Azurblauer Baumsteiger

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Azurblauer Baumsteiger

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Überfamilie: Echte Frösche und Verwandte (Diplasiocoela)
Familie: Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae)
Gattung: Baumsteiger (Dendrobates)
Art: Azurblauer Baumsteiger
Wissenschaftlicher Name
Dendrobates azureus
(Hoogmoed, 1969)

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Azurblaue Baumsteiger (Dendrobates azureus), auch unter den Bezeichnungen Blauer Baumsteiger, Blauer Färberfrosch oder Blauer Pfeilgiftfrosch bekannt, zählt innerhalb der Familie der Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae) zur Gattung der Baumsteigerfrösche (Dendrobates). Im Englischen wird der Azurblaue Baumsteiger blue poison dart frog genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Taxonomie

Nach neuen Untersuchungen wird diese Art als eine Farbvariante des Färberfrosches (Dendrobates tinctorius) angesehen und demnach nicht mehr, wie lange Zeit üblich, als eine eigene Art Dendrobates azureus behandelt.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Azurblaue Baumsteiger ist ein mittelgroßer Frosch, der etwa 8,0 Gramm wiegt. Die Körperlänge liegt zwischen 3,0 und 4,5 Zentimeter lang und hat eine typische Lebensdauer von 4 bis 6 Jahren in der Wildnis. Seine leuchtend blaue Haut dient als Warnung für die natürlichen Feinde. Seine Farbe ist auch in der Regel dunkler um die Gliedmaßen und den Bauch. Die Drüsen der giftigen Alkaloide in der Haut dienen als Abwehrmechanismus, um potenzielle Feinde abzuschrecken. Diese Gifte lähmen und töten manchmal die Angreifer. Die schwarzen Flecken sind einzigartig für jeden Frosch und dient als Identifikations-Merkmal. Jeder Fuß besteht aus vier Zehen, die jeweils eine abgeflachte Spitze mit einer Saugnapf-Scheibe zum Greifen benutzt werden. Diese Froschart ist auch an der buckligen Körperhaltung gut erkennbar. Das äußere Erscheinungsbild unterscheidet sich auch mit dem Geschlecht des Tieres. Die Weibchen sind größer und etwa einen halben Zentimeter länger als die Männchen, aber die Männchen haben größere Zehen. Die Spitzen der Zehen bei den Weibchen sind rund, während die Männchen herzförmige Spitzen aufweisen. Im Gegensatz zu den Erwachsenen haben die Kaulquappen ein sehr unterschiedliches Aussehen. Sie haben einen langen Schwanz, etwa 6,0 Millimeter lang, mit einer Gesamtlänge von etwa 10,0 Millimeter. Den Kaulquappen fehlen die Beine und statt der Lungen haben die Kaulquappen Kiemen.

Lebensweise

Die tagaktiven Frösche leben in kleinen gemischtgeschlechtlichen Gruppen terrestrisch und verbringen den Großteil des Tages hüpfend in kurzen Sprüngen. Sie sind sehr territorial und gegenüber ihren Artgenossen und anderen Froscharten aggressiv. Um Eindringlinge abzuwehren, nutzen sie eine Reihe von Rufen, Verfolgungsjagten und Ringen. Dies geschieht jedoch in der Regel innerhalb des gleichen Geschlechts. Über Hautdrüsen sondern sie ein giftiges Hautsekret ab. Dieses Gift schützt sie zum einen vor dem Befall von Bakterien und zum anderen vor Fressfeinden.
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Azurblauer Baumsteiger
Für den Menschen ist dieses Gift aber nur schwach giftig. Wegen der Abholzung der Regenwälder in ihrem kleinen Verbreitungsgebiet und des exzessiven Wildfangs für den Tierhandel sind diese Frösche mittlerweile selten geworden. Obwohl diese Art auch zu den Pfeilgiftfröschen zählt, wird das Gift selten für die Pfeilspitzen von Einheimischen genutzt. In der Realität wird nur das Gift der Arten aus der Gattung der Blattsteiger (Phyllobates) verwendet, obwohl alle Pfeilgiftfrösche ein gewisses Maß an Toxizität haben. In Gefangenschaft verlieren die Frösche ihre Toxizität als Folge der veränderten Ernährung.

Verbreitung

Der Azurblaue Baumsteiger lebt in einem Kleinen Gebiet, in der Sipaliwini Savanne in Surinam. Dieses Gebiet liegt südlich und nördlich an der Grenze zu Brasilien und Französisch-Guyana. Er bewohnt den tropischen Regenwald in Höhen von bis zu 400 Meter über NN. Meist lebt er in Laubschichten am Boden, eher selten auch auf Bäumen, aber immer in der Nähe von Gewässern wie Teichen oder Tümpeln. Der Azurblaue Baumsteiger ist weithin als der Blaue Pfeilgiftfrosch und ist auch in der Indianischen Sprache Tirio als Okopipi bekannt. Seine Bezeichnung beruht auf der Tatsache, dass seine Farbe ein schönes Azurblau aufweist.

Ernährung

In erster Linie ernährt sich der Azurblaue Baumsteiger von Insekten (Insecta) wie Ameisen (Formicoidea), Käfer (Coleoptera), Fliegen (Brachycera), Termiten (Isoptera) und Larven. Gelegentlich werden auch Spinnentiere (Arachnida) nicht verschmäht. Die Kaulquappen ernähren sich von den unbefruchteten Eiern des Weibchens.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit zwei Jahren erreicht. Der Azurblaue Baumsteiger reproduziert saisonal. Die Paarungszeit beginnt in der Regenzeit, im Februar oder März. Um eine Partnerin zu finden, sitzen die Männchen auf Steine und produzieren leise Rufe, denen die Weibchen dann folgen. Das Weibchen legt zwischen fünf und zehn Eier in eine Bruthöhle. Nach erfolgter Ablage werden die Eier vom Männchen befruchtet. Die Kaulquappen schlüpfen nach etwa 14 Tagen. Die Eltern tragen sie dann aus der Bruthöhle in ein Kleinstgewässer, wo sie ihre Entwicklung zum Jungfrosch abschließen. Diese letzte Entwicklungsphase dauert zwischen 85 und 102 Tage. Die Jungfrösche messen nach der Metamorphose etwa 33,0 Millimeter. Die erwartete Lebensdauer liegt zwischen vier und sechs Jahren in der freien Wildbahn unter günstigen Lebensbedingungen und etwa zehn bis zwölf Jahre in der Gefangenschaft.

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Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN wird der Azurblaue Baumsteiger als gefährdet geführt, da sein Lebensraum stark fragmentiert ist und er auf einer Fläche von weniger als 20.000 Quadratkilometer vorkommt. Die größte Bedrohung ist der Lebensraumverlust durch die Landwirtschaft, durch selektiven Holzeinschlag und durch menschliche Besiedlung. Die derzeitige Höhe der Abnahme durch den internationalen Handel ist unbekannt. Aber es ist ein steter Rückgang dieser Art zu beobachten.

Weitere Synonyme

  • Rana tinctoria - Cuvier, 1797
  • Calamita tinctorius - Schneider, 1799,
  • Dendrobates tinctorius var daudini - Steindachner, 1864
  • Dendrobates machadoi - Bokermann, 1958
  • Dendrobates azureus - Hoogmoed, 1969

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

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