Bären

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Bären
Eisbär (Ursus maritimus)

Taxonomie
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Bären
Wissenschaftlicher Name
Ursidae
Fischer von Waldheim, 1817

Die Bären (Ursidae), die in Unterscheidung zu den Kleinbären (Procyonidae) auch als Großbären bezeichnet werden, sind Säugetiere (Mammalia) aus der Ordnung der Raubtiere (Carnivora). Letztere werden in die Unterordnungen Hundeartige (Caniformia) und Katzenartige (Feliformia) eingeteilt. Die Bären gehören zu den Hundeartigen und sind eine kleine Familie, die aus fünf Gattungen mit insgesamt acht rezenten Arten besteht.

Inhaltsverzeichnis

Systematik

Aktuelle molekulargenetische Untersuchungen stützen die Einordnung der Bären in die Ordnung der Raubtiere. Als umstritten galt lange Zeit die Einordnung des Kleinen Pandas (Ailurus fulgens) in die Gattung der Großen Pandabären (Ailuropoda). Auch die Zuordnung der Großen Pandabären (Ailuropoda melanoleuca) zur Familie der Bären wird nicht von allen Forschern geteilt. Dennoch weisen zahlreiche molekulargenetische und morphologische Untersuchungen auf die enge Wesensverwandtschaft (Affinität) zu den Bären hin. Dies gilt jedoch nicht für den Kleinen Panda. Folgerichtig ordnete man den Kleinen Panda in die Familie der Kleinbären ein. Aktuelle phylogenetische DNA-Analysen des Kleinen Pandas belegen weder eine direkte Verwandschaft zu den Bären noch zu den Kleinbären. Kleine Pandas sind deutlich näher mit Marderartigen (Mustelidae), insbesondere mit Stinkdachsen (Mydaus) verwandt.

Evolution

Bären sind eine recht alte Familie innerhalb der Säugetiere. Sie haben ihren Ursprung vor etwa 40 Millionen Jahren. Die ältesten Funde stammen von Ursavus elemensis, der wahrscheinlich im Miozän ausstarb. Er kam in Europa vor und lebte in subtropischen Lebensräumen. Ursavus elemensis war kaum größer als ein heutiger mittelgroßer Haushund.
Höhlenbär (Ursus spelaeus)
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Höhlenbär (Ursus spelaeus)
Er wies jedoch schon viele Merkmale heutiger, rezenter Bären auf. Im Pleistozän tauchte ein wahrer Gigant unter den Bären auf. Es war der Kurznasige Bär (Arctodus simus). Er lebte im nördlichen Nordamerika und starb vor etwa 20.000 Jahren aus. Er war nah mit dem Brillenbär (Tremarctos ornatus) verwandt.

Ein naher Verwandter der heutigen Arten aus der Gattung der Echten Bären (Ursus) war der ebenfalls in Europa, insbesondere in Mitteleuropa, beheimatete Höhlenbär. Er erreichte eine Körperlänge von 300 bis 350 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 140 bis 160 Zentimeter sowie ein Gewicht von mehr als 1.000 Kilogramm. Trotz seiner enormen Größe geht man davon aus, dass der Höhlenbär ein reiner Pflanzenfresser war. Seine Entwicklung begann wahrscheinlich vor etwa 400.000 Jahren. Vor etwa 13.000 bis 10.000 Jahren starb der Höhlenbär aus. Warum der Höhlenbär letztlich ausstarb, ist weitestgehend unklar. Zum Teil dürfte die Bejagung durch den Menschen einen großen Einfluss auf die Populationen gehabt haben. Andere Forscher glauben, dass die Spezialisierung auf bestimmte Nahrung zu seinem Aussterben führte. Bei zu geringer Nahrung konnte der Höhlenbär nicht genug Winterspeck ansetzen und verendete vor allem in langen und strengen Wintern. Auch die Abnahme an geeigneten Überwinterungsplätzen könnte einen Einfluss gehabt haben, da viele Höhlen gegen Ende seines Auftretens in der Fauna von den Menschen für sich beansprucht wurden.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Alle Bären sind kräftig und überaus robust gebaut. Bären treten in allen Größen auf. Die kleinste Art der Bären ist der Malaienbär (Helarctos malayanus),
Malaienbär (Helarctos malayanus)
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Malaienbär (Helarctos malayanus)
der eine Körperlänge von 110 bis 140 Zentimeter erreicht und ein Gewicht von 30 bis 60 Kilogramm aufweist. Zu den größten Bärenarten gehören der Eisbär (Ursus maritimus) und der Braunbär (Ursus arctos). Ein ausgewachsenes Männchen eines Kodiakbären (Ursus arctos middendorffi) kann leicht eine Körperlänge von bis zu 300 Zentimeter und ein Gewicht von 700 bis 800 Kilogramm erreichen. Weibchen bleiben bei allen Arten deutlich kleiner und leichter als Männchen. Neben dem massigen Auftreten sind vor allem die kleinen rundlichen Ohren und Augen die markanten Merkmale. Die Schwänze aller Arten fallen recht kurz aus.

Je nach Vorkommen und Lebensraum ist das Fell höchst unterschiedlich dicht und lang. Die Färbung des meist rauen Felles reicht von weiß über braun bis hin zu schwarz. Das sehr dichte Fell des Eisbären ist gelblich-weiß und ermöglicht dem Tier eine vorzügliche Tarnung. Die Haare sind innen hohl, was eine besonders gute Wärmeisolierung zur Folge hat. Zudem ist seine Haut schwarz gefärbt. Das Fell des Malaienbären ist aufgrund seines tropischen Verbreitungsgebietes sehr kurz und glatt. Es ist schwarzbraun bis schwarz gefärbt. Sein Gesichtsbereich und die Schnauze sind weiß bis gelblich gezeichnet. Bei einigen Arten kann sich durchaus eine schwarz-weiße Zeichnung zeigen. So befindet sich im Brustbereich und im Gesicht des Brillenbären eine weißlich bis gelbliche Musterung. Beim Großen Pandabären ist das buschige Fell charakteristisch schwarz-weiß gefärbt.

Großer Pandabär (Ailuropoda melanoleuca)
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Großer Pandabär (Ailuropoda melanoleuca)
Der massive und länglich geformte Schädel verfügt über ein kräftiges Gebiss, das zwischen 40 und 42 Zähnen aufweist. Die zahnmedizinische Formel lautet je nach Art i3/3, c1/1, p3/4, m2/3 oder i3/3, c1/1, p4/4, m2/3. Die Eckzähne sind in der Regel recht lang, die Schneidezähne sind nur wenig spezialisiert. Unter allen Raubtieren hat der Große Pandabär die kräftigsten Backenzähne, mit denen er selbst harten Bambus mühelos zerkauen kann. Die Extremitäten aller Bären sind eher kurz, aber ausgesprochen kräftig. Die Zehen enden in Klauen, die je nach Art zum Klettern, zum Graben oder zum Zerreißen von Beutetieren eingesetzt werden können. Die Sohlen sind bei einigen Arten behaart, bei anderen nicht behaart. Besonders gute Kletterer sind die Malaienbären. Die meisten Arten sind aufgrund ihres hohen Gewichtes nicht in der Lage, zu klettern.

Lebensweise

Bären leben ausgesprochen einzelgängerisch. In Gruppen treten ausschließlich Muttertiere mit ihrem Nachwuchs auf. Die Aktivität erstreckt sich je nach Art über die Nacht, die Dämmerung oder auch über den Tag. Während der Ruhephasen halten sich Bären in Höhlen oder an ähnlich geschützten Plätzen auf. Bären sind in der Regel terrestrisch. Die einzige Ausnahme bildet der Malaienbär: er gilt als ausgezeichneter Kletterer und ist daher oft in Bäumen zu beobachten. Der Brillenbär ist ebenfalls ein geschickter Kletterer. Auch die Ruhephasen hält er in nestartigen Gebilden in Bäumen ab. Trotz ihrer Größe gelten Bären als durchaus gute und schnelle Läufer. In der Regel trotten sie jedoch eher langsam, fast schlurfend durch ihren Lebensraum. Eisbären sind hervorragende Schwimmer. Sie können selbst in polaren Gewässern über Stunden im Wasser verbleiben. Eisbären können ohne Rast mehr als 130 Kilometer am Stück schwimmen.
Kamtschatka-Bär (Ursus arctos beringianus)
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Kamtschatka-Bär (Ursus arctos beringianus)
Ihr Fell sowie ihre Fettschicht halten die Bären dabei im polaren Wasser warm. Zwischen den Zehen befinden sich Schwimmhäute. Eisbären gehören zu den wenigen Bärenarten, die mit dem Körper auf Nahrungssuche vollständig untertauchen können. Wegen dieser Besonderheit wurde der Eisbär in der Vergangenheit oft als „Meerbär” bezeichnet. Bären sind Sohlengänger. Diese Tatsache weist eigentlich eine geringe Laufgeschwindig hin. Dem ist jedoch nicht so, da einige Bärenarten bei der aktiven Jagd durchaus hohe Laufgeschwindigkeiten erreichen können.

Aufgrund ihrer Größe und des damit verbundenen großen Nahrungsbedarfes bewohnen Bären zumeist sehr große Reviere, die gegenüber Artgenossen aggressiv verteidigt werden. Die Reviere der Braunbären (Ursus arctos) können bis zu 1.000 Quadratkilometer groß sein. In nördlichen Regionen kommt es bei vielen Bärenarten zu einer Winterruhe. In der Regel suchen Bären dazu unterirdische Höhlen auf. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Winterruhe über mehrere Monate. Die Stoffwechselrate wird während der Winterruhe deutlich gesenkt, und sie leben von ihren Fettreserven, die im Sommer und Herbst angefressen werden. Dabei senkt sich beispielsweise der Herzschlag des Kragenbären (Ursus thibetanus) von 40 bis 70 Schlägen auf 8 bis 12 Schläge in der Minute. Die Körpertemperatur sinkt jedoch nur unwesentlich. Die Eisbärweibchen bringen ihren Nachwuchs während der Winterzeit in Schneehöhlen zur Welt. Die männlichen Eisbären sind hingegen das ganze Jahr über aktiv. Die Sinne sind bei den meisten Arten hoch entwickelt. Dieses gilt vor allem für den Seh- und Geruchssinn. Nur die Hörfähigkeit ist in der Regel nur mäßig oder gar schlecht entwickelt. Die Hörfähigkeit spielt daher nur eine untergeordnete Rolle. Das farbliche Sehen ist nicht bei allen Arten gleich gut entwickelt. Hoch entwickelt ist es vor allem beim Schwarzbären (Ursus americanus).

Verbreitung

Lebt im Hochgebirge der Anden: Brillenbär (Tremarctos ornatus)
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Lebt im Hochgebirge der Anden: Brillenbär (Tremarctos ornatus)

Mit Ausnahme der Antarktis und Australiens kommen Bären auf allen Kontinenten vor. Die Arten kommen dabei fast ausschließlich in der nördlichen Hemisphäre vor. Die südlichsten Verbreitungsgebiete liegen im nordwestlichen Afrika und im nördlichen Südamerika. In Asien werden die feuchten Regenwäldern Südostasiens besiedelt. Hier kommt der Malaienbär auf Sumatra und Borneo sowie in Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha und Malaysia vor. In weiten Teilen Nordamerikas und Europas sind Bären nur noch selten anzutreffen. Eine Unterart des Braunbären, der Atlasbär (Ursus arctos crowtheri), gilt bereits als ausgestorben. So groß wie das Verbreitungsgebiet der Bären ist, so unterschiedlich sind auch die besiedelten Lebensräume. Je nach Art werden die Tundra, Nadelwälder, tropische Regenwälder, Mittel- und Hochgebirge, Heidelandschaften, Steppen und Savannen, Halbwüsten und arktische Regionen besiedelt. Den ungastlichsten Lebensraum bewohnen die Eisbären. Sie leben nur im Polargebiet der Arktis auf dem Packeis sowie gelegentlich an den umliegenden Küsten. Im Winter wandern sie über die weiten Packeisfelder gen Süden, da sich dort viele Beutetiere aufhalten. Wenn dann im Sommer das Eis bricht, wandern die Tiere wieder in den Norden zurück.

Prädatoren, Parasiten

Ausgewachsene Bären haben im Grunde keine natürlichen Feinde. Nur Jungtiere gelten in der Regel als gefährdet und fallen gelegentlich anderen Bären, Wölfen (Canis lupus) oder in Asien und Südamerika auch größeren Katzen (Felidae) zum Opfer. Jungtiere der Schwarzbären fallen nicht selten Rotluchsen (Lynx rufus), Braunbären oder Kojoten (Canis latrans) zum Opfer. Der Puma (Puma concolor), der Vielfraß (Gulo gulo) und Rotfüchse (Vulpes vulpes) haben es gelegentlich auf die Jungtiere der Braunbären abgesehen. Der Nachwuchs wird jedoch vom Muttertier vehement beschützt.

Bären werden von zahlreichen Ekto- und Endoparasiten heimgesucht. Zu den bekanntesten Endoparasiten gehören unter anderem verschiedene Kokzidien (Coccidia) wie Toxoplasma und Eimeria sowie Saugwürmer (Trematoda), Bandwürmer (Cestoda) und Fadenwürmer (Nematoda). Ektoparasiten wie Tierläuse (Phthiraptera), Flöhe (Siphonaptera) und Zecken (Ixodida) treten ebenfalls sehr häufig in Erscheinung.

Ernährung

Bären gehören in der Regel zu den opportunistischen Allesfressern. Es stehen sowohl pflanzliche Kost wie Früchte und Beeren, als auch tierische Kost wie Aas, Fleisch und Fisch auf der Speisekarte. Einige Arten, allen voran der Große Pandabär, haben sich in Bezug auf ihre Ernährungsgewohnheiten stark spezialisiert. Er ernährt sich ausschließlich von Sprossen und Blättern der Bambusbäume.
Beliebter Snack der Eisbären: Sattelrobbe (Pagophilus groenlandicus
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Beliebter Snack der Eisbären: Sattelrobbe (Pagophilus groenlandicus
Da der Nährwert dieser Nahrung sehr gering ist, muss der Große Pandabär erhebliche Mengen an Pflanzen zu sich nehmen, um satt zu werden. Mit der Nahrungsaufnahme ist er mehr als die Hälfte des Tages beschäftigt. Ein Großer Pandabär benötigt bis zu 30 Kilogramm Nahrung am Tag. Andere Bärenarten ernähren sich je nach Jahreszeit von pflanzlicher oder tierischer Kost. Schwarzbären fressen im Frühjahr überwiegend Gräser und Aas. Bei dem Aas handelt es sich meist um Vögel (Aves) oder Säugetiere (Mammalia). Aber auch Insekten (Insecta) und deren Larven werden keineswegs verschmäht. Im Sommer stehen überwiegend Früchte auf dem Speiseplan, im Herbst vor allem Beeren. Schwarzbären reißen gelegentlich auch größere Tiere wie die Kälber von Elchen (Alces alces) oder Weißwedelhirschen (Odocoileus virginianus).

Eisbären ernähren sich ausschließlich von Fleisch. Zu ihren bevorzugten Beutetieren gehören je nach Verbreitungsgebiet beispielsweise Eismeer-Ringelrobben (Pusa hispida), Bartrobben (Erignathus barbatus), Sattelrobben, Klappmützen (Cystophora cristata), juvenile Walrosse (Odobenus rosmarus). Hin und wieder fällt einem Eisbär im Wasser auch ein Beluga (Delphinapterus leucas) zum Opfer. Braunbären ernähren sich von Gräsern, Sämereien, Nüssen, Wurzeln und Knollen, Blüten, jungen Trieben, Pilzen, Beeren und Früchten. Aber auch Vogeleier, Vögel, Fische, Insekten deren Larven sowie verschiedenste Nagetiere (Rodentia) bis hin zu großen Paarhufern (Artiodactyla) wie Elche, Rentiere (Rangifer tarandus), Rothirsche (Cervus elaphus), Bisons (Bison), Dallschafe (Ovis dalli), Dickhornschafe (Ovis canadensis) und Tiere ähnlicher Größe stehen weit oben auf der Speisekarte. Malaienbären beschränken sich hingegen auf Früchte, Honig und kleinere Wirbeltiere (Vertebrata).

Fortpflanzung

Je nach Art erreichen Bären die Geschlechtsreife mit 3 bis 7 Jahren. Männchen erreichen in der Regel deutlich nach den Weibchen die Geschlechtsreife. Bei den Männchen kommt hinzu, dass es durchaus einen zeitlichen Unterschied zwischen der körperlichen und sozialen Geschlechtsreife geben kann. In den Rivalenkämpfen bestehen meist nur die kräftigsten und größten Bären. Nicht selten pflanzt sich ein Männchen erst mit 10 Jahren das erste Mal fort, zu diesem Zeitpunkt sind sie voll ausgewachsen. Weibchen erreichen ihre Endgröße mit 3 bis 5 Jahren. Die Lebensweise kann bei Bären als polygam bezeichnet werden, da es nicht zu einer monogamen Bildung zwischen den Geschlechtern kommt. Bären leben einzelgängerisch und treffen daher nur kurz während der Paarungszeit aufeinander.
Eisbärin (Ursus maritimus) mit Nachwuchs
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Eisbärin (Ursus maritimus) mit Nachwuchs
Weibchen bringen alle zwei bis vier Jahre Nachwuchs zur Welt. Ein durchschnittlicher Wurf besteht aus 2 (1–4) Jungtieren. Bei Bären in nördlichen Regionen kann es zu einer verzögerten Schwangerschaft, also zu einer Keimruhe, kommen. Die tatsächliche Schwangerschaft kann deutlich länger sein als die normale Tragezeit. Letztere liegt durchschnittlich bei 70 bis 90 Tagen.

Kommt es zu einer Keimruhe, so verlängert sich die Schwangerschaft auf bis zu 250 oder 260 Tage. In nördlichen Regionen treten die Geburten während des Winters auf. In diesen Fällen bringt ein Weibchen ihren Nachwuchs während der Winterruhe in einer Höhle zur Welt. Mit Beendigung der Winterruhe sind die Jungtiere kräftig genug, um der Mutter zu folgen. Bei Arten in tropischen Regionen kann die Fortpflanzung und die Geburt des Nachwuchses ganzjährig erfolgen. Der Nachwuchs ist bei der Geburt ausgesprochen hilflos und auf den Schutz der Mutter angewiesen. Das Geburtsgewicht der Malaienbären liegt bei lediglich 90 bis 100 Gramm, der Nachwuchs bei Braunbären bringt es auf ein stattliches Geburtsgewicht von 650 bis 700 Gramm. Die Augen und Ohren sind bei der Geburt noch geschlossen. Die Säugezeit erstreckt sich artabhängig über 4 bis 9 Monate. Die Betreuungszeit, die ausschließlich durch die Mutter gewährleistet wird, endet nach 2 bis 3 Jahren. Während dieser Zeit baut sich zwischen einer Mutter und ihrem Nachwuchs ein inniges Verhältnis auf. Haben Bären das kritische Kindesalter überstanden, so erreichen sie ein durchaus hohes Alter. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei manchen Arten bei rund 25 Jahren. In Gefangenschaft ist eine Lebenserwartung von 40 bis 50 Jahren möglich. Die größte Mortalität im juvenilen Alter tritt bei den Eisbären auf. Nicht selten sterben bis zu 30 Prozent der Jungtiere an Kälte oder werden von Männchen getötet und gefressen.

Ökologie

Als oberstes Glied in der Nahrungskette spielen Bären eine durchaus wichtige Rolle in ihrem jeweiligen Ökosystem. Als Allesfresser regulieren sie zum einen die Bestände verschiedenster Tierarten, zum anderen sorgen sie als Samenverbreiter für ein ausgewogenes Wachstum in der Pflanzenwelt. Einige Arten ernähren sich von Aas und tragen so zur Sauberkeit im Ökosystem bei.
Kragenbär (Ursus thibetanus)
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Kragenbär (Ursus thibetanus)
Viele Tierarten sind mehr oder weniger vom Vorhandensein der Bären abhängig. Dies trifft vor allem auf den Polarfuchs (Vulpes lagopus) zu, der Eisbären folgt und von ihren Nahrungsresten lebt. Gesunde Bärenpopulationen gelten demnach als Indikator für ein intaktes Ökosystem.

In der Nähe des Menschen sind Bären nicht gerne gesehen, da sie mitunter auch das Vieh von Farmern oder Bauern reißen. Bären nähern sich in der Regel nicht dem Menschen. Sie ziehen es vor, die Flucht zu ergreifen. Sehr wohl kann es zu Übergriffen kommen, wenn sich ein Bär in die Ecke gedrängt fühlt. Vor allem Muttertiere sind während der Aufzuchtzeit ihres Nachwuchses unberechenbar und greifen auch Menschen an. Bei den meisten Angriffen von Bären handelt es sich um vom Menschen provozierte Angriffe. Große Bären werden oftmals als Menschenfresser bezeichnet. Dieses ist jedoch falsch und beruht lediglich auf Missverständnissen und Furcht vor diesen wunderbaren Tieren. Die meisten Bären ernähren sich überwiegend pflanzlich und nur zu einem kleinen Teil von Fleisch. Einzige Ausnahme ist hier der Eisbär. Gleichwohl wäre ein Bär kräftig genug, um einen Menschen mit Leichtigkeit zu töten. Sie ziehen es jedoch vor, die Nähe und den Kontakt zum Menschen zu meiden. Der menschenfressende Bär ist und bleibt nur ein Mythos.

In der Vergangenheit wurden Bären vor allem wegen des Fleisches und des Felles bejagt. Auch heute noch stellt man in einigen Regionen der Erde Bären nach. Dies ist beispielsweise in Asien der Fall. Bestimmte Körperteile wie Tatzen und ähnliches landen auf Märkten oder in der traditionellen Medizin. Vor allem in China und Korea erzielen getötete Kragenbären Höchstpreise. Alleine die Gallenblase hat auf dem Schwarzmarkt einen Wert von mehreren 10.000 Euro. In China, Nord- und Südkorea werden Kragenbären unter grausamen Bedingungen in engen Käfigen gehalten. Ihnen wird bei lebendigem Leib über eine Kanüle Gallenflüssigkeit abgezapft. Katheter werden bereits jungen Bären chirurgisch eingepflanzt. Alleine in China werden so mehr als 8.000 Kragenbären gehalten.

Gefährdung und Schutz

Viele Bärenarten gelten heute als bedroht oder sogar stark bedroht. Die Hauptgründe sind in der Vernichtung und Zersplitterung der natürlichen Lebensräume zu finden. Aber auch der hohe Jagddruck in einigen Teilen der Erde setzen einigen Art stark zu. Klimatische Veränderungen treffen heute vor allem den Eisbären. Durch die globale Klimaerwärmung schmilzt das Eis des Nordpols in einem rasenden Tempo. Dadurch geht den Eisbären der Lebensraum verloren. Viele Eisbären können ihren Wanderungen nicht nachgehen und verhungern. Hinzu kommt noch die Umweltverschmutzung. Diese könnte eine mögliche Ursache dafür sein, dass manchen weiblichen Eisbären männliche Geschlechtsorgane wachsen.

Trivialname Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Populationsgröße
Braunbär Ursus arctos Linnaeus, 1758 LC ca. 172.000
Amerikanischer Schwarzbär Ursus americanus Pallas, 1780 LC > 300.000
Kragenbär Ursus thibetanus de Cuvier, 1823 VU ca. 28.000
Eisbär Ursus maritimus Phipps, 1774 VU 20-25.000
Lippenbär Melursus ursinus Shaw, 1791 VU 10-20.000
Malaienbär Helarctos malayanus Raffles, 1821 DD Populationsgröße unklar
Brillenbär Tremarctos ornatus F. Cuvier, 1825 VU ca. 20.000
Großer Pandabär Ailuropoda melanoleuca David, 1869 EN 1-2.000

Taxonomie der Bären

Familie: Bären (Ursidae)

Gattung: Agriarctos
Gattung: Ailurarctos
Gattung: Große Pandabären (Ailuropoda)
Art: Großer Pandabär (Ailuropoda melanoleuca)
Gattung: Arctodus
Art: Kurznasiger Bär (Arctodus simus)
Gattung: Malaienbären (Helarctos)
Art: Malaienbär (Helarctos malayanus)
Gattung: Indarctos
Art: Indarctos bakalovi
Art: Indarctos oregonensis
Gattung: Lippenbären (Melursus)
Art: Lippenbär (Melursus ursinus)
Gattung: Pararctotherium
Gattung: Plionarctos
Gattung: Brillenbären (Tremarctos)
Art: Brillenbär (Tremarctos ornatus)
Gattung: Ursavus
Art: Ursavus elemensis
Gattung: Echte Bären (Ursus)
Art: Amerikanischer Schwarzbär (Ursus americanus)
Art: Braunbär (Ursus arctos)
Art: Deninger Bär (Ursus deningeri)
Art: Etruskischer Bär (Ursus etruscus)
Art: Eisbär (Ursus maritimus)
Art: Höhlenbär (Ursus spelaeus)
Art: Asiatischer Schwarzbär (Ursus thibetanus)

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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