Bachschmerle

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Bachschmerle

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Überfamilie: Schmerlenartige (Cobitoidea)
Familie: Plattschmerlen (Balitoridae)
Unterfamilie: Flossensauger (Nemacheilinae)
Gattung: Barbatula
Art: Bachschmerle
Wissenschaftlicher Name
Barbatula barbatula
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Bachschmerle (Barbatula barbatula), auch als Schmerle oder Bartgrundel und unter dem Synonym Cobitis barbatula bekannt, zählt innerhalb der Familie der Plattschmerlen (Balitoridae) zur Gattung Barbatula. Im Englischen wird die Bachschmerle Stone Loach genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) e.V., Sitz in Offenbach, hat die Bachschmerle zum Fisch des Jahres 1984 gewählt. Aufgrund der Gewässerverunreinigung und Verbauung war die Bachschmerle in einigen Gebieten Europas gefährdet, in Niedersachsen gab es häufig nur noch isolierte Restpopulationen. Seit 1996 haben sich die Bestände dieser Art wieder erhohlt. Heute ist die Bachschmerle eine weit verbreitete Art mit keiner bekannten großen Bedrohung.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Laut fishbase kann die Bachschmerle eine max. Körperlänge von etwa 21,0 Zentimeter bei einem max. Gewicht von etwa 200 Gramm erreichen. Die Normallänge beträgt etwa 12,0 Zentimeter. Die Lebenserwartung der Bachschmerle liegt bei etwa 7 Jahren. <1>

Laut fishbase weist die Bachschmerle insgesamt 3 Rückenflossenstacheln, insgesamt 6 bis 8 Rückenflossenweichstrahlen, 3 Afterflossenstacheln, 5 bis 6 Afterflossenweichstrahlen sowie 16 bis 17 Schwanzflossenstrahlen auf. <1>

Laut fishbase wirkt der Körper etwas gestreckt sowie nach vorn abgeflacht und hinten etwas zusammengedrückt. Des Weiteren zeigen sich sechs Bartfäden am Mund. Unterhalb der Augenhöhe erkennt man keine erektile Wirbelsäule. Der hintere Rand der Schwanzflosse ist leicht eingekerbt. <1>

Der Mund der Bachschmerle ist mit sechs Bartfäden umgeben. Der Augenstachel ist sehr kurz und stumpf und liegt unter der Hautbedeckung verborgen. Der Körper ist wenig gestreckt und wirkt walzenförmig. Ferner zeigen sich 8 bis 10 schlanke und scharf zugespitzte Schlundzähne. <2>

Flossenformel
Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben.
D. (Dorsale = Rückenflosse) 3/7, A. (Anale = Afterflosse) 3/5, V. (Ventrale = Bauchflosse) 1/7, P. (Pectorale = Brustflosse) 1/12, C. (Caudale = Schwanzflosse) 18. <2>
Die Bachschmerle unterscheidet sich in ihrer Körperform wesentlich von den anderen beiden einheimischen Arten Europäischer Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) und Steinbeißer (Cobitis taenia), indem sie viel weniger gestreckt ist und einen walzenförmigen Körper besitzt.
Bachschmerle
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Bachschmerle
An ihrem unterständigen Mund befinden sich sechs mäßig lange Bartfäden, von denen vier gleichweit voneinander entfernt die Schnauze dicht über der Oberlippe besetzt halten. Während die übrigen beiden Barteln an den Mundwinkeln da angebracht sind, wo die fleischige Oberlippe in die ebenfalls fleischige Unterlippe übergeht. Unter den ziemlich hochstehenden kleinen Augen ist an derjenigen Stelle, an welcher unter der Haut der stumpfe Fortsatz des Suborbitalknochen verborgen liegt, äußerlich keine Andeutung vorhanden. Die Flossen der Bachschmerle zeigen sich im Verhältnis zur Körpergröße stärker und breiter entwickelt als bei den anderen beiden langgestreckten vorher genannten einheimischen Arten. Die Afterflosse erscheint sehr flach und abgerundet, während die Rückenflosse einen geraden Rand besitzt. Der Körper der Bachschmerle ist insgesamt mit sehr wenig Schuppen belegt. Auf dem Rücken und auf dem Bauch fehlen sie gänzlich, nur die Körperseiten mit Ausnahme der beiden Seitenlinien sind mit vereinzelten, sehr kleinen runden Schuppen besetzt, die gegen den Schwanz hin zwar dichter stehen, aber sich auch hier niemals dachziegelförmig decken. Die beiden von Schuppen entblößten Seitenlinien lassen sich mit einzelnen kurzen Unterbrechungen vom Vorderrumpf bis zum Schwanzende verfolgen. <2>

Die Körperseiten sowie der Bauch weisen eine schmutziggelbe, oft sehr blasse Färbung auf. Auf dem Rücken zeigen sich sehr dicht stehende schwarzgrüne Pigmentpunkte, welche sich auch an den Seiten bis nahe dem Bauch herab erstrecken und an vielen Stellen zu größeren Marmorflecken zusammenfließen. Die graue Rücken- und Schwanzflosse tragen viele nicht lange schwarze Flecke und die blassen Brustflossen sind nur zuweilen an ihrer oberen Seite schwarz gefleckt, während die blassgelben Bauchflossen und die ebenso gefärbte Afterflosse stets ungefleckt erscheinen. An der Wurzel der Schwanzflosse zeichnet sich fast immer ein senkrecht stehender schwarzer Bandstreifen aus. <2>

Lebensweise

Die Bachschmerle findet sich sowohl in der Ebene als auch in gebirgigen Gegenden, in Strömen und in Flüssen, vorwiegend aber in klaren, sauberen Bächen. Stehendes Wasser verträgt die Bachschmerle absolut nicht. Die Bachschmerle ist aber auch an den Ufern vieler Seen zu finden. Sie schwimmt gerne im freien Wasser umher, hält sich dabei immer am Bodengrund auf. Die Bachschmerle vermehrt sich sehr stark. Zur Laichzeit März und April strotzen die bis zum vordersten Drittel der Bauchhöhle reichenden Eierstöcke von sehr kleinen glanzlosen weißen Eiern. Die Bachschmerle ist ebenso furchtsam wie die Elritze (Phoxinus phoxinus). Das Fleisch der Bachschmerle ist sehr zart und wohlschmeckend und leicht verdaulich. Aufgrund des schmackhaften Fleisches wird die Bachschmerle überall geschätzt. <3>

Verbreitung

Juvenile Bachschmerle
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Juvenile Bachschmerle

Laut der Roten Liste der IUCN weist die Bachschmerle ein großes Verbreitungsgebiet auf, dazu zählen unter anderem Andorra, Österreich, Belorussland, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Irland, Italien, Kasachstan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Moldavien, Montenegro, Niederlande, Polen, Rumänien, Russische Föderation, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Türkei, Ukraine und Vereinigtes Königreich.

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Bachschmerle in Europa nördlich des Kaukasus, in den Pyrenäen sowie in den Alpen, ostwärts in den Flussmündungen der Loire und der Rhône, in der Nähe der Britischen Inseln (außer Nord-Schottland), im Süden von Schweden und Finnland (nordwärts bis etwa 66 ° N) und in den Zuflüssen der Donau und des Vardar-Flusses vor.

Laut der Roten Liste der IUCN lebt die demersale, potamodrome Bachschmerle nicht nur in fliessenden Bächen, klaren, sauberen Seen und in mittleren Flüssen, in denen die Böden mit Kies und Steinen besetzt sind, sondern auch in einer Vielzahl von anderen Lebensräumen, einschließlich sandige Kanäle und Seeufern. Abgelaicht wird im Schotter, im Sand oder zwischen den Wasserpflanzen. Die Larven und Jungfische bevorzugen Sandböden, Kiesböden und langsam fließende Gewässer. Wenn die Jugendlichen die Geschlechtsreife erreicht haben, wandern sie in schnellfließende Gewässer.

Ernährung

Die Bachschmerle ist in der Nacht aktiv und sucht im Kies oder im Sand nach Nahrung. Die Nahrung besteht vorwiegend aus organischen Abfällen. Des Weiteren stehen auf der Speisekarte Insektenlarven, kleine Krebstiere (Crustacea), Egel (Hirudinea) sowie Schnecken (Gastropoda), auch Fischlaich wird von der Bachschmerle nicht verschmäht. Die benthischen Larven ernähren sich von großen Makrozoobenthos wie zum Beispiel Flohkrebse (Amphipoda), Zuckmücken (Chironomidae) und Insektenlarven.

Fortpflanzung

Laut der Roten Liste der IUCN erreicht die Bachschmerle die Geschlechtsreife in der Regel nach einem Jahr in Mittel- und Südeuropa. In Nordeuropa ist die Bachschmerle erst mit 2 bis 3 Jahren in nährstoffarmen Lebensräumen geschlechtsreif. Die meisten Individuen laichen ein- bis zweimal im Jahr. Die Laichzeit erfolgt in den Monaten von April bis Juni bei Temperaturen von über 10 Grad Celisus, in der Regel am frühen Morgen. Mehrere Rogner versammeln sich im offenen Substrat bzw. im offenen Wasser und setzen die glanzlosen, weißen Eier frei, die oft in der Nähe der Wasseroberfläche treiben und an unterschiedlichen Substraten wie Wasserpflanzen dann haften bleiben. Die Eier werden auch des öfteren von Sand und Geröll bedeckt. Einzelne Weibchen können jeden Tag für einen kurzen Zeitraum laichen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Bachschmerle tolerant gegenüber moderater, organischer Verschmutzung und Flusskanalisation, jedoch reagiert die Bachschmerle empfindlich auf Verschmutzung durch Schwermetalle und bei zu geringem Sauerstoffgehalt. Der Bestand der Bachschmerle hat sich seit 1996 wieder erhohlt und wird in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (least concern) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Barbatula barbatula (Linnaeus, 1758)
  • [2] Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Bearbeitet von Carl Theodor Ernst von Siebold. Professor der Zooologie und Vergleichenden Anatomie in München. Mit 64 Holzschnitten und 2 Farbigen Tafeln. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann. 1863.
  • [3] Süsswasserfische der Östreichischen Monarchie mit Rücksicht auf die angränzenden Länder. Bearbeitet von Jakob Heckel und Dr. Rudolf Kner. Leipzig. Verlag von Wilhelm Engelmann. 1858.
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Jiri Cihar: Süßwasserfische. Aventinum nakladatelstvi s.r.o., Praha, 1990 ISBN 3-8112-1287-7
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische". Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet". Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5

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