Bachforelle

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Bachforelle
In einem Gebirgsbach in Sachsen

Taxonomie
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Vorstachelflosser (Protacanthopterygii)
Ordnung: Lachsartige (Salmoniformes)
Familie: Lachsfische (Salmonidae)
Unterfamilie: Großmaul-Salmoniden (Salmoninae)
Gattung: Lachse und Forellen (Salmo)
Art: Forelle (Salmo trutta)
Unterart: Bachforelle
Wissenschaftlicher Name
Salmo trutta fario
Linnaeus, 1758

Die Bachforelle (Salmo trutta fario) ist eine Unterart der Art Forelle (Salmo trutta) und zählt innerhalb der Familie der Lachsfische (Salmonidae) zur Gattung der Lachse und Forellen (Salmo). Weitere Bezeichnungen der Bachforelle: Flussforelle, Bergforelle oder Fario. Die kleinwüchsige Bachforelle in nahrungsarmen Gewässern wird als Steinforelle bezeichnet.

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF), Sitz in Offenbach, hat die Bachforelle zum Fisch des Jahres 2005 gewählt. Mit dieser Wahl soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Bestände der Bachforelle fast im gesamten Verbreitungsgebiet erheblich zurückgegangen sind und dass es gilt, diesen außergewöhnlichen und einzigartigen Fisch besser zu schützen. Die Bachforelle wurde schon einmal im Jahre 1990 zum Fisch des Jahres gekürt.


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Größe der Bachforelle hängt stark mit dem Lebensmilieu zusammen. Sie kann eine Körperlänge von etwa 25 bis 40 Zentimeter bei einem Gewicht von bis zu 500 Gramm erreichen. Unter günstigen Bedingungen kann die Bachforelle auch eine Körperlänge bis zu 80 Zentimeter bei einem Gewicht von etwa 10 Kilogramm erreichen. Der Körper der Bachforelle wirkt ziemlich gestreckt und ist mit runden, fein gestreiften Schuppen besetzt. Der Rücken ist rund und weist mit dem Kopf und dem Schwanz fast eine gerade Linie auf. Die Seitenlinie, welche dem Rücken näher als dem Bauch ist, läuft in einer fast geraden Richtung vom Kopf bis zum Schwanz hin. Die Seiten sind nur wenig zusammengedrückt. Der Bauch ist lang und der After befindet sich unweit der Schwanzflosse. Der Hinterrand der Schwanzflosse ist kaum ausgebuchtet, fast gerade. Zwischen der Rückenflosse und der Schwanzflosse befindet sich die Fettflosse. Des Weiteren finden sich entlang der Seitenlinie etwa 110 bis 120 kleine Schuppen und 14 bis 19 (meist 16) kleine Schuppen zwischen Fettflosse und Seitenlinie einschließlich der Seitenlinienschuppen. Der glatte, ohne Schuppen besetzte Kopf der Bachforelle ist ziemlich stumpfschnauzig und an den Seiten etwas zusammengedrückt. Ferner zeigt sich eine weite Mundspalte, die bis hinter die Augen reicht. Die Lippen erscheinen ziemlich klein bei der Bachforelle. Des Weiteren weist der Schlund weite Falten auf. Die zwei bis fünf oberen und unteren Reusendornen des ersten Kiemenbogens sind knopfförmig und die mittleren sind stabförmig ausgebildet. Die Bezahnung des Pflugscharbeines besteht aus einer Platte mit zwei bis sechs Zähnen und einem Stiel mit neun bis achtzehn Zähnen, meist in doppelter Reihe. Die Zunge ist weiß, knorpelig und beweglich.

Profilaufnahme der Bachforelle
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Profilaufnahme der Bachforelle

Die Augen sind nicht sonderlich groß und befinden sich an den Seiten. Die Nasenlöcher sind durch eine Zwischenhaut geteilt und befinden sich zwischen den Augen und der Oberlippe. Die Kiemendeckel sind ebenso wie die Kiemenöffnungen groß und bestehen aus drei knöchernen Plättchen. Die Kiemenhaut ist mit starken knöchernen Strahlen, deren Anzahl sich auf zwölf beläuft, versehen. Der Hinterrand der Schwanzflosse bei den Jungfischen ist eingebuchtet, im Alter ist der Hinterrand fast gerade. Die Färbung ist je nach Standort stark wechselnd, meist grünlich bis bräunlich. Ferner zeigen sich dunkle sowie längs und unterhalb der Seitenlinie rote, hell umrandete Flecken auf den Flanken. Die Fettflosse weist eine helle Färbung sowie einen dunklen Rand auf und ist am Ende für gewöhnlich mit roten Tupfen versehen. Die noch nicht erwachsenen Fische haben an den Seiten große und ausgeprägte blaugraue Flecken, die bei den noch größeren Fischen wieder verschwinden. Des Weiteren weisen die Jungfische sechs bis neun dunkle Querbinden auf. Der Bauch der adulten Bachforelle ist meist gelbweiß bis gelb gezeichnet. Das Weibchen der Bachforelle hat einen kürzeren Kopf als das Männchen und der Unterkiefer des Weibchens ist nicht gekrümmt. Die Flossen setzen sich wie folgt zusammen: Dorsale Stacheln (gesamt): 3 - 4; dorsale Weichstrahlen (total): 10 - 15; Afterstacheln: 3 - 4; anale Weichstrahlen: 9 - 14; Bauchflossen mit 57 - 59 Weichstrahlen. Von den acht Flossen sitzen zwei Flossen nahe an der Kiemenöffnung, zwei Flossen unter dem Bauch, eine Flosse am After, eine Flosse am Schwanz und zwei Flossen am Rücken. Die Lebenserwartung der Bachforelle liegt zwischen 10 und 18 Jahren.

Lebensweise

Die Bachforelle ist in ihrer Lebensweise der Forelle (Salmo trutta) sehr ähnlich, jedoch unternimmt die Bachforelle keine weite Wanderungen, sondern lebt stationär. Sie hält sich vorwiegend im Süßwasser auf. Je nach Verbreitungsgebiet findet die Laichzeit von Oktober bis April statt. Die Eier werden in mehreren flachen Laichgruben gelegt, die das Weibchen im kiesigen Flussgrund mit der Schwanzflosse aushebt bzw. auffächelt. Die Larven schlüpfen etwa nach drei bis vier Monten und ernähren sich anfangs von ihrem Dottersack bevor sie anfangen, kleine Krebstiere zu fressen. Später ernähren sich die Jungfische auch von Insektenlarven und von Geflügelten Insekten (Pterygota) von der Wasseroberfläche, während die ausgewachsenen Bachforellen auch kleine Fische (Pisces) erbeuten.

Verbreitung

Schwarzsee Hochjoch in Schruns - Habitat der Bachforelle
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Schwarzsee Hochjoch in Schruns - Habitat der Bachforelle

Die Bachforelle weist ein großes Verbreitungsgebiet auf, dazu zählen unter anderem Andorra, Österreich, Belorussland, Belgien, Kroatien, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Färöer, Finnland, Frankreich, Deutschland, Guernsey, Ungarn, Island, Irland, Isle of Man, Italien, Jersey, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Republik Moldau, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russische Föderation, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Ukraine sowie Vereinigtes Königreich. Nur in Griechenland, Korsika, Sardinien und Sizilien kommt die Bachforelle nicht vor. Die Bachforelle ist ein standorttreuer Fisch. Nur zur Laichzeit verläßt die Bachforelle das Wohngewässer und wandert stromaufwärts in flache Nebengewässer, die Kies- oder Sandbänke mit schnell fließendem Wasser aufweisen. Wie der Name schon andeutet, kommt die Bachforelle hauptsächlich in Bächen vor. Sie bevorzugt schnell fließende, sauerstoffreiche und kühle Gewässer mit ausreichend Kies- oder Sandgrund, wobei die Bachforelle aber auch in einigen klaren und kalten Seen lebt. Die Bachforelle ist territorial und verteidigt ihr Revier, wenn sich Eindringlinge in der Nähe des Reviers befinden.

Ernährung

In erster Linie ernährt sich die Bachforelle von Kleintieren aller Art, auch Geflügelte Insekten (Pterygota) gehören zum Nahrungsspektrum. Die wichtigsten Insekten (Insecta) und deren Larven variieren je nach Jahreszeit, aber der größte Teil der Insekten (Insecta) sind entweder Eintagsfliegen (Ephemeroptera) oder Mücken (Nematocera).

Im Alter besteht die Nahrung aus großen aquatischen Insekten (Insecta) wie Hexagenia limbata und Ephemera simulans, Eintagsfliegen (Ephemeroptera) sowie größere Arten wie Kaulquappen, kleine Fische (Pisces), Krebstiere (Crustacea), Schnecken (Gastropoda) und Lurche (Amphibia). Auch die Gewohnheiten der Nahrungsaufnahme finden in erster Linie in der Nacht statt. Die Bachforelle spürt die Beute unmittelbar in ihrer Umgebung auf. Im Gegensatz zu den juvenilen Bachforellen, die auf ihre Beute lauern, jagen die ausgewachsenen Bachforellen aktiv das Beutetier.

Fortpflanzung

Bachforelle
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Bachforelle

Die Geschlechtsreife der Bachforelle wird nach etwa drei bis fünf Jahren erreicht. Ein Teil der Männchen wird schon im vierten Jahr geschlechtsreif, die Weibchen im vierten oder im fünften Jahr. Je nach Verbreitungsgebiet findet die Laichzeit von Oktober bis April statt. Je höher das Wohngewässer liegt, desto früher laichen die Bachforellen. Die Bachforelle zieht zum Laichen stromaufwärts und sucht in flachen Nebengewässern Kies- oder Sandbänke mit schnell fließendem Wasser auf. Die etwa 1.000 bis 1.500 gelblich-orangefarbenen 4 bis 5 Millimeter großen Eier werden in mehreren flachen Laichgruben abgelegt, die das Weibchen im Kies oder Sand mit ihrer Schwanzflosse aushebt bzw. auffächelt. Die Männchen befruchten dann die Eier und bedecken die befruchteten Eier mit Kies oder Sand. Die Entwicklungsdauer der Eier beträgt um die 410 Tagesgrade. Nach etwa drei bis vier Monten schlüpfen dann die Larven und ernähren sich anfangs von ihrem Dottersack. Später erbeuten sie kleine Krebstiere, Insektenlarven und Geflügelten Insekten von der Wasseroberfläche. Im Allgemeinen halten sich die Jungfische ein bis fünf Jahre im Wohngewässer auf und wandern dann mit einer Länge von 15 bis 25 Zentimeter in andere Flüsse oder Seen ab. Die Jungfische sind wie die Lachsbrut durch dunkle Querbinden gekennzeichnet, die jedoch weniger deutlich hervortreten und mit vielen roten, hellgesäumten Tupfen durchsetzt sind. Ihre Fettflosse ist rot umrandet.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In vielen Regionen ist die Bachforelle ein begehrter Nutzfisch und für Sportfischer wohl die wichtigste Art in ganz Europa. Die wirtschaftliche Bedeutung der Bachforelle für die Binnenfischerei ist beträchtlich. Sie zählt zu den häufigsten und bei den Sportfischern beliebtesten Fischen der Gebirgs- und Vorgebirgsgewässer. Schon vor mehreren hundert Jahren wurden Versuche mit künstlichem Laichen der Bachforellen und Forellen unternommen. Heute sind die künstlichen Brutanstalten in vielen Ländern Europas die einzige Gewähr dafür, dass diese Art in den Gebirgsbächen erhalten bleibt. An manchen Orten wird die Bachforelle in kühlere Teiche ausgesetzt. In den Teichen wird die Bachforelle mit Netzen abgefischt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Jiri Cihar: Süßwasserfische. Aventinum nakladatelstvi s.r.o., Praha, 1990 ISBN 3-8112-1287-7
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische". Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet". Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5
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