Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher

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Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Sturmvögel (Procellariidae)
Gattung: Sturmtaucher (Puffinus)
Art: Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher
Wissenschaftlicher Name
Puffinus mauretanicus
Lowe, 1921

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher (Puffinus mauretanicus) zählt innerhalb der Familie der Sturmvögel (Procellariidae) zur Gattung der Sturmtaucher (Puffinus). Im Englischen wird der Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher balearic shearwater genannt. Dieses Taxon wird von einigen Autoren als Subspezies von Puffinus yelkouan im weiteren Sinne (sensu-lato) betrachtet. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher ist ein mittelgroßer und dunkel gefärbter Sturmtaucher. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 35,0 bis 40,0 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 85,0 bis 90,0 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 472,0 bis 565,0 Gramm. Das Obergefieder weist eine dunkelbraune sowie eine leicht kontrastierende schmutzig, variabel gekennzeichnete braun-weißlich gefärbte Unterseite auf. Die meisten Individuen zeigen dunkle Schwanzunterdecken und Schulterfedern. Die Art sieht dem Schwarzschnabel-Sturmtaucher (Puffinus puffinus) sehr ähnlich, jedoch fehlt der letztgenannten Art der starke Kontrast zwischen Obergefieder und Unterseite. Die dunkel gefärbten Individuen könnten leicht mit dem Dunklen Sturmtaucher (Puffinus griseus) verwechselt werden, jedoch weist die letztgenannte Art einen weißen Bauch auf.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN brütet der Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher auf Felsen und kleinen Inseln. Er ist sehr philopatrisch (brutortstreu) und legt nur ein Ei. Erst im dritten Jahr beginnen die Erwachsenen zu brüten. Die Brutzeit liegt zwischen Februar und Juni. Die Vögel konzentrieren sich an der Ostküste von Spanien, wo sie vor allem den produktiven Festlandsockel und die damit verbundenen Nahrungsquellen besiedeln, an denen hohe Konzentrationen von Beute rund um das Ebro-Delta auftreten. Die meisten Vögel verlassen das Mittelmeer nach der Brutzeit und halten sich während der Mauser in der Bucht von Biskaya auf, obwohl einige Vögel in der Alboran See bleiben.

Verbreitung

Menorca Barranc d Algendare
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Menorca Barranc d Algendare

Laut der Roten Liste der IUCN brütet diese Art auf den zu Spanien gehörenden Balearen. Bei der bis dato umfassendsten Zählung im Jahre 2005 schätzte man 2.000 bis 2.400 Brutpaare an 24 verschiedenen Standorten. Dabei zählte man auf Mallorca 350 bis 550 Paare, Cabrera 50 bis 100 Paare, Menorca 100 bis 175 Paare, Ibiza 200 bis 300 Paare und Formentera weniger als 1.000 Paare. Vor kurzem glaubte man, dass die Gesamtpopulation 8.000 bis 10.000 Individuen beträgt, jedoch ergaben aktuelle Erhebungen und Zählungen eine Gesamtpopulation von etwa 20.000 bis 30.000 Individuen. Dies wurde durch die Anzahl von mindestens 15.000 Individuen aus Valencia im Jahr 2009 unterstützt. Gründe für die Diskrepanz zwischen Brut- und Nicht-Brutbestand sind unklar, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Art eine besonders große Population an Jungvögeln und Nicht-Brütern aufweist. Auf der Insel Cabrera sind 60% der Kolonien in den letzten Jahrzehnten verschwunden, während bei einer Erhebung im Jahre 2004 auf der Insel Formentera (etwa 50% Brutpaare) kein einziges Nest in allen 30 geeigneten Höhlen auf einem Felsen entdeckt wurde.

Die Analyse der Lebensfähigkeit hat gezeigt, dass die Art aufgrund ökologischer und demographischer Veränderungen in 40,4 Jahren ausgestorben sein wird. Die mittlere Wachstumsrate zeigt einen Rückgang um 7,4% pro Jahr. Im Winter kehren die Vögel auf die Balearen zurück und ein Großteil der Population aus dem Norden der spanischen Küste konzentriert sich von November bis Februar traditionell zwischen Valencia und Katalonien. Einige Vögel ziehen im Sommer nach Norden und halten sich vor den Britischen Inseln und im Süden auf der skandinavischen Halbinsel auf. Insgesamt ist die Zahl seit Mitte der 1990er Jahre zurückgegangen, jedoch ist ein entsprechender Anstieg der Zahlen an den Küsten von Nord-Frankreich und im Südwesten von Großbritannien und Irland zu beobachten.

Menorca
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Menorca

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Art in folgenden Ländern vor: Algerien, Frankreich, Gibraltar, Irland, Marokko, Portugal, Spanien und Vereinigtes Königreich. Als Durchzügler ist die Art in folgenden Ländern anzutreffen: Belgien, Kap Verde, Dänemark, Deutschland, Israel, Italien, Niederlande, Norwegen, Polen, Schweden und Tunesien. Ferner ist die Art in folgenden Ländern präsent, jedoch ist die Herkunft ungewiss: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Ägypten, Färöer, Griechenland, Libyen, Malta, Monaco, Montenegro und Slowenien.

Ernährung

Der Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher ernährt sich von kleinen Fischen, Krebstieren und von Tintenfischen. Bei der Nahrungssuche taucht und schwimmt der Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher auch unter Wasser oder nimmt die Nahrung von der Wasseroberfläche auf. Häufig sieht man den Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher bei der Nahrungssuche in Gesellschaft mit anderen Seevögeln.

Fortpflanzung

Laut der Roten Liste der IUCN brütet der Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher auf Felsen und kleinen Inseln. Die Vögel konzentrieren sich an der Ostküste von Spanien, wo sie vor allem den produktiven Festlandsockel und die damit verbundenen Nahrungsquellen besiedeln, an denen hohe Konzentrationen von Beute rund um das Ebro-Delta auftreten. Die meisten Vögel verlassen das Mittelmeer nach der Brutzeit und halten sich während der Mauser in der Bucht von Biskaya auf, obwohl einige Vögel in der Alboran See bleiben. Die Erwachsenen beginnen erst im dritten Jahr zu brüten. Der Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher ist sehr philopatrisch (brutortstreu) und legt nur ein einziges weißes Ei. Die Brutzeit liegt zwischen Februar und Juni. Das Nest befindet sich in der Regel in einer Felsspalte. Die Inkubation beträgt etwa 50 Tage, wobei beide Geschlechter das Ei bebrüten. Der Jungvogel ist etwa nach 50 bis 54 Tagen flügge und verläßt dann die Brutkolonie.

Gefährdung und Schutz

Menorca - Cales Coves
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Menorca - Cales Coves

Laut der Roten Liste der IUCN weist die Art einen winzigen Brutbereich und eine kleine Population auf. Aufgrund einer Reihe von Bedrohungen, wie eingeführte Säugetiere und kommerzielle Fischerei, ist ein äußerst rascher Rückgang über drei Generationen (54 Jahre) zu verzeichnen. Deswegen wird die Art in der Roten Liste der IUCN als "critically endangered" (vom Aussterben bedroht) geführt. Allerdings deuten die jüngsten Aufzeichnungen darauf hin, dass diese Art nicht so drastisch abnimmt, wie bisher angenommen. Rodríguez und McMinn (2005) schätzen etwa 2.000 bis 2.400 Brutpaare und insgesamt etwa 8.000 bis 10.000 Individuen. Im Winter halten sich jedoch entlang der Iberischen Halbinsel etwa 25.000 bis 30.000 Individuen auf (J. M. Arcos in litt. 2008) und auf Gibraltar zählte man im Jahre 2008 von Mai bis Juli mehr als 18.000 Vögel. Eine Hochrechnung von Gonzalo Muñoz/Fundación Migres ergab eine Gesamtzahl von insgesamt 20.000 bis 25.000 Individuen. Diese Daten sind schwer zu vereinbaren, aber eine vorläufige Schätzung von 6.000 bis 10.000 geschlechtsreifen Individuen erscheint als angemessen (J. M. Arcos, D. Oro und I. Ramírez in litt. 2009).

Laut der Roten Liste der IUCN erklärte die Regierung der Balearen im Jahr 2000 drei neue Bereiche als besondere Schutzgebiete, so dass alle Important Bird Areas (Gebiete, die nach globalen Kriterien als wichtig für den Arten- und Biotopschutz speziell für Vögel eingestuft werden) zum Nisten für diese Art jetzt geschützt sind. Auf Estell Xapat, Esclatasang, Redonda und Imperial (alle gehören zu der Cabrera Insel-Gruppe) wurden die Ratten erfolgreich ausgerottet. Des Weiteren werden die auf Dragonera, Conills und Malgrats ständig bekämpft. Andere Inseln wie Eivissa und Espalmador werden demnächst kontrolliert. Ferner wurden Fonds zur Verfügung gestellt für die Beseitigung und Kontrolle von Prädatoren in verschiedenen Kolonien auf Mallorca und Formentera . Eine Reihe von Aktionen werden derzeit durch Tierschützer vom Spanischen Vogelschutzbund (SEO, Partner von BirdLife International) und von SPEA als Teil des BirdLife Preventing Extinctions Programms implementiert. Froschungen sind im Gange über die Mortalität in der Langleinenfischerei: SPEA hat einen Frageborgen für die Fischer zusammengestellt und begann damit die Durchführung einzelner Interviews mit den Fischern in sieben Fischereihäfen und erstellte im Jahr 2009 einen Beifang-Bericht. Des Weiteren wurden 1.000 Exemplare eines Best-Practice-Leitfaden, der Informationen über die Beifänge und Seevögel beinhaltet, von SPEA in einem Kalender-Format von Dezember 2008 bis März 2010 für die Fischer in Spanien und Portugal produziert. Die Aktionspläne für die Art wurden auf lokaler, nationaler und auf internationaler Ebene in den Jahren 1991, 1999, 2004 und 2005 durchgeführt. Spanien und Portugal erstellten gemeinsam zwei LIFE-Projekte für die Art in den Jahren von 1991 bis 2001 und in den Jahren von 2004 bis 2008.

Menorca - Alcaufar
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Menorca - Alcaufar

Die erste Bestandsaufnahme der Important Bird Areas (IBA) in Portugal wurde 2008 veröffentlicht. Diese Bestandsaufnahme weist die Identifizierung wichtiger Bereiche für die Balearen Schwarzschnabel-Sturmtaucher auf. Das spanische IBA-Projekt endete im Jahre 2009 mit der Veröffentlichung eines Buches in Spanien. Ein neues LIFE-Projekt startete im Jahre 2009 mit dem Ziel der Integration der IBA in das Netzwerk Natura 2000 (offizielle Bezeichnung für ein kohärentes Netz von besonderen Schutzgebieten) und der Entwicklung der geeigneten Bewirtschaftungspläne für die Special Protected Areas. Die Ergebnisse des IBA-Projektes wurde der regionalen Regierung vorgelegt. Derzeit wird daran gearbeitet, die abzugrenzenden Brut- und Nicht-Brut-Nahrungssuche und die Gebiete sowie die Migrationsrouten für die Ausweisung als Special Protected Area (SPAs) in mehreren europäischen Ländern zu identifizieren. Koordinierte Bemühungen der weltweiten Populationen sind im Gange durch aktuelle Informationen der Brutkolonien und der Zählungen auf See. Seit 2005 werden halbjährliche Umfragen vor der portugiesischen Küste durchgeführt und ein Netz von Beobachtern befinden sich an der katalanischen Küste. Luft- und ozeanographische Untersuchungen wurden ebenfalls durchgeführt und ergaben aufschlussreiche Hotspots der Arten entlang des Festlandsockels.

Laut der Roten Liste der IUCN sind folgende Maßnahmen erforderlich: Bekämpfung und Ausrottung der Prädatoren in den Brutkolonien. Bewertung der Ausrottung von Kaninchen. Gründliche Studien und die Entwicklung von Aufklärungskampagnen in der Fischwirtschaft sind erforderlich, um das Problem der Beifänge von Langleinenfischerei zu reduzieren. Die Gewährleistung eines wirksamen Schutzes für die Nistplätze und Überwachung von Bewirtschaftungsplänen ist ebenfalls erforderlich. Sensibilisierung der Menschen, um das Aussterben dieser Art zu verhindern. Beobachtung der kleinen pelagischen Fischbestände im westlichen Mittelmeer und Bewertung des Umfanges der Überfischung in der Bucht von Biskaya. Koordinierung der Verbote der Schleppnetzfischerei, um das völlige Fehlen von Fischabfällen zu vermeiden. Bewertung der Auswirkungen von Schadstoffen und Schwermetallen, sowie Bewertung einer möglichen Ölverschmutzung der wichtigsten Nahrungs- und Brutgebiete dieser Art. Ferner sollten Schutzzonen mit strengen Schutzmaßnahmen im Bereich des Ebro und rund um das Cabo de la Nao eingeführt werden.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

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