Australtölpel

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Australtölpel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Tölpel (Sulidae)
Gattung: Morus
Art: Australtölpel
Wissenschaftlicher Name
Morus serrator
Gray, 1843

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Australtölpel (Morus serrator), der auch Australischer Tölpel genannt wird, gehört innerhalb der Familie der Tölpel (Sulidae) zur Gattung Morus. Im Englischen wird der Australtölpel Australian Gannet oder Takapu genannt. Gelegentlich wird der Australtölpel auch als Sula serrator geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Australtölpel erreicht eine Körperlänge von 85 bis 95 Zentimeter, eine Flügelspannweite von bis zu 185 Zentimeter sowie ein Gewicht von 2.000 bis 2.400 Gramm. Die Geschlechter ähneln sich sehr stark, ein Geschlechtsdimorphismus zeigt sich allenfalls in der Größe. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Der Kopf ist markant hellgelb gefärbt. Ansonsten ist das Gefieder bis auf die schwarzen Flügelspitzen und die schwarze Schwanzspitze rein weiß gefärbt. Die Oberseite des Kopfes ist markant gelblich gefärbt. Der Schnabel und der Augenbereich ist mit einer feinen schwarzen Linien umrandet. Der kräftige und spitz zulaufende Schnabel ist hell blaugrau gefärbt. Die Extremitäten und die Füße mit den Schwimmhäuten weisen eine schwärzliche Färbung auf. Jungvögel sind im ersten Lebensjahr überwiegend schwarzbraun gefärbt. Erst im fünften oder sechsten Lebensjahr stellt sich die adulte Befiederung ein.

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Australtölpel

Lebensweise

Australtölpel sind ausgezeichnete und elegante Flieger. Ihr Flug ist aufgrund langer Gleitphasen extrem energiesparend. Als reiner Hochseevogel leben die Vögel fast ausschließlich auf hoher See. Nur zur Paarungszeit kommen sie an die Küsten ihrer Brutgebiete. Markant ist die Art und Weise wie Australtölpel zur Nahrungssuche ins Wasser eintauchen. Mit hoher Geschwindigkeit bis zu 160 km/h und angelegten und angewinkelten Flügeln tauchen sie kopfüber ins Wasser. Dabei können sie Tauchtiefen von bis zu 25 Meter erreichen. Unter Wasser setzen sie ihre Füße und die Flügel als Vortriebsorgane ein. Tauchzeiten von 10 Sekunden oder mehr sind dabei keine Seltenheit. Australtölpel sind durchaus gesellig. Außerhalb der Paarungszeit leben sie in Gruppen von einigen Dutzend bis zu 100 Vögeln. An Land brüten sie in größeren Kolonien.

Unterarten

Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet der Australtölpel erstreckt sich über Australien, Tasmanien und Neuseeland. Als Vagabund sind sie aber auch in Brasilien, Argentinien, Namibia, Südafrika, Ozeanien und Neukaledonien gesichtet worden.
Australtölpel
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In Australien werden die Lord Howe Island, die Macquarie Island, die Norfolk Island und Tasmanien besiedelt, auf dem Festland sind die Vögel an den Küsten von New South Wales, Queensland, South Australia, Victoria und Western Australia anzutreffen. Die Brutgebiete liegen an felsigen Küsten des Festlandes oder auf der Küste vorgelagerten Inseln. Hier brüten Australtölpel in mittelgroßen bis großen Kolonien. Die Nester befinden sich dabei sehr dicht beieinander. Die größten Kolonien liegen auf Neuseeland. Hier brüten rund 80 Prozent aller Brutpaare. Außerhalb der Paarungszeit leben Australtölpel ausschließlich auf Hoher See.

Ernährung

Australtölpel ernähren sich als Fleischfresser fast ausschließlich von Fischen (Actinopterygii). Bevorzugte werden beispielsweise Sardinen (Sardina pilchardus), Sardellen (Engraulidae) und Makrelen (Scomber scombrus). Die Nahrungssuche erfolgt im Bereich des Kontinentalsockeln auf hoher See. Beutetiere werden tauchend gefangen. Unter Wasser gelangen sie durch einen Sturzflug mit angelegten Flügeln. In der Regel starten sie ihren Sturzflug aus einer Höhe von gut 10 Metern. Unter Wasser setzten sie ihre Füße und Flügel als Antriebsorgan ein. Fische werden mit dem Schnabel gegriffen und meist schon unter Wasser geschluckt.

Fortpflanzung

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Australtölpel erreichen die Geschlechtsreife erst sehr spät mit sechs bis sieben Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich in Australien und auf Neuseeland von Oktober bis Dezember. Gebrütet wird in Kolonien, die im Bereich felsiger Küsten angesiedelt sind. In der Regel werden dabei Inseln als Brutgebiet bevorzugt. Auf dem Festland sind Kolonien nur selten angesiedelt. Männchen treffen vor den Weibchen in den Brutgebieten ein und besetzten innerhalb einer Kolonie ein kleines Revier. Nachdem die Weibchen eingetroffen sind, beginnt eine ausgiebige Balz, die durch Tänze und Darreichen von Nistmaterial geprägt sind. Die Geschlechter führen eine monogame Einehe. Die Balz stärkt den Zusammenhalt der Ehe, die meist ein Leben lang hält. Die Nester werden in Klippen und Felsvorsprüngen angelegt und mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Das Nistmaterial wird vom Männchen herangeschafft und vom Weibchen verbaut. Aus Baumaterial dienen meist Tang und andere Pflanzen. Als Bindemittel dient der Kot der Vögel. In das fertige Nest legt das Weibchen ein einzelnes Ei, das ein Gewicht von rund 100 Gramm aufweist. Beide Geschlechter teilen sich das Wärmen des Eies über einen Zeitraum von 42 bis 44 Tagen. Das Ei befindet sich dabei auf den Füßen der Vögel. Das geschlüpfte Küken ist beim Schlupf noch nackt und blind. Um die Versorgung des Nachwuchses mit Nahrung kümmern sich beide Elternteile. Die Nestlingszeit erstreckt sich über etwa 95 bis 100 Tage. Die Lebenserwartung liegt bei 25 bis 35 Jahre.

Gefährdung und Schutz

Das Verbreitungsgebiet ist relativ klein erstreckt sich über kaum 100.000 Quadratkilometer. Man schätzt den Gesamtbestand der Australtölpel auf etwa 110.000 Individuen (del Hoyo et al. 1992). Die Bestände scheinen gesichert, da Australtölpel vorzugsweise auf unzugänglichen Inselchen brüten. Hier sind die vor dem Menschen und vor den meisten Fleischfressern in Sicherheit. In der Roten Liste der IUCN wird der Australtölpel als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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