Australischer Riesenlippfisch

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Australischer Riesenlippfisch
Weibchen

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Stachelflosser (Acanthopterygii)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Lippfischartige (Labroidei)
Familie: Lippfische (Labridae)
Gattung: Riesenlippfische (Achoerodus)
Art: Australischer Riesenlippfisch
Wissenschaftlicher Name
Achoerodus viridis
(Steindachner, 1866)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Australische Riesenlippfisch (Achoerodus viridis), auch unter den Synonymen Heterochoerops viridis, Platychoerops badius und Trochocopus unicolor bekannt, zählt innerhalb der Familie der Lippfische (Labridae) zur Gattung der Riesenlippfische (Achoerodus). Im Englischen wird der Australische Riesenlippfisch brown groper, eastern blue groper, eastern blue wrasse, giant pig fish oder red groper genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Australische Riesenlippfisch kann eine Körperlänge von etwa 1,2 Metern und ein Gewicht von etwa 22,0 Kilogramm erreichen, obwohl Australische Riesenlippfische über 15,0 Kilogramm recht selten sind. Die westliche Art Achoerodus gouldii erreicht eine Körperlänge von etwa 1,6 Metern und ein Gewicht von etwa 40,0 Kilogramm. Bei dem Australischen Riesenlippfisch sind die Seiten des Kopfes und der vertikalen Flossen beschuppt. Der Vordeckel ist gezähnt und die Seitenlinie ist nicht unterbrochen. Des Weiteren erscheinen die Wangen erscheinen nicht erhöht. Der Durchmessser der runden Augen gleicht 1/3 der Kopflänge. Die Länge der Schnauze steht der des Auges nur unbedeutend nach. Die Stirnbreite erreicht nicht ganz eine Augenlänge. Die Kieferzähne jeder Seite sind in eine Lamelle von grüner Färbung verschmolzen, nur die Zahnspitzen ragen frei hervor. Vor den Lamellen liegen im Zwischen- und Unterkiefer vorn vier Hundszähnchen. Der ziemlich starke Hundszahn am hinteren Ende des Zwischenkiefers ist stumpf. Nur die Oberseite des Kopfes samt den Kiefern und dem Präoculare sind schuppenlos. Die zahlreichen Schuppen auf den Wangen sind sehr klein. Der hintere Rand des Vordeckels ist gezähnt und der Kiemendeckel ist in einem häutigen Lappen eingebettet und verlängert. Die Dorsale enthält 11 Stacheln, von denen der erste etwas länger als das Auge ist. Der vierte höchste Stachel erreicht eine halbe Kopflänge, die darauffolgenden vier Stacheln nehmen stufenförmig an Höhe ab, die drei letzten etwas an Höhe zu. Die größte Höhe der Gliederstrahlen der Dorsale kommt der des vierten Stachels nahezu gleich. <1>

Von den Analstrahlen ist der zweite am längsten. Die Kaudale ist kürzer als der Kopf und am hinteren Rande fast senkrecht abgestutzt. Die Seitenlinie durchbohrt 42 Schuppen und läuft fast parallel mit der Profillinie des Rückens, welche am Nacken stärker gebogen ist als längs der Basis der Dorsale. Die einfachen Kanäle der Seitenlinie krümmen sich auf jeder Schuppe bogenförmig nach oben und hinten. Etwa 12 Schuppen liegen zwischen der Rasis des ersten Analstachels und der Seitenlinie, etwa 8 Schuppen befinden sich zwischen letzterer und der Basis des ersten Dorsalstachels in einer Querreihe.
Australischer Riesenlippfisch - Männchen
vergrößern
Australischer Riesenlippfisch - Männchen
Dorsale, Anale und Kaudale sind weit hinauf mit kleinen Schuppen bedeckt, nur an der Basis der ersteren Dorsalstacheln ziehen sie sich nicht weit über die Basis fort. Die Oberseite des Kopfes und der Nacken sind schmutzig blauviolett. Die Seiten des Kopfes und des Rumpfes sind hellgrün, der schuppenlose Teil der vertikalen Flossen ist dunkel blaugrün. Ein schmaler, bräunlicher Strich liegt an der Basis der Pectorale. Der hell bläulichgrüne untere Schlundknochen zeigt eine sehmale Querplatte und einen kurzen, hohen Stiel. Auf der Vorder- und Oberseite der Platte liegen fünf Reihen kleiner konischer Zähnchen mit abgerundeten Spitzen. Die Zähnchen der drei hinteren Reihen, welche die Oberseite des Schlundknochens einnehmen, sind stark abgeschliffen und bilden von oben gesehen, fast durchgängig nur eine einzige breite Zahnreihe. Der Stiel des unteren Schlundknochens trägt drei Reihen längerer, stärker zugespitzter und isolieter Zähnchen. <2>

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN halten sich die Erwachsenen am häufigsten an felsigen Riffen einschließlich an offenen Küsten- und Offshore-Riffen auf. Die Jugendlichen mit einer Körperlänge von etwa 20,0 Zentimetern sind am häufigsten in Flussmündungen und an Küsten-Riffen anzutreffen. Die Larven sind eher auf Seegraswiesen zu finden. Die frühen Jugendlichen, die sich auf den Seegraswiesen aufhalten ernähren sich überwiegend von Krebstieren. Die Erwachsenen, die sich an felsigen Riffen aufhalten, ernähren sich von Krabben, Muscheln und von Stachelhäutern. Der Australische Riesenlippfisch ist ein protogyner Zwitter, d. h. dass das Weibchen sich in ein Männchen umwandeln kann.
Australischer Riesenlippfisch - Männchen eskortiert von jungen weißen Stachelmakrelen
vergrößern
Australischer Riesenlippfisch - Männchen eskortiert von jungen weißen Stachelmakrelen
Die Geschlechtsreife erreicht der Australische Riesenlippfisch mit etwa zwei oder drei Jahren bei einer Gesamtlänge von etwa 295,0 bis 300,0 Millimetern. Die Balz- und Paarungszeit können im Winter, im Frühling oder von Juli bis September erfolgen. Es sind nur wenige Informationen über die altersgerechte Demografie vorhanden. Das maximale Alter beträgt schätzungsweise 30 bis 35 Jahre bei einer Gesamtlänge von etwa 725,0 Millimeter.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Australische Riesenlippfisch endemisch, d. h. er kommt nur in Australien vor bzw. lebt östlich im Indischen Ozean, südwestlich im Pazifik und westzentral im Pazifik. Er hält sich in felsigen Riffen vor Südost-Australien auf. Der Umfang des Auftretens ist geringer als 64.000 Quadratkilometer und erstreckt sich von Caloundra im Süden von Queensland bis Wilsons-Promontory-Nationalpark im Süden von Victoria einschließlich östlich der Bass-Straße (Meerenge, die Tasmanien vom Süden Festlands-Australiens trennt). Am häufigsten ist die erwachsene Population an Küsten- und Offshore-Riffen zu finden. In einer umfangreichen Studie der Populationen im zentralen New South Wales ergab eine maximale Körperlänge von etwa 100,0 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 18,0 Kilogramm.

Ernährung

Australischer Riesenlippfisch - Männchen
vergrößern
Australischer Riesenlippfisch - Männchen

Zur bevorzugten Nahrung des Australischen Riesenlippfischs zählen wirbellose Tiere wie zum Beispiel Seewalzen (Holothuroidea), Krabben (Brachyura), Muscheln (Bivalvia) und Seesterne (Asteroidea). Mit seinen kräftigen Zähnen kann er selbst Muschelschalen knacken. Hin und wieder ergänzen kleinere Fische (Pisces) den Speiseplan. Auf Nahrungssuche geht der Australische Riesenlippfisch im Riff ausschließlich am Tage.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Australische Riesenlippfisch mit etwa zwei oder drei Jahren bei einer Gesamtlänge von etwa 295,0 bis 300,0 Millimetern. Die Balz- und Paarungszeit können im Winter, im Frühling oder von Juli bis September erfolgen. Es sind nur wenige Informationen über die altersgerechte Demografie vorhanden. Der Australische Riesenlippfisch ist in der Lage, sein Geschlecht mit einsetzender Geschlechtsreife zu wechseln. Bis zur Geschlechtsreife weisen die meisten Lippfische ein weibliches Geschlecht auf. Wodurch die Geschlechtsumwandlung letztlich ausgelöst wird, ist noch nicht vollständig bekannt. Die Geschlechtsumwandlung wird anscheinend nur vollzogen, wenn es eine gewisse Notwendigkeit dazu gibt. Während der Paarungszeit kommt es zur Bildung von Haremsverbänden. Angeführt wird ein Harem von einem Sekundärmännchen oder einem Primärmännchen. Als Sekundärmännchen bezeichnet man ein Männchen, dass eine Geschlechtsumwandlung vom Weibchen zum Männchen vollzogen hat. Der Australische Riesenlippfisch ist ein Freilaicher. Männchen und Weibchen geben Eier und Samen ins freie Wasser ab. Eine Brutpflege wird nicht betrieben. Das Ablaichen erfolgt für gewöhnlich nahe der Wasseroberfläche und erfolgt in größeren Gruppen. Die Larven halten sich vorwiegend auf Seegraswiesen auf. Haben sie eine Körperlänge von etwa 20,0 Zentimetern dann suchen sie als Jugendliche häufig die Flussmündungen und die Küsten-Riffe auf. Das maximale Alter beträgt schätzungsweise 30 bis 35 Jahre bei einer Gesamtlänge von etwa 725,0 Millimeter.

Gefährdung und Schutz

Die Ergebnisse des illegalen Speerfischens im Naturschutzgebiet: Girella tricuspidata, Achoerodus viridis und Aplodactylus lophodon. Fairy Bower Beach, Manly, New South Wales.
vergrößern
Die Ergebnisse des illegalen Speerfischens im Naturschutzgebiet: Girella tricuspidata, Achoerodus viridis und Aplodactylus lophodon. Fairy Bower Beach, Manly, New South Wales.

Laut der Roten Liste der IUCN ist diese Art ein großer langlebiger Lippfisch und ist in einigen Meeresschutzgebieten in einem relativ begrenzten Bereich im Südosten Australiens geschützt. Der Schutz in den südlichen Teilen des Verbreitungsgebietes ist inkonsistent und diese Spezies ist immer noch extrem anfällig für das Speerfischen. Einen extremen Rückgang erlitt die Art in der Vergangenheit (schätzungsweise bis zu 50 Prozent) aufgrund von Speerfischen. In den frühen 1970er Jahren wurde ein Verbot für Speerfischen und für kommerziellen Fischfang ausgesprochen und der extreme Rückgang wurde somit erst einmal gestoppt. Seitdem gibt es keinen weiteren Rückgang der Population und die Population ist seitdem auch ziemlich stabil geblieben angesichts des aktuellen Verbotes für Speerfischen und kommerziellen Fischfang. Trotzdem wird die Art noch in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie als gering gefährdet gelistet. Denn, wenn das Speerfischen-Verbot aufgehoben wird, würde die Art wahrscheinlich wieder einen extremen Rückgang erleiden.

Obwohl der Australische Riesenlippfisch das Emblem des Bundesstaates New South Wales darstellt, ist diese Art nicht völlig geschützt. Der Australische Riesenlippfisch ist nur vor dem Speerfischen und vor dem kommerziellen Verkauf geschützt. Im Jahr 1974 wurden Angeln und kommerzieller Fischfang wieder erlaubt, aber das Speerfischen war noch immer verboten. Im Jahr 1975 führten große Fänge mit Tiefsee-Kiemennetzen von kommerziellen Fischereien zu einem Verbot. Alle Australischen Riesenlippfische wurden im Jahr 1980 im kommerziellen Fischverkauf verboten. Angeln ist immer noch erlaubt, jedoch ist eine Größenbeschränkung von mindestens 30,0 Zentimetern vorgeschrieben. Wenn das Speerfischen-Verbot aufgehoben wird, würde die Art sehr schnell in New South Wales einen extremen Rückgang erleiden. Es wird vermutet, dass der Australische Riesenlippfisch kleiner ist und vielleicht kürzer lebt als die Art Achoerodus gouldii, aber es gibt noch keine verläßlichen Informationen über die größten und ältesten Exemplare der Population. Des Weiteren hat die Fischerei in New South Wales keine demografischen Daten dieser Art.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] [2] Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, Band 53, Teil 1 von der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse. Jahrgang 1866. Aus der K. K. Hof- und Staatsdruckerei Wien.
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge