaledonien (Frankreich) vor. In Australien schätzt man die Population jetzt nicht mehr als 1.000 geschlechtsreife Individuen. Die fortlaufende Zählung in Australien zeigt eine deutliche Abnahme dieser Art. In den Jahren von 1977 bis 1981 wurde die Art in 260 10-Minuten-Planquadrate aufgenommen, in den Jahren von 1998 bis 2003 in 142 Planquadraten und in den Jahren von 2003 bis 2008 nur noch in 61 Planquadraten. Die rückläufige Berichterstattung lag vor allem in Riverina (63%), in Tasmanien (> 90%) und im Südwesten Australiens (> 90%). In Australien halten sich die meisten Vögel im Murray-Darling-Becken und in den angrenzenden Küstengebieten auf. Im Jahr 1980 wurde die Population in West-Australien bis zu 100 Paare geschätzt. In den Jahren 2007 und 2008 wurde die größte Konzentration in den Feuchtgebieten von West-Australien festgestellt. Jetzt gibt es gelegentlich nur noch Datensätze aus Queensland und es scheint kein weiterer Zustrom nach der jünsten Dürre in die restlichen Feuchtgebiete stattgefunden zu haben. Einige Brutplätze befinden sich im Südosten Australiens und zu einem großen Verlust geeigneter Lebensräume kam es bei Bool Lagoon, wohl auch der wichtigste Ort in Australien für diese Art.
Bool Lagoon, south of Naracoorte in South Australia
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Bool Lagoon, south of Naracoorte in South Australia
In den letzten 10 bis 20 Jahren nahm der Rückgang aufgrund von Veränderungen in den Feuchtgebieten durch regionale Drainagen stetig zu. Jetzt halten sich die Vögel nur noch im Hirds-Sumpf in Victoria auf. In Tasmanien hält sich die Art nur noch an wenigen Standorten und an mehreren großen Seen auf. In Neuseeland schätzte man die Population im Jahr 1980 zwischen 580 und 725 Individuen. In Neukaledonien und Uvea gab es nur zwei aktuelle Aufzeichnungen über einzelne Männchen und man schätzt etwa 50 Individuen.

Ernährung

Neben Insekten und Amphibien werden von der Australischen Rohrdommel auch Krebstiere, kleinere Säuger und Reptilien sowie kleinere Fische gefressen. Die Australische Rohrdommel ist eine Pirschjägerin, seltener auch eine Ansitzjägerin. Sie watet meist durch Flachwasser und stößt bei potentieller Beute schnell mit ihrem kräftigen Schnabel zu. In dichter Ufervegetation ist sie aufgrund ihrer Färbung sehr gut getarnt und wird von Beutetieren meist erst erkannt, wenn es zu spät ist. Beutetiere werden durch Zerdrücken mit dem Schnabel und Schütteln getötet. Beute wird grundsätzlich im Ganzen verschlungen.

Fortpflanzung

Geschlechtsreif ist die Australische Rohrdommel mit rund einem Jahr. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten im Mai und kann sich bis in den Juni hinein erstrecken. Während der Paarungszeit sind insbesondere die Männchen sehr territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen vehement. Australische Rohrdommeln leben wahrscheinlich in saisonaler Einehe. Einen geeigneten Nistplatz wählt das Weibchen selbst aus. Meist befinden sich die Nester in dichter Ufer- oder Schilfvegetation am Boden, gelegentlich auch freischwimmend auf dem Wasser in unmittelbarer Nähe zum Ufer. Auch am Nestbau ist nur das Weibchen beteiligt. Das Nest besteht hauptsächlich aus Pflanzenteilen wie Schilfblätter und ähnlichem. Nach erfolgreicher Kopulation legt das Weibchen etwa vier Eier in das fertig gestellte Nest. Die Brutzeit erstreckt sich über 26 bis 27 Tage.
Murray River bei Boundary Bend
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Murray River bei Boundary Bend
Das Männchen ist weder am Brutgeschäft noch an der Aufzucht der Jungen beteiligt. Die Küken haben anfangs ein braunes bis rostrotes Dunenkleid. Nach bereits zwei Wochen verlassen die Jungvögel ihr Nest und halten sich im folgenden in der Nähe des Nestes verborgen. Nach Verlassen des Nestes bleiben die Jungvögel noch rund vier bis sechs Wochen bei der Mutter. Danach sind sie flügge.

Bedrohung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN ist diese Art als stark gefährdet eingestuft, weil sie eine sehr kleine Population und einen schnellen Rückgang aufweist, infolge Verlust und Zerstörung ihrer Feuchtbiotope. Dringender Handlungsbedarf ist eine Priorität, um den schnellen Rückgang in Australien aufzuhalten. Hauptursachen, die zum extremen Rückgang der Art führen, sind in Australien und Neuseeland die Entwässerung für die Landwirtschaft sowie die Überweidung und die Versalzung der Sümpfe in den Feuchtgebieten. In Australien scheint die Art in der Lage zu sein, sich den ephemeren (vergänglichen) Feuchtgebieten anzupassen. Insbesondere reagiert die Art empfindlich auf die ausgetrockneten Rückzugsgebiete. Der Verlust dieser Lebensräume mag den Niedergang der Australischen Rohrdommel in West- und Süd-Australien erheblich dazu beigetragen haben. Das Murray-Darling-Becken, ehemals eine Hochburg dieser Art, hat infolge der Dürre in den letzten Jahren schwer gelitten. Des Weiteren ist die Übernutzung des Wassers ein ständiges Problem. Weitere mitwirkende Ursachen für den Rückgang sind der Abschuss und das Fliegen in Stromleitungen, jedoch ist der Jagddruck sehr niedrig. In Australien werden die Naturschutzgebiete rund um Bool Lagoon und Lake Muir speziell für diese Art verwaltet. Um die Art vor dem Aussterben zu bewahren, sind folgende Maßnahmen zwingend notwendig: Es sollte eine komplette Feldstudie zur Ermittlung der aktuellen Verbreitung, Status und wichtige Orte für den Naturschutz durchgeführt werden. Des Weiteren sollten effektivere Methoden zur Bewertung der Populations-Entwicklung eingeführt werden. Auch die verbleibenden Standorte sollten gegen Drainage oder Versalzung unbedingt geschützt und die ehemaligen Brutplätze rehabilitiert werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X

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