Bengalfuchs

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Bengalfuchs

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hundeartige (Canidae)
Gattung: Echte Füchse (Vulpes)
Art: Bengalfuchs
Wissenschaftlicher Name
Vulpes bengalensis
(Shaw, 1800)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Bengalfuchs (Vulpes bengalensis) zählt innerhalb der Familie der Hundeartigen (Canidae) zur Gattung der Echten Füchse (Vulpes). Im Englischen wird die Art Bengal Fox oder Indian Fox genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde eines dem Bengalfuchs ähnlichen Tieres sind die pleistozänen Überreste des Prototocyon curvipalatus (). Die Funde stammen aus den Siwaliks, der äußersten Vorgebirgskette des südlichen Himalaya. Man geht davon aus, dass Prototocyon curvipalatus der nächste Verwandte des Bengalfuchses ist (Gompper & Vanak, 2006).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Bengalfuchs ist ein relativ kleiner Fuchs. Er ist mit dem Rotfuchs (Vulpes vulpes) verwandt, von dem er sich jedoch leicht unterscheiden lässt. Das Fell des Bengalfuchses ist mehr grau gefärbt und die Schwanzspitze ist schwarz. Markantes Merkmal des Bengalfuchses sind die spitz zulaufende und längliche Schnauze, die langen und spitzen Ohren, sowie der lange buschige Schwanz, der 50 bis 60 Prozent der Kopf-Rumpf-Länge erreicht. Das Fell weist eine gräuliche Färbung auf, ventral ist das Fell deutlich heller gefärbt. Der buschige Schwanz zeichnet sich durch eine schwarz gefärbte Spitze aus. Die Beine sind anders als das dorsale Fell bräunlich bis rötlichbraun gefärbt. Die Ohren weisen innen eine weißliche Behaarung auf, die Außenränder der Ohren sind dunkel abgesetzt. Der Nasenspiegel (Rhinarium) ist nackt und die Lippen sind schwarz gefärbt. Zwischen den einzelnen Populationen und auch saisonal kann es zu Schwankungen in der Fellfärbung kommen. Dorsal weist das Fell eine Länge von 40 bis 50 mm auf, nach proximal nimmt die Haarlänge auf bis zu 60 mm zu. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 3 Paar Zitzen Die Füße der Vorder- und Hinterbeine weisen jeweils 4 Zehen auf.

Der Bengalfuchs erreicht je nach Geschlecht unterschiedliche Maße und Gewichte. Männchen erreichen eine Körperlänge von 390 bis 575 (500) mm, eine Schwanzlänge von 247 bis 320 (289) mm, eine Hinterfußlänge von 110 bis 125 (118) mm, eine Ohrlänge von 68 bis 73 (71) mm, eine Schädellänge von 110,4 mm, eine Condylobasallänge von durchschnittlich 111,2 mm, eine Jochbeinbreite von 64,0 mm, eine Kieferbreite von 18,1 mm, eine Unterkieferlänge von 85,0 mm sowie ein Gewicht von 2,7 bis 3,6 kg. Weibchen bleiben insgesamt kleiner und leichter. Sie erreichen eine Körperlänge von 460 bis 480 (472) mm, eine Schwanzlänge von 245 bis 312 (276) mm, eine Hinterfußlänge von 112 bis 116 (114) mm, eine Ohrlänge von 72 bis 79 (75) mm, eine Schädellänge 115,8 mm, eine Condylobasallänge von durchschnittlich 106,8 mm, eine Jochbeinbreite von 59,6 mm, eine Kieferbreite von 17,0 mm, eine Unterkieferlänge von 81,6 mm sowie ein Gewicht von 1,8 bis 3,0 kg. Das kräftige Gebiss besteht aus 42 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m 2/3 (Gompper & Vanak, 2006; Johnsingh & Jhala, 2004; Nowak, 1999).

Lebensweise

Die überwiegend nachtaktiven Bengalfüchse leben in monogamer Paarbindung. Während der kalten Jahreszeit sind die Tiere gelegentlich auch am Tage aktiv. Sie sind territorial und besiedeln ein Revier in einer Größe von mehreren km². Die Siedlungsdichte liegt je nach Lebensraumqualität und Region bei 0,04 bis 1,63 Tiere je km². Die Siedlungsdichte gemessen nach Familiengruppen liegt bei 0,01 bis 0,15 je km². Während der Ruhephasen halten sich Bengalfüchse in Erdbauten oder an ähnlich geschützten Orten auf. Bengalfüchse haben eine Vorliebe für offene Lebensräume, eine dichte Vegetation wird stets gemieden (Gompper & Vanak, 2006; Johnsingh & Jhala, 2004; Nowak, 1999).

Verbreitung

Der Bengalfuchs ist im Wesentlichen auf dem indischen Subkontinent endemisch. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich in Ost-West-Richtung vom südöstlichen Bangladesch westlich bis ins südliche und östliche Pakistan. In Nord-Süd-Richtung reichen die Vorkommen von Nepal bis ins südliche Indien. Gesichtet wurden Bengalfüchse auch in Afghanistan und dem Iran. Die Sichtungen sind jedoch nicht wissenschaftlich belegt. Bengalfüchse besiedeln hauptsächlich semiaride Landschaften in der Ebene und im Hügelland. Sie sind daher vor allem im Grasland, Busch- und Dornbuschsavannen sowie in lichten Laub- und Trockenwäldern anzutreffen. Strikt gemieden werden hingegen dichte Wälder, felsige und steile Berge und Wüstenregionen. In Höhenlagen der Himalayaausläufer sind die Tiere in Höhen von 1.350 bis 1.500 Meter über NN verbreitet. Bengalfüchse meiden auch die Nähe zum Menschen nicht. So sind sie auch auf landwirtschaftlichen Flächen und in der Nähe von menschlichen Siedlungen anzutreffen (Gompper & Vanak, 2006; Rodgers et al., 2000; Johnsingh & Jhala, 2004; Nowak, 1999).

Biozönose

Konkurrenz

Bengalfüchse leben je nach Lebensraum und Vorkommen in Konkurrenz zu anderen Raubtieren (Carnivora). Die Vorkommen überlappen sich insbesondere mit dem Rotfuchs (Vulpes vulpes). Interaktion agonistischer Art wurden auch zwischen Bengalfüchsen und Indischen Mungos (Herpestes edwardsii) beobachtet. Zu den weiteren Konkurrenten um Nahrung und Lebensraum zählen der Wolf (Canis lupus) und der Goldschakal (Canis aureus) (Gompper & Vanak, 2006).

Parasiten

Prädator: der Wolf (Canis lupus)
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Prädator: der Wolf (Canis lupus)

In der Feldforschung konnten zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen werden. Bengalfüchse sind lokal mehr oder weniger stark von Fadenwürmern (Nematoda) wie Dirofilaria immitis und Subulura numidica befallen. Zu den nachgewiesenen Ektoparasiten gehören Tierläuse (Phthiraptera) wie Trichodectes canis, Linognathus setosus und Linognathus vulpis, Flöhe (Siphonaptera) wie der Katzenfloh (Ctenocephalides felis), Zecken (Ixodida) wie Haemaphysalis heinrichi und Haemaphysalis bispinosa (Gompper & Vanak, 2006).

Prädatoren und Mortalität

Zu den natürlichen Feinden der Bengalfüchse zählen insbesondere Wölfe (Canis lupus), verwilderte Haushunde und Greifvögel (Falconiformes). Weit schwerwiegender wiegt jedoch die anthropogene Mortalität. Der Bengalfuchs wird vom Menschen wegen des Felles und des Fleisches gejagt. Für die Jagd werden vor allem Haushunde eingesetzt (Gompper & Vanak, 2006).

Ernährung

Bengalfüchse sind opportunistische Allesfresser. Sie ernähren sich sowohl von pflanzlicher Kost als auch von Fleisch. Zu den Beutetieren gehören kleinere Säugetiere (Mammalia), Vögel (Aves), kleinere Kriechtiere (Reptilia) und Insekten (Insecta) und andere Gliederfüßer (Arthropoda). Weit oben auf der Speisekarte stehen insbesondere Hasen (Leporidae) und Nagetiere (Rodentia). Zu den beliebtesten Futterpflanzen zählen Hülsenfrüchtler (Fabaceae) wie Arachis hypogea, Röhren-Kassien (Cassia fistula), Kichererbse (Cicer arietinum) und Zizyphus mauritiana, Mahagonigewächse (Meliaceae) wie Niembaum (Azadirachta indica) und Melia azedarachta, Maulbeergewächse (Moraceae) wie Feigen (Ficus), Sumachgewächse (Anacardiaceae) wie Mangos (Mangifera). Die Nahrungszusammensetzung kann je nach Lebensraum und auch saisonal stark schwanken. Der Bengalfuchs stellt auch am Boden brütenden Vögeln nach. Hier sind insbesondere die Eier und Küken der Hindutrappe (Ardeotis nigriceps) zu nennen (Gompper & Vanak, 2006; Johnsingh & Jhala, 2004; Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich in den nördlichen Regionen des Verbreitungsgebietes von Dezember bis in den Januar hinein. Im südlichen Indien kann sich die Paarungszeit auch über das ganze Jahr erstrecken. Die meisten Geburten fallen in die Monsunzeit von Januar bis Mai. Nach einer Tragezeit von 50 bis 53 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Bau 2 bis 4 (2,7) Jungtiere zur Welt. Die Jungen sind bei der Geburt sowohl taub als auch blind. Sie weisen eine Länge von 185 bis 190 mm und ein Gewicht von 52 bis 65 Gramm auf. Um die Aufzucht und den Schutz der Welpen kümmern sich beide Elternteile. Gelegentlich sind an der Aufzucht auch subadulte Tiere aus dem letzten Wurf beteiligt. Die ersten Lebenswochen bleiben die Jungen als Nesthocker im Erdbau. Erst später sind sie auch vor dem Bau zu beobachten. Die Säugezeit und auch der Zeitpunkt der Geschlechtsreife sind nicht bekannt. Die Lebenserwartung liegt bei etwa 6 bis 8 Jahren (Gompper & Vanak, 2006; Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Bengalfuchs zählt heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In dem großen Verbreitungsgebiet kommt der Bengalfuchs nur in einer geringen Siedlungsdichte vor. Lokal kommt es zudem zu großen Schwankungen in der Siedlungsdichte. In einigen Regionen ist der Bengalfuchs bereits völlig verschwunden. In anderen Regionen wie in Gujarat, Maharashtra und Rajasthan kommt die Art noch relativ häufig vor. In den südindischen Bundesstaaten Karnataka und Tamil Nadu sind Bengalfüchse aufgrund der hohen Siedlungsdichte des Menschen mittlerweile vom Aussterben bedroht. Die Siedlungsdichte richtet sich im Wesentlichen nach der Verfügbarkeit von Beutetieren und anthropogenen Einflüssen. Lokal stellt der Mensch den Tieren auch wegen des Felles und Fleisches nach. In Indien steht der Bengalfuchs unter Schutz und darf nicht gejagt werden. Im Washingtoner Artenschutzabkommen wird die Art nicht geführt (Gompper & Vanak, 2006).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) sind Bengalfüchse unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind chrysurus (Gray, 1837), hodgsonii Gray, 1837, indicus (Hodgson, 1833), kokree (Sykes, 1831), rufescens (Gray, 1834) und xanthura Gray, 1837. Alle genannten Synonyme sind ungültig.

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Hunde (Canidae)
  • Die Ordnung der Raubtiere (Carnivora)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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