Barbe

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Barbe

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Überfamilie: Karpfenähnliche (Cyprinoidea)
Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
Gattung: Flussbarben (Barbus)
Art: Barbe
Wissenschaftlicher Name
Barbus barbus
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Barbe (Barbus barbus), auch als Flussbarbe, Barbel oder Pigge bekannt, zählt innerhalb der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) zur Gattung der Flussbarben (Barbus). Im Englischen wird die Barbe Barbel genannt.

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) e.V., Sitz in Offenbach, hat die Barbe zum Fisch des Jahres 2003 gewählt. Auch diese Fischart ist als gefährdet anzusehen. Die Gefährdungsursachen sind bei allen Wanderfischarten die gleichen: Nachteilige Veränderungen des Lebensraums durch Stauwerke, fehlende Durchgängigkeit des Flußlaufs als Folge der Sperrwirkung von Wasserkraftanlagen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Barbe erreicht eine Körperlänge von etwa 30 bis 50 Zentimeter. Der Körper der Barbe wirkt insgesamt etwas spindelförmig. Die Schlundzähne sind konisch geformt und am Ende gekrümmt und sind in drei Reihen angeordnet. Am Maul befinden sich 4 Bartfäden, dieses Merkmal war auch für die Art namensgebend. Zwei Bartfäden zeigen sich an der Spitze und die anderen zwei Bartfäden befinden sich am Winkel der Oberlippe. Die Schwanzflosse ist gabelförmig und die Rücken- und Afterflosse wirken ziemlich kurz, letzte ist kürzer als die erste. Ferner befindet sich in der Rückenflosse ein starker, am Hinterrand sägeförmig gezähnter Stachel. <1>

Der Kopf der Barbe ist lang und schmal und der Rumpf ähnelt eher dem Hechtrumpf. Die Oberseite weist eine olivgrüne Färbung auf und die Seiten sind von einer bläulichen Tönung. Die Unterseite erscheint weißlich und die Seitenlinie ist schwarz getüpfelt. Die unteren Flossen weisen eine rötliche Färbung auf. Der Oberkiefer ist vorstehend und die Lippen wirken ziemlich wulstig. Die Rückenflosse ist mit vier ungeteilten Strahlen und mit acht geteilten Strahlen besetzt. Die Afterflosse weist drei ungeteilte und fünf geteilte Strahlen auf. Oberhalb der Seitenlinie sind 13 Schuppen und unterhalb der Seitenlinie sind neun Schuppen vorhanden. <1>

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Barbe
Flossenformel der Barbe
Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben.
Laut fishbase weist die Barbe insgesamt 3 bis 4 Rückenflossenstacheln, insgesamt 7 bis 9 Rückenflossenweichstrahlen, 2 bis 3 Afterflossenstacheln, 5 bis 6 Afterflossenweichstrahlen, 46 bis 47 Wirbel sowie 19 bis 20 Schwanzflossenstrahlen auf. <2>

Toxizität der Eier

Das Fleisch der Barbe hat einen angenehmen Geschmack, soll aber Magenschmerzen verursachen, wenn das Fleisch nicht stark gesalzen ist. Der Genuß der Eier (Rogen) ist aber stets von unangenehmen Folgen begleitet. Am schädlichsten sind die Eier im Mai, also in der Laichzeit. Die Symptome sind starkes Würgen ohne Erbrechen, aber mit heftigen Magenschmerzen, begleitend mit Diarrhoe (Durchfall). Nach einigen Stunden lassen die Symptome nach, jedoch halten kardialgische Schmerzen und Appetitlosigkeit für mehrere Tag an. Besonders bei Kindern stellen sich unmittelbar nach dem Genuß der Eier galliges Erbrechen, Angst, Diarrhoe mit Stuhlzwang, starker Schweißausbruch, konvulsivische (krampfartig, spasmisch) Bewegungen der Glieder ein. Bei nicht zu häufigem Erbrechen sollte man ein Brechmittel wie zum Beispiel Ipecacuanha (Brechwurzel) verabreichen, das Übelkeit und Erbrechen auslöst, zusätzlich sollte man eine reichliche Menge Limonade trinken. <1>

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN hält sich die Barbe vorwiegend in klaren, warmen, mittelständisches, großen Flüssen mit schnell fließender Strömung und mit Kiesgrund. Diese Flüsse sind meist in den Vorgebirgen und im Tiefland zu finden. Gelegentlich kommt die Barbe auch in Seen vor. In der Regel laicht die Barbe in sehr flachen, schnell fließenden Gewässern in Riffelungen ab. Die Barbe überwintert oft in großen Ansammlungen inaktiv oder aktiv dann in langsam fließenden Flüssen. Am Tage verbirgt sich die Barbe oft in Untiefen unter überhängenden Bäumen oder Brücken. Am aktivsten ist die Barbe in der Dämmerung. Die Barbe kann bis zu 15 Jahren alt werden.

Unterarten

Verbreitung

Barbe
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Barbe

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Barbe in folgenden Verbreitungsgebieten zu finden: Andorra, Österreich, Belarus, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechische Republik, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, die ehemalige jugoslawische Republik, der Republik Moldau, Montenegro, Niederlande, Polen , Rumänien, Russische Föderation, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweiz, Ukraine, Vereinigtes Königreich.

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Barbe nördlich der Pyrenäen und der Alpen, von Adour (Frankreich) ostwärts bis zur Memel (Litauen, Russland) in den Flussmündungen zu finden. Des Weiteren hält sich die Barbe in den Flussmündungen der Donau und Dnjepr und im nördlichen Schwarzmeer-Becken auf. Ferner ist die Barbe im Südosten Englands nördlich von Yorkshire anzutreffen. In fast allen Mittelmeerländern kommt die Barbe in den Flussmündungen von Frankreich vor. Eingeführt wurde die Barbe lokal in Norditalien und Mittelitalien, in den meisten westlichen Flussmündungen von England und ferner findet man die eingeführte Barbe in den Flüssen Wear (Nordosten Englands), Tees (nördlich von England) und Medway (Südosten Englands).

Laut der Roten Liste der IUCN hält sich die Barbe in folgenden Habitaten auf: Feuchtgebiete (Inland) wie Flüsse, Bäche, schmale Buchten mit Wasserfällen sowie Süßwasser-Seen über 8 Hektar.

Ernährung

Die Barbe ernährt sich vorwiegend von benthonisch wirbellosen Tieren wie kleine Krebstiere (Crustacea), Insektenlarven, Weichtiere (Mollusca), Eintagsfliegen (Ephemeroptera) und Mückenlarven. Gelegentlich nimmt die Barbe auch Algen zu sich.

Fortpflanzung

Juvenile Barbe
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Juvenile Barbe

Laut der Roten Liste der IUCN laichen die Männchen in der Regel zum ersten Mal in 2 bis 5 Jahren. Die Weibchen laichen etwa in 1 bis 2 Jahren. Die Laichzeit findet in den Monaten von Mai bis Juli statt, selten bis September. Die Temperatur muß in der Laichzeit etwa 15 Grad Celsius erreicht haben. Das Weibchen kann mehrmals laichen, in der Regel in Abständen von 10 bis 15 Tagen pro Saison. Die adulten Tiere unternehmen oft weite Laich-Migrationen. Die See-Populationen migrieren meist in die Nebenflüsse. Einzelne Weibchen laichen mit mehreren Männchen. Die Männchen versammeln sich rund um die Laichplätze, die sich in den Riffelungen befinden, und folgen den reifen Weibchen, oft mit viel Spritzwasser. Die Männchen stellen sich werbend zur Schau oder schleichen sich an die Laichplätze heran. Die werbenden Männchen folgen den Weibchen bis zum Laichplatz. Ein Männchen schwimmt Kopf an Kopf mit dem Weibchen. Die schleichenden Männchen warten im Bereich des Laichplatzes und versuchen an der Paarung teilzunehmen, um die Eier dann zu befruchten. Es können bis zu 130 Männchen in einem einzigen Akt die Eier eines Weibchens befruchten. Das Weibchen legt etwa 3.000 bis 9.000 nicht-klebrige, giftige Eier mit einem Durchmesser von etwa 2 Millimeter in die vorher aufgefächerten Kiesmulden ab. Die Larven driften eine Kurze Strecke vom Laichplatz entfernt in die flache Küstenlinie. Die Larven und die Jungfische sind benthisch und halten sich in sehr flachen Küstengewässern auf. Sie verlassen das Ufergewässer erst, wenn sie erwachsen sind und suchen dann die schnell fließenden Gewässer auf. Die Larven und die Jungfische sind am Tage und in der Nacht aktiv. Sie ernähren sich überwiegend von benthonisch wirbellosen Tieren und von kleinen Fischen. Gelegentlich nehmen sie auch Algen zu sich.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN weist die Art ein sehr großes Verbreitungsgebiet auf. Die Art ist jedoch lokal durch Wasserverschmutzung und Flussregulierung, vor allem in den baltischen Flüssmündungen wie Elbe, südlicher Bug und Dnjepr bedroht. Ein starker Rückgang durch den Bau großer Stauseen und Umweltverschmutzung ereignete sich während des 20. Jahrhunderts. Allerdings hat sich die Art auf moderatem Niveau stabilisiert. Des Weiteren starke Beeinflussung durch die Verschmutzung in Mitteleuropa, jedoch hat sich auch dort die Art einigermaßen erholt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Naturgeschichte der für die Heilkunde wichtigen Thiere: mit besonderer Rücksicht auf Pharmacologie, Pathologie und Toxicologie. Entworfen von Dr. med. Eduard Friedrich Gotthelf Martiny. Zweite wohlfeile Ausgabe mit 222 Abbildungen. Gießen. Ferbersch'e Universitätsbuchhandlung. Emil Roth. 1854.
  • [2] Barbus barbus (Linnaeus, 1758)
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische. Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Harald Gebhardt, Andreas Ness: Fische. Die heimischen Süßwasserfische sowie Arten der Nord- und Ostsee. BLV Verlagsgesellschaft mbH., München, Wien, Zürich, 1990 ISBN 3-405-13816-7
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5
  • John R. Paxton, William N. Eschmeyer & David Kirshner: Enzyklopädie der Tierwelt: Fische. Bassermann, Auflage 1, 2003, ISBN 3572013771

Qualifizierte Weblinks

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