Avicularia versicolor

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Avicularia versicolor
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Aviculariinae
Gattung: Avicularia
Art: Avicularia versicolor
Wissenschaftlicher Name
Avicularia versicolor
Walckenaer, 1837

Verbreitungsgebiet
Martinique

Die Vogelspinne Avicularia versicolor (Avicularia versicolor), ehemaliger wissenschaftlicher Name Aranea hirtipes, zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Avicularia. Sie ist auch unter dem Trivialnamen Martinique-Baumvogelspinne bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Gefährdung und Schutz

Die Spinnenart wird durch einen Aufsichtserlass der Umweltdirektion (DIREN = Direction de L’Environnement) und des Nationalen Amtes für Jagd und Wildlebende Fauna (ONCFS = Office National de la Chasse et de la Faune Sauvage) von Martinique lokal geschützt und steht auf der Insel Martinique seit 1995 unter strengem Schutz. Die Gefangennahme und der Besitz sowie die Ausfuhr dieser Spinnenart ist auf der Insel Martinique strikt verboten. Trotz der strengen Schutzmaßnahmen wird diese Spinnenart immer noch illegal ausgeführt und auf Tierbörsen und Amateurmärkten skrupellos je nach Grösse und Alter der Vogelspinne für einen Preis zwischen 60,- Euro und 200,- Euro gehandelt. Aufgrund dessen ist die Population der faszinierenden Vogelspinne Avicularia versicolor stark zurückgegangen.

Vor allem stellen die verschmutzten Biotope, die für die Vogelspinne ein lebensfähiges und dauerhaftes Ökosystem sind, ein Problem dar. Hinzu kommt, dass der Lebensraum dieser Art von Tag zu Tag durch Zerstörung und Zerstückelung schwindet und nicht zu vergessen, die Anzahl der Touristen, die in den Jahren stetig gestiegen ist. Die Vogelspinnen sind ein wichtiger Faktor für die Umwelt auf der Insel Martinique. Ohne diese Vogelspinnen würde das Gleichtgewicht des Ökosystems außer Kontrolle geraten. Denn gerade die Vogelspinnen verhindern das übermässige Ansteigen der Insekten oder anderer Tiere, die eben auch zur Ernährung der Spinne beitragen. Folglich haben die Vogelspinnen eine wichtige Funktion in der Umwelt und letztendlich im gesamten Ökosystem.

Leider werden diese Spinnenart sowie andere Spinnenarten auf der Insel Martinique nicht auf internationaler Ebene (C.I.T.E.S. = Convention on the International Trade in Endangered Species) geschützt. Nur einige Vogelspinnen-Arten sind in der Liste im Anhang II unter Theraphosidae im Washingtoner Artenschutzübereinkommen erwähnt, und zwar: Aphonopelma albiceps, Aphonopelma pallidum, Brachypelma ssp. und Brachypelmides klaasi.

Beschreibung

Körperbau einer Spinne
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Körperbau einer Spinne

Zwei Vogelspinnen-Arten sind auf Martinique bekannt: Die lokal geschützte Art Avicularia versicolor und die andere nicht geschützte Art Acanthoscurria antillensis. Der folgende Artikel befaßt sich nun eingehender mit der geschützten Art Avicularia versicolor:

Die schlanke Vogelspinne Avicularia versicolor ist eine der schönsten Spinnen ihrer Gattung. Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von fünf bis sieben Zentimeter und ist somit größer als das Männchen. Die Körperlänge beim Männchen beträgt drei bis fünf Zentimeter. Die Spannweite der Vogelspinne Avicularia versicolor liegt etwa bei acht bis zwölf Zentimeter. Der Cephalothorax ist grün bis blau metallisch glitzernd, der Unterleib ist granatrot, die Beine sind kastanienbraun gefärbt und mit rötlichen dichten Haaren besetzt. Das Abdomen ist knallrot und weist eine kleine kahle Stelle auf. Ansonsten ist der gesamte Körper mit langen rosaroten Haaren bedeckt. Besonders am Tage irisieren die Farben der Haare besonders stark und die Vogelspinne erscheint dann in einer wunderschönen violetten Färbung. Männchen und Weibchen sind in der Färbung identisch.

Bei ausgewachsenen männlichen Tieren befinden sich an den Tasternenden die Bulbi. Spiderlinge und Weibchen benutzen die Taster als fünftes Laufbeinpaar. Die Tarsen weisen eine bläuliche bis rosafarbene Färbung auf. Des weiteren besitzt die Vogelspinne sehr kräftige Haftpolster an Tarsus und Metatarsus. Die meisten männlichen adulten Vogelspinnen besitzen an den vorderen Laufbeinen am dritten Glied (Tibia) auch Schienbeinhaken, die sogenannten Tibiaapophysen. Diese Schienbeinhaken sind erst nach der letzten Reifehäutung der männlichen Vogelspinnen entwickelt. Eine Ausnahme macht das adulte Männchen der Vogelspinne Avicularia versicolor, es weist diese Schienbeinhaken nämlich nicht auf.

Bergwald im Norden von Martinique
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Bergwald im Norden von Martinique

Je nach Alter kommt es auch bei der Vogelspinne Avicularia versicolor zu Häutungen in unterschiedlichen Zeitabständen. Jungspinnen (Nymphen und Spiderlinge) häuten sich das erste Mal noch im Kokon und kurz vor dem Schlupf ein zweites Mal. Das ist die sogenannte Larvenhäutung. Später häuten sich die Spiderlinge, so werden die Jungspinnen ab der dritten Larvenhäutung genannt, alle zwei bis drei Wochen. Diese dritte Haut wird auch Fresshaut genannt, da die Jungspinnen nun selbständig Nahrung zu sich nehmen. Männliche Vogelspinnen häuten sich nur bis zur finalen Reifehäutung. Weibchen häuten sich auch nach der Geschlechtsreife ein- bis zweimal pro Jahr, wobei die Intervalle mit zunehmendem Alter immer länger werden.

Die Vogelspinne Avicularia versicolor ist eine friedliche und ruhige Spinne. Sie lebt zurückgezogen und ist standorttreu. Fühlt sie sich bedroht oder in die Enge getrieben, so kann sie auch aggressiv werden, indem sie beißt. In Ausnahmefällen wird der Gegner sogar mit einem flüssigen Strahl Kot oder mit den speziellen Brennhaaren bombardiert. Erwähnenswert ist auch, dass die Vogelspinne bis zu 30 Zentimeter weit springen kann. Mit zunehmenden Alter läßt aber dieses Springvermögen nach. Die Lebenserwartung der Vogelspinne Avicularia versicolor kann etwa 15 Jahre betragen, wobei das Männchen eine wesentlich kürzere Lebensdauer erreicht.

Bergwald Guadeloupe
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Bergwald Guadeloupe

Zu den Prädatoren der Vogelspinne gehören vor allem Vögel sowie die Wespen-Art Pepsis ruficornis und die Mangusten-Art Kleiner Mungo (Herpestes javanicus) sowie Schweine.

Verbreitung

Die Vogelspinne Avicularia versicolor kommt hauptsächlich auf der Insel im Norden von Martinique im feucht tropischen Bergwald in der Nähe von Le Prêcheur vor.

Die adulte Avicularia versicolor hält sich vorwiegend in den Bäumen auf, während die juvenile Avicularia versicolor aufgerollte Blätter bevorzugt. Es können mehrere Individuen ohne Probleme in den Bäumen nebeneinander leben und bauen dort auch ihre Trichternester, die sehr fest gewebt sind.

Die Nachttemperaturen variieren nach der Saison zwischen 18 Grad und 22 Grad Celsius und die Tagestemperaturen liegen bei 27 Grad bis 30 Grad Celsius. Diese Temperaturen sind für die Vogelspinne Avicularia versicolor äußerst optimal. Luftfeuchtigkeit bis 80 Prozent ist für die Vogelspinne ideal, sie kann aber auch eine Luftfeuchtigkeit bis 100 Prozent ertragen.

Ernährung

Die Vogelspinne Avicularia versicolor benötigt viel Licht und ist aus diesem Grunde nicht nur nachts, sondern sie ist auch am Tage aktiv, indem sie auf ihre Beute lauert. Ihre Nahrung setzt sich aus kleinen Eidechsen wie zum Beispiel Anolis roquet, aus Antillen-Pfeiffröschen (Eleutherodactylus), aus Grillen, aus Amerikanischen Schaben (Periplaneta americana), aus Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und aus kleinen Nagetieren zusammen. Sie ist eine ziemlich gefrässige Art.

Fortpflanzung

Avicularia versicolor (Avicularia versicolor) - Weibchen
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Avicularia versicolor (Avicularia versicolor) - Weibchen

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft die Vogelspinne Avicularia versicolor mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Denn die Reproduktionsphase findet im Monat März statt. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale), werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Im positiven Fall erwiedert das Weibchen das Trommeln und die potentiellen Partner kommen sich Schritt für Schritt näher. Ist das Weibchen unentschlossen und nicht zur Kopulation bereit, so kann es passieren, dass sie das Männchen - wenn sie hungrig ist - verschlingt. Das Nest wird entweder in einer Baumspalte oder in einem Hohlraum eines Baumstammes in ausreichender Höhe errichtet. Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Kokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie etwa 50 Eier im natürlichen Lebensraum (schwacher Reproduktionssatz) in den Kokon ab.

Der mit Eiern gefüllte Kokon wird vom Weibchen bewacht und ab und an gedreht. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Spannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Die Spiderlinge weisen eine schimmernde glänzende metallisch blaue Grundfärbung mit weiss gezacktem Hinterleib auf. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie die schützende Umgebung ihrer Mutter. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
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