Bachflohkrebs

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Bachflohkrebs

Systematik
Klasse: Höhere Krebse (Malacostraca)
Unterklasse: Eumalacostraca
Überordnung: Ranzenkrebse (Peracarida)
Ordnung: Süßwasserflohkrebse (Amphipoda)
Unterordnung: Gammaridea
Familie: Bachflohkrebse (Gammaridae)
Gattung: Bachflohkrebse (Gammarus)
Art: Bachflohkrebs
Wissenschaftlicher Name
Gammarus pulex
Linnæus, 1758

Der Bachflohkrebs (Gammarus pulex) ist ein Süßwasserflohkrebs (Amphipoda) der gleichnamigen Familie der Bachflohkrebse (Gammaridae). Im Englischen nennt man ihn Freshwater shrimp. Er wurde vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum Wirbellosen Tier des Jahres 2002 gekürt.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Bachflohkrebse erreichen eine Gesamtlänge von 15 bis 24 mm, wobei die Weibchen meist kleiner bleiben. Sie vertragen Wassertemperaturen von 0° bis 25°C, auf bestimmte Zeit können sie aber auch höhere Temperaturen ertragen. Sie sind grau bis hellbraun-gelb gefärbt und ihr Körper ist seitlich abgeflacht. Mit ihren nierenförmigen Facettenaugen können sie die Umgebung in allen Richtungen beobachten. Mit den zwei sehr gut entwickelten Antennenpaaren können sie schmecken und die Umgebung nach Nahrung untersuchen. Die Enden des zweiten Antennenpaares der Männchen sind mit langen Borsten besetzt. Am Thorax sind sieben Beinpaare ausgebildet, die beiden vorderen sind als klauenähnliche Gnathopoden zum Greifen ausgebildet, während die restlichen fünf zum Krabbeln und Schwimmen genutzt werden. Schwimmend bewegen sie sich in Seitenlage durch schnelles Zusammenziehen und Strecken vorwärts. Sie atmen über fünf Paar plattenförmige Kiemen, die an der Basis der mittleren Beinpaare ansetzen, um über deren Schwimm- und Laufbewegungen zusätzlich mit Sauerstoff versorgt zu werden. Die Außenäste der Schwanzanhänge sind etwa doppelt so lang wie die Innenäste. Adulte Tiere zeigen mitunter ein ausgeprägtes Schwimmverhalten.

Verbreitung

Bachflohkrebse sind in Europa und Zentralasien verbreitet. Sie kommen in klaren, langsam fließenden Gewässern, Seen und Mooren mit sandigem oder steinigem Grund vor. Dabei bevölkern sie die Pflanzenzone in Ufernähe bis zu einer Tiefe von zwei Metern. In der kalten Jahreszeit verkriechen sie sich in klarem Wasser unter Steine. Sie benötigen einen hohen Sauerstoffgehalt des Wassers und einen Härtegrad über 2° dGH.

Ernährung, Prädation und Parasitismus

Bachflohkrebse ernähren sich von faulenden pflanzlichen oder tierischen Stoffen und von Detritus, gleichwohl aber auch räuberisch. Sie sind auch kannibalistisch und ernähren sich teilweise von juvenilen Artgenossen, auch bei ausreichendem Nahrungsangebot. Dieser Kannibalismus setzt intraspezifische Konkurrenz herab und wirkt sich vorteilhaft auf die Ernährung aus. Selbst gefressen werden sie von größeren Fischen. In Gewässern mit höherem Fischbestand besteht die Gefahr, dass die Bachflohkrebse von enteroparasitären Eingeweidewürmern, den Kratzwürmern (Acanthocephala), als Zwischenwirt befallen werden.

Fortpflanzung

Bachflohkrebse häuten sich zehn Mal im Wachstum innerhalb drei bis vier Monaten. Ende Januar, schon etwa acht Tage vor der Reifehäutung, verhakt das Männchen sich mit dem Weibchen. Gleich nach der Häutung übergibt das Männchen den Samen in den zwischen den Vorderbeinen entstehenden Brutraum des Weibchens. Dort entwickeln sich die 20 bis 200 befruchteten Eier innerhalb drei bis sechs Wochen zu fertigen Krebsen, die noch für eine Weile Schutz beim Weibchen suchen. Das Weibchen brütet etwa sechs bis neun Mal in ihrem ein- bis zweijährigem Leben. Die Wachstums- und Fortpflanzungsgeschwindigkeit ist temperaturabhängig.

Ökologie

Heute gibt es wieder einen stabilen Bestand an Bachflohkrebsen. Der Tigerflohkrebs (Gammarus tigrinus), der wegen der Verdrängung der Bachforelle (Salmo trutta fario) durch die größere Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) eingeführt wurde, dezimierte die Bachflohkrebse stark. Außerdem ist der Bachflohkrebs sehr empfindlich gegenüber Wasserverschmutzung.

Aquaristik

In Aquarien kann man Bachflohkrebse auch halten. Dabei genügen schon kleinere Becken, 20 bis 40 Liter. Auch Tageslicht allein reicht aus. Der Boden sollte aus feinkörnigem Sand, Marmorsplit und Marmorkieseln gemischt sein. Sie wollen sich unter Laub oder zwischen Wasserpflanzen verstecken können. Will man sie züchten, erreicht man bei einer Wassertemperatur von 15° bis 19°C ideale Fortpflanzungsergebnisse. Überbrühte Löwenzahnblätter und kupferfreie Kaninchenpellets sind dabei ebenfalls förderlich. Eine leichte Strömung und ein Sprudelstein sollte man ebenfalls einsetzen. Jedoch ist eine Zucht sehr schwierig, da die sehr gute Wasserqualität kaum gehalten werden kann.

Ökonomie

Im Handel werden bisweilen getrocknete Bachflohkrebse als Fisch-, Frosch-, Kröten- und Schildkrötenfutter angeboten. Allerdings sind sie durch die Trocknung weniger nährstoffreich. Als Lebendfutter sind sie für mittlere und große Fische jedoch eine nährstoffreiche Nahrungsquelle. Wegen ihrer harten Chitinhülle werden Bachflohkrebse jedoch von einigen Fischen verschmäht.

Literatur

  • Cussans, Margaret: Gammarus. Williams & Norgate, London 1904.
  • Hadfield, Simon John: Genetic structure and colonisation history of European and UK populations of Gammarus pulex. Hull 2002.
  • Stresemann, Erwin: Exkursionsfauna von Deutschland. Volk u. Wissen, Berlin 1976.
  • Weichbrodt, Sonja: Ernährungsökologische Untersuchungen an Asellus aquaticus (Isopoda) und Gammarus pulex (Amphipoda). Kiel 2001.
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