Belding-Ziesel

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Belding-Ziesel

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Ziesel und Präriehunde (Spermophilina)
Gattung: Ziesel (Spermophilus)
Art: Belding-Ziesel
Wissenschaftlicher Name
Spermophilus beldingi
Merriam, 1888

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Belding-Ziesel (Spermophilus beldingi) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Ziesel (Spermophilus). Die Unterart Spermophilus beldingi oregonus wure ursprünglich als eigene Art unter dem Namen Spermophilus oregonus geführt.

Zusammen mit dem Townsend-Ziesel (Spermophilus townsendii), dem Wyoming-Ziesel (Spermophilus elegans), dem Uinta-Ziesel (Spermophilus armatus) und dem Richardson-Ziesel (Spermophilus richardsonii) bildet der Belding-Ziesel die Untergattung Spermophilus.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde des Spermophilus-Komplexes stammen aus dem Oberen Pleistozän und dürften somit ein Alter von etwa 50.000 bis 100.000 Jahren aufweisen. Die ersten rezenten Vertreter entwickelten sich während des Miozän aus Vertretern der Gattung Miospermophilus. Die bisherigen Funde decken sich nicht ganz mit dem heutigen Verbreitungsgebiet und stammen von verschiedenen Arten des Spermophilus-Komplexes. <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Belding-Ziesel erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 23 bis 30 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 4,4 bis 7,6 Zentimeter eine Hinterfußlänge von 3,9 bis 4,7 Zentimeter, eine Ohrlänge von 7 bis 11 Zentimeter sowie ein Gewicht von 130 bis 550 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Das Gewicht schwankt nicht nur je nach Geschlecht, sondern auch je nach Saison. Unmittelbar nach Erwachen aus dem Winterschlaf weisen die Tiere das niedrigste Gewicht auf. Dementsprechend wird das höchste Gewicht unmittelbar vor der Winterruhe erreicht. Weibchen wiegen zu diesem Zeitpunkt kaum 130 Gramm, Männchen selten über 200 Gramm. <2> In der Fellfärbung zeigen die Geschlechter keinen Dimorphismus. Das dichte Fell weist eine überwiegend braune bis graubraune, stellenweise auch eine rötlichbraune oder zimtbraune Färbung auf. Lateral wird das Fell deutlich heller, ventral zeigt sich eine fast weißliche bis cremefarbene Färbung. Pro Saison kommt es zu zwei Fellwechseln. Es wird zwischen Sommer- und Winterfell unterschieden. Oberhalb und unterhalb der großen Augen ist deutlich ein weißlicher Augenring zu erkennen. Die Ohren sind leicht gerundet, von stehender Form und sitzen auf Höhe der Augen weit hinten am Kopf. Die Länge der Ohren ist etwas länger als bei den meisten anderen Vertretern der Untergattung Spermophilus. Nur der Wyoming-Ziesel hat ähnlich lange Ohren. Die Außen- wie Innenseiten der Ohren sind spärlich mit Fell versehen. Der kurze Schwanz ist mit Fell besetzt, jedoch keineswegs buschig. Im Bereich der Schnauzenspitze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Die Extremitäten sind gut entwickelt. Mit den Vorderfüßen kann der Belding-Ziesel Nahrung greifen und zum Maul führen. Im Analbereich verfügen die Tiere über Drüsen mit drei Austrittsöffnungen, die zum Markieren und der chemischen Kommunikation untereinander dienen. Das Gebiss besteht aus 22 Zähnen, die zahnmedizinische Formal lautet 1/1, 0/0, 2/1, 3/3.

Lebensweise

Belding-Ziesel leben je nach Geschlecht sowohl einzelgängerisch als auch gesellig. Vor allem die Weibchen kann man oftmals in Gruppen beobachten. Diese Gruppen bestehen aus einer Mutter und ihrem Nachwuchs. In der Regel handelt es sich dabei um reine Familiengruppen. Männchen sind meist einzelgängerisch anzutreffen. Sie stoßen meist nur zur Paarungszeit zu den Weibchen und sind während dieser Zeit sehr territorial. Eine Kolonie kann aus einigen Dutzend oder auch aus einigen Hundert Tieren bestehen. Belding-Ziesel sind tagaktiv, haben ihre aktivste Zeit vor allem in den frühen Morgen- und späteren Nachmittagsstunden. Etwa ein Drittel der aktiven Zeit wenden Belding-Ziesel für die Nahrungssuche und -aufnahme auf. Dies ist bei allen amerikanischen Zieseln der Fall. Während der kalten Jahreszeit halten Belding-Ziesel eine Winterruhe, die sich in allen Verbreitungsgebieten von September bis in den April erstreckt.
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Während dieser Zeit leben Belding-Ziesel von ihren Fettreserven, die sie sich im Sommer angefressen haben. Die Winterruhe überleben durchschnittlich nur 50 bis 60 Prozent aller Tiere, die restlichen Tiere gehen aufgrund von Nahrungsmangel oder Kälteeinwirkung zu Grunde. Männchen erwachen aus der Winterruhe etwa ein bis zwei Wochen vor den Weibchen. Unmittelbar nach Erwachen aus der Winterruhe nehmen die Männchen ein Revier in Beschlag. In der Regel decken sich diese Reviere mit den Revieren mehrerer Weibchen. Ältere Männchen haben ihre Reviere im Kernbereich einer Kolonie, jüngere Männchen entsprechend eher an den Rändern einer Kolonie. Ein Männchen paart sich mit allen Weibchen in seinem Revier, umgekehrt paart sich ein Weibchen mit mehreren Männchen.

Als Ruheplätze dienen die Nester tief unter in den Bauten der Tiere. Die Erdbauten sind durchaus komplexe Bauten mit mehreren Ein- und Ausgängen, deren Gänge eine Gesamtlänge von 5 bis 15 Metern aufweisen können. Die Gänge haben zumeist einen Durchmesser von gut acht Zentimeter. Die Wohnkammern liegen in Tiefen von 70 bis 200 Zentimetern. Ein Bau verfügt über mehrere Ein- und Ausgänge, meist sind es zwischen sechs und acht. Kurz nach Beendigung der Winterruhe stecken die Männchen ein Revier ab und warten auf die ersten Weibchen. Die Weibchen erwachen meist ein bis zwei Wochen nach den Männchen. Ein Revier kann durchaus einige Tausend Quadratmeter groß sein. Die Reviere erstrecken sich über die Bauten mehrerer Weibchen. Dieses können gut und gerne fünf oder auch mehr Weibchen sein. Unmittelbar nach der Paarung verscheucht ein Weibchen das Männchen und legt ab diesem Zeitpunkt ein territoriales Verhalten an den Tag. Anfang August begeben sich die Männchen in ihre Nester zur Winterruhe, spätestens Anfang September folgen die Weibchen. Die Reviergröße einer Kolonie in Höhenlagen beträgt meist nur ein bis zwei Hektar. In der ebene kann sich eine Kolonie durchaus über 100 bis 300 Hektar erstrecken. Belding-Ziesel sind ausgesprochen wachsame Tiere, die sich durch schrille Laute gegenseitig bei Gefahr warnen.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Spermophilus beldingi beldingi Merriam, 1888 LC östliches Kalifornien, nordwestliches Nevada und südliches Oregon
Spermophilus beldingi creber Hall, 1940 LC Nevada, südöstliches Oregon und südwestliches Idaho
Spermophilus beldingi oregonus Merriam, 1889 LC östliches und südliches Oregon und südwestliches Idaho

Verbreitung

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Der Belding-Ziesel findet mit seinen drei Unterarten seine Verbreitung in den westlichen USA, insbesondere im östlichen Kalifornien, nordwestlichen Nevada, südlichen Oregon und dem südwestlichen Idaho. Die genaue Verbreitung der einzelnen Unterarten ist der obigen Tabelle zu entnehmen. Belding-Ziesel sind sowohl in der offenen Prärie in der Ebene als auch in Mittelgebirgslagen beheimatet. In Höhenlagen kann man die Tiere bis in Höhen von gut 550 bis 3.000 Metern über NN. beobachten. <2> Alpines und subalpines Grasland mit kurzem Gras bieten ihnen ideale Lebensbedingungen. Selbst lichte Wälder werden wie bei den meisten Zieseln strikt gemieden. An die Erdoberfläche kommen Belding-Ziesel nur während der Nahrungssuche, ansonsten halten sich die Tiere überwiegend in ihren schützenden Erdbauten auf.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern gehören vor allem räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia) wie Kojoten (Canis latrans), Silberdachse (Taxidea taxus), Langschwanzwiesel (Mustela frenata), Fichtenmarder (Martes americana) und Amerikanische Nerze (Mustela vison). Unter den Vögeln (Aves) und Reptilien (Reptilia) fallen vor allem dem Kiefernhäher (Nucifraga columbiana), der Kiefernatter (Pituophis melanoleucus) und der Prärieklapperschlange (Crotalus viridis) viele Tiere zum Opfer. Die jährliche Mortalitätsrate liegt bezogen auf Prädatoren beim Belding-Ziesel zwischen 5 und 11 Prozent. Nicht selten sterben aber bereits im ersten Jahr über 50 Prozent aller Jungtiere durch Fleischfressern, Krankheiten oder sterben durch Kälteeinwirkung. Nicht minder gefährlich sind die kleinen Plagegeister wie Fleischfliegen (Sarcophagidae), insbesondere Sarcophaga citellivora, die ihre Eier in das Fell der Ziesel legen. Auch Zecken (Ixodida) wie Dermacentor andersoni sind im Fell oft vertreten. Weiter Plagegeister stellen auch Milben (Acari), Tierläuse (Phthiraptera) und Flöhe (Siphonaptera) der Gattungen Monopsyllus und Hystrichopsylla dar. Aber auch Protozoen aus der Gattung Entamoeba wie der Entamoeba citelli setzen der Art stark zu. Problematisch wirken sich Würmer wie Citellinema bifurcatus und andere Bandwürmer (Cestoda) aus. <3>

Ernährung

Belding-Ziesel sind keine reinen Pflanzenfresser, zu einem kleinen Teil fressen sie auch Insekten (Insecta), deren Larven und andere fleischliche Nahrung wie kleine wirbellose Tiere sowie die Eier von Vögeln. Bei Gelegenheit wird auch Aas nicht verschmäht. Hauptbestandteil der Nahrung ist mit rund 90 Prozent jedoch pflanzliche Kost, 10 Prozent entfällt auf tierische Nahrung. Für gewöhnlich besteht die Nahrung aus fettreichen Sämereien, Nüssen, Körnern aller Art, Wurzeln und Knollen sowie Gräser und Kräuter. <4> Belding-Ziesel legen in ihren Erdbauten einen kleinen Vorrat an Nahrung in Form von Sämereien an, der jedoch erst nach Erwachen aus der Winterruhe gefressen wird. Auf Trinkwasser sind die Tiere nicht angewiesen, ihren Wasserbedarf stillen sie ausschließlich über die Nahrung.

Fortpflanzung

Belding-Ziesel erreichen die Geschlechtsreife im Alter von knapp einem Jahr. Die Geschlechtsreife stellt sich also mit Beendigung der ersten Überwinterung ein. Oftmals pflanzen sich Belding-Ziesel jedoch erst im Alter von zwei Jahren fort. Weibchen sind etwa für 4 bis 5 Tage nach Beendigung der Winterruhe empfängnisbereit. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten von Mai bis Mitte oder Ende Juni. Während einer Saison kommt es in allen Verbreitungsgebieten nur zu einem Wurf. Die Geschlechter leben in einer polygamen Beziehung. Die Reviere der Männchen überlappen sich mit denen mehrerer Weibchen. Demnach paart sich ein Männchen mit mehreren Weibchen, anders herum paart sich ein Weibchen meist mit drei bis fünf Männchen. Kurz nach der Paarung werden die Männchen von den Weibchen aus den eigenen Reviere verscheucht und an den Rand der Kolonie gedrängt. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat ein Männchen nichts zu tun. Der Nachwuchs kommt nach einer Tragezeit von 24 bis 26 Tagen im Nest der Mutter zur Welt.
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Bei kalter Witterung kann sich der Zeitraum auch auf bis zu 28 Tagen ausdehnen. Es werden zumeist zwischen zwei und elf, meist jedoch nur sechs bis sieben Jungtiere geboren. Bei Weibchen, die zum ersten Mal Nachwuchs zur Welt bringen, liegt ein Wurf bei 4 bis 5 Jungtieren. Zum Säugen des Nachwuchses verfügen die Jungtiere über fünf Paar Zitzen.

Die Neugeborenen weisen eine Körperlänge von 5,5 bis 5,7 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 0,8 Zentimeter sowie eine Hinterfußlänge von 0,7 Zentimeter auf. Das Geburtsgewicht liegt zwischen 5,5 und 8 Gramm. Die Jungtiere wachsen schnell heran. In den ersten zehn Tagen legen sie rund 10 bis 13 Prozent pro Tag an Gewicht zu. Zwischen dem 11. und 45. Tag steigt ihr Gewicht pro Tag um etwa 6 Prozent. Danach verlangsamt sich das Wachstum deutlich. Bei der Geburt sind die Jungtiere nackt, blind und taub. Das erste Fell stellt sich ab dem vierten Lebenstag ein, die Ohren öffnen sich ab dem 20. Tag, die Augen öffnen sich ab dem 21. Tag. Im Alter von gut vier Wochen hat sich das Fell vollständig entwickelt. Die Säugezeit erstreckt sich über vier, selten auch über fünf Wochen. Die Jungtiere verlassen den Erdbau erstmals Anfang der fünften Lebenswoche. Die Lebenserwartung liegt bei zwei bis vier, selten auch bei sechs Jahren. Weibchen erreichen in aller Regel ein höheres Alter als Männchen.

Ökologie

Der Belding-Ziesel ist zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, jedoch sind die Tiere wie alle Ziesel nur selten zu beobachten, da sie in unzugänglichen Regionen beheimatet sind und sich dort zumeist in ihren Erdbauten aufhalten. An die Erdoberfläche kommen Blending-Ziesel nur während der Nahrungssuche. Den Farmern sind die Tiere ein Dorn im Auge, da sich Rinder und Schafe in den Erdlöchern gelegentlich die Beine brechen oder die Ziesel sich am Saatgut zu schaffen machen. Daher gehen immer mehr Farmer dazu über, Giftköder auszulegen, an denen die Belding-Ziesel jämmerlich eingehen. Im Grunde genommen gehört der Belding-Ziesel zu den Nützlingen, da er die Populationen an Schadinsekten reguliert und auch als Samenverbreiter fungiert. Seine verlassenen Erdbauten dienen anderen Tieren zudem als Unterschlupf. Als nachteilig erweist sich die Tatsache, dass Belding-Ziesel Träger von Flöhen sind, die auch für den Menschen gefährliche Krankheiten übertragen können. Die Tiere gelten auch als Träger von gefürchteten Krankheiten, insbesondere der Tularämie, einer Krankheit, die durch den Erreger Francisella tularensis ausgelöst wird. Dies trifft im übrigen auch auf viele andere Ziesel zu.

Gefährdung und Schutz

Belding-Ziesel gehören heute noch nicht zu den bedrohten Ziesel-Arten. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) wird der Belding-Ziesel nicht geführt. In weiten Teilen der natürlichen Verbreitungsgebiete ist auch der Lebensraum noch intakt. <6>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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