Balkenschröter

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Balkenschröter

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Schröter (Lucanidae)
Unterfamilie: Dorcinae
Gattung: Dorcus
Art: Balkenschröter
Wissenschaftlicher Name
Dorcus parallelipipedus
Linnaeus, 1758

Der Balkenschröter (Dorcus parallelipipedus) zählt innerhalb der Familie der Schröter (Lucanidae) zur Gattung Dorcus. Im Englischen wird die Art als Lesser stag beetle bezeichnet. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde der Balkenschröter im Jahre 1758 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Von über 6.000 in Deutschland vorkommenden Käferarten gehört der Balkenschröter mit 19 bis 32 Millimeter Körperlänge zu den größeren Arten unter den heimischen Käfern. Weibchen bleiben insgesamt etwas kleiner als Männchen. Zudem haben Männchen deutlich breitere Köpfe. Der mächtige Nacken- und Halsschild sowie die Flügeldecken sind leicht punktiert und weisen eine dunkelbraune bis mattschwarze Färbung auf. Der hintere Teil der Flügeldecken schimmert je nach Lichteinfall violett metallisch. Die Fühler bestehen aus zehn Elementen und sind am Ende blattartig aufgefächert. Neben der Größe gibt es noch einen weiteren deutlichen Geschlechtsdismorphismus; das Männchen verfügt über geweihähnlich vergrößerte Mundwerkzeuge, den sogenannten Mandibeln. Diese sind allerdings bei Weitem nicht so groß wie die Mandibeln männlicher Hirschkäfer (Lucanus cervus). Mit diesen Mundwerkzeugen können sie durchaus durch die Haut eines Menschen dringen und sich schmerzhaft zur Wehr setzen.

Aufgrund ihrer Größe könnte man meinen, das es sich bei dem Balkenschröter um einen rein terrestrischen Käfer handelt. Er kann aber trotz seiner imposanten Größe fliegen. Er ist allerdings ein träger Flieger der einen Aktionsradius von nur wenigen Kilometer aufweist. Meist ist er allerdings recht standorttreu und hegt nur mäßige Ausbreitungstendenzen. Der Balkenschröter gehört sowohl zu den tagaktiven als auch zu den dämmerungs- und nachtaktiven Käferarten. Ihre Flugzeit beschränkt sich auf die Monate Mai bis Ausgust.
Unterseite eines weiblichen Balkenschröter
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Unterseite eines weiblichen Balkenschröter

Insgesondere durch die massive Flurbereiniging ist der Balkenschröter in weiten Teilen Deutschlands selten geworden, auch wenn er in vielen Gebieten einer der häufigsten Vertreter aus der Familie der Schröter (Lucanidae) ist und mancherorts in großen Mengen Vorkommen findet. Aber weil die meisten Wälder mittlerweile forstwirtschaftlich genutzt werden und das Totholz in der Regel aus dem Wald geschafft wird, ist der Lebensraum immer kleiner geworden. Aufgrund der Bundesartenschutzverordnung steht der Balkenschröter nun schon seit längerem unter Naturschutz.

Verbreitung

Der Balkenschröter ist in weiten Teilen Europas beheimatet. Er ist insbesondere in Mittel-, Süd- und Osteuropa zu Hause. Er bewohnt etwas feuchte Laubwälder, meist reine Eichen- oder Buchenwälder mit reichlich Unter- und Totholz, seltener auch Mischwald oder Auenwälder. Sie sind meist in oder auf Totholz anzutreffen. Auch in Obstgärten oder Parks ist der Balkenschröter gelegentlich anzutreffen. In den Abendstunden sieht man sie gelegentlich auch fliegen. Sogenannte Saftstellen in den Bäumen dienen dem Balkenschröter als Nahrungsquelle.

Nahrung

Adulte Balkenschröter ernähren sich von Baumsäften, vorzugsweise von der Eiche (Quercus) oder der Rotbuche (Fagus sylvatica). Sie nehmen den Baumsaft aus Wunden
Weiblicher Balkenschröter
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Weiblicher Balkenschröter
in der Rinde auf. Die Larven leben von vermodertem Totholz der Wirtsbäume. Das Totholz ist meist von Pilzen (Fungi) befallen, so daß selbst dieses Holz einen Nährwert aufweist.

Fortpflanzung

Balkenschröter erreichen die Geschlechtsreife mit Beendigung des Puppenstadiums. Die Paarungszeit erstreckt sich über die Monate Juni bis August. Während der Balz kommt es zwischen den Männchen regelmäßig zu Kommentkämpfen, bei denen sich letzten Endes niemand verletzt. Der Gewinner hat das Recht auf die Paarung mit dem Weibchen. Das Weibchen legt meist 20 bis 25 Eier tief in die Rinde toter Eichen oder Buchen. Die Eier werden an verschiedenen Stellen abgelegt. Aus den Eiern schlüpfen nach etwa zwei bis drei Wochen die Larven. Sie leben meist für zwei bis drei Jahre im modernden Holz und gedeihen dort prächtig. Während dieser Zeit durchlaufen sie mehrere Larvenstadien. Im Holz kommt es auch zur Verpuppung, die in einer Puppenwiege stattfindet. Die meisten Käfer schlüpfen im Sommer, bleiben dann aber bis zum nächsten Frühjahr in ihrer Puppenwiege und überwintern dort, anschließend sind sie als erwachsene Käfer etwa von Mai bis August, mal auch früher oder später, anzutreffen. Adulte (ausgewachsene) Käfer haben etwa eine Lebensdauer von sechs bis acht Wochen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Kosmos-Naturführer: Welches Insekt ist das?, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-09874-5
  • Heiko Bellmann: Der große Kosmos Tierführer - 1.000 Arten Mitteleuropas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10093-6
  • Für den ursprünglichen Text verwendete Quellen werden ebenfalls angefügt.
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