Azurcichlide

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Azurcichlide
Männchen

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Stachelflosser (Acanthopterygii)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Lippfischartige (Labroidei)
Familie: Buntbarsche (Cichlidae)
Gattung: Sciaenochromis
Art: Azurcichlide
Wissenschaftlicher Name
Sciaenochromis fryeri
Konings, 1993

Verbreitungsgebiet
Malawisee und Malombesee - Ostafrika

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Azurcichlide (Sciaenochromis fryeri) zählt innerhalb der Familie der Buntbarsche (Cichlidae) zur Gattung Sciaenochromis. Das Epitheton fryeri beruht auf Prof. Dr. Geoffrey Fryer, der als Naturforscher für die Organisation der Fischerei-Forschung in der Nkhata-Bucht am Malawisee in Ostafrika tätig war.

Fälschlicherweise wird der Azurcichlide als Sciaenochromis ahli im Handel angeboten. Sciaenochromis ahli ist aber der wissenschaftliche Name des Ahls Maulbrüters und weicht in der Färbung (unscheinbar sandfarben) deutlich ab. Der Azurcichlide wurde erstmals im Jahre 1970 in Deutschland eingeführt und ist wegen der blauen Färbung und seinem friedlichen Verhalten bei den Aquarianern sehr beliebt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Azurcichlide ist ein friedlicher ruhiger Frischwasserfisch und sehr schwimmfreudig. Der Körper weist eine schlanke Form mit kurzen Flossen auf. Je nach Standort-Population kann das Männchen eine Körperlänge von 10 bis 16 cm erreichen, während das Weibchen etwas kleiner wirkt und eine Körperlänge von 10 cm erreicht. Zwischen dem Weibchen und dem Männchen besteht ein deutlicher Sexualdichromatismus (Geschlechterzweifarbigkeit). Die Grundfarbe des Männchens ist ein tiefes Stahlblau, wobei das Weibchen eher schlichter mit ihrer silbrig gräulichen bis bräunlichen Färbung aussieht. Des Weiteren ist das Weibchen sehr scheu und hält sich das ganze Jahr über in Höhlen oder Felsspalten auf. Einige Stellen der Stirn sind etwas weißlich gefärbt. Beim Weibchen schimmert der Kopf leicht bläulich. Die Augen sind groß, die Iris weist eine schwarze Färbung auf und ist mit einem gelblichen Ring gesäumt. Der gesamte Körper ist mit Schuppen mittlerer Größe bedeckt.

Je nach Standort weisen die Populationen des Azurcichliden verschiedene Farbvariationen auf. So zeigen die Männchen der südlichen Populationen von Likoma (Likoma ist eine Binneninsel im Malawisee) die weißliche Blesse auf dem Nacken in einem früheren Stadium als die nördlichen Populationen von Maleri (Maleri ist ebenfalls eine Binneninsel im Malawisee). Des weiteren sind bei den nördlichen Populationen mehr gelbliche Pigmente zu sehen und bei den südlichen Populationen ist das spitze Ende der Analflosse vermehrt mit rötlichen oder gelb-orangefarbenen Pigmenten bedeckt. Die Intensität der blauen Färbung ändert sich je nach Stimmung des Männchens, das heißt, wenn das Männchen in Paarungsstimmung oder auf Beutefang ist. Neben den unterschiedlichen Farbvariationen weisen die beiden Standort-Populationen auch verschiedene Größen auf. Die nördlichen Populationen von Maleri erreichen eine Körperlänge von 10 bis 16 cm, während einige Exemplare der südlichen Populationen von Likoma eine Körperlänge von etwa 20 cm aufweisen können.

Verbreitung

Der Azurcichlide ist im gesamten Malawisee zu finden. Er lebt aber ziemlich zurückgezogen. Er hält sich gerne in Felsregionen auf, in denen er sich in Höhlen zurückziehen oder zwischen Felsspalten leben kann. Er bevorzugt sowohl Flachwasser als auch Tiefen zwischen zehn und vierzig Metern. Die Wassertemperatur schwankt zwischen 24 und 26°C und der ph-Wert beträgt 7.5 bis 8.5.

Ernährung

Der Azurcichlide ist ein Raubfisch, der andere kleinere Fische frisst, insbesondere Mbuna, die sich zwischen den Felsen aufhalten. Mbuna ist der Obergriff für mehrere Gattungen von Buntbarschen. Die pflanzenfressenden Mbuna sind zum größten Teil Felsenbewohner, die in den Uferregionen des Malawisees im Felslitoral heimisch sind (als litoral wird die Uferregion eines Flusses oder Sees bezeichnet). Alle nicht an das Felsbiotop gebundenen Gattungen werden als Utaka bezeichnet, zu ihnen gehört unter anderem auch der Malawiseebuntbarsch. Des weiteren ernährt sich der Azurcichlide auch von Copadichromis- und Protomelas-Arten.

Fortpflanzung

Azurcichlide (Männchen)
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Azurcichlide (Männchen)

Das Ablaichen ist alle zwei Monate während der warmen Monate vom Mai bis September und findet in typischer T-Stellung auf einem flachen Felsen oder im Substrat statt. Während des Winters laicht der Azurcichlide nicht. Das Männchen ist während der Laichzeit gegenüber Artgenossen sehr aggressiv und verteidigt vehement den Laichplatz. Beim Laichen werden die senkrechten Striche intensiver und die Analflosse zeigt dann ein helleres Rot.

Das Weibchen setzt bis zu 100 Eier ab, die vom Männchen mit Spermien außerhalb des Maules vom Weibchen befruchtet werden. Dies kann etwa zwanzig bis dreißig Minuten lang dauern. Danach werden die Eier vom Weibchen aufgesammelt und im Maul inkubiert. Die Brutdauer der Eier beträgt etwa 21 bis 28 Tage. Das Männchen beteiligt sich nicht an der Brutpflege. Es findet auch wie bei einigen Fischarten keine Paarbildung statt. Kurz nach dem Schlupf weisen die Jungfische eine Körperlänge von etwa 10 mm auf. Die Jungfische ähneln in der Körperfärbung dem adulten Weibchen. Erst nach einem Jahr nimmt der Azurcichlide die wunderschöne stahlblaue metallische Färbung an. Seine Lebenserwartung kann etwa zehn Jahre betragen.

Gefährdung und Schutz

Die Regierung Malawis beschloss im Jahre 1980, ein Naturschutzgebiet einzurichten, das die Halbinsel von Cape Maclear und die Inseln der Umgebung umfasst. Zugleich wurden Schutzmaßnahmen erlassen, die das Fischen und das Ausführen der Buntbarsche grundsätzlich verbieten. Dazu zählt unter anderem auch der Azurcichlide, der unter Schutz gestellt wurde und dem Ausfuhrverbot unterliegt. Trotz strenger Schutzmaßnahmen werden immer wieder Azurcichliden illegal ausgeführt.

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